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Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew

russischer Unternehmer, Milliardär und Sportsponsor
Dmitri Rybolowlew (2012)

Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew (russisch Дмитрий Евгеньевич Рыболовлев; * 22. November 1966 in Perm) ist ein russisch-zypriotischer Unternehmer, Sportsponsor und seit 2011 Besitzer des französischen Fußball-Erstligisten AS Monaco.[1] Das Forbes Magazine rechnet ihn mit einem Privatvermögen von rund 6,8 Milliarden US-Dollar (2019) zu einem der reichsten Menschen der Erde.[2]

Rybolowlew macht seit 2015 durch seine Rolle als angebliches Opfer eines Kunsthandelbetrugs, der Affaire Yves Bouvier, durch den Schweizer Kunsthändler Yves Bouvier Schlagzeilen.[3]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Rybolowlew studierte Medizin in Perm. 1990 wurde er promoviert und arbeitete kurzzeitig als Kardiologe in den medizinischen Unternehmen seines Vaters.[4] Anschließend ging er nach Moskau, wo er erfolgreich an der Börse spekulierte, eine Investorengesellschaft und eine Privatbank gründete.[5]

Unmittelbar nach dem Ende des Kommunismus baute er den Düngemittelhersteller Uralkali auf.[6] Sein finanzieller Aufstieg erfuhr jedoch 1996 eine Unterbrechung, als der als „Kali-König“ (Potash King) bezeichnete[7] Rybolowlew als angeblicher Auftraggeber des Mordes an einem Konkurrenten für ein knappes Jahr im Gefängnis saß, bis er letztendlich wegen Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, nachdem ein Zeuge seine Aussage widerrufen hatte.[8][9][10]

Rybolowlew verließ daraufhin Russland und lebt seitdem wechselnd in New York City, Monaco und Cologny am Genfersee.[9] Als er dort einen Nachbau des Versailler Schlosses Petit Trianon errichten wollte, untersagten ihm dies die Schweizer Behörden wegen einer deutlichen Überschreitung der zulässigen Gebäudehöhe.[11] Sein Aktienpaket bei Uralkali verkaufte er im Jahr 2010 – offenbar auch unter persönlichem Druck durch Wladimir Putin – für über 5 Mrd. $ an Suleiman Kerimow, Alexander Nesis und Filaret Galtschew.[12] In Genf gründete er ein weiteres Handelsunternehmen, das an der London Stock Exchange 2005 einen „aufsehenerregenden Einstieg“ hatte.[8]

2008 übernahm er von Donald Trump dessen „Haus der Freundschaft“ (Maison de l’amitié) am Strand von Palm Beach; 2011 erwarb er für seine Tochter Jekaterina ein Appartement am New Yorker Central Park, dessen Kaufpreis (88 Mio. $) laut Forbes die „größte Transaktion einer Einzelperson in der Geschichte der Stadt“ darstellte. Als weitere äußerliche Attribute seines Reichtums besitzt er eine auf rund 700 Mio. $ taxierte Gemäldesammlung mit Werken von Pablo Picasso und Vincent van Gogh, zwei Privatflugzeuge, darunter einen Airbus A319, und eine 100-Mio.-Dollar-Yacht.[5]

2010 erwarb Rybolowlew über sein Finanzvehikel „Odella Resources Ltd.“, dessen Hauptsitz sich auf der britischen Offshore-Steueroase Jungferninseln befand, 9,7 % der Anteile der größten Bank Zyperns, der Bank of Cyprus, die an der Börse in Nikosia gehandelt wurde.[13][14] 2012 wurde sein Anteil als 5,01 % angegeben.[15] Im Jahr darauf kollabierte Zyperns Bankensystem, was Rybolowlew’s Anteil an der Bank vernichtete und ihm laut seines Anwalts einen Verlust von rund $600 Millionen verursachte.[16] Laut Website der Bank of Cyprus wird Rybolowlew seit 2013 nicht mehr als Anteilshaber geführt.[17]

Affaire Yves BouvierBearbeiten

Rybolowlew soll mit Unterstützung des Kunstberaters Yves Bouvier Kunst im Wert von zwei Milliarden SFR erworben haben, darunter das Bild Nu sur coussin bleu von Amedeo Modigliani für 118 Millionen USD, das Gemälde Salvator mundi von Leonardo da Vinci für 127,5 Millionen USD sowie weitere Kunstwerke von Picasso, Gauguin, Rothko, Matisse und Rodin.[18] 2015 wurde Bouvier, der auch Zollfreilager für Kunst in Singapur betreibt, in Monaco auf Grund einer Anzeige Rybolowlews wegen Betrugs kurzzeitig festgenommen.[19]

Bouvier soll Rybolowlew zu verstehen gegeben haben, dass er als Mittelsmann tätig und nicht der Eigentümer der Bilder sei.[20][21] Zwei Prozent Provision soll er als Kunstvermittler von Rybolowlew verlangt haben.[22] Angeblich kaufte aber der Schweizer Kunsthändler die Kunstwerke selber, um sie dann weiter an Rybolowlew zu veräußern. Gemäß Rybolowlews Anwalt prellte Bouvier mit diesem Vorgehen den russischen Milliardär um 500 Millionen bis 1 Milliarde USD an Margen. Den Betrug entdeckte Rybolowlew 2014 während einer Silvesterparty in New York, als er sich mit Sandy Heller, dem Berater des Kunstsammlers Steven A. Cohen, unterhielt. Dieser erklärte ihm, Cohen hätte das Bild Nu sur coussin bleu für 93,5 Million USD veräußert. Kurze Zeit später, im März 2012, verkaufte Bouvier das Bild für 118 Million USD an Rybolowlew.[23]

Bouvier wird deshalb des Interessenkonflikts beschuldigt, da er einerseits Inhaber der Zollfreilager sei, dem seine Kunden ihre wertvolle Kunst anvertrauen, andererseits als Kunsthändler agiere.[24]

Im Januar 2015 reichte die Stieftochter von Pablo Picasso, Catherine Hutin-Blay, eine Klage gegen Bouvier wegen Hehlerei ein.[25] Gemäß Hutin-Blay verkaufte Bouvier zwei Bilder von Picasso, Frauenporträt und Spanierin mit Fächer, sowie ein Skizzenbuch ohne ihr Einverständnis an Rybolowlew. Aus Bouviers Pariser Lagerunternehmen Art Transit, in welcher Hutin-Blay ihre Kunst aufbewahrte, soll ein Geschäftspartner Bouviers diese entnommen und an Rybolowlew für 27 Millionen Euro veräußert haben.[26][27]

Am 14. September wurde dann das Strafverfahren gegen Bouvier in Paris eröffnet. Gegen eine Kaution von 27 Millionen Euro kam er frei.[28] Am 24. September 2015 übergab Rybolowlew aus eigener Initiative beide Gemälde der französischen Polizei.[29]

Im November erbrachte das Gemälde Salvator mundi, dessen Urheberschaft durch Leonardo da Vinci strittig ist, bei einer Versteigerung durch Christie’s den Rekorderlös von über 450 Mio. US-$ an Rybolowlew.[30]

Im Zusammenhang mit der Affäre kam ans Licht, dass leitende monegassische Polizei- und Justizvertreter von Rybolowlew Geschenke annahmen, und in der Folge trat der monegassische Justizminister Philippe Narmino 2017 von seinem Amt zurück.[31]

Am 6. November 2018 wurde Rybolowlew unter dem Vorwurf der Korruption in Monaco verhaftet.[32][33]

EU-StaatsbürgerschaftBearbeiten

Rybolowlew erkaufte sich 2012 die Staatsbürgerschaft der Republik Zypern und ist damit EU-Bürger.[34]

SportsponsoringBearbeiten

Rybolowlew gehörte unter anderem gemeinsam mit Roman Abramowitsch und Wladimir Potanin zu den Finanziers einer Stiftung, die russische Olympioniken unterstützt und deren Aufsichtsgremium Russlands Ministerpräsident Medwedew vorsitzt. Sein Versuch, bei FK Dinamo Minsk als Investor einzusteigen, scheiterte.

As MonacoBearbeiten

Ende übernahm Rybolowlew 2011 durch sein Unternehmen Monaco Sport Invest 67 Prozent der Anteile an der Kapitalgesellschaft (Société Anonyme Sportive Professionnelle) des AS Monaco, zu einer Zeit, als der Verein sportlich am Boden lag, für den symbolischen Preis von 1 Euro.[35] Er wurde daraufhin Präsident des Vereins und sagte dem 2011 in die zweite französische Fußballliga abgestiegenen und selbst dort in der Saison 2011/12 um das sportliche Überleben kämpfenden Verein Investitionen von mindestens 100 Mio. Euro für die kommenden vier Jahre zu.[35][36]

Seine ältere Tochter Jekaterina ist 2013 ebenso Mitglied des Verwaltungsrats der AS Monaco wie Rybolowlews persönliche Anwältin Tatjana Berscheda.[37]

Unter Rybolowlews Führung gehörte die AS Monaco im Sommer 2013 zu den Fußballvereinen in Europa, die das meiste Geld für Spielertransfers ausgegeben hatten, insgesamt rund 140 Millionen englische Pfund für Falcao, James, João Moutinho, Éric Abidal und Ricardo Carvalho.[38] Im selben Jahr stieg der Verein wieder in die Ligue 1 auf, und wurde 2017 schließlich französischer Meister mit der besten Offensive im europäischen Fußball.[39]

SonstigesBearbeiten

PrivatesBearbeiten

Der als medienscheu geltende Russe ist seit 1987 verheiratet und zweifacher Vater. Von seiner Frau Jelena Rybolowlewa lebt er in Scheidung, wobei er nach sechs Jahren dauernden Scheidungsverhandlungen im März 2014 zu einer Zahlung von gut vier Milliarden Schweizer Franken verurteilt wurde,[40] was diese zur teuersten der Welt gemacht hätte.[41] In zweiter Instanz aber strich ein Berufungsgericht im Juni 2015 diese Summe auf 564,7 Millionen Franken (rund 520,8 Millionen Euro) zusammen.[42]

Ende November 2015 gaben dann Dmitri und Jelena Rybolowlewa bekannt, dass sie eine Vereinbarung über die Bedingung ihrer Ehescheidung getroffen haben. Demzufolge haben beide Parteien zugestimmt, sämtliche Rechtsverfahren in der Scheidungssache und den Nebenverfahren in jeder beliebigen Jurisdiktion einzustellen und alle Forderungen gegen die jeweils andere Partei sowie gegen nahestehende Personen und Unternehmen endgültig fallen zu lassen.[43] Eine Summe wurde nicht genannt, wird aber auf 564,7 Millionen Franken (rund 520,8 Millionen Euro) geschätzt.[42]

Rybolowlew ist sportlich vielseitig interessiert, unter anderem an Skifahren, Reitsport und Fußball.

LiteraturBearbeiten

  • „Rybolovlev, le mystère de l’Est“, France Football vom 3. Januar 2012, S. 26/27.
  • Markus Dettmer und Christian Reiermann: Hering und Wodka. In: Der Spiegel 5. November 2012, S. 20–22.
  • Benjamin Bidder: Oligarch Rybolowlew auf Zypern: Der große Schweiger, Spiegel online 23. März 2013.
  • „Monaco – qui veut la peau de «Rybo»?“, France Football vom 25. Juni 2013, S. 16–23.
  • „Mystères Rybolovlev“, France Football vom 8. Juli 2014, S. 48–50.
  • Leo Müller: Im Wilden Westen, BILANZ vom 27. November 2015, S. 146–151 – Detaillierte Einblicke in den Fall Rybolovlev – Bouvier. Ein Schweizer Wirtschaftsjournalist deckt die Machenschaften von Yves Bouvier auf.

Anmerkungen und NachweiseBearbeiten

  1. Russe Dmitri Rybolowlew kauft Mehrheitsanteile des AS Monaco. Abgerufen am 4. März 2019.
  2. Dmitry Rybolovlev. Abgerufen am 4. März 2019 (englisch).
  3. Streit zwischen Händler und Oligarch: Kunstmarktkrimi in Monaco wird zur Staatsaffäre. Abgerufen am 4. März 2019.
  4. Le Point, http://www.lepoint.fr/sport/football/quand-l-argent-fait-le-president-5-dmitry-rybolovlev-les-six-vies-de-l-autre-prince-de-monaco-31-12-2013-1775774_1858.php. Download im Januar 2014.
  5. a b France Football (2012), S. 26
  6. Wie ein Oligarch von Basel aus eine Industrie erobern will. Abgerufen am 4. März 2019 (Schweizer Hochdeutsch).
  7. siehe Rybolowlews Biographie bei Business Insider
  8. a b France Football (2012), S. 27
  9. a b Michael Hartmann: Die globale Wirtschaftselite: Eine Legende. Campus Verlag, 2016, ISBN 978-3-593-50610-4 (google.fr [abgerufen am 4. März 2019]).
  10. Dances With Bears: Russia's Potash King Is Getting Destroyed By A $12 Billion Divorce. Abgerufen am 4. März 2019.
  11. siehe den Abschnitt „Un petit Versailles sur Léman“ in einem Artikel vom 22. April 2008 bei swissinfo.ch
  12. siehe die Biographie Rybolowlews vom 15. Dezember 2011 auf der Website von France Télévisions
  13. Reuters 2010
  14. Zyperns Banken: verstaatlicht oder im ausländischen Streubesitz, Wiener Zeitung 18. März 2013
  15. Annual Financial Report 2012. In: Bank of Cyprus. 31. Dezember 2012, abgerufen am 18. April 2019.
  16. Andrew Higgins: New Commerce Secretary Was No Friend to Russians at Cyprus Bank. In: The New York Times. 6. März 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 18. April 2019]).
  17. Annual Financial Report 2013. In: Bank of Cyprus. 31. Dezember 2013, abgerufen am 18. April 2019.
  18. Stephanie Baker und Hugo Miller: The Billionaire, the Dealer, and the $186 Million Rothko, in: Bloomberg Markets, 28. April 2015
  19. Jörg Häntzschel: „Man will mich in den Gulag schicken“, in: Süddeutsche Zeitung, 9. März 2015
  20. Stéphane Sellami: Dmitry Rybolovlev: «Nous avons été trahis», in: Le Parisien, 25. September 2015
  21. Leo Müller: Die suspekten Praktiken im privaten Kunsthandel, in: Bilanz, 8. Januar 2016
  22. Stephanie Baker und Hugo Miller: The Billionaire, the Dealer, and the $186 Million Rothko, in: Bloomberg Markets, 28. April 2015
  23. Leo Müller: Die suspekten Praktiken im privaten Kunsthandel, in: Bilanz, 8. Januar 2016
  24. Eileen Kinsella: Gagosian Says Freeport King Yves Bouvier's Activities Pose 'Terrible Conflict of Interest, auf: artnet News, 24. September 2015
  25. Olga Grimm-Weissert: Warnung für die Nutzer von Zollfreilagern, in: Handelsblatt, 15. Oktober 2015
  26. Jörg Häntzschel: Hat „Freeport-König“ Bouvier gestohlene Picassos verkauft?, in: Süddeutsche Zeitung, 16. September 2015
  27. Olga Grimm-Weissert: Erneut angeklagt, in: Handelsblatt, 17. September 2015, Seite 47
  28. Harry Bellet: L’homme d’affaires Yves Bouvier mis en examen pour recel de deux Picasso volés, in: Le Monde, 15. September 2015
  29. Alexis Favre: Dmitri Rybolovlev remet deux Picasso à la justice française, in: Le Temps, 24. September 2015
  30. Leonardo-Auktion: Warum dieses Bild das teuerste der Welt ist“ vom 16. November 2017 bei spiegel.de
  31. Handelsblatt am 14. September 2017: Oligarchen-Krimi im Steuerparadies. Justizminister von Monaco tritt zurück. (abgerufen am 20. August 2018.)
  32. Kurier am 6. November 2018: AS-Monaco-Besitzer Ryboloblew verhaftet (abgerufen am 7. November 2018.)
  33. Le président de l’AS Monaco perquisitionné et placé en garde à vue (fr-FR). In: Le Monde.fr. 
  34. Sara Farolfi, David Pegg und Stelios Orphanides: Cyprus 'selling' EU citizenship to super rich of Russia and Ukraine. The Guardian vom 17. September 2017
  35. a b Oliver Meiler: Gekauft für nur einen Euro. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 4. März 2019]).
  36. Siehe den Artikel (Memento des Originals vom 28. November 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeit.de bei Zeit.de; nach tf1.fr vom November 2011 könnten es sogar 200 Mio. Euro werden.
  37. France Football (2013), S. 21.
  38. http://www.ligue1.com/ligue1/article/monaco-clinch-title-nantes-and-guingamp-promoted.htm
  39. Monacos Erfolgsgeschichte: Innerhalb von vier Jahren von Liga zwei zum Meistertitel. 18. Mai 2017, abgerufen am 4. März 2019 (deutsch).
  40. Die teuerste Scheidung aller russischen Oligarchen. Abgerufen am 18. April 2019.
  41. Dünger-König muss vier Milliarden zahlen www.blick.ch
  42. a b RP ONLINE: Russischer Oligarch: Diese Scheidung kostet über 520 Millionen Euro. Abgerufen am 18. April 2019.
  43. Russischer Oligarch von Frau getrennt www.bild.de

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien