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Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird.[1] Eine disruptive Idee ist nicht einfach eine Weiterentwicklung eines Produktes, sondern eine komplette Neuentwicklung mit ganz neuen Ansätzen. Sie sorgt – übertragen auf die Unternehmenswelt – dafür, dass bestehende Strukturen und Organisationen aufgebrochen und bei Erfolg zerstört werden.[2]

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung des BegriffsBearbeiten

Das neudeutsche Wort Disruption[3] (bzw. disruptiv) wurde aus dem Englischen übernommen, wo disruption - abgeleitet vom lateinischen Verb disrumpere (zerreißen, zerbrechen, zerschlagen, bzw. passivisch: platzen) - so viel wie Unterbrechung, Störung, Bruch, Unordnung oder Zerstörung bedeutet.

Das Wort Disruption trat vereinzelt erstmals Mitte der 1990er Jahre in Printmedien im Kontext Mikrobiologie bzw. Werbung auf. Etwa ein Jahrzehnt später wurde es gelegentlich im Zusammenhang mit technologischen Neuerungen verwendet. Seit 2015 häufte sich der Gebrauch des Begriffs Digitale Disruption im Kontext von Wirtschaft und Gesellschaft, besonders in der Start-up-Szene.[4]

1997 legte Clayton M. Christensen in seinem Buch The Innovator's Dilemma seine Theorie der disruptiven Technologie dar. Er behauptete, jedes etablierte Unternehmen werde irgendwann durch eine existenzvernichtende Revolution bedroht, doch seien diese disruptiven Prozesse in funktionierenden Märkten unvermeidlich und notwendig für den Fortschritt.[5]

Disruption als Kriterium für Startup-UnternehmenBearbeiten

Das Wort Start-up wird in der Gründerszene fast inflationär benutzt, doch nicht jedes junge und innovative Unternehmen ist ein Start-up. Die Besonderheit, die ein solches ausmacht, ist die Kraft zur Disruption. Ein Startup muss eine disruptive Idee besitzen, die dafür sorgt, dass bestehende Strukturen und Organisationen aufgebrochen und im Erfolgsfall zerstört werden. Das ist jedoch keineswegs negativ und destruktiv gemeint, sondern vielmehr positiv und progressiv. Start-ups sollen durch neue, ganz besondere Konzepte die bisherigen Produkte, Arbeitsweisen und Abläufe derart optimieren, dass diese mangels Konkurrenzfähigkeit obsolet werden, untergehen und verschwinden. Die Disruption soll alte Strukturen durch komplett neue – meist einfachere oder bequemere, vor allem effektivere – ersetzen. Eine disruptive Idee bedeutet nicht eine simple Weiterentwicklung eines Produktes, sondern statt dessen eine komplette Neuentwicklung mit ganz neuen Ansätzen, wodurch bestimmte Geschäftsmodelle und sogar ganze Branchen obsolet werden.

Durch Disruption schlägt die Evolution um in Revolution.[6]

Disruption durch DigitalisierungBearbeiten

Durch die fortschreitende Digitalisierung geschehen heutzutage mehr Umbrüche als früher – und diese erfolgen oft auch deutlich schneller. Da deshalb ein bislang analoges Produkt oder eine meist analoge Struktur oft durch digitale Abläufe oder eine rein digitale Dienstleistung ersetzt werden, spricht man bei disruptiven Konzepten häufig auch von einer „digitalen Revolution“. Diese oder andere ähnlich klingende Wortschöpfungen werden gebraucht, weil es noch keine richtige deutsche Übersetzung für das gibt, was mit Disruption gemeint ist.[7] Doch ist auch zu beachten, das Digitalisierung nicht in jedem Fall Disruption bedeutet.[8]

Beispiele für DisruptionBearbeiten

Digitalisierung der MedienBearbeiten

Einst schlossen Musiker und Bands Verträge mit Verlagen, die Werbung und Marketing betrieben und über einen Vertriebspartner die LPs oder Kassetten in den Einzelhandel und an die Verbraucher brachten. Die Entwicklung der CD in den 1970er Jahren führte noch nicht zu einer Disruption, denn die Hersteller von LPs und Plattenspieler konnten die Produktion auf die neue Technologie umstellen und für den Handel änderte sich wenig.[9] Ein erster disruptiver Umbruch kam durch MP3-Dateien. Nun konnten Musikstücke über Internet verkauft und getauscht werden, wodurch CD-Presswerke und -Vetrieb, Plattenläden und andere Zwischenschritte wegfielen. Dann erlebte auch diese Form des Musikbusiness eine disruptive Verdrängung durch das Streaming.[10]

Bei Videos, Computerspielen, Software und Büchern gab es ähnliche Entwicklungen.

WissenserwerbBearbeiten

Wollte man früher etwas detailgenau und garantiert sicher wissen, musste man es in Fachbüchern oder Lexika nachschlagen. Wenn man diese nicht besaß, musste man sie sich im Buchhandel kaufen oder eine Bibliothek aufsuchen. Heute ersetzt das schier unendliche Internet mit einer Unzahl von Informationen, beispielsweise in dem kostenlosen Wikipedia das gedruckte Wissen. Auch wenn die Suche im Internet mühsam und die Richtigkeit der Informationen ungewiss sein mögen, sind sie aktueller als jedes Bücherwissen. Die gedruckte 30-bändige Brockhaus Enzyklopädie jedenfalls wird nicht mehr verlegt.[11]

TelekommunikationBearbeiten

Wer unter jungen Leuten kennt noch das Einheitstelefon der Post mit Wählscheibe? Selbst die Handys sind mehr als überholt von Smartphones mit ihrer Vielfalt mobiler Apps: neben Telefonie auch als Notizbuch, Pulsmesser, Foto- und Videokamera, Musikspieler, Spielekonsolen, Informationsmedium etc.[12]

Auswirkungen auf die GesellschaftBearbeiten

Zwar geht die Disruption von der Technologie aus, doch werden davon auch Verfahren, Denkweisen, Prozesse, Systeme und ganze Kulturen betroffen.[13]

LiteraturBearbeiten

  • Christensen, Clayton M.: The innovator's dilemma: when new technologies cause great firms to fail. Boston, Massachusetts, Harvard Business School Press, 1997. ISBN 978-0-87584-585-2.
  • Galloway, Scott: The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google. Plassen Verlag, Kulmbach, 2017. ISBN 978-3-86470-487-1.
  • Meyer, Jens-Uwe: Digitale Disruption: Die nächste Stufe der Innovation. BusinessVillage GmbH, Göttingen 2016. ISBN 978-3-86980-345-6.
  • Mutius, Bernhard von: Disruptive Thinking: Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist. GABAL Verlag GmbH, Offenbach 2017. ISBN 978-3-86936-790-3

WeblinksBearbeiten

  • StartupWissen [14]
  • Gruenderszene [15]
  • Der Mythos Disruption [16]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gruenderszene [1]
  2. startupwissen [2]
  3. startupwissen.biz:„Wirtschaftswort des Jahres“ 2015[3]
  4. startupwissen.biz[4]
  5. Gruenderszene[5]
  6. startupwissen.biz[6]
  7. startupwissen.biz[7]
  8. Der Mythos Disruption[8]
  9. Gruenderszene [9]
  10. startupwissen.biz[10]
  11. startupwissen.biz[11]
  12. startupwissen.biz[12]
  13. Der Mythos Disruption [13]