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Die Disjunktion ist in der Ökologie ein Teilareal (Exklave), das vom übrigen Verbreitungsgebiet einer Pflanzen- oder Tierart räumlich getrennt wurde und mit den üblichen Verbreitungsmitteln dieser Art nicht überbrückt werden kann, aber noch ein Habitat darstellt.

Disjunktion ist beispielsweise Folge von Bestands- und Arealverlusten. So können durch Eisvorstöße während der Eiszeiten Gebiete voneinander getrennt worden sein. Umgekehrt blieben nach einer neuerlichen Klimaänderung oft nur weit voneinander entfernte Reliktpopulationen übrig, beispielsweise in Gebirgen oder kühleren Zonen. Bekannt ist insbesondere die arkto-alpine Disjunktion, die eine direkte Folge expansiver Ausbreitung während der Kaltzeiten und Isolation während der Warmzeiten ist. Ursprünglich breiteten sich alpine und arktische auch in den periglazialen Tundren in den Flach- und Hügelländern in Mittel- und Südeuropa aus. Nach Ende der Eiszeiten wanderten diese sowohl in höhere Breiten, als auch in höhere Lagen. Im Zwischenraum zwischen den Europäischen Gebirgen und der Arktis starben die Arten dabei aus. Diese Arten gelten daher in Mittel- und Südeuropa als eiszeitliche Relikte, die allgemein Glazialrelikte sind. Sie haben in den wärmeren Gebirgen nur in mikroklimatischen Gunsträumen überdauert, viele Arten benötigen dabei auch Landschaften die durch Frostwirkung eine periglaziale Morphodynamik haben.

Diese arkto-alpine Verbreitung gliedert sich in vier Untertypen:[1]

  • Zirkum arkto-alpin oder nordamerikanisch-eurosibirisch arkto-alpin (Circ Arct-Alp)
  • Amphiatlantisch arktisch-alpin oder Nordamerikanisch-Europäisch (W-Sibirisch) arkto-alpin (Amph Atl. Arct-Alp)
  • Eurasisch arkto-alpin oder eurosibirisch arkto-alpin (EAs Arct-Alp)
  • Europäisch arkto-alpin (Eu Arct-Alp)

Für die (Sub-)Population in einer solchen Disjunktion kann diese Trennung der Beginn einer neuen Artbildung (Speziation) sein. Verliert die Disjunktion die Habitatfunktion (wird also unbewohnbar), kann die Population nicht migrieren und stirbt zwangsläufig aus. Die Artbildung erfolgt also entweder durch spezialisierende Anpassung an das lokale Habitat bei gleichbleibenden Verhältnissen oder durch notwendige Anpassung an Veränderung der Disjunktion.

Mit dem Trittsteinkonzept versucht man, einer Disjunktion entgegenzuwirken.

LiteraturBearbeiten

  • Volker Storch, Ulrich Welsch, Michael Wink: Evolutionsbiologie. 2. Auflage, Springer 2007, ISBN 978-3-540-36072-8, S. 37–38.

WeblinksBearbeiten

  • disjunkte Verbreitung, Stichwort bei Wissenschaft-Online, Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft (abgerufen am 31. Juli 2013)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vladmir Stevanović, Snežana Vukojičić, Jasmina Šinžar-Sekulić, Maja Lazarević, Gordana Tomović, Kit Tan: Distribution and diversity of Arctic-Alpine species in the Balkans. Plant Systematics and Evolution, Dezember 2009, 283.219, (PDF)