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Dinan [dinã] ist eine Stadt im Westen Frankreichs und Unterpräfektur des Département Côtes-d’Armor mit 14.222 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016). Diese bretonische Stadt ist von einem beeindruckenden Ring an Stadtmauern umgeben. Strategisch für den Verkehr zwischen der Normandie und der nördlichen Küste der Bretagne gelegen, wurde Dinan überwiegend auf einem Hügel erbaut. Die Altstadt liegt etwa 75 m über dem Fluss Rance, der nach Norden fließt und zwischen Saint-Malo und Dinard in den Ärmelkanal mündet. Dinan stellte lange Zeit den nördlichsten Punkt zum Überqueren der Rance und ihres breiten Mündungsdeltas dar. Durch den Bau des Canal d’Ille-et-Rance wurde eine schiffbare Verbindung mit der Hauptstadt Rennes hergestellt.

Dinan
Wappen von Dinan
Dinan (Frankreich)
Dinan
Region Bretagne
Département Côtes-d’Armor
Arrondissement Dinan
Kanton Dinan (Hauptort)
Gemeindeverband Dinan Agglomération
Koordinaten 48° 27′ N, 2° 3′ WKoordinaten: 48° 27′ N, 2° 3′ W
Höhe 7–92 m
Fläche 8,71 km2
Einwohner 14.222 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 1.633 Einw./km2
Postleitzahl 22100
INSEE-Code
Website http://www.mairie-dinan.com/

Dinan mit seinen alten Stadtmauern

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Erdhügelburg (Motte) von Dinan
 
Statue von Bertrand du Guesclin in Dinan
 
Der Hafen von Dinan
 
Blick auf Dinan mit Kirche Saint-Malo

Die Geschichte Dinans ist seit dem 11. Jahrhundert bekannt, obwohl der Ort wahrscheinlich bereits seit der Antike besiedelt war. Zu dieser Zeit war er ein Marktflecken, in dem sich ein Benediktinerkonvent niederließ. Bekannt wurde die Burg von Dinan in einer Darstellung auf einem Fragmente der Teppiche von Bayeux. Darauf ist dargestellt, wie die Erdhügelburg des Ortes von den Soldaten Wilhelm des Eroberers angegriffen wurde. Es handelt sich um die wichtigste historische Darstellung dieser mittelalterlichen Burgform, die sich wegen ihrer Holzbauweise nicht erhalten hat.

Im 12. Jahrhundert erwähnte ein arabischer Geograf Dinan in seinen Aufzeichnungen, in denen er von dem Wohlstand und einer aus Stein gebauten Mauer berichtete. Dieser Anfang einer Befestigungsanlage wurde bis zum 15. Jahrhundert weiter verstärkt. Auf Betreiben der Gemeinden Saint-Malo und Saint-Sauveur wurde Dinan im Jahr 1283 vom Herzog der Bretagne Johannes I. gekauft. In dieser Epoche wurde der Ring der Stadtmauern zum heute bekannten Stand fertiggestellt. Die Türme von l’Alloué, Vaucouleurs, Saint Julien, Beaufort, des Connétables, de Coëtquen, Penthièvre, Longue et Sainte Catherine umgeben die Altstadt in trigonometrischer Form. Der Wehrgang, der noch auf einer Länge von 2600 Metern erhalten ist, wurde durch die Tore von Jerzual, Saint-Malo, Brest, Guichet und Saint-Louis durchbrochen.

Im Jahr 1357, während der Kriege um die Nachfolge der Herzogtümer der Bretagne, verteidigte Bertrand du Guesclin mit Erfolg die von den englischen Truppen belagerte Stadt. Er trat Thomas von Canterbury in einem Einzelkampf gegenüber und ging als Sieger hervor. Nach mehreren fruchtlosen Versuchen gelang es Herzog Johannes IV. im Jahr 1364, die Kontrolle der Stadt zurückzuerobern. Er ließ den Donjon für die Herzogin Anne bauen. Wie alle anderen bretonischen Städte auch, wurde Dinan Ende des 15. Jahrhunderts definitiv dem Königreich von Frankreich angeschlossen. Die Stadt wuch weiter, der Hafen an der Rance begünstigte den Handel. Dinan hatte die tatsächliche Kontrolle über den Flussweg, der den Transport der Güter bis Saint-Malo gestattete. Im Jahr 1598 entschied sich Dinan für den neuen König von Frankreich Heinrich IV. und gegen seinen Gouverneur, den Duc de Mercœur, der sich ihm entgegenstellte. Von dieser Zeit an verloren die Befestigungsanlagen an Bedeutung und wurden nicht weiter unterhalten. Im 17. Jahrhundert gründeten weitere religiöse Orden neue Klöster: Kapuziner, Ursulinen, Dominikaner und Klarissen.

Im 18. Jahrhundert wurde der Handel durch die Niederlassung zahlreicher Weber stimuliert, die überwiegend Segeltuche für die Boote herstellten, die dann nach Saint-Malo durch das Tal der Rance verschickt wurden. Auf Initiative einer sich entwickelnden Bourgeoisie wurden diverse Maßnahmen im Kampf gegen die mangelnde Hygiene, die in der Stadt herrschte, ergriffen. Im 19. Jahrhundert verlor der Hafen durch den Bau einer Straßenbrücke 1852 und eines Eisenbahnanschlusses 1879 zunehmend an Bedeutung. In der Stadt wurden zahlreiche stattliche Häuser gebaut. Die Stadt verwandelte sich nach und nach zu einer Sommerresidenz, die insbesondere von den Engländern geschätzt wurde.

Im 20. Jahrhundert wurde die Altstadt von Dinan zur Beute eines Brandes (1907) und im August 1944 bombardiert. Bis in die heutige Zeit wurde das Kulturerbe von der Stadt restauriert. Die Fachwerkhäuser säumen noch heute die Place des Cordeliers, die Rue de l’Horloge und andere gepflasterte Straßen im Zentrum. Die Kirchen Saint-Sauveur und Saint-Malo liegen in der Mitte der beiden alten Gemeinden der Stadt.

Dinan ist Anziehungspunkt vieler Touristen und erstreckt sich über die Stadtmauern hinaus bis in die Gemeinden Quévert, Taden und Lanvallay.

Zum 1. Januar 2018 wurde Dinan mit der Nachbarkommune Léhon zu einer Commune nouvelle zusammengeschlossen, in der lediglich Léhon den Status einer Commune déléguée innerhalb der neuen Gemeinde besitzt. Der Verwaltungssitz befindet sich in Dinan.[1] Die Commune nouvelle Dinan hat 14.222 Einwohner (Stand 1. Januar 2016).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche Saint-Malo in Dinan

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Dinan

Bau, der sich von Ende des 15. bis Ende des 19. Jahrhunderts erstreckte. Im Stil der Gotik und der Renaissance, mit beeindruckenden Kirchenfenstern von Anfang des 20. Jahrhunderts und ihrer englischen Orgel mit polychromen Orgelpfeifen, gebaut von Olknow im Jahre 1889.
  • Glockenturm
Der Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert symbolisiert mit einer Höhe von 45 m den Wohlstand der Stadt. Er besitzt noch die Glocke, die Herzogin Anne geschenkt hatte.
  • Franziskanerkonvent
Im 13. Jahrhundert gegründet, datieren die gegenwärtigen Gebäude auf das 15. Jahrhundert. Der Konvent beherbergte die Generalstände der Bretagne in den Jahren 1573 und 1634. Er wurde im 19. Jahrhundert restauriert und wird heute von einer privaten Bildungseinrichtung genutzt.
 
Basilika Saint-Sauveur
  • Basilika Saint-Sauveur
Sie wurde vom 12. Jahrhundert an erbaut, kontinuierlich umgebaut und ist bis heute unvollendet. Sie beherbergt das Grab, in dem das Herz des Connétables du Guesclin bestattet ist. Das beeindruckende Portal stammt aus dem 19. Jahrhundert und vereinigt verschiedene Bauweisen (romanisch, gotisch, barock und klassizistisch). Siehe auch: Evangelistenfenster (Dinan)

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Le Patrimoine des Communes des Côtes-d’Armor. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-017-5, S. 231–269.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dinan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Erlass der Präfektur über die Bildung der Commune nouvelle Dinan vom 30. September 2017.