Hauptmenü öffnen

Dieter Zlof

deutscher Krimineller, Oetker-Entführer

Dieter Zlof (* 4. Dezember 1942 in Cilli, CdZ-Gebiet Untersteiermark, deutsches Besatzungsgebiet, heute Slowenien) ist der Entführer des Industriellenerben Richard Oetker.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Dieter Zlof kam kurz nach seiner Geburt nach München. Im Jahre 1976 bewohnte er ein Reihenhaus in der Blumenauer Straße 65 im Münchner Stadtteil Pasing.[1] Der Betriebswirt und Betreiber einer Münchner Kfz-Werkstatt entführte am 14. Dezember 1976 Richard Oetker, erpresste von Rudolf-August Oetker 21 Mio. DM, die am übernächsten Tag übergeben wurden. Daraufhin ließ Zlof am gleichen Tag den schwer verletzten Oetker wieder frei. Die Polizei geht davon aus, dass Zlof sein Entführungsopfer in einer Wellblechhütte im Stadtteil Pasing gefangen gehalten hatte, die Zlof ansonsten als Autowerkstatt nutzte.[1] Zlof zwang Richard Oetker, sich in eine sargähnliche Kiste im Laderaum eines VW-Kastenwagens zu legen und sich mit Handschellen selbst zu fesseln. Die Kiste wurde später, als der Wagen nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Garage abgestellt wurde (wahrscheinlich in Zlofs Wellblechwerkstatt), an einen Stromkreis angeschlossen. Als der Entführer morgens beim Öffnen der Garagentür das Blechdach des Kastenwagens touchierte, wurde diese Einrichtung ausgelöst, wobei Oetker schwere Nervenschäden und Knochenbrüche erlitt.[2] Trotz mehrerer Spezialbehandlungen blieb Oetker deswegen dauerhaft stark gehbehindert.[1]

Die 21 Mio. DM waren zu jener Zeit die höchste Lösegeldforderung in der Geschichte Deutschlands. Ferner führte diese Summe die Polizei in die Irre. Weil die Zahl 21 durch 3 teilbar ist, gingen die Fahnder von einer dreiköpfigen Bande aus, was sich später als Trugschluss herausstellte. Unmittelbar nach der Freilassung des Opfers begann eine umfangreiche Fahndungskampagne der Kriminalpolizei. Erst nach zwei Jahren wurde Zlof als Beschuldigter festgenommen. Er leugnete die Tat, wurde aber in einem aufsehenerregenden Indizienprozess am 9. Juni 1980 zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung am 26. Januar 1994 stellte er sich in den Medien zunächst als Justizopfer dar und gestand seine Täterschaft erst in seiner Biografie, die 1997 veröffentlicht wurde. Diese war von Nicole Amelung, der Ehefrau seines Rechtsanwalts, verfasst worden.

Vor seiner Verhaftung hatte Zlof vom Lösegeld, dessen Seriennummern registriert waren, nur vereinzelt Scheine verwertet. So tauschte er sechs Tausend-DM-Scheine in Österreich um und versuchte schließlich erfolglos einen weiteren, dessen Seriennummer irrtümlich falsch veröffentlicht worden war, in München bei seiner Bank einzuzahlen.

Das Lösegeld bestand aus DM-Scheinen der dritten Serie, die in den 1970er Jahren in Umlauf war. Diese Scheine wurden ab 1990 durch neue Geldscheine der vierten Serie ersetzt. Die alten 1000-DM-Scheine wurden vor der Freilassung Dieter Zlofs außer Kurs gesetzt und konnten daher nur noch bei der Bundesbank und den Landeszentralbanken umgetauscht werden.

Nach seiner Haftentlassung arbeitete Zlof unter falscher Identität (Deckname "Ehrlich") im Marketingbereich und bezog gleichzeitig Arbeitslosenhilfe.[3] Im Mai 1997 versuchte er in London einen größeren Teil des Lösegeldes umzutauschen. Dabei wurde er verhaftet, und ca. 12,4 Mio. DM aus dem Lösegeld, die er bei sich hatte, konnten von Scotland Yard sichergestellt werden. Ein Großteil der Scheine war durch Verrottung angegriffen. Der Rest des Lösegeldes war während Zlofs Haft in Plastikfolie verpackt in einem Erdversteck im Wald zum Teil gänzlich verrottet, und die Reste waren von Zlof zusammen mit einem Komplizen verbrannt worden. Das Versteck, in dem die erbeuteten 21 Mio. DM von Januar 1979 bis Ende 1995 vergraben waren, befand sich in einer baumbestandenen Lehmkuhle nahe dem Ayinger Ortsteil Rauchenberg, rund 30 km südöstlich von München. Dabei handelte es sich um ein 85 Zentimeter tiefes, feuchtes Loch, das im Frühjahr 1997 entdeckt wurde.[4] Nach seiner Verhaftung im Jahre 1997 wurde Zlof in London, aufgrund der anderen Rechtslage in England, wegen versuchter Geldwäsche und vollendeten Betrugs zu einer weiteren Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die er verbüßen musste.

Dieter Zlof ist durch die Verpflichtung zur Rückzahlung des Lösegelds hoch verschuldet und betrieb nach der Jahrtausendwende eine Imbissbude in München.[5]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Nicole Amelung: Die Oetker-Entführung. 2. Aufl., Hilchner & Lesani, Neuss 1997, ISBN 3-9805045-5-7

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Rolf Henkel: Was denn, schon wieder Oetker?; in: Die Zeit vom 9. Februar 1979.
  2. Chronik einer Entführung. Spiegel TV.
  3. Focus: Lösegeld: Versteck gefunden., vom 7. April 1997, geladen am 13. Dezember 2017
  4. Hans-Dieter Götz: Lösegeld: Versteck gefunden. Focus 15/1997, 7. April 1997, S. 40–43.
  5. Oetker trauert um Polizisten-Freund; in: tz München vom 26. Oktober 2011.