Dieter Rumstig

deutscher Gitarrist und Musikdramaturg

Dieter Rumstig (* 22. Juni 1928[1] in Berlin; † 4. September 2017 in Zehdenick[2]) war ein deutscher Gitarrist, Musikpädagoge und Musikdramaturg.

LebenBearbeiten

Rumstig studierte Gitarre bei Johannes Seelcke und von 1953 bis 1960 bei Bruno Henze,[3] einem der Mitbegründer der Berliner Gitarrenschule.

Ab 1952 war er erster Gitarrist des Staatlichen Volkskunstensembles der DDR in Berlin-Köpenick[4] und trat dort auch solistisch auf. Mit dem Ensemble unternahm er viele Tourneen durch Ost- und Westdeutschland sowie nach China (10. Dezember 1953 bis 11. März 1954).[5]

Er war ab 1956 über fünfundzwanzig Jahre als Dozent für Gitarre an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin tätig. Zu seinen Schülern gehören erfolgreiche Musiker wie Uwe Kropinski. Er wirkte als Musikdramaturg und initiierte 1976 die von 1982[6] bis 1990 stattgefundenen Internationalen Tage der Gitarre im Theater im Palast der Republik (TiP). Das zweijährlich stattfindende Gitarrenfestival wurde zum Podium international renommierter Gitarristen. Während dieser Zeit arbeitete er mit der Intendantin Vera Oelschlegel zusammen.

Ab 1961 war er Gitarrist beim Rundfunk der DDR. Er wirkte an mehreren Hörspielen zu Romanen der Kinder- und Jugendliteratur mit u. a. Die Schatzinsel, Tom Sawyers großes Abenteuer und Die Abenteuer des Huckleberry Finn. In der DDR-Verfilmung Der kleine Prinz (nach Antoine de Saint-Exupéry) von Konrad Wolf im Jahr 1966/72 übernahm er den Solistenpart. Er war Interpret politischer Lieder von Hanns Eisler, die von Ernst Busch gesungen wurden, sowie Instrumentalist in Opern und Balletten wie Gioachino Rossinis an von der Staatskapelle Berlin unter Otmar Suitner aufgeführten Oper Barbier von Sevilla von und Der hinkende Teufel von Wilhelm Neef, wo er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig unter Adolf Fritz Guhl und Horst Neumann musizierte.

Er konzertierte ab 1974 im Duo mit seiner Schülerin und späteren Ehefrau Barbara Richter. Sie bereisten unter anderem Frankreich, Italien, Mexiko, die Tschechoslowakei, BRD und Sowjetunion. Ihr musikalisches Interesse galt Johann Sebastian Bach und Fernando Sor. Zeitgenössische Komponisten wie Andre Asriel, Reiner Bredemeyer, Jürgen Ganzer, Paul-Heinz Dittrich und Georg Katzer widmeten ihnen Stücke. Mehrere Aufnahmen entstanden, u. a. die CD Meisterwerke für zwei Gitarren.

Rumstig war Juror bei internationalen Gitarrenwettbewerben, so 1984 in Havanna unter dem Vorsitz von Leo Brouwer.

1991 zog er mit seiner Frau nach Kappe, Gemeinde Zehdenick und war lange Jahre 1. Vorsitzender und Gitarrenlehrer im Kunstinstitut BAJA e. V.,[7] das in Templin ansässig war. Zusammen mit seiner Frau veranstaltete er dort von 1993 bis 2011 jährlich das Internationale Gitarrenfestival (mit Gitarrenwettbewerb).[8]

AuszeichnungenBearbeiten

SchülerBearbeiten

DiskografieBearbeiten

  • 1965: Hanns Eisler: Legenden, Lieder und Balladen von 1914–1934 (Eterna) gesungen von Ernst Busch
  • 1967: Hanns Eisler: Legenden, Lieder und Balladen von 1914–1924 (Aurora) gesungen von Ernst Busch
  • 1967: Volkslieder Aus Dem Harz (Eterna)
  • 1968: Hilmar Thate singt Brecht (Litera) in Kompositionen von Brecht, Dessau, Eisler, Hosalla
  • 1968: Mariana Pineda (Litera)
  • 1970: Märchenland-Wunderland (Litera)
  • 1974: Die Schatzinsel (Litera) von Robert Louis Stevenson
  • 1976: Tom Sawyers großes Abenteuer (Litera) Text nach Motiven von Mark Twain, Stefan Heym und Hanuš Burger
  • 1976: Huckleberry Finn (Litera) von Mark Twain
  • 1980: Lied-Wort-Dokument (Eterna) im deutschen antifaschistischen Widerstand 1933–1945
  • 1982: Bertolt Brecht (Deutsche Grammophon)
  • 1983: Bergweihnacht (Amiga)
  • 1985: Meisterwerke für zwei Gitarren (Deutsche Schallplatten)
  • 1986: Wilhelm Neef: Der hinkende Teufel (Deutsche Schallplatten)
  • 1987: Paul-Heinz Dittrich: Motette für 2 Gitarren und Elektronik (Deutsche Schallplatten)
  • 1994: Meisterwerke für zwei Gitarren (Edel Classics)
  • 1995: Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia (Edel Classics)
  • 1995: Sang und Klang im Harzerland (Sonia)
  • 1996: Musik in der DDR Vol. 3 (Edel Classics)
  • 1998: Highlights Of Spanish Music (Edel Classics)
  • 2000: Virtuoso (Edel Classics)
  • 2001: Musik in Deutschland: Unterhaltende Sinfonik (Red Seal)
  • 2001: Holiday Classics-Box (Edel Classics)
  • 2007: Spanish classics (Edel Classics)
  • 2007: 60 Jahre Amiga Vol. 16 (Amiga/BMG)
  • 2007: Petite Fleur, Die Solistenparty (Amiga/BMG)
  • 2009: Guitarre: Greatest Works (Berlin Classics)

FilmografieBearbeiten

  • Lesesaal (1971)
  • Der kleine Prinz (1966/72, TV)

HörspieleBearbeiten

Siehe dazu die Hörspieldatenbank.[18]

LiteraturBearbeiten

  • Francisco Herrera: Enciclopedia de la Guitarra. Editorial Piles Música, Valencia 2004, ISBN 978-84-95026-80-4, S. 119.
  • Jürgen Libbert: Die Gitarre im Aufbruch. Musikverlag Ricordi, München 1994, ISBN 3-9803090-2-9, S. 305.
  • Józef Powroźniak: Gitarrenlexikon. Übersetzung aus dem Polnischen von Bernd Haag. Verlag Neue Musik, Berlin 1979, DNB 800345304, S. 141.
  • Alexander Schmitz: Das Gitarrenbuch. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1982, ISBN 3-8105-1805-0, S. 383.
  • Hans Gerd Brill: Interview mit Dieter Rumstig. In: Musikblatt. Nr. 3/1988, S. 29–30.
  • Brita Rehsöft: Die Geschichte der Gitarrenmusik in der DDR (Diplomarbeit), redigiert und mit Fotos/Noten illustriert von Rainer Stelle (vier Folgen). In: Zupfmusikmagazin. Jg. 1994, Nr. 4, S. 140–142; Jg. 1995, Nr. 1, S. 9–12; Jg. 1995, Nr. 2, S. 59–63; Jg. 1995, Nr. 3, S. 100–102 (Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Zupfmusiker e. V.).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Józef Powroźniak: Gitarrenlexikon. Verlag Neue Musik, Berlin 1979, DNB 800345304, S. 141.
  2. Martin Risken: Musikwelt trauert: Gitarrist Dieter Rumstig ist tot. In: MOZ.de. 6. September 2017, abgerufen am 9. September 2017.
  3. Hans Gerd Brill: Interview mit Dieter Rumstig. In: Musikblatt. Nr. 3/1988, S. 29–30.
  4. Staatliches Volkskunst-Ensemble der DDR sowie Tanzensemble der DDR. In: deutsche-digitale-bibliothek.de, abgerufen am 18. Juni 2020.
  5. Rainer Stelle: Persönliches Gespräch mit Dieter Rumstig am 12. März 1988.
  6. Hans Gerd Brill: II. Internationale Tage der Gitarre in Ostberlin. In: Gitarre & Laute. 8, 1986, Heft 3, S. 35–38; hier: S. 35.
  7. Kunstinstitut BAJA e. V. In: cylex.de, abgerufen am 18. Juni 2020.
  8. (dpa/bb): 18. Internationales Gitarrenfestival in Templin. In: Bild. 12. März 2010, abgerufen am 18. Juni 2020.
  9. Theater der Zeit. 39, 1984, S. 68.
  10. Renate Haufe – Ein Lebenslauf. In: pandurina.de, abgerufen am 24. Dezember 2019 (Renate Haufe leitete u. a. 1986–2006 die Instrumentalgruppe Pandurina e. V.).
  11. Matthias Henke: Das Große Buch der Zupforchester. Hrsg. vom Bund Deutscher Zupfmusiker, München 1993, S. 220 (mit Foto).
  12. Fried Weisbrod (Hrsg.): Berliner Musik-Almanach. Teil 2. Berliner Musikgruppen (E-Musik). Landesmusikrat Berlin e. V., Berlin 1992, S. 46 (mit Foto) und S. 71.
  13. Martin Rätz: Der junge Pan. In: panfloetenshop.com, abgerufen am 24. Dezember 2019.
  14. Martin Rätz: Leidenschaft heißt Musik. In: MOZ.de. 29. Juni 2011, abgerufen am 24. Dezember 2019.
  15. Helmut Fleischhauer: Platzeck überreicht Verdienstorden an Manfred Uhlmann – Engagement für Förderung junger Musiker gewürdigt. In: niederlausitz-aktuell.de, 20. August 2008, abgerufen am 24. Dezember 2019 (Quelle: Staatskanzlei).
  16. Jörg Kotterba: Der einstige Musikschul-Direktor Manfred Uhlmann zieht sich in den Ruhestand zurück. Abschied mit Takt und Ton. In: MOZ.de. 23. Juni 2016, abgerufen am 14. Dezember 2019 (mit Foto).
  17. Manfred Uhlmann: Briefe vom 11. Dezember 2016 und 12. Dezember 2016 an Rainer Stelle.
  18. Hörspieldatenbank. In: HspDat.to – für die Hintergründe zum Gehörten. Abgerufen am 28. Mai 2020.