Dielsdorf ZH

Gemeinde im Kanton Zürich, Schweiz
ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Dielsdorf zu vermeiden.

Dielsdorf ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks des Kantons Zürich in der Schweiz. Er ist Teil des Zürcher Unterlands mit den Mundartnamen Diollschdoorff, älter Tielschderf[5]

Dielsdorf
Wappen von Dielsdorf
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Dielsdorf
BFS-Nr.: 0086i1f3f4
Postleitzahl: 8157
UN/LOCODE: CH DLD
Koordinaten: 676540 / 259731Koordinaten: 47° 29′ 2″ N, 8° 27′ 15″ O; CH1903: 676540 / 259731
Höhe: 455 m ü. M.
Höhenbereich: 410–654 m ü. M.[1]
Fläche: 5,87 km²[2]
Einwohner: 5968 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 1017 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
32,9 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Andreas Denz (parteilos)
Website: www.dielsdorf.ch
Ansicht von Regensberg auf Dielsdorf

Ansicht von Regensberg auf Dielsdorf

Lage der Gemeinde
KatzenseeDeutschlandKanton AargauBezirk AndelfingenBezirk BülachBezirk DietikonBezirk PfäffikonBezirk UsterBezirk ZürichBachsBoppelsenBuchs ZHDällikonDänikonDielsdorf ZHHüttikonNeerachNiederglatt ZHNiederhasliNiederweningenOberglatt ZHOberweningenOtelfingenRegensbergRegensdorfRümlangSchleinikonSchöfflisdorfStadel bei NiederglattSteinmaurWeiachKarte von Dielsdorf
Über dieses Bild
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WappenBearbeiten

Blasonierung

In Silber auf grünem Dreiberg ein aufrechter schwarzer, rotgezungter Bär, einen entästeten goldenen Baumstamm schulternd

GeographieBearbeiten

Dielsdorf befindet sich im Nordwesten des Kantons Zürich. Die Gemeinde liegt am östlichen Ende der Lägern, des östlichsten aller Schweizer Jura-Ausläufer, am Fusse des Städtchens Regensberg.

 
Dielsdorf und auf dem Grat der Lägern darüber das Städtchen Regensberg

Das Gemeindegebiet besitzt eine Fläche von 586 ha (was im Vergleich mit anderen Gemeinden eher klein ist), davon sind 206 ha landwirtschaftlich genutzt, auf 158 ha befindet sich Wald, 122 ha sind bewohntes Gebiet, 50 ha gelten als Industrieland und die übrigen 50 ha als Erholungszonen. Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt als Ausläufer des Neeracher Rieds auf 410 m ü. M., der höchste Punkt auf 653 m ü. M., etwa auf der Höhe von Regensberg.

Die Gemeinde Dielsdorf grenzt im Norden an Steinmaur, im Osten an Niederhasli, im Süden an Buchs ZH, und im Westen an das historische Städtchen Regensberg.

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1467 290
1771 466
1836 642
1850 674
1900 734
1950 1133
1960 1556
1975 3304
1990 4350
2008 5413

Am 31. Dezember 2001 waren in der Gemeinde Dielsdorf 4679 Menschen als Einwohner registriert, davon je 50 % Frauen und Männer. Von allen Einwohnern besassen 3587 das Schweizer Bürgerrecht.

Die Gemeinde Dielsdorf bietet Arbeitsplätze für etwa 2000 Arbeitende aus der näheren und ferneren Umgebung an, besonders da einige Grossfirmen Dielsdorf als den Standort ihres Hauptsitzes ausgewählt haben.

Im Jahr 2010 gehörten 34,6 % der evangelisch-reformierten Konfession an, 27,9 % der römisch-katholischen und 37,5 % einer anderen oder gar keiner.

PolitikBearbeiten

Die Exekutive der Gemeinde ist der aus sieben Personen bestehende Gemeinderat, der alle vier Jahre durch die Dielsdorfer Stimmberechtigten neu gewählt wird.

Seit 2010 ist Andreas Denz Gemeindepräsident.

GeschichteBearbeiten

 
Reformierte Kirche
 
Dielsdorf, historisches Luftbild von 1925, aufgenommen aus 200 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

Etwa um 500 n. Chr. gründete der Alemannenführer Theodolf für sein Gefolge die Siedlung Theodolfsdorf. 861 wird Dielsdorf auf einer Urkunde des Abts von St. Gallen erstmals unter dem Namen Theolvesthoruf erwähnt. Diese Urkunde wird heute noch im Stiftsarchiv von St. Gallen aufbewahrt. Das Kloster war im Hochmittelalter der wichtigste Grundbesitzer. 1276–1306 verpfändete es den Dielsdorfer Kehlhof und die Vogtei an die Freiherren von Regensberg. Bis etwa um 1100 herum hatte sich die heutige Schreibweise des Namens eingebürgert.

1842 wurde die Strasse nach Zürich gebaut und zugleich das Postbüro und eine direkte Postkutschenverbindung nach Zürich eröffnet, 23 Jahre später wurde Dielsdorf auch ans Bahnnetz angeschlossen. 1864 wurde die mittelalterliche reformierte Kirche abgebrochen und ein neugotischer Bau erstellt. Das Jahr 1871 war das wichtigste Jahr der Dielsdorfer Geschichte: Nach langen politischen Auseinandersetzungen wurde Dielsdorf wegen seiner zentraleren und verkehrstechnisch besseren Lage an der Stelle von Regensberg zum Bezirkshauptort ernannt. Im Jahre 1962 wurde auch die katholische Kirche gebaut, welche in der damaligen Zeit wegen ihres gewagten Baues weitherum bekannt war. 1972 wurde der Zweckverband Abwasserreinigung Fischbach-Glatt gegründet, welcher in Niederglatt eine Kläranlage für die angeschlossenen Gemeinden betreibt.[6] Etwa 1973 schliesslich wurde im Ried die Pferdesportanlage des Rennvereins Zürich erstellt. Durch diese Anlage ist Dielsdorf schweizweit ein Begriff.

KirchenBearbeiten

 
Römisch-katholische Kirche St. Paulus

In Dielsdorf befinden sich zwei Kirchen:

  • Die evangelisch-reformierte Landeskirche besitzt im Zentrum des Ortes die im Jahr 1866 erbaute Kirche, deren Glockenturm mit dem goldenen Hahn von weit her sichtbar ist. Die Vorgängerbauten dieser Kirche gehen bis ins Mittelalter zurück. Die Urkunde des Klosters St. Gallen, welche Dielsdorf erstmals namentlich erwähnt, bezeugt auch, dass bereits im Jahr 861 eine erste Kirche in Dielsdorf existiert haben muss.
  • Die römisch-katholische Kirche St. Paulus steht an der Buchserstrasse und wurde in den Jahren 1960 bis 1962 vom Zürcher Architekten Justus Dahinden erbaut. Die Kirche erinnert in ihrer architektonischen Konzeption an ein Zelt und erinnert daran, dass der Namenspatron der Kirche, der Heilige Paulus, laut Bibel ein Zeltmacher war. Die zu ihrer Erbauungszeit futuristische Kirche wurde im Jahr 2012 durch ein Pfarreizentrum der Architekten Ladner und Meier erweitert.[7]

WirtschaftBearbeiten

Der wichtigste Arbeitgeber der Region war lange Jahre das 1844 von Rudolf Maag gegründete Chemieunternehmen. Der Hersteller von Pflanzenschutzmittel wird 1972 von Hoffmann-La Roche übernommen und kommt im Jahr 2000 zum Agrochemie-Konzern Syngenta, wo man sich auf den Bereich Pflanzenschutz in Haus und Garten und in Gärtnereien konzentriert.[8]

Dielsdorf ist Sitz der schweizerischen Generalvertretung von BMW und Fujifilm.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Dielsdorf

Dielsdorf liegt an der Wehntalbahn (Oberglatt–Niederweningen), die von der S 15 RapperswilUsterZürich HBOberglattNiederweningen befahren wird. Die Züge der S 15 verkehren halbstündlich.

Ab Bahnhof Dielsdorf verkehren tagsüber im Halbstundentakt die ZVV-Buslinien 456 (Regensdorf – Dielsdorf) und 593 (Dielsdorf – Regensberg), die von den Verkehrsbetrieben Glattal (VBG) betrieben werden. Die von Postauto betriebene Buslinie 535 (Niederhasli – Dielsdorf – Stadel bei Niederglatt) bedient den Bahnhof nicht.

Die Hauptstrasse 17 von Zürich nach Döttingen führt durch Dielsdorf. Regional bestehen wichtige Strassenverbindungen nach Bülach und Niederhasli.

GesundheitBearbeiten

Dielsdorf beheimatet das Gesundheitszentrum Dielsdorf (GZD) mit knapp 400 Mitarbeitern. Das GZD bietet spezialisierte Pflege- und Betreuungsangebote und beherbergt weitere Einrichtungen, wie die Physio Plus AG, das Augeninstitut und den Ernährungsberater foodteam. Weiters sind im GZD die ADUS Radiologie und die ADUS Klinik eingemietet. Die ADUS Klinik ist das einzige Listenspital des Bezirks Dielsdorf und ist auf Orthopädie und Chirurgie spezialisiert. Die ADUS Klinik hat gemäss der Gesundheitsdirektion Zürich die tiefsten Falllkosten im Kanton Zürich[9], obwohl ein überdurchschnittlicher Anteil von grundversicherten Patienten behandelt wird[10].

SehenswürdigkeitenBearbeiten

SonstigesBearbeiten

 
Pferderennbahn Grossriet

Dielsdorf besitzt eine Sportanlage mit Hallenbädern und Eishockeyfeldern und eine Pferderennbahn. Auf Gemeindegebiet finden sich mehrere kleinere und grössere Firmen, zwei Einkaufszentren und zwei grössere Lebensmittelläden mit Metzgerei, zwei Bäckereien, zwei Banken und eine Poststelle.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943. DNB 365803049.
  • Ueli Müller: Dielsdorf. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

WeblinksBearbeiten

Commons: Dielsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. Heinz Gallmann: Zürichdeutsches Wörterbuch. 1. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S. 668.
  6. Zweckverband ARA Fischbach-Glatt. In: niederhasli.ch. Abgerufen am 8. April 2022.
  7. Website der Gemeinde Dielsdorf. Abschnitt Kirchen. (Memento vom 5. Oktober 2013 im Internet Archive) Abgerufen am 4. Oktober 2013
  8. Die Maag Geschichte: eine Schweizer Erfolgstory. Maag Garden, abgerufen am 14. April 2019.
  9. Fallkosten der Zürcher Spitäler steigen coronabedingt. Abgerufen am 10. Mai 2022.
  10. Bundesamt für Gesundheit BAG: Kennzahlen der Schweizer Spitäler 2020. (PDF) In: https://spitalstatistik.bagapps.ch/data/download/kzp20_publication.pdf?v=1647414823. BAG, 1. März 2022, abgerufen am 10. März 2022 (deutsch, englisch, französisch, italienisch).