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Diehl Stiftung

deutsche Unternehmensgruppe mit Sitz in Nürnberg
Diehl Stiftung & Co. KG

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Rechtsform Stiftung & Co. KG
Gründung 1902
Sitz Nürnberg, Deutschland
Leitung Karl Tragl[1]
Mitarbeiterzahl 17.173 (2017)[2]
Umsatz 3,749 Mrd. Euro (2017)[2]
Branche Hausgeräteindustriezulieferer, Luftfahrtausrüstung, Wehrtechnik, elektronische Steuerungen, Messgerätetechnik, Halbzeug
Website www.diehl.de

Die Diehl-Hauptverwaltung
DIEHL-Schriftzug am Hauptbahnhof Nürnberg

Die Diehl Stiftung & Co. KG ist eine deutsche Unternehmensgruppe mit Sitz in Nürnberg, die sich seit der Gründung im Jahr 1902 vollständig in Familienbesitz befindet. Im Jahr 2017 erwirtschaftete sie mit 17.173 Beschäftigten einen Umsatz von 3,749 Mrd. Euro.[2]

Der mit Abstand größte Geschäftsbereich ist mit über 5.300 Mitarbeitern und über 1,5 Mrd. Euro Umsatz der Teilkonzern Diehl Aviation; damit ist die Diehl-Gruppe einer der größten deutschen Luftfahrtausrüster.[2] Der Bereich Diehl Defence produziert Wehrtechnik, darunter Lenkflugkörper, Halbzeuge, Zünder und elektronische Steuerungen. Der Umsatz belief sich 2017 auf 456 Mio. Euro.[2] Damit zählte die Diehl-Gruppe auch zu den größten Rüstungskonzernen Deutschlands.[3]

Im Geschäftsjahr 2017 trugen die fünf Geschäftsbereiche bzw. Teilkonzerne wie folgt zum Gesamtumsatz der Diehl-Gruppe bei: Diehl Aviation 1.532 Mio. (40,8 %), Diehl Metall 917 Mio. (24,5 %), Diehl Controls 558 Mio. (14,9 %), Diehl Defence 456 Mio. (12,2 %), Diehl Metering 275 Mio. (7,3 %) und Sonstiges 11 Mio. (0,3 %) Euro.[2]

GeschichteBearbeiten

Das Unternehmen wurde am 5. September 1902 von Margarete, geb. Schmidt (* 25. August 1880 in Nürnberg), und Heinrich Diehl (* 3. August 1878 in Kölschhausen; † 1938 in Nürnberg) als Kunstschmiede in Nürnberg gegründet. Nachdem bereits 1917 ein eigenes Metall-, Guss- und Presswerk gebaut worden war, wurde in den 1920er-Jahren eine Strangpresse errichtet.

Nach der Aufnahme der industriellen Fertigung von feinmechanischen Erzeugnissen 1934 wurde 1938 ein neues Halbzeugwerk in Röthenbach an der Pegnitz gebaut und kurz darauf die Firma als kriegswichtiger Betrieb eingestuft. Nach dem Tod von Heinrich Diehl übernahm dessen Sohn Karl Diehl die Firmenleitung. Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Unternehmen auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Geschehnisse der Kriegsjahre ließ das Unternehmen Diehl später durch unabhängige Historiker aufarbeiten. Schließlich wurde im Jahr 1997 ein Fonds zur Unterstützung ehemaliger Zwangsarbeiter gegründet.[4]

Trotz schwerer Zerstörungen durch Luftangriffe und Demontage wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sehr bald die feinmechanische Fertigung wieder aufgenommen, und 1947 kam die erste Diehl-Uhr auf den Markt. Nach dem Aufbau der Bundeswehr stieg Diehl wieder in das Wehrtechnikgeschäft ein und belieferte auch andere NATO-Staaten.

In den 1980er-Jahren entwickelte sich das Unternehmen durch die Montage des Artillerieraketensystems MLRS zu einem bedeutenden Systemanbieter; diese Stellung wurde durch die Übernahme der Bodenseewerk Gerätetechnik, dem Generalunternehmer für das europäische Produktionsprogramm des Luft-Luft-Flugkörpers Sidewinder AIM-9B und führendem Systemhaus für Lenkflugkörper, weiter ausgebaut.[5]

In den 1990er-Jahren wurde das Unternehmen in eine Stiftung & Co. KG umgewandelt. 1994 übernahm Diehl die AKO-Werke GmbH & Co.KG in Wangen im Allgäu. Diese operierten jedoch zunächst weiterhin unter dem traditionsreichen Namen AKO. Erst 2001 erfolgte die Zusammenführung unter dem Namen Diehl AKO Stiftung & Co.KG beziehungsweise Diehl Controls mit mehreren Niederlassungen im Ausland.

1998 übernahm der Enkel des Gründers, Thomas Diehl, die Leitung des Unternehmens. Karl Diehl übergab im Juli 2002 den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden an seinen Sohn Werner Diehl.

2004 wurde die Tochtergesellschaft Comet, ehemals Marktführer für Feuerwerkskörper in Deutschland, an Li & Fung verkauft.

2007 wurden die zivilen Luftfahrtaktivitäten aller Diehl-Unternehmen in der Diehl Aerosystems gebündelt, und 2008 übernahmen die Firma Diehl und die französische Thales Group in diesen Teilkonzern auch das Airbuswerk in Laupheim.

Mit seinem 62. Geburtstag am 1. Juni 2008 gab Werner Diehl den Vorsitz des Aufsichtsrates an Claus Mänz-Siebje ab. Seit Juni 2014 ist Klaus Maier Aufsichtsratsvorsitzender.

Im April 2018 wurde die Sparte Diehl Aerosystems in Diehl Aviation umbenannt. Diese Umbenennung betraf auch die Tochterunternehmen Diehl Aircabin, Diehl Comfort Modules und Apparatebau Gauting.[6]

KonzernstrukturBearbeiten

Seit 1998 wird das Unternehmen als Kommanditgesellschaft geführt, deren Gesellschafter eine Familienstiftung ist.

Die mehr als vierzig selbständigen Unternehmenseinheiten und Joint Ventures sind nach ihren Aktivitäten in fünf Teilkonzerne gegliedert. Diese sind Aviation (29,9 % Umsatzanteil), Metall (29,7 %), Defence (18,3 %), Controls (11,4 %) und Metering (10,2 %). (Stand 2013)

Diehl AviationBearbeiten

Unternehmenseinheit Ort
Diehl Aviation Holding GmbH Nürnberg
Diehl Aerospace GmbH Überlingen
Diehl Aerospace GmbH, Werk Frankfurt Frankfurt a. M.
Diehl Aerospace GmbH, Werk Nürnberg Nürnberg
Diehl Aerospace GmbH, Betriebsstätte Rostock Rostock
Diehl Aerospace Inc. Sterrett, AL, USA
Diehl Aerospace Asia Pacific Customer Support Singapur
Diehl Aerospace GmbH, Customer Service Centre Toulouse Toulouse
Diehl Aerospace GmbH, Customer Support Center Donauwörth Donauwörth
Diehl Aerospace GmbH, Customer Support Center Hamburg Hamburg
Diehl Aviation Hamburg GmbH Hamburg
Diehl Aviation Laupheim GmbH Laupheim
Diehl Aviation Laupheim GmbH Tianjin, China
Diehl Aviation Laupheim GmbH Toulouse
Diehl Aviation Gilching GmbH Gilching
Diehl Aviation Gilching GmbH Dresden

Diehl ControlsBearbeiten

Unternehmenseinheit Ort
Diehl AKO Stiftung & Co. KG Wangen im Allgäu
Diehl AKO Stiftung & Co. KG, Standort Nürnberg Nürnberg
Diehl Controls (Nanjing) Co., Ltd. Nanjing
Diehl Controls Italia S.r.l. Cinisello Balsamo (MI)
Diehl Controls Ltd. Lincoln, Lincolnshire
Diehl Controls Mexico, S.A. de C.V. El Marques, Querétaro
Diehl Controls North America, Inc. Naperville, Illinois
Diehl Controls Polska Sp. z.o.o. Wrocław
Diehl Controls Polska sp.z.o.o. Namysłów
Matrix Power Systems GmbH Wangen im Allgäu

Diehl DefenceBearbeiten

[2]

Unternehmenseinheit Ort
Diehl Defence GmbH & Co. KG Überlingen
AIM Infrarot-Module GmbH Heilbronn
Diehl & Eagle Picher GmbH Röthenbach
Diehl Defence GmbH & Co. KG, Werk Maasberg Nonnweiler-Bierfeld
Diehl Defence GmbH & Co. KG, Werk Nonnweiler-Mariahütte Nonnweiler-Mariahütte
Diehl Defence GmbH & Co. KG, Werk Röthenbach a d Pegnitz Röthenbach
Diehl Defence GmbH & Co. KG, Büro Steglitz Steglitz
Diehl Defence GmbH & Co. KG, Büro Koblenz Koblenz
Diehl Defence Representative Office Abu Dhabi
Diehl Iberia Sistemas, S.A. Sevilla
Diehl Retrofit Missile Systeme GmbH Überlingen
DynITEC GmbH Troisdorf
EuroSpike GmbH Röthenbach
GIWS Gesellschaft für intelligente Wirksysteme mbH Nürnberg
HIL – Heeresinstandsetzungslogistik GmbH Bonn
JUNGHANS Microtec GmbH Dunningen-Seedorf
JUNGHANS T2M SAS La Ferte Saint-Aubin/Frankreich
PARSYS GmbH Schrobenhausen
RAM-System GmbH Ottobrunn

Diehl MetallBearbeiten

[7]

Unternehmenseinheiten Ort
Diehl do Brasil Metalúrgica Ltda. São Paulo
Diehl Metall Messing Röthenbach
Diehl Metall Schmiedetechnik Röthenbach
Diehl Metal Applications GmbH
  • Diehl Augé Découpage SAS
  • Diehl Metall (Shenzhen) Co. Ltd.
  • Diehl Power Electronic SAS
  • Diehl Metal Applications GmbH
  • Diehl Metal Aplications GmbH
  • Sundwiger Messingwerk GmbH & Co. KG
  • ZIMK Zehdenick Innovative Metall- und Kunststofftechnik GmbH
  • Besançon
  • Shenzhen, China
  • Siaugues-Saint-Marie
  • Berlin, Am Stichkanal
  • Berlin, Teltow
  • Hemer
  • Zehdenick
Diehl Synchro Tec Manufacturing (Wuxi) Co., Ltd. Wuxi, Jiangshu, China
Franconia Industries Inc. Meriden
SMH Süddeutsche Metallhandelsgesellschaft mbH Röthenbach
The Miller Company Meriden

Diehl MeteringBearbeiten

Unternehmenseinheit Ort
Diehl Gas Metering GmbH Ansbach, Deutschland
Diehl Metering (Jinan) Co., Ltd. Jinan, China
Diehl Metering Aps. Esjberg, Dänemark
Diehl Metering FZE Dubai, V.A.E
Diehl Metering GesmbH Wien, Österreich
Diehl Metering GmbH Ansbach, Deutschland
Diehl Metering GmbH, Werk Apolda Apolda, Deutschland
Diehl Metering GmbH, Werk Nürnberg Nürnberg, Deutschland
Diehl Metering Iberica S.L. Madrid, Spanien
Diehl Metering Ltd. Oldham, Großbritannien
Diehl Metering Ltda Recife/PE, Brasilien
Diehl Metering Pte. Ltd. Singapur
Diehl Metering S.A.S. Saint-Louis, Frankreich
Diehl Metering Sp. z o.o. Bazanowice, Polen

Zentralbereiche, Hauptverwaltung, BeteiligungenBearbeiten

[8]

Unternehmenseinheit Ort
Diehl Stiftung & Co. KG Nürnberg
Diehl Stiftung & Co. KG, Büro Berlin Berlin
Diehl Stiftung & Co. KG, Büro Brüssel Brüssel
Diehl Stiftung & Co. KG, Büro Koblenz Koblenz
Diehl Assekuranz Rückversicherungs- und Vermittlungs-AG Nürnberg
Diehl Ausbildungs- und Qualifizierungs-GmbH Nürnberg
DIEHL Informatik GmbH Nürnberg
Diehl Werkzeugbau Seebach GmbH Seebach

Vorsitzende des VorstandesBearbeiten

  • 1998 bis April 2017: Thomas Diehl[9]
  • interim Wolfgang Weggen (stellv. Vorstandsvorsitzender)[9]
  • seit Mai 2018: Karl Tragl[1]

Vorsitzende des AufsichtsratsBearbeiten

Produkte und DienstleistungenBearbeiten

AviationBearbeiten

Im Bereich Avionik entwickelt und produziert Diehl Systeme und Subsysteme für Flugzeughersteller. Das Unternehmen beliefert zum Beispiel Airbus und Boeing mit Beleuchtungstechnik für sämtliche Flugzeugprogramme, oder bietet Systemlösungen von der Avionik über die Ausrüstung vom Cockpit bis zur Gestaltung von Flugzeugkabinen für kommerzielle Flugzeuge und VIP-Flugzeuge an.

  • Ausrüstung für Flugsteuerung und Triebwerksregelung
  • Cockpit- und Displaysysteme
  • Kabinen- und Versorgungssysteme

ControlsBearbeiten

Im Bereich Diehl Controls produziert das Unternehmen elektronische Steuerungen für Hausgeräte- und Heizungshersteller. Die Diehl AKO produziert beispielsweise Steuerungen und Zubehör für Haushaltsgeräte und Solar-Anlagen.

  • Antriebssysteme für Waschmaschinen
  • Kundenspezifische Geräte und Systemlösungen
  • Mechanische, elektromechanische und elektronische Steuerungen für Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspüler und Kühl-/Gefriergeräte, Herdschaltuhren
  • Platinum-Wechselrichter
  • Raumregelung mit Funkdatenübertragung
  • Steuerungen für Glaskeramik-Kochflächen

DefenceBearbeiten

Auf dem Gebiet der Wehrtechnik stellt Diehl u. a. Lenkflugkörper, Munition und Fahrzeugketten her.

  • Artillerieraketen
  • Aufklärungs- und Warnsysteme
  • Infrarot- und Multimode-Suchkörper
  • Kampfwertsteigerung und Umrüstung von Ketten- und Radfahrzeugen
  • Lenkflugkörper
  • Munition
  • Selbstschutzsysteme
  • Systeminstandsetzung
  • Systemketten und Laufwerke einschließlich Triebkränze, Lauf-, Stütz- und Umlenkrollen
  • Trainingssysteme
  • Zünder

MetallBearbeiten

Der Teilkonzern Diehl Metall ist ein internationaler Hersteller von Halbzeugen, Schmiedeteilen und Walzfabrikaten, Hochpräzisionsstanzteilen mit Oberflächenbeschichtungen sowie Einpresszonen und Metall-Kunststoff Verbundsystemen.

  • Bänder und Drähte aus Bronze, Neusilber und Messing
  • Bänder und Drähte aus Kupfer-Eisen und Kupfer-Sonderlegierungen
  • Fahrdrähte aus Kupfer und Kupferlegierungen
  • Gesenkpressteile aus Leichtmetall und Messing
  • Hohlstangen
  • Leitungsseile aus Kupfer und Kupferlegierungen
  • Metallische Beschichtungen
  • Profile aus Messing
  • Rohre
  • Schlüsselrohlinge
  • Sintererzeugnisse
  • Stangen
  • Stufenband aus Kupfer und Kupferlegierungen
  • Synchronringe

MeteringBearbeiten

Im Teilkonzern Metering produziert Diehl Messgeräte und ist Anbieter von Übertragungs- und Auswertungssystemen für Verbrauchsdaten aller Energiearten.

  • Messgeräte für die Haustechnik
  • Messgeräte für thermische Energie
  • Messgeräte für Wasserverbrauch
  • Messgeräte für Gasverbrauch
  • Software für Energiemanagement
  • Systeme zur Messwertfernauslesung

KritikBearbeiten

 
Niederlassung in Frankfurt, 2015 von Antimilitaristen beschmutzt

Die Diehl-Gruppe ist wegen der Munitionsproduktion der Tochter Diehl Defence in die öffentliche Kritik geraten. Im Juli 2008 erwirkte Diehl eine einstweilige Verfügung gegen den Journalisten Stefan Aigner, der das Unternehmen als Hersteller von Streumunition bezeichnet hatte, wobei er sich auf die „Punktzielmunition“ SMArt 155 bezog.[10]

Streumunition ist nach dem Oslo-Abkommen zum Verbot von Streubomben international geächtet. Dieses Übereinkommen enthält jedoch spezielle Ausnahmeregelungen, wonach SMArt 155 nicht als (verbotene) Streumunition im „klassischen Sinn“, sondern als „intelligente Submunition“ klassifiziert wird.[10] Dies stellt jedoch ausdrücklich keine völkerrechtliche Definition des Begriffes „Streumunition“ dar.[11] Die Vereinten Nationen sehen Munition bereits dann als Streumunition an, wenn sich aus einem Hauptgeschoss kleinere Geschosse herauslösen.[10]

Der Prozess vor dem Landgericht München I endete am 2. März 2009 mit einem Vergleich. Im Verlauf des Prozesses führte der Richter aus, dass SMArt 155 als Streumunition bezeichnet werden dürfe, sofern zwischen ihr und anderen Typen von Streumunition differenziert werde.[12]

LiteraturBearbeiten

  • Gregor Schöllgen: Diehl – Ein Familienunternehmen in Deutschland. 1902–2002. Propyläen, Berlin 2002, ISBN 3-549-07170-1.
  • Hans Drtil, August Heinzle, Rudolf Meller, Manfred Pütz, Hans-Peter Reerink, Hans Sautter, Peter Wüst: BGT Bodenseewerk – Die Geschichte eines Hochtechnologie-Unternehmens. Diehl BGT Defence, Überlingen 2005.
  • Stefan Aigner, Thomas Rödl: Diehl – Porträt einer deutschen Waffenfabrik., Broschüre des DFG-VK, 1. Auflage, München Juli 2012 (Digitalisat (PDF))

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten