Diedenbergen

Stadtteil von Hofheim am Taunus

Diedenbergen ist ein Ortsbezirk der Kreisstadt Hofheim am Taunus und liegt im Südwesten des südhessischen Main-Taunus-Kreises.

Diedenbergen
Wappen der früheren Gemeinde Diedenbergen
Koordinaten: 50° 3′ 42″ N, 8° 25′ 12″ O
Höhe: 189 m ü. NHN
Fläche: 7,17 km²[1]
Einwohner: 4139 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 577 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 65719
Vorwahl: 06192

Geografische LageBearbeiten

 
Blick auf Diedenbergen von Südwesten von der A 3 aus. Im Vordergrund ist die A 66 mit der Anschlussstelle Hofheim am Taunus erkennbar.

Diedenbergen liegt auf einer Südabdachung des Vordertaunus direkt unter dem Waldrand und mit einer Höhe von 190 Meter hoch über der Oberrheinischen Tiefebene. Wegen dieser exponierten Hanglage ist Diedenbergen schon von Weitem zu sehen.

Diedenbergen liegt dort, wo eine alte Römerstraße auf dem schnurgeraden Weg von Mainz-Kastel in die Wetterau einen Taunusausläufer überwinden muss und ihre Scheitelhöhe erreicht. Im Mittelalter war diese Steinerne Straße als Elisabethenstraße bekannt. In Diedenbergen trägt sie den Namen Casteller Straße und ist noch immer die wichtigste Hauptverkehrsstraße des Ortes.

Umgeben ist Diedenbergen im Westen, Norden und Osten von den Hofheimer Stadtteilen Wallau, Langenhain und Marxheim. Im Süden grenzt die Gemarkung an den Hochheimer Stadtteil Massenheim und an den Flörsheimer Stadtteil Weilbach.

GeschichteBearbeiten

Die erste bis heute überlieferte Erwähnung Diedenbergens geschah 1366 in einer Eigentumsbeschreibung von Grundstücken, die u. a. am Dydenberger Weg lagen. Die benachbarten, älteren Orte Hartbach und Oberweilbach fielen im 15. bzw. 16. Jahrhundert wüst und Teil der Gemarkung Diedenbergens.

Jahrhundertelang war Diedenbergen Teil des protestantischen Ländchens und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Hochheim.

Der Ortsmittelpunkt ist die evangelische Kirche. Eine Kirche in Diedenbergen wurde 1591 erstmals als Filialkirche von Marxheim erwähnt. 1754 bis 1756 ließ Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt eine neue Kirche errichten. Angeblich ist ihr Turm bei gutem Wetter von Darmstadt aus sichtbar.

Zwischen 1882 und 1950 wurde das Bergwerk Grube Franz an der Marxheimer Straße betrieben.

GebietsreformBearbeiten

Am 1. April 1972 wurde Diedenbergen, im Zuge der Gebietsreform in Hessen, in die Stadt Hofheim am Taunus eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Diedenbergen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Belegte Einwohnerzahlen bis 1987 sind:[1]

• 1457: 23 Häuser
• 1492: 32 Häuser
• 1564: 54 Familien
• 1592: 51 Hausgesesse
• 1610: 64 Haushalte
• 1630: 39 Männer, 4 Witwen und 4 Vormundschaften (1618 bis 1648: Dreißigjähriger Krieg)
• 1636: 19 Haushalte
• 1637: 11 Haushalte
• 1656: 26 Steuerpflichtige
• 1699: 235 Einwohner ohne nicht-konfirmierte Kinder
• 1758: 92 Hofbesitzer
• 1791: 410 Einwohner[6]
• 1800: 414 Einwohner[7]
Diedenbergen: Einwohnerzahlen von 1775 bis 1987
Jahr  Einwohner
1775
  
437
1791
  
410
1800
  
414
1817
  
551
1834
  
586
1840
  
643
1846
  
677
1852
  
690
1858
  
644
1864
  
671
1871
  
666
1875
  
707
1885
  
811
1895
  
809
1905
  
930
1910
  
975
1925
  
1.066
1939
  
1.127
1946
  
1.424
1950
  
1.542
1956
  
1.658
1961
  
1.780
1967
  
2.171
1970
  
2.504
1987
  
3.026
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Im Dezember 2002 hatten in Diedenbergen 3.916 Einwohner ihren Erstwohnsitz, mit Zweitwohnsitz waren es 4.159.[8]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 0758 evangelische (= 93,46 %), 35 katholische (= 4,32 %), 18 jüdische (= 2,22 %) Einwohner
• 1961: 1305 evangelische (= 73,31 %), 457 katholische (= 25,67 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

OrtsbeiratBearbeiten

 
Blick von der Weilbacher Straße auf das alte Rathaus

Im Ortsbeirat Hofheim-Diedenbergen sind nach den Kommunalwahlen in Hessen 2016 die neun Sitze wie folgt verteilt:[9]

Partei Sitze Ergebnis
CDU 3 32,7 %
SPD 3 28,2 %
Grüne 1 13,2 %
FWG 2 25,9 %

Ortsvorsteher: Klaus Ernst (SPD)[10]

WappenBearbeiten

Am 21. Juli 1971 wurde der Gemeinde Diedenbergen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In von Blau und Silber schräglinks geteiltem Schild oben ein von Rot und Silber sechsmal geteilter wachsender Löwe, unten eine schräggestellte blaue Wolfsangel.[11]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Evangelische Kirche Diedenbergen

BauwerkeBearbeiten

  • Der städtische Weinberg am Wickerer Berg knüpft an die alte Weinanbautradition Diedenbergens an. Auf einem ganzjährigen Weinlehrpfad kann man mehr über diese Tradition erfahren.
  • Als sehenswert gilt auch die Rokoko-Orgel des renommierten Orgelbauers Johann Conrad Bürgy (1721–1792), die in der evangelischen Kirche zu finden ist.
  • In der Philipp-Keim-Straße 7 steht das Wohn- und Sterbehaus des blinden Sängers Philipp Keim (1804–1884), der mit seiner Drehorgel und in der Begleitung seiner Frau Lisbeth durch das Nassauer Land zog und Neuigkeiten in Liedform an das Volk weitergab.

VereineBearbeiten

  • Turnverein Diedenbergen 1886 e. V.
  • MGV Frohsinn
  • Deutscher Gymnastikbund DGymB e.V.
  • SG Nassau Diedenbergen 1921 e. V.
  • Freiwillige Feuerwehr Diedenbergen
  • MSC Diedenbergen
  • SV 1958 Diedenbergen e. V.
  • Tennisclub Diedenbergen 71 e. V.
  • Diedenberger Heimatgeschichtsverein
  • Frankfurter Verein für Luftfahrt von 1908 e. V. - Modellflugsparte
  • Reitsportgruppe Roßhof
  • NABU Ortsgruppe Diedenbergen
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Verein für Deutsche Schäferhunde
  • Frauenchor Viva La Musica
  • Kulturverein Diedenbergen
  • Mary Popins e. V.
  • Historische Landmaschinen Diedenbergen
  • Magic Dragon Dancers
  • Schützenverein 1958 e. V. Diedenbergen
  • Narrengilde Diedenbergen 2011 e.V.

VerkehrBearbeiten

Diedenbergen liegt verkehrsgünstig in der Nähe des Wiesbadener Kreuzes und ist mit der Anschlussstelle Diedenbergen an die Bundesautobahn 66 (WiesbadenFrankfurt am Main) angebunden und damit auch an die Bundesautobahn 3 (KölnFrankfurter Kreuz).

Die Landstraße 3264 führt von der Anschlussstelle Diedenbergen der A 66 in nordöstlicher Richtung auf der Trasse der alten Römerstraße hinauf nach Diedenbergen und von hier wieder bergab nach Marxheim zur Einmündung in die Bundesstraße 519. Die Kreisstraße 785 zweigt unter Umgehung der Ortslage westlich von Diedenbergen von der L 3264 nach Westen in Richtung Wallau ab und ist ein Hauptzubringer für das Gewerbegebiet Wallau Ost zur Autobahn. Die Kreisstraße 787 zweigt in der Ortsmitte nach Norden von der L 3264 ab und führt bergauf nach Langenhain.

ÖPNV innerhalb des RMV besteht mit Buslinien nach Hofheim und nach Wiesbaden.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Diedenbergen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Diedenbergen, Main-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen, Daten, Fakten: Einwohnerzahlen (HW). In: Internetauftritt der Stadt Hofheim. Abgerufen im November 2017.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Die Zugehörigkeit des Amtes Eppstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 134 (Online in der HathiTrust digital library).
  7. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 140 (Online in der HathiTrust digital library).
  8. Private Webseite zum Ort
  9. Ortsbeiratswahl 2016. Stadt Hofheim am Taunus, archiviert vom Original am 6. Dezember 2016; abgerufen am 5. Dezember 2016.
  10. Ortsbeirat Hofheim-Diedenbergen. Stadt Hofheim am Taunus, abgerufen am 28. März 2017.
  11. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Diedenbergen, Main-Taunus-Kreis vom 21. Juli 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 32, S. 1293, Punkt 1110 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,6 MB]).