Die zweigeteilte Frau

Film von Claude Chabrol (2007)

Der Film Die zweigeteilte Frau (Originaltitel: La Fille coupée en deux) ist ein Thriller des französischen Regisseurs Claude Chabrol. Nach seinen Angaben dienten ihm das Privatleben und die Ermordung des New Yorker Architekten Stanford White im Jahr 1906 als Ausgangspunkt für die Erzählung.[2] Der Titel lässt sich auch als Persönlichkeitsspaltung zwischen Unschuld und Korrumpierung interpretieren.[3]

Film
Deutscher Titel Die zweigeteilte Frau
Originaltitel La Fille coupée en deux
Produktionsland Deutschland, Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 2007
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Claude Chabrol
Drehbuch Claude Chabrol
Cécile Maistre
Produktion Patrick Godeau
Musik Matthieu Chabrol
Kamera Eduardo Serra
Schnitt Monique Fardoulis
Besetzung

HandlungBearbeiten

Die junge und attraktive Gabrielle arbeitet als Wetterfee bei einem Fernsehsender in Lyon. Als sie den Erfolgsautor Charles Saint-Denis kennenlernt, beginnt sie mit dem verheirateten älteren Mann eine leidenschaftliche Affäre. Für Gabrielle ist Charles die große Liebe. Sie ahnt nicht, dass sie für den notorischen Fremdgänger lediglich ein Seitensprung ist und er gar nicht daran denkt, seine Ehe mit Dona zu beenden. Unglücklich, weil von ihm verlassen, tröstet sich Gabrielle in den Armen des reichen Erben Paul Gaudens. Als Charles von der anstehenden Heirat erfährt, sucht er Gabrielle auf, um ihr eine Wiederaufnahme der Affäre anzubieten, was sie empört ablehnt. Paul erweist sich unterdessen als instabil. Zunehmend plagt ihn Eifersucht, insbesondere als Gabrielle ihm Details ihrer Liebschaft erzählt. Er erschießt Charles in aller Öffentlichkeit.

Um Haftminderung für Paul zu erlangen, bittet seine bourgeoise Mutter Gabrielle, dem Gericht doch intime Details ihrer Beziehung zu Charles offenzulegen. Gabrielle macht schließlich eine entsprechende Aussage, um Paul zu helfen – trotz des unweigerlich damit verbundenen Skandals. Paul erhält daraufhin ein milderes Urteil, aber Gabrielle muss feststellen, dass die Familie den Kontakt zu ihr jäh abgebrochen und Paul die Scheidung eingereicht hat. Erst als ihr Onkel ihr einen Job als Assistentin in seiner Zauberschau anbietet, findet sie im Rampenlicht zu ihrem Lächeln zurück.

AuszeichnungBearbeiten

KritikenBearbeiten

Die Darstellung des reichen Sohnes durch Benoît Magimel war mehreren Kritikern eine Erwähnung wert. Die österreichischen Blätter Presse und Standard lobten, er gebe eine „köstliche Schnösel-Charge“[3] und übertreibe seine Rolle gekonnt.[2] Für den film-dienst spielt er überdreht eine nicht ernstzunehmende, aber amüsante Gestalt.[4]

Die taz befand, Chabrol, der das Bürgertum feiere wie angreife, habe einen Film vorgelegt, der „zugleich elegant und kühl, spielerisch und philosophisch, intelligent und leicht ist.“[5] Nach dem Urteil der Presse ist es „vermutlich Chabrols schwärzeste Komödie“ seit einem Vierteljahrhundert, die mittels repräsentativer Figuren ein perfektes Abbild einer lächerlichen, perversen Bürgergesellschaft entwickelt.[3] Und nach Einschätzung von Cinema dreht der Regisseur immer noch erfrischend junge Filme: „Chabrol könnte solche Geschichten mittlerweile im Schlaf inszenieren, filmt aber alles andere als verschnarcht: Gewohnt präzise liefert er böse Charakterstudien und schneidende Dialoge.“[6] Als eine mit intellektueller Schärfe erzählte Versuchsanordnung betrachtete Die Welt den sehr „klassischen“ Film.[7] Chabrol zeige keine differenzierten Figuren, sondern vorgefertigte Typen, was den Vorteil habe, dass die Tragödie dem Publikum umso unausweichlicher erschiene.[8]

Ungleich härter fällt das Urteil des Tagesspiegels („eines von Chabrols schwächeren Werken“) aus: Nach einem halben Jahrhundert sei das Publikum Chabrols müde und dieser Film eher einer der schwächeren in seinem Œuvre. „Er misslingt nicht einmal auf großartige Weise. Aber man wird denkend dabei, also hellwach. […] Und optisch ist er wie so oft bei Chabrol von makellos kühler Eleganz und Perfektion.“ Das Ereignis des Films sei Ludivine Sagnier, die angebliche Ausstrahlung des alten Schriftstellers auf die junge Frau aber nicht nachvollziehbar.[9]

Atmosphärisch dicht und erotisch aufgereizt findet der film-dienst die routinierte Inszenierung des bürgerlich-wohlhabenden Milieus, doch Motivationen und Gefühle der Gestalten blieben vage Behauptungen.[4] Ähnliches bemängelt der Standard: Die Gefühle wirkten wie herbeigeschrieben, Qualitäten zeigten sich nur „in den kleinen Dingen: den Spielereien mit Namen und Bonmots, Gesten und Kostümen.“ Zu seinen ewiggleichen Themen rund um die Bourgeoisie sei Chabrol nichts wesentlich Neues eingefallen.[2]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Die zweigeteilte Frau. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Januar 2008 (PDF; Prüf­nummer: 112 682 K).
  2. a b c Isabella Reicher: Im Paradies der Intriganten. In: Der Standard, 8. Januar 2008, S. 32; auffindbar im Zeitungsarchiv.
  3. a b c Christoph Huber: Niedertracht zum Niederknien. In: Die Presse, 9. Januar 2008.
  4. a b Esther Buss. In: film-dienst Nr. 1/2008, S. 23.
  5. „Die zweigeteilte Frau“ von Claude Chabrol. In: taz, 10. Januar 2008, S. 24; nicht gezeichnete Kurzkritik.
  6. Karl-Heinz Schäfer. In: Cinema, Nr. 1/2008, S. 60.
  7. Cosima Lutz: Unschuldsengel in der Hölle. In: Die Welt, 10. Januar 2008, S. 29.
  8. Maximilian Probst: Hübscher Goldfisch im Haifischbecken. In: Die Zeit, Nr. 3/2008.
  9. Kerstin Decker: Erlöst den Wetterfrosch! In: Der Tagesspiegel, 10. Januar 2008, S. 25.