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Die Stimmen der Nacht

Roman von Thomas Ziegler.

Die Stimmen der Nacht ist ein im Jahr 1984 im Ullstein-Verlag erschienener alternativhistorischer Roman des Schriftstellers Thomas Ziegler.

AuszeichnungenBearbeiten

Das Buch erhielt 1984 den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie Beste Erzählung. 1993 erschien eine überarbeitete und erweiterte Fassung des Buches unter dem Titel Stimmen der Nacht. Diese Fassung erhielt 1994 den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie Bester Roman.

InhaltBearbeiten

HandlungBearbeiten

Der amerikanische Ex-Fernsehstar Jakob Gulf ist seit vier Jahren verwitwet. Dennoch liegt ihm seine Frau permanent in den Ohren und nervt ihn unendlich. Sie hat noch zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass Gulf von sogenannten Kletten belästigt wird: Winzigen, unsichtbaren Maschinchen, die ihn wie Fliegen umschwirren und mit den Tiraden seiner Frau zutexten. Beunruhigt wird Gulf von der Tatsache, dass die Speicher der kleinen Apparate manchmal leer sind – sie also gar keinen Text haben. Trotzdem gehen die verbalen Attacken unvermindert weiter, so dass Gulf zu glauben beginnt, seine Frau spräche direkt aus dem Jenseits zu ihm.

Wegen dieser seltsamen Umstände hält der US-Geheimdienst Gulf für einen Fachmann in Sachen Kletten und entsendet ihn nach Deutschland: Dort erklingen auch die Stimmen von Toten, und zwar im Kölner Dom. Es sind die Stimmen von Hitler und anderen Nazi-Größen. Gulf wird von der Werwolf-Organisation entführt, die die Worte des Führers beschützen will, und von den Alliierten wieder befreit. Von ihnen erfährt er, dass mittlerweile Kletten mit der Stimme von John F. Kennedy in Dallas flüstern. Als er vor dem Angriff der Nazis flüchtet, folgen ihm die Stimmen aus dem Dom nach. Nun ist er für die in Lateinamerika lebenden übriggebliebenen Nazi-Größen – Bormann, Mengele und andere – interessant geworden, und sie entführen ihn in die Anden, ehe sie, auf die Stimmen der Kletten hörend, einen Atomkrieg gegen die USA vom Zaun brechen.

HintergrundBearbeiten

Der geschichtliche Verlauf in „Stimmen der Nacht“ entspricht, soweit im Buch darauf eingegangen wird, bis Ende 1944 den historischen Tatsachen. Wichtiger Unterschied ist, dass die USA die Atombombe bereits vor der Kapitulation Deutschlands vollständig entwickelt haben und ebendiese dadurch erzwingen, indem sie sie im Februar 1945 über Berlin abwerfen. Hitler stirbt im Führerbunker. Martin Bormann und andere Nazigrößen überleben und werden nur zum Teil von den Alliierten festgenommen.

Nach Ende des Krieges tritt der Morgenthau-Plan in Kraft. Deutschlands Industrieanlagen werden demontiert und unter anderem nach Polen, in die UdSSR oder ins neugegründete Israel gebracht. Deutschland erhält keine Wiederaufbauhilfe; die meisten Großstädte bleiben Ruinen. Damit die Bevölkerung, die Deutschland, jetzt wieder ein Agrarstaat, nicht ernähren kann, nicht verhungert, beschließen insgesamt 20 Millionen Deutsche, darunter zahlreiche gut ausgebildete Ingenieure, Wissenschaftler und Industrielle, nach Südamerika auszuwandern. Die Alliierten leisten Hilfe, indem sie mit Schiffen den sogenannten „Großen Exodus“ ermöglichen. Unter den Migranten befinden sich beispielsweise Krupp, Thyssen oder Wernher von Braun. Die ODESSA, deren historische Existenz umstritten ist, wird im Roman tatsächlich gegründet und ermöglicht unter anderem Klaus Barbie die Flucht nach Südamerika.

Das ebenfalls besiegte Japan wurde in einen demokratischen Süden und in einen sozialistischen, von der UdSSR kontrollierten Norden aufgeteilt. Dieser produziert billiges Spielzeug und exportiert es in alle Welt.

Die Ankunft der deutschen Auswanderer in Südamerika löst dort ein Wirtschaftswunder aus. Als Folge übernehmen die Deutschen die Kontrolle über alle südamerikanischen Staaten und gründen „Deutsch-Amerika“. Sie bauen ein Kosmodrom, entwickeln moderne Waffensysteme, auch die Atombombe, und gestalten ihren Staat nach dem Vorbild Nazideutschlands. Weiterhin produzieren die Nazis in großen Mengen Kokain. Bormann wird als „Reichsleiter“ Staatschef und lebt in einer Bunkeranlage in den Anden. In Brasilien wird die Hauptstadt Germania gegründet. Deutsch-Amerika steigt schließlich zur Großmacht auf.

In Europa bewirkt das Wegfallen der Wirtschaftsmacht Deutschland den ökonomischen Niedergang Frankreichs und der Beneluxstaaten. Deutsche Partisanen greifen regelmäßig westeuropäische Binnenschiffe an und haben als bewaffneten Arm im Kampf gegen die Westmächte die „Neue Waffen-SS“ gegründet.

Science-Fiction-ElementeBearbeiten

Neben den alternativgeschichtlichen Komponenten existieren als der Science Fiction zuzuordnende Elemente winzige Roboter (von der fiktiven „I.G. Robot“ entwickelt), die von den Nazis als Spione über die US-mexikanische Grenze geschickt werden. Weiterhin existiert ein Keramik-Surfbrett, mit dem man auf der Atmosphäre surfen kann. Bei Verwendung dieses Surfbrettes stirbt vor Einsetzen der Erzählung die Frau des Protagonisten.

AusgabenBearbeiten

  • Thomas Ziegler: Die Stimmen der Nacht, Ullstein 1984, ISBN 3-548-31078-8 (Originalausgabe)
  • Thomas Ziegler: Stimmen der Nacht, Heyne 1993, ISBN 3-453-06628-6 (überarbeitete und erweiterte Fassung)
  • Thomas Ziegler: Stimmen der Nacht, Golkonda Verlag 2014, ISBN 978-3-94472-043-2 (durchgesehene Neuausgabe)

WeblinksBearbeiten

  • Rezension bei scifiction.de, Abgerufen am 15. April 2012