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Die Heilige und ihr Narr (1913) ist der einzige Roman, den Agnes Günther geschrieben hat. Er gehört mit über 140 Auflagen und der Anzahl gedruckter Exemplare jenseits der Millionengrenze zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Büchern.[1] Das Romanmanuskript wurde Weihnachten 1911, zehn Monate nach ihrem Tod, von Karl Josef Friedrich, dem Studienfreund ihres Sohnes, in der Wohnung in Marburg entdeckt, im Jahr 1912 von ihm für den Druck überarbeitet und im Mai 1913 postum herausgegeben. Das Buch wurde als eine Art Märchen wahrgenommen, dessen Protagonistin, eine Prinzessin, für eine abgehobene Atmosphäre sorgt, in der die Menschen empfindsam sind, ihre Gefühle rein und alle Niedertracht ihnen fremd ist.

Die Titelheldin verehrt ihren künftigen geliebten Ehemann, einen hochgewachsenen Mann, der „stolze Festigkeit“ besitzt. Die Prinzessin wird liebevoll „Seelchen“ genannt, ein Name, der sich nicht nur auf ihre Gabe des zweiten Gesichts bezieht, sondern auf ihre ganze Persönlichkeit. Sie steht in der deutschen Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts für eine Verkörperung einer idealen, tugendhaften Frau, für Ergebenheit, Empfindsamkeit und Reinheit. Das Buch ist der konservativen Trivialliteratur zuzuordnen.

BuchausgabenBearbeiten

  • Die Heilige und ihr Narr. [Erstausgabe]. Stuttgart: Steinkopf 1913.
  • Die Heilige und ihr Narr. Unveränd. Nachdr. der vollst. Orig.-Ausg. von 1913, 144. Aufl. Kiel: Steinkopf 2011. ISBN 978-3-79840813-5

VerfilmungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wikisource: Agnes Günther – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutschlandradio Kultur vom 31. Mai 2011: Der Stuttgarter Antiquar Frieder Weitbrecht, Enkel des damaligen Verlegers Friedrich Weitbrecht im Verlag Steinkopf, hat das handgeschriebenes Verlagsbuch aufgeschlagen – auf der ersten Seite prangen die Worte „mit Gott“ – und er entnimmt daraus die Auflagenentwicklung: „Wir sehen hier 1913 im April 3.200 Exemplare, im September 3.300 und im Dezember 3.300. Also im ersten Jahr schon 10.000. Das ist ziemlich flott. 1914 im Februar waren es 6.600, und im Juni 10.000, im September 1914 allein 20.000 und im Dezember noch mal 20.000. Wie teuer war denn das Buch? 4 Mark 50. 1921, im November, noch mal 10.300, 1923 6.600 und so geht es weiter. Und insgesamt bis heute sind, glaub ich, 1,7 Millionen Exemplare auf dem Markt. Von den 1,7 Millionen sind vielleicht 1,65 Millionen vor 1960 verkauft worden. Danach hat es schon sehr nachgelassen. Der Verlag verkauft jetzt noch von der Auflage, die 2001 gedruckt wurde.“ (online auf dradio.de)