Die Hand Gottes

Film von Paolo Sorrentino (2021)

Die Hand Gottes (Originaltitel: È stata la mano di Dio, internationaler Titel: The Hand of God) ist ein italienischer Spielfilm von Paolo Sorrentino aus dem Jahr 2021. In dem Drama verarbeitete der Regisseur seine eigene Jugend in Neapel der 1980er-Jahre, die von einem familiären Schicksalsschlag überschattet wurde. Das Werk wurde vor seiner Premiere wiederholt als persönlichster Film Sorrentinos angepriesen.

Film
Deutscher TitelDie Hand Gottes[1]
OriginaltitelÈ stata la mano di Dio
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 130 Minuten
Stab
Regie Paolo Sorrentino
Drehbuch Paolo Sorrentino
Produktion Lorenzo Mieli,
Riccardo Neri,
Paolo Sorrentino,
Gennaro Formisano
Musik Lele Marchitelli
Kamera Daria D’Antonio
Schnitt Cristiano Travaglioli
Besetzung

Im Jahr seiner Veröffentlichung wurde Die Hand Gottes im Wettbewerb der 78. Internationalen Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt.

HandlungBearbeiten

Neapel, in den 1980er-Jahren: Der unbeholfene Fabietto wächst in einer exzentrischen Familie auf, die einen verschwenderischen Lebensstil pflegt. Die Schisas genießen das Leben, treiben Späße und mischen sich gerne in die komplizierten Beziehungsgeschichten anderer ein. Fabietto wiederum schwärmt für den hiesigen Fußballklub SSC Neapel, der zu seiner Freude Diego Maradona unter Vertrag nimmt. Doch der 17-Jährige wird in dieser Zeit auch mit einer unerwarteten Tragödie konfrontiert, der er selbst durch seine Schwärmerei für den argentinischen Weltklassespieler entgeht. Fabietto hadert daraufhin mit seinem Schicksal, ist gleichzeitig verwirrt von den Verlustgefühlen und der berauschenden Freiheit des Lebens, die ihm zuteil wird. Freude und Leid, Liebe und Sehnsucht, Absurdität und Schönheit wechseln sich im Leben des Jugendlichen ab. Ein Ausweg aus der Katastrophe ist für Fabietto die eigene Fantasie. Diese weist ihm den Weg in die Zukunft eines aufstrebenden Filmregisseurs.[2][3][4]

EntstehungsgeschichteBearbeiten

Autobiografischer HintergrundBearbeiten

 
Paolo Sorrentino (2017)

Für Paolo Sorrentino ist Die Hand Gottes der neunte Kinospielfilm, bei dem er Regie führte. Auch verfasste er das Drehbuch und trat als Koproduzent auf. Anfang Juli 2020 machte er das Projekt öffentlich. Sorrentino bezeichnete das Werk als seinen bis dahin „intimsten und persönlichsten Film“ sowie als „heitere und schmerzhafte Coming-of-Age-Geschichte“.[5]

Sorrentino ist selbst in Neapel als Sohn eines Bankdirektors geboren und aufgewachsen.[6] Im Jahr 1986 rettete ihn eigenen Angaben zufolge der geplante Besuch eines Fußballspiels mit Diego Maradona (1960–2020) das Leben, dem er immer wieder Bewunderung zollen sollte (u. a. in seiner Dankesrede bei der Oscarverleihung 2014, wo sein Film La Grande Bellezza – Die große Schönheit preisgekrönt wurde).[7] Im Alter von 16 Jahren erlaubten ihm seine Eltern erstmals eine Partie seines Heimatvereins SSC Neapel zu besuchen, für den Maradona spielte. Sorrentino wollte dafür zum Serie-A-Auswärtsspiel gegen den FC Empoli nach Empoli reisen, während sein Vater und seine Mutter ein Sommerhaus in Roccaraso bezogen.[8] Normalerweise hätte er seine Eltern bei dem Ausflug in die Berge begleiten sollen. Während diesem erstickten Vater und Mutter im Schlaf aufgrund eines Gaslecks in ihrem dort bezogenen Ferienhaus.[7] (anderen Quellen zufolge starben die Eltern bei einem Autounfall[6]). Ein Tag nach Abreise der Eltern wurde der junge Sorrentino zu Hause in Neapel vom Pförtner über den Unfalltod der Eltern informiert.[8]

Reaktion Maradonas und DreharbeitenBearbeiten

Sorrentino hatte bereits zuvor einen Maradona-Doppelgänger in seinem Film Ewige Jugend (2015) auftreten lassen. Da der Titel Die Hand Gottes an das berühmte Tor Maradonas während der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 erinnert, ließ der Argentinier noch zu Lebzeiten von seinem Anwalt juristische Schritte gegen Sorrentino und die laufende Produktion prüfen.[7] Ohne Maradonas Genehmigung war u. a. ein Bild von ihm verwendet worden.[8]

 
Für Schauspieler Toni Servillo ist Die Hand Gottes die achte Zusammenarbeit mit Sorrentino.

Die Dreharbeiten begannen im August 2020 in Neapel, wo Sorrentino erstmals seit seinem Debütfilm L’uomo in più (2001) wieder gedreht hatte. Daher bezeichnete er Die Hand Gottes auch als eine Art Heimkehr.[9] L’uomo in più handelte von zwei alternden Männern, die nach erfolgreicher Karriere als Entertainer bzw. Fußballprofi den sozialen Abstieg erleben. Weitere Drehorte für Die Hand Gottes waren im September desselben Jahres die Insel Stromboli sowie später die Amalfiküste.[10] Produziert wurde der Film gemeinsam mit Lorenzo Mieli (The Apartment Pictures), der mit Sorrentino auch an der Serie The New Pope (2019–2020) zusammengearbeitet hatte.[11] Ebenso wurde sein bevorzugter Darsteller Toni Servillo verpflichtet, den er schon in seinem Erstlingswerk L’uomo in più eine der Hauptrollen anvertraut hatte. Die Hauptrolle des Fabietto erhielt der ebenfalls in Neapel aufgewachsene Nachwuchsschauspieler Filippo Scotti. Sorrentino arbeitete erneut mit Filmkomponist Lele Marchitelli und Editor Cristiano Travaglioli zusammen. Daria D’Antonio wurde erstmals vom Regisseur als alleinverantwortlicher Kameramann eingesetzt. Er hatte zuvor Sorrentinos bevorzugtem Kameramann Luca Bigazzi bei den Aufnahmen an La Grande Bellezza – Die große Schönheit unterstützt.[12]

Sorrentino gab kurz vor der Premiere des Films an, er habe mit Die Hand Gottes stilistisch versucht, die Fallen einer konventionell inszenierten Autobiografie zu umgehen. Statt „Übertreibung, Opferrolle, Mitleid, Mitgefühl und Nachsicht gegenüber Schmerzen“ legte er Wert auf „eine einfache, spärliche und essentielle Inszenierung“. Dies habe er mit dem Einsatz von einer „neutral“ und „nüchtern“ gehaltenen Filmmusik und Kameraarbeit versucht.[4]

„Der Apparat der Kinematographie wird einen Schritt zurücktreten, um das Leben dieser Jahre sprechen zu lassen, so wie ich sie in Erinnerung habe, wie ich sie erlebte, gefühlt habe. Einfach ausgedrückt ist dies ein Film über Sensibilität. Und über allem, so nah und doch so fern, schwebt Maradona, dieses gespenstische Idol, 1,50 m, das das Leben aller in Neapel zu nähren schien, zumindest meines.“

Paolo Sorrentino[4]

VeröffentlichungBearbeiten

Der Film wurde am 2. September 2021 beim 78. Filmfestival von Venedig uraufgeführt.[4] Netflix erwarb die Rechte an Die Hand Gottes. Der Film soll im weiteren Verlauf des Jahres ins Programm des Streaminganbieters aufgenommen sowie in ausgewählten Kinos veröffentlicht werden.[11]

Ein erster Trailer wurde am 19. August 2021 veröffentlicht. Netflix bewarb den Film in der offiziellen Inhaltsangabe erneut als „persönlichste Geschichte“ Sorrentinos, sowie als „eine Geschichte über Schicksal und Familie, Sport und Kino, Liebe und Verlust“.[12]

AuszeichnungenBearbeiten

Für Die Hand Gottes erhielt Sorrentino seine erste Einladung in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals. Dort hatte das Werk gegenüber dem französischen Beitrag L’évènement von Audrey Diwan das Nachsehen und wurde mit dem zweitwichtigsten Preis, dem Silbernen Löwen – Großer Preis der Jury, ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde Hauptdarsteller Filippo Scotti mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Nachwuchsdarsteller geehrt.[13] Im selben Jahr folgten der Publikumspreis des amerikanischen Newport Beach Film Festivals sowie drei Nominierungen für den Europäischen Filmpreis (bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch).[14]

Im Oktober 2021 wurde Die Hand Gottes ausgewählt, Italien als Kandidaten für den besten internationalen Film bei der Oscarverleihung 2022 zu vertreten.[15]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Hand Gottes bei Netflix, abgerufen am 13. August 2021.
  2. È stata la mano di Dio. In: mymovies.it (abgerufen am 13. August 2021).
  3. Kate Erbland: 45 Must-See New Movies to Catch This Fall Season. In: indiewire.com, 13. August 2021 (abgerufen am 13. August 2021).
  4. a b c d È stata la mano di Dio. In: labiennale.org (abgerufen am 27. August 2021).
  5. ANSA: Sorrentino dirige E' stata la mano di Dio per Netflix; Le riprese partiranno a breve a Napoli. 8. Juli 2020, 2:17 PM CET (abgerufen via Pressedatenbank Nexis Uni).
  6. a b Paolo Sorrentino. In: Internationales Biographisches Archiv 23/2020 vom 2. Juni 2020 (abgerufen via Munzinger Online).
  7. a b c Chiara Di Clemente: Il Pibe ingrato: “Faccio causa a Sorrentino”. In: Il Resto del Carlino, 14. Juli 2020, S. 27.
  8. a b c Renato Franco: Maradona contro Sorrentino: sfrutti la mia immagine, ti faccio causa. In: Corriere della Sera, 14. Juli 2020, S. 41.
  9. Maurizio Nicita: Sorrentino, ciak a Napoli su Maradona «Sarà un film intimo e personale». In: La Gazzetta dello Sport, 9. Juli 2020, S. 47.
  10. ANSA: Cinema: Stromboli diventa set per film di Sorrentino; Si gira "E' stata la mano di Dio". Servillo tra i protagonisti. 11. September 2020, 9:40 AM CET (abgerufen via Pressedatenbank Nexis Uni).
  11. a b ANSA: Venezia: Sorrentino, ritorno alle origini; E' stata la mano di Dio in corsa per il Leone d'oro. 26. Juli 2021, 3:42 PM CET (abgerufen via Pressedatenbank Nexis Uni).
  12. a b Jude Dry: ‘The Hand of God’ First Trailer: Paolo Sorrentino Directs His Most Personal Film Yet. In: indiewire.com, 19. August 2021 (abgerufen am 21. August 2021).
  13. Official Awards of the 78th Venice Film Festival. In: labiennale.org, 11. September 2021 (abgerufen am 11. September 2021).
  14. È stata la mano di Dio (2021) – Awards. In: imdb.com (abgerufen am 12. November 2021).
  15. Marine de Guilhermier: Sorrentino's 'E Stata La Mano di Dio' put up for Oscar. In: ansa.it, 26. Oktober 2021 (abgerufen am 12. November 2021).