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Die Frau des Nobelpreisträgers

Filmdrama von Björn Runge aus dem Jahr 2017

Die Frau des Nobelpreisträgers (Originaltitel: The Wife) ist ein schwedisch-US-amerikanisches Filmdrama von Björn Runge, das im September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere feierte und am 17. August 2018 in die US-Kinos kam. Der Film basiert auf dem Roman Die Ehefrau von Meg Wolitzer. In Rückblenden erfährt der Zuschauer, dass Joan Castleman, die ihren Ehemann zu der Verleihung des Literatur-Nobelpreises begleitet, in jungen Jahren selbst eine vielversprechende Autorin war, ihre eigene Karriere jedoch der ihres Mannes untergeordnet hat. Bei den Golden Globe Awards 2019 wurde Glenn Close als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Im Rahmen der Oscarverleihung 2019 erhielt Close eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin.

Filmdaten
Deutscher TitelDie Frau des Nobelpreisträgers
OriginaltitelThe Wife
ProduktionslandSchweden, USA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2017
Länge101 Minuten
AltersfreigabeFSK 6[1]
Stab
RegieBjörn Runge
DrehbuchJane Anderson
ProduktionClaudia Bluemhuber,
Piodor Gustafsson,
Rosalie Swedlin,
Jo Bamford,
Meta Louise Foldager Sørensen,
Piers Tempest
MusikJocelyn Pook
KameraUlf Brantås
SchnittLena Runge
Besetzung

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Joan Castleman und ihr Ehemann Joe reisen nach Stockholm, wo ihm der Literatur-Nobelpreis verliehen werden soll. Mit dabei ist Sohn David, der auch eine Karriere als Schriftsteller plant, doch das Urteil seines Vaters über seine Schreibversuche fiel bislang ernüchternd aus. In ihrem Flugzeug befindet sich auch Nathaniel Bone, der eine Biografie über Joe schreibt, ohne dass dieser ihn dabei unterstützt. Joan erinnert sich an die Anfänge ihrer Beziehung in den 1950ern. Sie war eine hoffnungsvolle Nachwuchsschriftstellerin, Joe ihr Mentor an der Uni. Da sie aber nicht glaubte, dass ihre Geschichten veröffentlicht würden, stellte sie ihre Ambitionen zugunsten von Joe zurück. Seine Ideen setzte sie in Romane um, die ihn berühmt machten. Er dankte es ihr aber nicht, sondern hatte etliche Affären. Nachdem Bone dies alles recherchiert hatte und David seine Eltern damit konfrontiert, gibt Joan die Fassade auf und will ihren Mann verlassen. Der erleidet aber im Hotel einen Herzinfarkt und stirbt. Auf dem Heimflug droht Joan Bone damit, ihn zu verklagen, wenn er seine Vermutungen veröffentlichen würde. Zu David sagt sie, dass sie ihm und seiner Schwester alles erklären wird.

ProduktionBearbeiten

The Wife basiert auf dem gleichnamigen Roman der amerikanischen Schriftstellerin Meg Wolitzer, der unter dem Titel Die Ehefrau auch in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht wurde. Bereits zuvor war Wolitzers Roman The Interestings (dt. Die Interessanten) verfilmt worden.

Regie führte Björn Runge, der auch Wolitzers Roman für den Film adaptierte.[2] Die Filmmusik komponierte Jocelyn Pook. Anfang November 2018 veröffentlichte Node Records den Soundtrack zum Film als Download.[3]

Glenn Close übernahm die Hauptrolle von Joan Castleman.[2] Closes Tochter Annie Starke spielt im Film Joan Castleman in jungen Jahren.[4] Jonathan Pryce spielt ihren Ehemann Joe, der in Rückblicken in jungen Jahren von Harry Lloyd verkörpert wird. Max Irons spielt Sohn David, und Christian Slater übernahm die Rolle von Joes Stalker Nathaniel Bone, der gerne eine Biografie über diesen schreiben würde.

Der Film feierte am 12. September 2017 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Premiere[5] und wurde am 30. September 2017 als Abschlussfilm des San Sebastián Festivals gezeigt.[6] Anfang Oktober 2017 wurde der Film im Rahmen des Zurich Film Festivals gezeigt.[7][8][9] Im Juni 2018 wurde der Film beim Nantucket Film Festival[10] und beim Sydney Film Festival gezeigt.[11]

Am 17. August 2018 kam The Wife in ausgewählte US-amerikanische Kinos und am 28. September 2018 in die Kinos im Vereinigten Königreich. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 3. Januar 2019.[12]

RezeptionBearbeiten

Altersfreigabe und KritikenBearbeiten

In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.[13] In Deutschland wurde er von der FSK ab 6 Jahren freigegeben. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film zeigt einige Streitigkeiten, ist insgesamt aber ruhig inszeniert. Sehr vereinzelt gibt es emotional intensivere Konflikte, die aber im Kontext der unaufgeregten Gesamtatmosphäre keine übermäßige Wirkung auf Kinder ab 6 Jahren entfalten.“ Zudem biete die sehr erwachsene Geschichte Kindern im Grundschulalter kaum Anknüpfungspunkte, so dass es ihnen leicht falle, eine emotionale Distanz zu wahren.[14]

Der Film wurde bislang in 85 Prozent der bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken eher positiv bewertet.[15]

Die Filmkritikerin Antje Wessels schreibt, Björn Runge sei ein hervorragender Beobachter und lasse die Stimmung zwischen dem Ehepaar ganz langsam eskalieren: „Hier fällt mal ein vielsagendes Wort, das die innere Verfassung der angeschlagenen Joan treffsicher hervorkehrt, dort ist es ein verkrampftes Lächeln, das erkennen lässt, wie sehr sie sich doch beherrschen muss, wenn die einzige Anerkennung ihres Ehemannes die ist, dass er sie in öffentlichen Ansprachen immer wieder als seine Muse bezeichnet.“ Das Drehbuch degradiere hierbei weder Joe Castleman zum verabscheuungswürdigen Antagonisten, noch dränge es seine Gattin in die Rolle des bemitleidenswerten Opfers, so Wessels weiter.[16]

Peter Bradshaw von The Guardian sagt, Glenn Close liefere in ihrer Rolle der Gattin eines Schriftstellers und Nobelpreisträgers, die als junge Frau selbst literarischen Ambitionen hatte und nach der Auszeichnung ihres Mannes in eine Lebenskrise stürzt, ihre wohl beste schauspielerische Leistung ab. In der Rolle der allseits bewunderten Joan spiele sie eine Stütze, Mutter, baldige Großmutter und liebevolle Ehepartnerin, die nur scheinbar glücklich mit ihrem Leben im Schatten des Titans ist. Auch Jonathan Pryce sei in der Rolle des kantigen und eingebildeten alternden Schriftstellers, der fast wie ein Kind süchtig nach Lob ist, ausgezeichnet, so Bradshaw.[17]

Martin Schwickert schreibt in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der Film zeige, dass Joans Engagement weit über die familiäre und emotionale Rückendeckung des vermeintlich genialen Gatten hinausgeht, und der Höhepunkt von Josephs Karriere sei hier auch die Stunde der Wahrheit für das Ehepaar. Schicht um Schicht dringe der Film in die festgefahrenen Machtstrukturen der Beziehung ein, die ihr eigenes, dunkles Geheimnis über Jahrzehnte bewahrt hat. Die Frau des Nobelpreisträgers stehe in einer Reihe mit Filmen wie Colette, der zeitgleich in den deutschen Kinos anlief, so Schwickert weiter: „Sie beschäftigen sich mit dem Dasein jener Frauen, die gern in der Geschichtsschreibung als Musen geführt werden, obwohl ihr Beitrag am Schaffen der Lebensgefährten weit über bloße Inspiration hinausgeht. Auch Runge und Drehbuchautorin Jane Anderson erzählen von literarischen Ausbeutungsprozessen, wobei es ihnen gelingt, die Vertrautheit einer Jahrzehnte währenden Ehe glaubwürdig darzustellen. Die Filmemacher spielen auf der ganzen Klaviatur emotionaler Widersprüchlichkeiten, ohne das Wesen der Beziehung zu beschönigen.“ Vor allem aber sei Die Frau des Nobelpreisträgers das schauspielerische Opus magnum von Glenn Close: „Meisterhaft bringt sie hinter der Fassade totaler Selbstkontrolle die miteinander ringenden Gefühle ihrer Figur zum Ausdruck. Ihre Brillanz liegt in einem präzisen Minimalismus.“[18]

EinspielergebnisBearbeiten

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich auf 17,8 Millionen US-Dollar.[19] In Deutschland verzeichnet er 232.095 Besucher.[20]

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

British Academy Film Awards 2019‎

Critics’ Choice Movie Awards 2019

Golden Globe Awards 2019

Gotham Awards 2018

Independent Spirit Awards 2019

Oscarverleihung 2019

Oscar Wilde Awards 2019

  • Auszeichnung als Beste Schauspielerin[24]

Palm Springs International Film Festival 2019

  • Auszeichnung mit dem Icon Award (Glenn Close)

San Sebastián International Film Festival 2017

Satellite Awards 2018

  • Auszeichnung als Beste Filmschauspielerin (Glenn Close)[26]

Screen Actors Guild Awards 2019

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Die Frau des Nobelpreisträgers. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 185507/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b Jeff Sneider: Glenn Close to Star in Marital Drama ‘The Wife’ Based on Meg Wolitzer Novel. The Wrap, 16. Mai 2014, abgerufen am 12. September 2017 (englisch).
  3. http://filmmusicreporter.com/2018/11/02/the-wife-soundtrack-released/
  4. http://www.srf.ch/news/panorama/zurich-film-festival-glenn-close-erhaelt-golden-icon-award
  5. Brent Lang: Toronto Film Festival Lineup Includes Movies From Angelina Jolie, George Clooney, Alexander Payne In: Variety, 25. Juli 2017 (englisch).
  6. John Hopewell: San Sebastian: Glenn Close-Starrer ‘The Wife’ Selected as Closing Night Film. Variety, 18. August 2017, abgerufen am 12. September 2017 (englisch).
  7. Programme 2017 In: zff.com. Abgerufen am 14. September 2017.
  8. Elsa Keslassy: ‘Three Billboards Outside Ebbing, Missouri’, ‘Custody’, ‘Under the Tree’ to Compete in Zurich In: Variety, 14. September 2017.
  9. Golden Icon Award an US-Schauspielstar Glenn Close/Neuster Film THE WIFE von Björn Runge als Galapremiere/Jonathan Pryce und Annie Starke ebenfalls am ZFF. 10. August 2017, abgerufen am 12. September 2017.
  10. http://www.ack.net/news/20180424/comedy-boundaries-to-open-2018-nantucket-film-festival
  11. The Wife. In: sff.org.au. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  12. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  13. http://www.comingsoon.net/movie/the-wife-2018
  14. Freigabebegründung für Die Frau des Nobelpreisträgers In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  15. The Wife. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 18. Februar 2019.
  16. https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/die-frau-des-nobelpreistraegers-the-wife/
  17. Peter Bradshaw: The Wife review – Glenn Close is unreadably brilliant as author’s spouse plunged in late-life crisis. The Guardian, 12. September 2017, abgerufen am 13. September 2017 (englisch).
  18. http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Filmkritik-zu-Die-Frau-des-Nobelpreistraegers-von-Bjoern-Runge
  19. https://www.boxofficemojo.com/movies/?id=thewife.htm
  20. Top 100 Deutschland 2019. In: insidekino.com. Abgerufen am 19. Februar 2019.
  21. Pete Hammond: Critics Choice Awards: 'The Favourite' 14 Nominations; 'Black Panther' A Marvel; 'First Man' Rebounds; 'The Americans' Leads TV Series. In: deadline.com, 10. Dezember 2018.
  22. Ramin Setoodeh: Ethan Hawke’s 'First Reformed' Leads Gotham Awards Nominations. In: Variety, 18. Oktober 2018.
  23. Independent Spirit Awards: 'Eighth Grade,' 'First Reformed' Among Best Feature Nominees. In: The Hollywood Reporter, 16. November 2018.
  24. Dave McNary: Film News Roundup: Glenn Close Selected for Oscar Wilde Award. In: Variety, 15. Januar 2019.
  25. Official Selection In: sansebastianfestival.com. Abgerufen am 18. September 2017.
  26. Karen M. Peterson: International Press Academy Announces Nominees for 23rd Annual Satellite Awards. In. 29. November 2018.