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Die 25. Stunde (Film)

Film von Henri Verneuil (1967)

Die 25. Stunde (Originaltitel La Vingt-cinquième heure) ist ein 1966 auf dem Balkan entstandener, französisch-italienisch-jugoslawischer Spielfilm von Henri Verneuil. Anthony Quinn spielt hierin einen Mann, der während des Zweiten Weltkriegs verschleppt wird und schließlich in die Mühlen von Arbeitslager und Rassenwahn gerät. Der Geschichte liegt ein 1949 erschienener Roman von Constantin Virgil Gheorghiu zugrunde.

Filmdaten
Deutscher TitelDie 25. Stunde
OriginaltitelLa Vingt-cinquième heure
ProduktionslandFrankreich
Italien
Jugoslawien
OriginalspracheEnglisch
Französisch
Erscheinungsjahr1967
Länge123 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieHenri Verneuil
DrehbuchHenri Verneuil
François Boyer
Wolf Mankowitz
ProduktionCarlo Ponti
MusikGeorges Delerue
Maurice Jarre (ungenannt)
KameraAndréas Winding
SchnittFrançoise Bonnot
Besetzung
Synchronisation

HandlungBearbeiten

Johann Moritz ist ein schlichter Mann, der ein einfaches aber wohlgeordnetes, jedoch von zahlreichen Entbehrungen bestimmtes, hartes Leben im ländlichen Rumänien führt. Eines Tages, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, wird das Leben des Bauern von einer Sekunde zur anderen auf den Kopf gestellt, wird er am Ende des Krieges ein völlig anderer Mensch sein, der in die vom Wahnsinn bestimmten Mühlen der Weltgeschichte mit seinen militärischen und rasseideologischen Verwerfungen geriet und in ihnen beinah zermahlen wurde. Das Unglück Johanns beginnt, als eines Tages mehrere Militärfahrzeuge in sein Dorf kommen, um die Juden der Gegend einzusammeln und sie zu deportieren. Auch Johann Moritz, dem nicht klar ist, was dort gerade geschieht, wird verhaftet und auf den Transporter aufgeladen. Der völlig perplexe, einfache Landmann bestreitet vehement, Jude zu sein, weiß er doch nicht, dass ihn der Polizist seines Dorfs wider besseres Wissens denunziert hat und zwar nur deshalb, weil er unbedingt Johanns attraktive Frau Susanna für sich haben will.

Von nun an ist Moritz nicht mehr Herr des Geschehens, er wird herumgeschubst und von allen Seiten instrumentalisiert und missbraucht. Erst landet er in einem Arbeitslager, wo er bis zum Umfallen schuften muss. Susanna wird derweil gezwungen, die Scheidung einzureichen, damit sie wenigstens weiterhin ihre Kinder großziehen darf. Johann will sich seinem Schicksal nicht beugen und fürchtet, auf kurz oder lang unter den dort herrschenden Bedingungen umzukommen. Er flieht mit einigen Mitgefangenen aus dem Lager und gelangt nach Ungarn, wo angeblich die Lebensumstände für Juden (noch) einigermaßen erträglich sein sollen. Doch hält man ihn dort für einen rumänischen Spion, und Johann muss erneut in ein Lager einfahren, wo man ihn schwer misshandelt. Moritz übersteht auch diese Qualen und wird schließlich als Zwangsarbeiter nach Hitler-Deutschland deportiert.

Nur scheinbar wendet sich hier das Schicksal zu seinem Guten, als ihn ein SS-Arzt, Oberst Müller, der intensiv Rassenstudien betreibt, entdeckt und zu sich holt. Müller ist von Moritz hellauf begeistert, begutachtet ihn ganz genau, macht Fotos von Johanns Schädelform und stellt fest, dass Johann Moritz der Inbegriff des Ur-Ariers sein müsse. Die rassische Reinheit, so Müller, sei in diesem Bauern aus Rumänien exemplarisch belegt. Fortan ist aus dem vermeintlichen Juden Moritz der germanische Super-Arier geworden, und dementsprechend wird das Gesicht des einfachen Mannes, der nicht begreift, wie ihm geschieht, in Rasse- und Propagandaschriften publiziert. Der Wahnsinn geht sogar soweit, dass Johann Moritz zur Waffen-SS geholt wird, was diese angeblich zur Ehre gereichen würde. In dieser Position kann Johann Moritz kurz vor Toresschluss 1945 verhindern, dass mehreren Gefangenen der Deutschen Unheil geschieht, und er überführt sie an die heranrückenden Amerikaner.

Die GIs nehmen Moritz augenblicklich gefangen, da die Amerikaner glauben, einen besonders fetten Fang gemacht zu haben: Ein besonders abscheuliches Exemplar eines verbrecherischen SS-Mörders. Als mutmaßlicher SS-Scherge und Kriegsverbrecher wird dem vollkommen überforderten Moritz von den Alliierten schließlich der Prozess gemacht, der erst nach Jahren einen für ihn glücklichen Ausgang haben wird. Erst 1949, zehn Jahre nach seiner Verschleppung, wird er in die Heimat, nach Rumänien, zurückgeschickt, wo ihn seine mittlerweile aufgrund der Sorgen und Ängste um ihren Mann sowie einer Vergewaltigung durch einen Sowjetsoldaten verhärmte Ehefrau Susanna überglücklich in Empfang nimmt.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Die 25. Stunde wurde in Rumänien, Budapest und Jugoslawien (Außenaufnahmen) sowie in Filmstudios von München und Paris gedreht und am 16. Februar 1967 in New York uraufgeführt. In Deutschland konnte man den Film erstmals am 27. Oktober 1967 sehen.

Robert Clavel entwarf die Filmbauten, Rosine Delamare die Kostüme. Erwin Lange sorgte für die Spezialeffekte. Claude Pinoteau diente als Regieassistent.

SynchronisationBearbeiten

Rolle Darsteller Synchronsprecher[1]
Johann Moritz Anthony Quinn Hans W. Hamacher
Susanna Moritz Virna Lisi Anneliese Priefert
Nicolai Debresco Grégoire Aslan Toni Herbert
Traïan Koruga Serge Reggiani Rolf Schult
Oberst Müller Marius Goring Fritz Tillmann
Frau Nagy Françoise Rosay Ursula Krieg
Colonel Greenfield Robert Beatty Friedrich Georg Beckhaus
Staatsanwalt Alexander Knox Heinz Giese
Johanns Verteidiger Michael Redgrave Max Eckard
Strul Marcel Dalio Hugo Schrader
Innenminister Jean Desailly Friedrich W. Bauschulte
Isaak Nagy Harold Goldblatt Paul Wagner
Gerichtsvorsitzender John Le Mesurier Konrad Wagner
Koruga, der Dorfpope Liam Redmond Eduard Wandrey
Joseph Grénier Albert Rémy Gerd Martienzen
Inspektor Varga Kenneth J. Warren Heinz Petruo
Soldat bei Debresco Jacques Marin Gerd Duwner
Constantin Jan Werich Martin Hirthe

KritikenBearbeiten

Die internationale Kritik reagierte auf diesen Film mit eher durchwachsenden Beurteilungen. Nachfolgend eine kleine Auswahl:

Der Movie & Video Guide fand den Streifen „indifferent gemacht, trotz fähiger Schauspielkunst der Stars“.[2]

Halliwell’s Film Guide nannte den Film ein „rastloses Abenteuer“ und fand, dass „alles ein bisschen viel“ sei.[3]

Das Lexikon des internationalen Films resümierte: „In Thematik und Darstellung beeindruckende, insgesamt aber zu oberflächliche, routiniert-gefällige Romanverfilmung mit prätentiösem Pathos.“[4]

Cinema fand: „Kaum Tiefgang, aber spannend“.[5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die 25. Stunde in der Deutschen Synchronkartei
  2. Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 1380
  3. Leslie Halliwell: Halliwell‘s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 1057
  4. Die 25. Stunde. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 1. Januar 2018.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  5. Kritik auf cinema.de