Devid Striesow

deutscher Schauspieler

Devid Striesow (* 1. Oktober 1973 in Bergen auf Rügen, DDR) ist ein deutscher Schauspieler.

Devid Striesow, 2010.
Devid Striesow bei der Uraufführung von Wir sind jung. Wir sind stark. 2014

LebenBearbeiten

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Devid Striesow wurde 1973 auf der Insel Rügen als Sohn eines Elektrikers und einer Säuglings- und Kinderkrankenschwester geboren. Die ungewöhnliche Schreibweise seines Namens geht laut Striesow auf einen Fehler seiner Eltern zurück. Sie wollten, dass der Name „David“ englisch ausgesprochen wird.[1] Er wuchs in Rostock auf. In seiner Jugend spielte er im Landesjugendorchester.[2]

Nach seiner Schulausbildung zog er nach Berlin, um eine Lehre als Goldschmied zu beginnen. Der Goldschmiedebetrieb ging pleite, bevor er die Lehre beginnen konnte.[3] Der Mauerfall 1989 änderte seine Lebensplanung, sodass er wieder zur Schule ging, um das Abitur zu machen. Zunächst studierte er Musik. Nach dem Zivildienst bewarb er sich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Zu seinem Abschlussjahrgang 1999 gehörten unter anderem Lars Eidinger, Uwe Fischer[3], Maria Simon, Nina Hoss, Mark Waschke und Fritzi Haberlandt.[4]

TheaterBearbeiten

Seit 1999 ist er unter anderem als Theaterschauspieler am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus tätig. In Düsseldorf begann die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jürgen Gosch. Striesow spielte in dessen Inszenierungen Käthchen von Heilbronn, Prinz Friedrich von Homburg oder die Schlacht bei Fehrbellin, Hamlet und Wlas in Maxim Gorkis Sommergästen. Für die Rolle des Wlas wurde er 2004 mit dem Alfred-Kerr-Preis ausgezeichnet und erhielt von der Zeitschrift Theater heute die Auszeichnung Bester Nachwuchsschauspieler des Jahres. 2005 spielte er in Goschs Macbeth-Inszenierung, die zur Inszenierung des Jahres gewählt wurde, die Lady Macbeth.

Film und FernsehenBearbeiten

Nachdem er 1999 in der Sat.1-Krankenhausserie Für alle Fälle Stefanie in zwei Folgen mitgewirkt hatte, gab Striesow sein Filmdebüt in dem am 27. Januar 2000 auf dem Max Ophüls Festival uraufgeführten Spielfilm Amerika, in dem er den jungen Bergwerkarbeiter Lanski verkörperte. Unter der Regie von Rainer Kaufmann war er im September 2000 in dem Filmdrama Kalt ist der Abendhauch als Ernst-Ludwig Hoffmann erstmals auf der Kinoleinwand zu sehen. 2003 erhielt er eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis für die Darstellung eines erfolglosen Kleinunternehmers in Frankfurt an der Oder in Hans-Christian Schmids Film Lichter. Im Fernsehen war er in der Verwechslungskomödie Der Job seines Lebens (2003) und ihrer Fortsetzung Der Job seines Lebens 2 – Wieder im Amt (2004) als Referent Delbrück, der dem Ministerpräsidenten Uwe Achimsen (Wolfgang Stumph) zuarbeitet, zu sehen.

Seit 2005 gehörte er an der Seite von Hannelore Hoger in der Rolle des Kriminaloberkommissar Jan Martensen zum Serienteam der ZDF-Krimireihe Bella Block, die er von Folge 18 bis 27 durchgehend verkörperte. Nach Bella Blocks Pensionierung war er bis zur letzten Folge 2018 in unregelmäßigen Abständen zu sehen.

Auf der Berlinale 2007 war Striesow im deutschen Wettbewerbsbeitrag Yella und im österreichischen Die Fälscher zu sehen. Der letztgenannte Film wurde im Februar 2008 mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. 2007 gewann er den Bundesfilmpreis in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ für seine Darstellung des SS-Offiziers Friedrich Herzog in Die Fälscher. In Connie Walthers Fernsehfilm 12 heißt: Ich liebe dich (2007) spiele er neben Claudia Michelsen die männliche Hauptrolle des jungen Gefängnisvernehmers Jan. In dem ZDF-Kriminalfilm Der Tote in der Mauer (2008) war er in einer Doppelrolle zu sehen. Er spielte die Zwillingsbrüder Ralf und Frank Gerlach. In Rainer Kaufmanns Fernsehdrama Blaubeerblau (2011) übernahm er als Architekt Fritjof die Rolle eines „schüchternes Muttersöhnchen“[5], dessen Leben sich drastisch verändert, als er von seiner Chefin in ein Hospiz für Vermessungsarbeiten geschickt wird.

Von Januar 2013 bis Januar 2019 spielte Striesow für den Saarländischen Rundfunk den Hauptkommissar Jens Stellbrink in der Krimireihe Tatort. Elisabeth Brück spielte seine Kollegin, die Kommissarin Lisa Marx.

In Andreas Kleinerts TV-Psychodrama Die Frau von früher (2013), das auf dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig basiert, verkörperte er die Rolle des Frank, der seiner Jugendliebe Romy (Ursina Lardi) nach 24 Jahren – wo er eigentlich gerade in Kanada ein neues Leben beginnen wollte – erstmals wieder begegnet.[6] Im Mai 2014 war Striesow an der Seite von Anna Maria Mühe und Jeanette Hain in dem ARD-Fernsehfilm Göttliche Funken zu sehen. Er verkörperte Matthias, der seine große Liebe Diana heiratet und bei der Trauung seine Jugendliebe Lily, die inzwischen Pfarrerin ist, wiedersieht. In dem im Oktober 2014 auf den Internationalen Hofer Filmtagen gezeigten Spielfilm Wir sind jung. Wir sind stark. spielte er den sozialdemokratischen Lokalpolitiker Martin. 2015 war Striesow in der Rolle des Hape Kerkeling in dem Kinofilm Ich bin dann mal weg nach dem gleichnamigen Reisebericht Kerkelings zu sehen. In Florian Schwarz’ Filmdrama Das weiße Kaninchen (2016) über das Thema Cyber-Grooming stellte er den Lehrer und Familienvater Simon Keller dar, der pädophile Neigungen hat und als „Benny“ kleine Mädchen im Internet anschreibt. In dem Fernsehfilm Katharina Luther (2017) übernahm er die Rolle des Mönchs und Reformators Martin Luther.

Seit 2018 spielt er an der Seite von Golo Euler in der ZDF-Samstagskrimireihe Schwartz & Schwartz den Privatdetektiv Andreas „Andi“ Schwartz, der gemeinsam mit seinem Bruder Mathias „Mads“ Schwartz, einem Kriminalbeamten, Mordfälle aufklärt.

PrivatesBearbeiten

Devid Striesow war in den 1990er-Jahren mit der Schauspielerin Maria Simon liiert. Aus dieser Beziehung entstammt ein gemeinsamer Sohn, Ludwig Simon (* 1996), der mittlerweile ebenfalls als Schauspieler tätig ist. Drei weitere Kinder (* 2006, 2010[7] und 2012[8]) stammen aus der Ehe mit der aus Kamerun stammenden Francine. 2015 trennte sich das Paar. 2016 wurde bekannt, dass Striesow und seine Managerin Ines Ganzberger ein Paar sind. Im Dezember 2018 heiratete das Paar.[9] Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn (* 2016). Devid Striesow lebt in der Uckermark.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

HörbücherBearbeiten

HörspieleBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Devid Striesow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joachim Schmitz: Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung: Kommissar Sonderbar: Devid Striesow über „Tatort“, Yoga und seinen Hund. Abgerufen am 13. Juni 2020. Eine andere Erklärung seines Vornamens gab Striesow im Heft der Zeitschrift Reader's digest Deutschland vom Februar 2013.
  2. Interview: „Musik bedeutet Heimat“, in: Berliner Zeitung, 4. Juli 2020.
  3. a b Devid Striesow im Interview: "Ein Kind muss alles können" Online-Ausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung vom 13. April 2019.
  4. Eine Klasse für sich. In: ZEITmagazin Nr. 7 vom 7. Februar 2013.
  5. Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (Hrsg.): „Hörfilmkino im Kleisthaus 2013“, Seite 9.
  6. Beziehungsdrama: Devid Striesow im Arte-Film in Der Tagesspiegel. Abgerufen am 2. Oktober 2013.
  7. Das Erste Baby auf BZ-Berlin.de (abgerufen am 3. August 2010)
  8. Devid Striesow wird zum dritten Mal Vater (Memento des Originals vom 21. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/unterhaltung.t-online.de auf unterhaltung.t-online.de vom 16. Februar 2012.
  9. Devid Striesow: Er hat Ines Ganzberger das Jawort gegeben, Artikel auf stern.de vom 6. März 2019, abgerufen am 29. April 2020
  10. Literarische Welt, Die Welt
  11. Das Buch, btb
  12. Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste – ROOF Music. Abgerufen am 12. September 2018.
  13. Verleihung des Alfred-Kerr-Darstellerpreises an Devid Striesow, 2004.