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Das Deutsche Weintor aus Süden (Elsass) und Norden (Pfalz)

Das Deutsche Weintor in der südpfälzischen Weinbaugemeinde Schweigen-Rechtenbach (Rheinland-Pfalz) ist ein Torbau mit Nebengebäuden. Es gilt als eines der Wahrzeichen der Pfalz und markiert seit 1936 den südlichen Beginn der Deutschen Weinstraße. Gegenstück am 85 km entfernten nördlichen Ende der Weinstraße ist seit 1995 das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim.

Die Gebietswinzergenossenschaft der Pfalz mit Sitz im etwa 20 km entfernten Ilbesheim bei Landau nennt sich unter Bezugnahme auf das Bauwerk Winzergenossenschaft Deutsches Weintor.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Das Weintor überspannt auf 218 m ü. NHN[1] am Nordostrand des Ortsteils Schweigen die alte Trasse der heutigen Bundesstraße 38, die von Nordosten über Landau kommend ab Bad Bergzabern mit der Deutschen Weinstraße identisch ist, etwa 700 m südlich des Tores an der französisch-deutschen Grenze bei Wissembourg (Elsass) endet und in die französische D 264 (die frühere Route nationale 63) übergeht. Die Bundesstraße verläuft mittlerweile als Umgehungsstraße gut 50 m östlich am Tor vorbei, das nur noch für Fußgänger und Radfahrer offen ist. Die alte Trasse durch das Tor ist an zwei Verkehrskreiseln, die 100 m nördlich und südlich des Weintors gebaut wurden, mit der Bundesstraße verbunden.

AnlageBearbeiten

 
Säulenhalle mit Arkaden
 
Aufstieg zur Galerie

Das 18 m hohe Deutsche Weintor ist im Stil des Neoklassizismus als scheitrechte Anlage errichtet. Das Walmdach trägt an seinen Firstenden zwei Mohnkapseln aus Kupfer, die immerwährenden Wohlstand symbolisieren sollen.[2] In knapp halber Höhe zieht sich quer durch die Torlichtung eine waagerechte aus Holz gefertigte Galerie.

Nach Norden, zur „deutschen Seite“ hin, erstreckt sich ein viereckiger, mittig offener Vorhof mit Pflasterbelag. Er ist von eingeschossigen Walmdach-Flachbauten eingefasst, die teilweise als Säulenhalle ausgeführt und teilweise mit Arkaden versehen sind.

Zu der Gesamtanlage gehören auch eine Gaststätte, die durch die Winzergenossenschaft Deutsches Weintor betrieben wird,[3] sowie ein Weinlehrpfad; dieser wurde 1969 als Erster seiner Art in Deutschland eröffnet und ist 3 km lang.[4]

GeschichteBearbeiten

Errichtung im Dritten ReichBearbeiten

Das Weintor stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus. Nach einer im Weinanbaugebiet Pfalz um das Zweieinhalbfache über dem Durchschnitt liegenden Weinernte 1934 bei gleichzeitigem Berufsverbot für jüdische Weinhändler[5] kam es zu einem dramatischen Preisverfall, der viele Winzerbetriebe in wirtschaftliche Bedrängnis brachte. Die nationalsozialistischen Machthaber schufen deshalb die Deutsche Weinstraße samt dem Weintor, um – nach offizieller Lesart – die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter zu machen und um Arbeitsplätze zu schaffen.

 
Reichsadler mit nach dem Zweiten Weltkrieg herausgeschlagenem Hakenkreuz

Der Tenor der Rede, die Gauleiter Josef Bürckel am 19. Oktober 1935 in Bad Dürkheim zur Eröffnung der Deutschen Weinstraße unter dem Titel „Kampf und Volk – Wein und Wahrheit“[6] hielt, war gegenüber dem Nachbarstaat Frankreich wenig freundschaftlich (siehe auch Abschnitt Zitat). Für die feierliche Inbetriebnahme – die gelenkte Presse schrieb von „Weihe“ – der Weinstraße am 20. Oktober waren als Provisorien eine hölzerne Torattrappe in Schweigen[7] und eine ähnliche aus Pappmaschee in Grünstadt[8] nahe dem Nordende der Weinstraße errichtet worden; eine Kolonne von etwa 300 Kraftfahrzeugen befuhr die 85 km von Süden nach Norden, nachdem ein einmotoriges Flugzeug die Strecke bereits am frühen Morgen abgeflogen hatte.[6]

Anstelle der hölzernen Attrappe wurde 1936 in Schweigen das steinerne Weintor erbaut, das die damalige Landstraße überspannte.[7] Den Architektenwettbewerb hierzu hatten die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.[7] Das zur nahen nordelsässischen Grenzstadt Wissembourg (deutsch Weißenburg) hin ausgerichtete Gebäude war während der NS-Zeit mit einer riesigen Hakenkreuzfahne dekoriert, die von Frankreich aus zu sehen war und dort als Provokation empfunden wurde. Rechts oben an der Südseite des Bauwerks war zudem das fast 4 m hohe Steinrelief eines Reichsadlers angebracht, der ein Hakenkreuz in den Fängen hielt.

Ende des Zweiten WeltkriegsBearbeiten

 
Inschrift am Deutschen Weintor vom März 1945

An der dem Elsass zugewandten Südseite sind seit März 1945, als am Ende des Zweiten Weltkriegs die U.S. Army die deutsche Westgrenze überquerte, die Inschrift „Jere Gill Min. Wells 3-45“ und die Umrisse des US-Bundesstaates Texas mit dem Texas-Stern eingemeißelt. Jeremy Gill war offenbar ein amerikanischer Soldat und stammte aus Mineral Wells im Südosten von Texas, etwa 200 km nördlich von Houston.

Bald nach Kriegsende wurden die in der Anlage vorhandenen steinernen NS-Symbole herausgeschlagen.

Seit dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Das ursprünglich geplante nördliche Weintor-Pendant in Bockenheim wurde erst 60 Jahre später und in anderer Form, nämlich als die Weinstraße überspannendes Haus der Deutschen Weinstraße, realisiert.

Am Weintor beginnt seit 2012 der Wein Walk of Fame, ein Ehrenpfad, auf dem in den Boden eingelassene Metallplatten die Namen von Persönlichkeiten oder Gruppen tragen, die sich um Wein und Weinbau verdient gemacht haben. Getragen wird die Einrichtung von der Winzergenossenschaft Deutsches Weintor. Jedes Jahr am 23. April kann der Ehrenpfad um weitere Platten erweitert werden, die an deutsche oder international bekannte Persönlichkeiten erinnern. Der 23. April war der Tag, an dem die Römer zu Ehren des Gottes Jupiter ein Weinfest (lateinisch Vinalia) feierten, bei dem auch erstmals der Wein des vorjährigen Jahrgangs getrunken wurde.[9] Die deutsch-englische Bezeichnung des Ehrenpfades wurde in der mundartbewussten Pfalz als „denglisch“ kommentiert.[10]

 
Ehrentafel für Dom Pérignon (2012)

In den ersten drei Jahren wurden jeweils drei neue Platten enthüllt. Folgende Persönlichkeiten oder Gruppen werden geehrt:

Weil der Initiator Jürgen Grallath nicht mehr Geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Deutsches Weintor ist, fiel die Anbringung weiterer Ehrentafeln in den Jahren 2015 und 2016 aus.[15]

ZitatBearbeiten

„Der Wein ist wahr – das Gelöbnis echt: Hier stehen Deutsche und nichts als Deutsche – im Westen die Feldwache der Nation.“

NS-Gauleiter Josef Bürckel beim zentralen „Eröffnungsakt“ der Deutschen Weinstraße in Bad Dürkheim am 19. Oktober 1935[6]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Deutsches Weintor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Standort des Weintors auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  2. Deutsches Weintor in Schweigen-Rechtenbach. Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz; abgerufen am 26. Oktober 2011.
  3. Impressum. Deutsches Weintor e. G.; abgerufen am 26. Oktober 2011.
  4. Wein-Lehrpfad Schweigen-Rechtenbach. weinlehrpfade.de; abgerufen am 26. Oktober 2011.
  5. Ulrich Wendler: Schweigen: Das Deutsche Weintor. Abgerufen am 25. Oktober 2011.
  6. a b c Deutsche Weinstraße. In: NSZ Rheinfront. Ludwigshafen 21. Oktober 1935.
  7. a b c Geniale Idee mit problematischer Herkunft. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 7. August 2010.
  8. Weinstraße: Bezeichnung schon älter? In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 20. August 2010.
  9. Günter Werner: Hollywood lässt grüßen. In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 7. April 2012.
  10. Peter Gängel: Genügt nicht die Übersetzung? In: Die Rheinpfalz. Ludwigshafen 14. April 2012.
  11. Wein Walk of Fame eingeweiht. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 24. April 2012; abgerufen am 25. Juni 2013.
  12. Der Wein Walk of Fame wächst. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 25. April 2013; abgerufen am 25. Juni 2013.
  13. Marcel Blanck sur le Sentier de la renommée. lalsace.fr, 12. Mai 2013; abgerufen am 25. August 2016.
  14. Drei weitere Ehrungen. Winzergenossenschaft Deutsches Weintor, 15. April 2014; abgerufen am 24. April 2014.
  15. Rolf Sperber: „Wein Walk of Fame“ wird erst im kommenden Jahr wieder um drei Platten erweitert. In: Bürstädter Zeitung. 3. Mai 2016; abgerufen am 12. Februar 2017.
  16. Zuwachs auf dem Wein Walk of Fame. Deutsches Weintor e G, 20. April 2017; abgerufen am 23. April 2017.

Koordinaten: 49° 3′ 7,9″ N, 7° 57′ 22,6″ O