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Rednerpult mit dem DVW-Logo (ab 2016) auf der Jahreshauptversammlung 2017 in Würzburg

Die Deutsche Verkehrswacht e. V. (DVW) ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein auf dem Gebiet der Verkehrserziehung und -aufklärung.

Mitglied der Deutschen Verkehrswacht im Einsatz

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und StrukturBearbeiten

Der Verein wurde am 3. November 1924 in Berlin gegründet, war zwischen 1933 und 1945 verboten und konstituierte sich am 13. Dezember 1950 als Bundesverkehrswacht e. V. neu. Sitz des Verbandes war seit 1950 Bonn. Im Juli 2009 zog die Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin.

Die Organisation wird von rund 60.000 ehrenamtlichen Mitgliedern getragen, die in 630 Orts-, Gebiets- und Kreisverkehrswachten organisiert sind, die sich wiederum auf 16 Landesverkehrswachten verteilen.

Durch Initiative der DVW und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, der Wirtschaft und von Privatspendern werden Programme und Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit erstellt und umgesetzt.

Zu den Aktionen, die die DVW durchführt, gehören Programme für Vorschulkinder in Kindertagesstätten und Kindergärten, Aufklärungsaktionen für junge Fahrer, Programme für ältere Verkehrsteilnehmer, örtliche Fahrradtage, der maßgeblich vom Verband der Automobilindustrie finanzierte Schülerlotsendienst, die gemeinsam mit dem Kraftfahrzeuggewerbe durchgeführte Aktion Licht-Test, Programme zur schulischen Verkehrserziehung, die Verkehrskadetten und über viele Jahre die Fernsehsendereihe Der 7. Sinn. Durchgeführt werden u. a. Fahrsicherheitstrainings. Außerdem gibt es eine Auszeichnung als bewährter Kraftfahrer für „normale“ Kraftfahrer, Berufskraftfahrer und Straßenbahnführer.

Die Zeitschrift mobil und sicher informiert seit 1994 sechsmal im Jahr über Themen in den Bereichen Verkehrssicherheit, Verkehrserziehung, Verkehrspsychologie, Verkehrspolitik, Verkehrstechnik, Verkehrsrecht, Unfallforschung, Verkehr und Umwelt. Zudem wird seit 2000 jährlich ein „mobil und sicher“-Wettbewerb für alle örtlichen Verkehrswachten zu Verkehrssicherheitsaktionen ausgelobt.

Über den nationalen Horizont hinaus auch europäischen Zielen verpflichtet, trat die DVW 2005 der Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit (European Road Safety Charter) der Europäischen Kommission bei.

Selbstverständnis und ZielsetzungBearbeiten

Ziel der Deutschen Verkehrswacht ist es, in freiwilliger Mitarbeit engagierter Mitglieder und in eigener Initiative vor Ort die Verkehrssicherheit zu fördern, Verkehrserziehung und -aufklärung zu betreiben, Verkehrsunfälle durch geeignete Maßnahmen zu verhüten, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer auf ausreichende Sicherheit im Straßenverkehr zu vertreten, Mitglieder und Behörden in Fragen der Verkehrssicherheit zu beraten und bei ihrer Arbeit Belange des Umweltschutzes einzubeziehen.

Die Deutsche Verkehrswacht bekennt sich zur Vision Zero, dem Ideal eines unfallfreien Straßenverkehrs, in dem es keine Verkehrsopfer mehr gibt.

Ehrung – Bewährter Kraftfahrer -Bearbeiten

 
Auszeichnung – 50 Jahre Bewährter Kraftfahrer

Die Deutsche Verkehrswacht zeichnet seit 1952 bewährte Kraftfahrer mit einer Ehrung aus.[1] Die Voraussetzungen dafür sind (Auszug):

  • keine Eintragungen im Verkehrsregister
  • keine gerichtlichen Verurteilungen, die im Zusammenhang mit der Führung eines Kfz stehen
  • kein Entzug der Fahrerlaubnis oder Fahrverbot.

Die Auszeichnung Bewährter Kraftfahrer erfolgt auf Antrag in sechs Stufen:

  • Bronze: 10 Jahre Fahrzeitdauer
  • Silber: 20 Jahre Fahrzeitdauer
  • Silber mit Eichenkranz: 25 Jahre Fahrzeitdauer
  • Gold: 30 Jahre Fahrzeitdauer
  • Gold mit Eichenkranz: 40 Jahre Fahrzeitdauer
  • Goldenes Lorbeerblatt: 50 Jahre Fahrzeitdauer

MitgliederBearbeiten

Unter den Mitgliedern befinden sich laut eigener Auflistung

Präsidium und VorstandBearbeiten

Im Präsidium sind derzeit vertreten:

  • Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht e. V., Bundesverkehrsminister a. D.
  • Heiner Bartling, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Niedersachsen, Landesminister a. D.,
  • Jürgen Brauckmann, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Nordrhein-Westfalen e. V.
  • Rainer Genilke, MdL, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Brandenburg e. V.
  • Hans-Joachim Hacker, Vizepräsident, Präsident der Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern
  • Gudrun Lukin, MdL, Vizepräsidentin, Vorsitzende der Landesverkehrswacht Thüringen
  • Gabriele Pappai, Vizepräsidentin, Sprecherin der Geschäftsführung der Unfallkasse in Nordrhein-Westfalen
  • Horst Schneider, Vizepräsident, Vorsitzender der TÜV SÜD Stiftung
  • Siegfried Brockmann, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der DVW, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV)

Dieser Personenkreis sowie weitere Vertreter aus den Landesverbänden bilden den Vorstand. Geschäftsführer ist Daniel Schüle.

Gesellschaftliche LeistungBearbeiten

Die Deutsche Verkehrswacht e. V. kann als Vorreiter und Wegbereiter der heutigen Verkehrserziehung in Deutschland angesehen werden:[2]

1924 als gemeinnützige Bürgerinitiative gegründet, wurde sie bereits Jahrzehnte bevor die akademische Pädagogik die gesellschaftliche Bedeutung der Verkehrserziehung erkannte und die Allgemeinbildenden Schulen sie 1972 als fächerübergreifenden Bildungsauftrag von der Politik übertragen bekamen in der Verkehrsertüchtigung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aktiv.[3] Die anfangs sehr pragmatisch als praktische Verkehrseinweisung und Regellehre betriebene „Verkehrskunde“ wurde zunächst vorrangig aus der dringlichen Notwendigkeit der Unfallverhütung geboren und gerechtfertigt.[4] Entscheidendes Anliegen war es nämlich, die mit der rapide wachsenden Motorisierung jährlich zunehmenden Unfallzahlen bei Kindern zu bremsen und die Risiken des Straßenverkehrs vor allem für die besonders gefährdeten Schulanfänger zu senken. Unter dieser Zielsetzung wurden die Kinder geschult, wurde Elternaufklärung betrieben, wurden die Kraftfahrer regelmäßig (vor allem zu Schuljahrsbeginn) für die Problematik sensibilisiert, wurden Politiker, Stadtplaner und Kraftfahrverbände zu Maßnahmen gedrängt. Man ging mit Broschüren, Elternbriefen, Lehrgängen, Aufklärungsmaßnahmen, Vorführungen, einer eigenen Zeitschrift („mobil und sicher“)[5] in die Öffentlichkeit, band zunehmend Polizei, Elternverbände, Kommunalpolitiker, Autoclubs, Industriefirmen und Schulverwaltungen in die gemeinsame Verantwortung ein. Die Ausbildung von Schülerlotsen, Schulbusbegleitern, Moderatoren, Fachberatern schuf ein Multiplikatorensystem, das die Erkenntnis einer gemeinsamen Verantwortung förderte. Inzwischen über 800 Jugendverkehrsschulen mit ebenso vielen Verkehrsübungsplätzen, regelmäßige Wettbewerbe, Fußgänger- und Radfahrprüfungen, Anzeigenkampagnen, Abzeichen und Auszeichnungen machten die Bedeutung einer guten Verkehrserziehung öffentlichkeitswirksam bekannt. Organisatorisch entstand ein flächendeckendes Netz von gemeinnützigen Verbänden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Man tauscht sich bis heute international regelmäßig aus, etwa mit gleichartigen Verbänden in den Nachbarländern Österreich und Schweiz.[6]

Auch das Erreichen der Einbindung der Hochschulen und Schulen in die Verkehrserziehung mit der ersten KMK-Empfehlung von 1972 und der damit verbundene Durchbruch zur Entwicklung eines vollgültigen, allgemein anerkannten Erziehungsbereichs muss in wesentlichen Teilen der Initiative und den Anstrengungen der Deutschen Verkehrswacht zugerechnet werden.[7] Die 1994 und 2012 jeweils aktualisierten Empfehlungen der Kultusminister haben zwar nicht zu einer ländereinheitlichen Harmonisierung der Verkehrserziehung, aber doch zu weithin erfolgreichen Kooperationen der verantwortlichen Stellen geführt. Hieran hat die Deutsche Verkehrswacht einen wesentlichen Anteil.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Deutsche Verkehrswacht (Hrsg.): mobil und sicher – Das Verkehrswachtmagazin. Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck, zweimonatlich seit 1994.
  • Dieter Hohenadel: Erziehung und Verkehrswirklichkeit. 2. Auflage, Braunschweig 1986.
  • Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) (Hrsg.): Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. Juli 1972 i. d. F. vom 17. Juni 1994. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1994.
  • Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage. Schneider-Verlag, Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0563-2.
  • Verkehrserziehung im Aufbruch – Tendenzen der Verkehrserziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Vortrag zur Jahreshauptversammlung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit Wien am 9. November 2000 in Wels/Österreich, Wien 2001.
  • Aspekte einer zeitgemäßen Verkehrserziehung. Festvortrag zum 50-jährigen Jubiläum der Landesverkehrswacht e. V. Karlsruhe von Siegbert A. Warwitz am 30. Juni 2001 in Karlsruhe, Karlsruhe 2002.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Deutsche Verkehrswacht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsche-Verkehrswacht. - Auszeichnung-Bewährter-Kraftfahrer Abgerufen am 10. Februar 2017
  2. a b Aspekte einer zeitgemäßen Verkehrserziehung. Festvortrag zum 50-jährigen Jubiläum der Landesverkehrswacht e. V. Karlsruhe von Siegbert A. Warwitz am 30. Juni 2001 in Karlsruhe
  3. Empfehlungen zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 7. Juli 1972 i. d. F. vom 17. Juni 1994. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1994
  4. Dieter Hohenadel: Erziehung und Verkehrswirklichkeit. 2. Auflage, Braunschweig 1986
  5. Deutsche Verkehrswacht (Hrsg.): mobil und sicher, Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck
  6. Siegbert A. Warwitz: Verkehrserziehung im Aufbruch – Tendenzen der Verkehrserziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Wels/Österreich, 2009.
  7. Siegbert A. Warwitz: Das Aufgabenfeld der Verkehrserziehung. In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. 6. Auflage. Baltmannsweiler 2009, S. 4–34.