Deutsche Liga für Menschenrechte

Die Deutsche Liga für Menschenrechte wurde am 16. November 1914 als „Bund Neues Vaterland“ gegründet.

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Die ersten JahreBearbeiten

In den folgenden Jahren kam es zum Kontakt und zur Freundschaft mit der 1898 gegründeten Französischen Liga für Menschenrechte. In Anlehnung an das französische Vorbild nannte sich der Bund Neues Vaterland Anfang 1922 um in „Deutsche Liga für Menschenrechte“ und gründete zusammen mit den Franzosen und Gleichgesinnten einiger weiterer europäischer Länder die „Fédération Internationale des Ligues des Droits de l'Homme“ (FIDH) mit Sitz in Paris.

Zu den führenden Mitgliedern der Deutschen Liga gehörten zwischen den beiden Weltkriegen unter anderem Kurt R. Grossmann, Carl von Ossietzky, Albert Einstein, Kurt Tucholsky und Berthold Jacob. Neben ihrem Engagement für die Rechte des einzelnen Bürgers traten Ossietzky und Einstein auch ein für Gerechtigkeit in den zwischenstaatlichen Beziehungen. Dafür forderten sie eine internationale Gesetzgebung und internationale Gerichte, die von allen Staaten zu respektieren wären. Diese Gedanken wurden allmählich von immer mehr Menschen aufgegriffen. Das führte schließlich 1948 zur Gründung der Weltorganisationen der „Weltföderalisten“ und der „Weltbürgerbewegung“.

In der Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Die Liga leistete energischen Widerstand gegen die aufkommenden Nationalsozialisten. 1933 wurde die Liga von der nationalsozialistischen Verwaltung zur Auflösung gezwungen. Das vereinseigene Archiv wurde vernichtet. Die führenden Persönlichkeiten flüchteten teils ins Ausland, teils wurden sie in Konzentrationslager gesperrt. Eine internationale Kampagne führte dazu, dass Ossietzky 1936 der Friedensnobelpreis rückwirkend für 1935 verliehen wurde. Ossietzky verstarb 1938 im Polizeikrankenhaus an den Folgen der erlittenen Misshandlungen.

Die Arbeit des internationalen Verbandes FIDH musste während der Besetzung Frankreichs durch das deutsche „Dritte Reich“ ruhen, konnte aber nach dem Kriegsende fortgesetzt werden.

Im Jahre 1941, als die Fédération Internationale des Ligues des Droits de l‘Homme (FIDH) kriegsbedingt nicht arbeiten konnte, wurde in New York ein neuer internationaler Dachverband der Menschenrechtsbewegung gegründet, die International League for Human Rights (ILHR).

1948 haben zwei Mitglieder der FIDH an der Formulierung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen mitgewirkt.

Nach 1945Bearbeiten

Mitglieder der von den Nationalsozialisten aufgelösten Deutschen Liga für Menschenrechte einte die Überzeugung, dass alle Deutschen im Zweiten Weltkrieg Schuld auf sich geladen hatten. Sie waren dafür, die deutsche Bevölkerung darüber aufzuklären, dass unter dem NS-Regime massiv gegen Menschenrechte verstoßen worden war.[1] 1949 bekamen die Mitglieder die behördliche Genehmigung, ihre Vereinstätigkeit fortzuführen. Der Sitz war zunächst in Berlin. In den 1950er Jahren wurden verschiedene Landesverbände gegründet, so 1955 in Bayern und 1957 in Hamburg. Die 1959 in Berlin gegründete Internationale Liga für Menschenrechte (ILMR) ist mit der DLfM nicht identisch.

1959 wurde der damalige stellvertretende Generalsekretär Wolfram von Hanstein als DDR-Spion enttarnt und 1960 wegen Landesverrat zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Hanstein hatte im Auftrag des MfS die DLfM und weitere NGO ausspioniert. Diese Affäre hat in der DLfM für erhebliche Unruhe gesorgt und dem Ansehen des Vereins geschadet. Die Einstufung als kommunistisch unterwandert, wie in einigen Presseorganen geschehen, war allerdings unbegründet. Vielmehr hat das bayerische Präsidiumsmitglied Friedrich Haugg seinen Einfluss dahingehend genutzt, vorwiegend Mitglieder und Sympathisanten der SPD als Mitglieder der DLfM zu gewinnen. Ab 1960 erlangte der Landesverband Bayern maßgeblichen Einfluss. 1961 verlegte die DLfM ihren Sitz von Berlin nach München. In den folgenden Jahren kam es zu politischen Streitigkeiten zwischen der DLfM und der ILMR.

Zu den politischen Themen und Arbeitsgebieten, mit denen sich die DLfM befasst, gehören vorwiegend Konflikte mit Behörden und mächtigen Institutionen, unter anderem die staatlich erzwungene Trennung der Kinder von ihren Eltern. Seit dem 19. September 2009 liegt die Leitung des Bundesverbandes in den Händen des siebenköpfigen Beirats.

LiteraturBearbeiten

  • 50 Jahre Deutsche Liga für Menschenrechte. 1921–1971. Hg. von der Deutschen Liga für Menschenrechte, München ohne Jahr [1971].
  • Dieter Fricke: Bund Neues Vaterland (BNV) 1914–1922. In: Dieter Fricke u. a. (Hg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945). 4 Bde., Köln 1983–1986, hier: Bd. 1, ISBN 3-7609-0782-2.
  • Otto Lehmann-Rußbüldt: Der Kampf der Deutschen Liga für Menschenrechte, vormals Bund Neues Vaterland, für den Weltfrieden 1914–1927. Berlin 1927.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daniel Stahl: Entschließungen deutscher Völkerrechtler. In: Quellen zur Geschichte der Menschenrechte. Arbeitskreis Menschenrechte im 20. Jahrhundert, Mai 2015, abgerufen am 11. Januar 2017.