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Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) ist eine deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaft für Urologie mit Sitz in Düsseldorf. Sie wurde 1906 gegründet.

Deutsche Gesellschaft für Urologie
(DGU)
Logo der DGU
Zweck: Medizinische Fachgesellschaft für Urologie
Vorsitz: Maurice-Stephan Michel
Gründungsdatum: 1906
Sitz: Düsseldorf
Website: www.urologenportal.de

ZieleBearbeiten

Der Verein ist eine gemeinnützige Vereinigung von Urologen sowie urologisch interessierten Ärzten. Sie dient in der Form eines eingetragenen Vereins der Förderung von Wissenschaft, Lehre, Fort- und Weiterbildung, klinischer Zusatzweiterbildungen und Krankenversorgung auf dem Gebiet der Urologie. Letztere umfasst auch die Versorgung urologischer Tumoren, die etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland ausmachen. Die Gesellschaft veranstaltet jährlich einen wissenschaftlichen Kongress, der mit bis zu 7.000 Teilnehmern der größte deutschsprachige und weltweit drittgrößte Urologenkongress ist. Die Gesellschaft vergibt diverse wissenschaftliche Preise. Höchste wissenschaftliche Auszeichnung ist der Maximilian-Nitze-Preis. Seit 2000 gibt es in der Geschäftsstelle das Museum und Archiv der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Schwerpunkte der Tätigkeit sind:

  • Forschungsförderung: Hierzu gehören das jährliche „Symposium Urologische Forschung“, die Veranstaltung von Workshops mit Forschungsthemen, der monatliche Newsletter Forschung, das nationale urologische Studienregister und die Vergabe von Ferdinand-Eisenberger-Stipendien an Nachwuchs-Wissenschaftler.
  • Leitlinien: Die Gesellschaft widmet sich der Erstellung urologierelevanter medizinischer Leitlinien. Die unter ihrer Federführung erstellten Leitlinien sind im Leitlinienregister der AWMF veröffentlicht.
  • Fortbildungsakademie: In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband unterhält die Gesellschaft eine Fortbildungsakademie. Die Akademie organisiert Fortbildungsveranstaltungen für Urologen und urologisches Assistenzpersonal und führt Fortbildungspunktekonten für ihre Mitglieder.
  • Nachwuchsförderung: Hierzu gehören, neben den genannten Ferdinand Eisenberger-Stipendien, das „Logbuch“ der Facharztausbildung, Preise für herausragende Medizinstudenten, Doktoranden und wissenschaftlich tätige Urologen unter 35 Jahren, die Juniorakademie sowie das Schülerprogramm „Werde Urologin/Urologe für einen Tag“, das jährlich in Zusammenarbeit mit der Vereinigung urologischer AssistentInnen (GeSRU) durchgeführt wird.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Die Gesellschaft gibt Pressemitteilungen und Patienteninformationen zu urologischen Themen heraus und unterhält gemeinsam mit dem Berufsverband ein Internetportal. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört die Herausgabe von laienverständlichen Informationsbroschüren zu Krankheitsbildern wie dem Harnsteinleiden, dem Benignen Prostatasyndrom, der Inkontinenz oder der Prävention.

StrukturBearbeiten

Ordentliches Mitglied der Gesellschaft kann jeder Urologe werden. Für Ärzte in der Weiterbildung für Urologie ist der Erwerb einer Juniormitgliedschaft möglich. Wissenschaftler, die keine Urologen sind, aber auf dem Gebiet arbeiten, können assoziierte Mitglieder werden. Daneben gibt es Ehrenmitglieder und korrespondierende Mitglieder. Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Ausschuss und der Vorstand. Des Weiteren werden 22 Arbeitskreise, acht Kommissionen und fünf Arbeitsgemeinschaften unterhalten. Die Gesellschaft hat 6.405 Mitglieder (Stand September 2018).

Die Gesellschaft hat Geschäftsstellen in Düsseldorf und Berlin. Geschäftsführer ist Frank Petersilie.

Vorstand der Gesellschaft im Amtsjahr 2018/2019

Funktion Name
Generalsekretär und Sprecher des Vorstandes Maurice-Stephan Michel, Mannheim
Präsident Oliver Hakenberg, Rostock
1. Vizepräsident Jens Rassweiler, Heilbronn
2. Vizepräsident Arnulf Stenzl, Tübingen
Schatzmeister Christian Bolenz, Ulm
Schriftführer Christian Wülfing, Hamburg
Ressort Leitlinien und Qualitätssicherung Susanne Krege, Essen
Ressort Wissenschaft und Praxis Daniela Schultz-Lampel, Villingen-Schwenningen und Thomas Speck, Berlin
Ressort Forschungsförderung Maximilian Burger, Regensburg
Ressort Fort- und Weiterbildung Marc-Oliver Grimm, Jena
Archivar (nicht Vorstandsmitglied) Dirk Schultheiss, Gießen

PublikationenBearbeiten

  • „Der Urologe“ – Publikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für Urologie und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e. V., Springer Medizin Heidelberg, ISSN 0340-2592

ZusammenarbeitBearbeiten

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. arbeitet mit folgenden nationalen und internationalen Organisationen zusammen:

GeschichteBearbeiten

Der Verein wurde am 16. September 1906 in Stuttgart gegründet. Dies fällt in den Zeitraum der sich weiter ausdifferenzierenden naturwissenschaftlich orientierten Medizin am Ende des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Seit 1867 trafen sich Urologen zum wissenschaftlichen Austausch auf internationaler Ebene im Rahmen der „Allgemeinmedizinischen Kongresse“, die sich in der Folge der zweiten Weltausstellung in Paris etablierten.

1871 bot die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie initial operativ tätigen Ärzten eine Plattform zum professionalisierten wissenschaftlichen Austausch. Als Muttergesellschaft im Zeitalter der sich ständig erweiternden und verstetigenden wissenschaftlichen Kommunikation in der Folge der Aufklärung gilt im deutschsprachigen Raum die 1822 in Leipzig von dem Naturphilosophen und Mediziner Lorenz Oken (1779–1851) gegründete „Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte“ (GDNÄ), die sich auf Initiative Alexander von Humboldts (1769–1859) seit 1828 durch die Ausbildung von Sektionen organisatorisch und wissenschaftlich ausdifferenzierte. Auf der „68. Naturforscherversammlung“ im September 1896 in Frankfurt am Main trafen sich erstmals ca. 10 bis 15 Urologen (u. a. Berg, Frank, Goldberg, Kollmann, Kümmell, Küster, Kulisch, Nitze, Mankiewitz) wohl auf Anregung des Dresdner Dermato-Urologen Felix Martin Oberländer (1849–1915), mit dem Ziel, „der Gründung einer Urologischen Fachgesellschaft näherzutreten“,[1] ohne jedoch in den nächsten Jahren erfolgreich zu sein.

Im gleichen Jahre 1896 wurde die französische Gesellschaft für Urologie gegründet, 1902 die American Urological Association, der sofort einige deutschsprachige Urologen u. a. Leopold Casper und Maximilian Nitze als Ehrenmitglieder angehörten. Erst nach dem Tode des Inaugurators der praktikablen Blasenspiegelung (Zystoskopie) Maximilian Nitze (1848–1906) wurde dann auf der 78. Naturforscherversammlung in Stuttgart am 16. September 1906 die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Urologie realisiert. Die Initiative war insbesondere von der Berliner Urologenschule, in der die jüdische Bildungselite überproportional repräsentiert war, wie Leopold Casper (1859–1959) und Carl Posner (1848–1926) ausgegangen. Die Gruppe der Gründungsmitglieder spiegelte bereits die interdisziplinäre funktionell-organbezogene Interessenlage mit internationaler Ausrichtung wider – modern formuliert von Andrologie über die operative Urologie sowie Onkologie bis Zytologie und Schwerpunkten in der Endoskopie und bei minimal invasiven Eingriffen – und zeigt anschaulich die einzelnen, das engere Fach übergreifenden Netzwerke und Kommunikationszusammenhänge der jeweiligen Protagonisten. Gleichzeitig widerlegt diese heterogene Gruppierung die noch immer vertretene These der Abspaltung der Urologie aus der Chirurgie. Neben den aus der operativen Medizin/Chirurgie stammenden Vertretern wie James Israel (1848–1926), Leiter der operativen Abteilung des Berliner Jüdischen Krankenhauses, Hermann Kümmell, Hamburg-Eppendorf, Hans Wildbolz (1873–1940), Bern deutschsprachige Schweiz, Anton Ritter von Frisch (1849–1917), Allgemeine Wiener Poliklinik, waren ebenfalls Vertreter der Dermato-Venerologie wie Arthur Kollmann (1858–1941), Leipzig, Felix Martin Oberländer (1851–1915), Dresden, dem andrologisch-sexualwissenschaftlich ausgerichteten Iwan Bloch (1872–1922) Berlin, Vertretern aus der Frauenheilkunde wie Walter Stoeckel (1871–1961) Berlin, aus der Physiologie bzw. Inneren Medizin wie Alexander von Korányi (1866–1944), Budapest St. Stephan Spital oder Paul Friedrich Richter (1868–1935), III. Medizinische Klinik der Charité, Berlin und besonders die zystoskopisch-endoskopisch-minimal invasiv tätige Ärzte wie Leopold Casper, Robert Kutner (1867–1913), Berlin, Felix Schlagintweit (1868–1950) München als Gründungsmitglieder vertreten.[2] Initial wurden alle Vorstandsposten doppelt mit Angehörigen des Deutschen Reiches sowie der k. u. k. Monarchie Österreich-Ungarn besetzt. Die Kongresse sollten alternierend in Berlin und Wien stattfinden. Der amerikanisch-deutsche Wissensaustausch wurde von den deutschstämmigen Amerikanern Carl Beck (1856–1911), Willy Meyer (1858–1932) sowie dem Nestor der amerikanischen Urologie Hugh Hampton Young (1870–1945) bereits zu dieser Frühphase besonders etabliert.[3]

Der erste Kongress der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Urologie wurde für den 2.–5. Oktober 1907 nach Wien einberufen.[4] Von 38 Gründungsmitgliedern war die Mitgliederzahl innerhalb eines Jahres auf 250 angestiegen, was das besondere Interesse am Fachgebiet als Querschnittsfach der Medizin und den besonderen Wunsch nach Austausch gut veranschaulicht. Nicht nur aus den deutschsprachigen Ländern (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn Schweiz) stammten die Mitglieder und Vortragenden, sondern auch aus den USA, Holland, Frankreich, Polen, Italien, Mandschurei, Griechenland und Japan.[5]

Dieses Forum diente 1907 ebenfalls zur Annoncierung der „Internationalen Gesellschaft für Urologie“. Zu den frühen (seit 1911) weiblichen Mitgliedern, die auch mit wissenschaftlichen Präsentationen vertreten waren, gehörte die jüdische Wiener Gynäko-Urologin Dora Teleky (1879–1963).

LiteraturBearbeiten

  • Arbeitskreis Geschichte der Urologie (Hrsg.): Urologie in Deutschland : Bilanz und Perspektiven. 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Urologie. Springer Medizin Verlag, 2007, ISBN 978-3-540-31034-1.
  • Matthis Krischel (Hrsg.): Urologen im Nationalsozialismus. Hentrich & Hentrich, Berlin 2011, ISBN 978-3-942271-41-7.
  • Satzung der Deutschen Gesellschaft für Urologie, http://www.dgu.de/124.html
  • Karl Heusch: Zeittafel zur Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Urologie. In: Zeitschrift für Urologie. Nr. 50, 1957, S. 649–652.
  • Karl Heusch: 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Urologie. In: Zeitschrift für Urologie. Sonderband „Wiener Kongreßbericht“, Leipzig 1957, S. 13–21.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. F. Schultze-Seemann: Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Urologie 1906–1986. Springer, Heidelberg 1986, ISBN 3-540-16841-9, S. 11; Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. 68. Versammlung zu Frankfurt am Main 21.–26. September 1896. F. C. W. Vogel, Leipzig 1896/97, S. 23.
  2. J. Konert, F. Moll: Von Frankfurt nach Stuttgart und Wien – der lange Weg zur Gründung der „Deutschen Gesellschaft für Urologie“. In: AK Geschichte der Urologie (Hrsg.): Urologie in Deutschland – Bilanz und Perspektiven. Springer, Berlin 2007, S. 2–4.
  3. R. M. Engel, F. Moll: Medizinische und Urologische Ausbildung in Deutschland und Amerika Historische Streiflichter. In: Der Urologe. Vol. 46, 9, 2007, S. 991–997.
  4. F. M. Oberländer: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Urologie 1. Kongress in Wien 2.–5. Oktober 1907. Coblentz, Berlin/ Thieme, Leipzig 1908, S. 3–4.
  5. P. Rathert, F. Moll: Urologie in Deutschland im Spiegel der Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Urologie 1907–2007. In: AK Geschichte der Urologie (Hrsg.): Urologie in Deutschland – Bilanz und Perspektiven. Springer, Berlin 2007, S. 34–47.