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Deutsche Fußballmeisterschaft 1903/04

Fussballsaison
Deutsche Fußballmeisterschaft 1903/04
Das Logo des Deutschen Fußball-Bundes von 1900 bis 1945
Meister kein Meister
Mannschaften 8
Spiele 6
Tore 36  (ø 6 pro Spiel)
Torschützenkönig nicht bekannt
Deutsche Meisterschaft 1902/03

Die zweite deutsche Meisterschaftsendrunde fand vom 24. April bis zum 22. Mai 1904 statt, brachte aber keinen neuen Meister hervor. Sie wurde nicht beendet, sondern kurz vor dem Finale zwischen dem Meister VfB Leipzig und Berliner TuFC Britannia 1892 in Kassel abgebrochen und vom DFB annulliert. Grund war das Problem des neutralen Austragungsortes der Endrundenspiele. Schon in der Vorsaison war dieses Prinzip vom DFB aus finanziellen Erwägungen häufig nicht beachtet worden und hatte bereits bei dieser Endrunde zu Problemen geführt. Auslöser der Annullierung war der Karlsruher FV, der gegen die Ansetzungen in der Vorrunde protestiert hatte. Für die Berliner Britannia (heute Berliner SV) sollte das abgesagte Spiel das einzige Meisterschaftsfinale bleiben.

Auch bei dieser Meisterschaft war jeweils ein Vertreter (in der Regel der Meister) der bestehenden Lokal- und Regionalverbände teilnahmeberechtigt. Obwohl Vertreter deutscher Fußballverbände im Ausland letztmals zugelassen waren, nahm in diesem Jahr keiner mehr teil. Mit dem Beitritt des DFB zur FIFA am 21. Mai 1904 mussten ausländische Vereine schließlich aus dem Verband austreten. Gemeldet haben zu dieser Endrunde acht Mannschaften, zwei mehr als im Vorjahr. Der Pokalmodus wurde beibehalten.

Inhaltsverzeichnis

Teilnehmer an der EndrundeBearbeiten

Neben Germania Hamburg, dem neuen Meister des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes, debütierten bei der Meisterschaft ARBV Hannover, der Casseler FV 95 und der Duisburger SpV, deren Verbände zum ersten Mal teilnahmen.

Verein Qualifiziert als
  Berliner TuFC Britannia 92 Meister des Verbandes Berliner Ballspielvereine
  VfB Leipzig Meister des Verbandes Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine und Titelverteidiger
  Magdeburger FC Viktoria 96 Meister des Verbandes Magdeburger Ballspiel-Vereine
  SC Germania 87 Hamburg Meister des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes
  ARBV Hannover Meister des Verbandes Hannoverscher Ballspiel-Vereine
  Casseler FV 95 Meister des Verbandes Casseler Ballspielvereine
  Duisburger SpV Meister des Rheinisch-Westfälischen Spielverbandes
  Karlsruher FV Meister des Verbandes Süddeutscher Fußball-Vereine

ViertelfinaleBearbeiten

Datum Ergebnis Stadion
24. April 1904 SC Germania 87 Hamburg 11:0 (8:0)  ARBV Hannover Hamburg, Mühlenkamper Rennbahn
24. April 1904 Berliner TuFC Britannia 92 6:1 (2:1)  Karlsruher FV Berlin-Friedenau, Sportpark
24. April 1904 VfB Leipzig 1:0 (0:0)  Magdeburger FC Viktoria 96 Leipzig, Sportplatz Leipzig
8. Mai 1904 Duisburger SV 5:3  Casseler FV 95 Duisburg, DSV-Platz am Grunewald

Der ARBV Hannover reiste in dieser Saison zu seinem ersten und letzten Meisterschaftsspiel mit nur neun Spielern an, darunter der Mannschaftskapitän Hipp. Bei Germania befanden sich acht (damals noch nicht so genannte) Legionäre in der Mannschaft: drei Briten, drei Niederländer, ein Österreicher und ein Spanier.[1] Hannover verlor gegen den hohen Hamburger Favoriten mit 0:11.[2] Die Torschützen wurden dabei nicht erfasst, so dass es auch nicht möglich ist, den Toptorjäger dieser Austragung festzustellen. Wieder einmal fand das Spiel nicht auf neutralem Boden statt, was auch für die restlichen Spiele vor dem Finale galt.

Der Karlsruher FV, bei dem der spätere erste Generalsekretär der FIFA Ivo Schricker als Kapitän und Mittelläufer spielte, galt als sehr starke Mannschaft, weshalb die hohe Niederlage gegen die ebenfalls starken Berliner überraschte. Durch einen Elfmeter für Läufer Richard Müller führten die Berliner bereits in der sechsten Minute. Nach einer halben Stunde mussten sie jedoch den Ausgleich durch ein Eigentor von Paul Faber zu Gunsten der Karlsruher hinnehmen. Neun Minuten später besorgte Albert Jakob jedoch wieder die Führung für die Britannia, worauf vier Minuten nach dem Seitenwechsel ein Eigentor der Karlsruher von W. Häfner zum 3:1 folgte. In den nächsten 20 Minuten gab es noch drei Treffer für die Britannia. Von den fünf Berliner Stürmern hatten nun vier getroffen.

Titelverteidiger VfB Leipzig hatte mit der Viktoria 96 eine recht einfache Aufgabe bekommen. Die Magdeburger konnten jedoch sehr lange ein 0:0 halten, bis sie sich selbst in Rückstand brachten. Torhüter Kurt Stollberg hatte in der 65. Minute ein Eigentor bewirkt, das letztlich zum Goldenen Tor für den Favoriten wurde.

Zwei Wochen später gab es in der zweiten Partie von Meisterschaftsdebütanten nach dem 11:0 in Hamburg ein 5:3 zwischen dem Duisburger Spielverein und dem Casseler FV 95. Bei den Duisburgern stand der spätere DFB-Präsident Gottfried Hinze im Tor. Auch hier gibt es zu den Torschützen keine Aufzeichnungen.

HalbfinaleBearbeiten

Datum Ergebnis Stadion
8. Mai 1904 SC Germania 87 Hamburg 1:3 (0:3)  Berliner TuFC Britannia 92 Hamburg, Mühlenkamper Rennbahn
15. Mai 1904 VfB Leipzig 3:2 n. V. (2:2, 0:1)  Duisburger SV Leipzig, Sportplatz Leipzig

Trotz des Heimvorteils für die Hanseaten konnte Britannia 92 das erste Halbfinale für sich entscheiden, wobei vor allem das Torhüterduell zwischen dem Deutsch-Briten Reginald Westendarp – Mitbegründer des DFB – und dem Deutsch-Ungarn Dr. Paul „Gilly“ von Goldberger von Bedeutung war. Schon nach neun Minuten traf Max Schmidt zur Führung für die Berliner. Vier Minuten später folgte das 2:0 durch Erich Müller und schließlich fünf Minuten vor der Halbzeitpause das dritte Tor durch Ernst Perry. Im Team der Germania aus Hamburg befanden sich wieder acht Legionäre (siehe Viertelfinale). Erst in der 65. Minute konnte auch Goldberger überwunden und mit dem Engländer Thomas Willis der erste bekannte britische Torschütze bei einem deutschen Meisterschaftsspiel dokumentiert werden.[3] Willis war zu der Zeit auch 1. Vorsitzender des Vereins. Westendarp wechselte in der Schlussphase ohne Erfolg in den Angriff.[4] Der Berliner Verteidiger Paul Faber war zu dieser Zeit Präsident des VBB.

Auch im Halbfinale hatte der Titelverteidiger aus Leipzig gegen den Duisburger Sportverein ein schweres Spiel. Nach 25 Minuten lag der VfB zu Hause mit 0:1 hinten. In der 52. Minute erzielte Paul Oppermann den Ausgleich, doch in der 78. Minute gingen die Duisburger durch Willi van der Weppen wieder in Führung. Fünf Minuten vor Spielende schaffte der VfB Leipzig den erneuten Ausgleich, so dass eine Verlängerung nötig wurde. Nach einer torlosen halben Stunde wurde die Partie nochmals verlängert: In der 132. Minute schoss Johannes Schneider seine Mannschaft zum ersten Mal in Führung. Die Leipziger erreichten damit zum zweiten Mal in Folge das Finale.

FinaleBearbeiten

Datum Ergebnis Stadion
22. Mai 1904 VfB Leipzig   -:-   BTuFC Britannia 92 geplanter Ort: Kassel
Hintergrund der Spielabsage
Der Karlsruher FV legte beim DFB Protest gegen die Wertung dieser Meisterschaft ein. Der DFB hatte die ausschreibungsgemäße Ansetzung der Endrundenspiele an neutralem Orte nicht eingehalten. Der KFV führte seine 1:6-Niederlage in der Vorrunde auf die Ansetzung dieses Spieles in Berlin zurück, da einige seiner Stammspieler von ihren Arbeitgebern keinen Urlaub bekommen hätten, der für die lange An- bzw. Rückreise notwendig gewesen wäre.[5] Außerdem ging es um die Frage der Reisekosten; die Karlsruher hatten eine Erstattung der Bahnbillets 2. statt, wie vorgesehen, 3. Klasse verlangt.[6] Der DFB, der seinen jährlichen Bundestag am Tag des Endspiels am Finalort Kassel veranstaltete, sagte daraufhin am Vormittag das Endspiel ab und annullierte die Meisterschaftsendrunde.

Am selben Tag musste der amtierende DFB-Präsident Ferdinand Hueppe, als Vertreter des DFC Prag Teil des DFB, einen Tag nach dem Beitritt zur FIFA von seinem Amt zurücktreten. Zum neuen Vorsitzenden des DFB wurde an diesem Tag pikanterweise der Präsident des Süddeutschen Fußballverbandes und langjährige Vorsitzende des Karlsruher FV, der Karlsruher Lehrer Friedrich Wilhelm Nohe, gewählt.

Torschützenliste[7]Bearbeiten

Insgesamt sind nur 17 von 36 Torschützen bekannt, da sowohl beim 11:0 zwischen SC Germania 87 Hamburg und dem ARBV Hannover als auch beim 5:3 zwischen dem Duisburger SpV und dem Casseler FV 95 keine Torschützen notiert wurden.

Spieler Verein Spiele Tore
1. Deutsches Reich  Erich Müller Berliner TuFC Britannia 92 2 2
Deutsches Reich  Ernst Perry Berliner TuFC Britannia 92 2 2
3. Deutsches Reich  Richard Damaschke Berliner TuFC Britannia 92 2 1
Deutsches Reich  Heinrich Fischer Duisburger SpV 2 1
Deutsches Reich  Richard Müller Berliner TuFC Britannia 92 2 1
Deutsches Reich  Paul Oppermann VfB Leipzig 2 1
Deutsches Reich  Bruno Stanischewski VfB Leipzig 2 1
8. Deutsches Reich  Albert Jakob Berliner TuFC Britannia 92 1 1
Deutsches Reich  Max Schmidt Berliner TuFC Britannia 92 1 1
Deutsches Reich  Johannes Schneider VfB Leipzig 1 1
Deutsches Reich  Willi van der Weppen Duisburger SpV 1 1
England  Thomas Willis SC Germania 87 Hamburg 1 1

Hinzu kommen drei Eigentore.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Libero IFFHS-Magazin Nr. 36, Wiesbaden 2002, S. 6.
  2. So die Neue Hamburger Zeitung (NHZ) in einem Kurzbericht am 25. April 1904 auf Seite 10. Das Halbzeitresultat wird mit 8:0 angegeben und es heißt, der Gegner habe danach resignieren wollen, sei aber doch zum Weiterspielen überredet worden. In seiner Ausgabe vom darauffolgenden Donnerstag, also mehrere Tage später, schreibt demgegenüber das Berliner Fachblatt Sport im Wort, das Resultat aus Hamburg sei „bis jetzt unbekannt“. Das Prager Tagblatt (sic) meldet weitere zwei Tage danach, am 30. April, immerhin das hier genannte Resultat, ebenso das Halbzeitergebnis und, dass Otto Hiller (Berlin) der Schiedsrichter gewesen sei. Am 3. Mai geben die schon genannte NHZ (Seite 17) sowie die Hamburger Nachrichten (Seite 6) das Resultat rückblickend mit 1:0 (sic!) an.
  3. Die Torschützen vom 11:0 sowie dem 5:3 in der Vorrunde sind nicht überliefert, deshalb „der erste bekannte“.
  4. vgl. Jankowski/Pistorius/Prüß, Mit der Raute im Herzen, Göttingen 2008, S. 26.
  5. Bräunche: Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Karlsruhe 2006, S. 178.
  6. vgl. VBB (Hg.), 75 Jahre Verband Berliner Ballspielvereine (Autor: Lutz Rosenzweig), daselbst 1972, S. 28.
  7. Libero IFFHS-Magazin No. 36, Wiesbaden 2002.