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Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl

diplomatische Vertretung
DeutschlandDeutschland Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl
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Staatliche Ebene bilateral
Stellung der Behörde Botschaft
Aufsichts­behörde(n) Auswärtiges Amt
Bestehen seit 1. Mai 1920
Hauptsitz ItalienItalien Rom
Behördenleitung Michael Koch, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter[1]
Website heiliger-stuhl.diplo.de
Wappen des Heiligen Stuhls
Wappen des Heiligen Stuhls

Die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl pflegt diplomatischen Beziehungen Deutschlands zum Heiligen Stuhl und zum Souveränen Malteserorden.

Besonderheiten der diplomatischen BeziehungenBearbeiten

Objekt der Beziehungen ist nicht der Staat Vatikanstadt, sondern der Heilige Stuhl als Oberhaupt der katholischen Weltkirche. Dieser ist als Völkerrechtssubjekt des Papstes eine „nichtstaatliche souveräne Macht“, da er nicht nur die Interessen des Vatikanstaats, sondern der ganzen römisch-katholischen Kirche vertritt.

Eine weitere Besonderheit der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl ist ein zum festen Mitarbeiterstab gehörender beratender Geistlicher Botschaftsrat.[2] Dieser berät den Botschafter in kirchlichen Angelegenheiten, pflegt enge Beziehungen zur Kurie und wird auf Vorschlag der deutschen Bischofskonferenz entsandt.

Lange Zeit unterhielt Deutschland nur „offizielle“ Beziehungen mit dem Souveränen Malteserorden, einem nichtstaatlichen Völkerrechtssubjekt, wie es der Heilige Stuhl ist. Im November 2017 nahmen Deutschland und der Malteserorden volle diplomatische Beziehungen auf, deren Pflege der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl obliegt.

GeschichteBearbeiten

Die ersten ständigen diplomatischen Vertretungen deutscher Staaten gab es Anfang des 16. Jahrhunderts. Der Kaiser hatte bis 1806 einen Botschafter beim Heiligen Stuhl akkreditiert. Bayern war seit Beginn des 17. Jahrhunderts, Preußen seit 1747 im Kirchenstaat vertreten. Wiederholt waren bedeutende Gelehrte preußische Gesandte, darunter Wilhelm von Humboldt, Barthold Niebuhr und Christian von Bunsen. Die preußische Gesandtschaft war maßgeblich an der Gründung des Deutschen Archäologischen Instituts im Jahre 1829 beteiligt, das seinen Sitz zunächst auch in der Gesandtschaft auf dem Kapitol im Palazzo Caffarelli hatte.

Nach der deutschen Reichsgründung 1871 wurde der Kurienkardinal Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst für das Amt des kaiserlichen Gesandten beim Heiligen Stuhl benannt. Pius IX. verweigerte ihm jedoch wegen seiner Haltung während des Ersten Vatikanischen Konzils die Akkreditierung, was zu ernsten diplomatischen Verstimmungen führte (Bismarck im Reichstag am 14. Mai 1872: „Nach Canossa gehen wir nicht“). Die Stelle eines Reichsgesandten wurde 1874 aufgehoben, die Einzelvertretungen der Gliedstaaten bestanden weiter.

Während des Ersten Weltkriegs verließen die Preußische Gesandtschaft und der bayerische Gesandte Rom. Sie blieben bis Anfang 1919 im schweizerischen Lugano. Am 1. Mai 1920 wurden die preußische Gesandtschaft zur Botschaft des Deutschen Reichs umgewandelt und die Beziehungen Preußens mit dem Heiligen Stuhl beendet. Zeitgleich wurde in Berlin eine Nuntiatur eröffnet.

Als 1934 die Länder durch das NS-Regime aufgelöst wurden, wurde auch die bayerische Vertretung beim Heiligen Stuhl geschlossen und die Doppelakkreditierung des deutschen Botschafters als preußischer Gesandter beendet. Nach dem Einmarsch der Alliierten in Rom im Juni 1944 zogen der Botschafter und ein Mitarbeiter mit ihren Familien in den neutralen Vatikan, die übrigen Mitarbeiter wurden in Taormina interniert.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Heiligen Stuhl wurden 1954 aufgenommen.

BotschafterBearbeiten

Der Botschafterposten ist einer der höchstdotierten (Besoldungsgruppe 9 der Besoldungsordnung B) denen an den deutschen Botschaften in Washington, Paris, London und Moskau gleichgestellt.[3] Die Besetzung des Botschafters beim Heiligen Stuhl wich gelegentlich von der in Deutschland geübten Praxis ab, dass in der Regel keine früheren Politiker zu Botschaftern ernannt werden.[3] Beispiele hierfür sind der ehemalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger und die ehemalige Ministerin Annette Schavan, die beide Botschafter beim Heiligen Stuhl wurden. Im Juli 2014 wurde mit Schavan die erste Frau auf diesen Posten berufen und im April 2018 auch beim Malteserorden akkreditiert. Amtierender Botschafter ist seit August 2018 Michael Koch. Es gab sowohl katholische als auch evangelische deutsche Botschafter am Heiligen Stuhl.

Liste der deutschen Botschafter beim Heiligen StuhlBearbeiten

Deutsches Reich  / NS-Staat  / Deutsches Reich NS  Deutsches Reich
Diego von Bergen 1920–1943 evangelisch
Ernst von Weizsäcker   1943–1945 evangelisch
Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland
Wolfgang Jaenicke 1954–1957 evangelisch
Rudolf Graf Strachwitz 1957–1961 römisch-katholisch
Hilger van Scherpenberg   1961–1964 evangelisch
Josef Jansen 1964–1966 römisch-katholisch
Dieter Sattler   1966–1968 römisch-katholisch
Hans Wolf Jaeschke
Geschäftsträger (interimistisch)
1968–1969
Hans Berger 1969–1971 römisch-katholisch
Alexander Böker 1971–1977 evangelisch
Walter Gehlhoff   1977–1984 evangelisch
Peter Hermes 1984–1987 römisch-katholisch
Paul Verbeek 1987–1990 römisch-katholisch
Hans-Joachim Hallier 1991–1995 römisch-katholisch
Philipp Jenninger   1995–1997 römisch-katholisch
Jürgen Oesterhelt 1997–2000 evangelisch
Theodor Wallau 2000–2002 römisch-katholisch
Gerd Westdickenberg 2002–2006 römisch-katholisch
Hans-Henning Horstmann 2006–2010 evangelisch
Walter Jürgen Schmid   2010–2011 evangelisch
Reinhard Schweppe   2011–2014 evangelisch
Annette Schavan   2014–2018 römisch-katholisch
Michael Koch seit August 2018 römisch-katholisch

GebäudeBearbeiten

Das Botschaftsgebäude befindet sich im römischen Stadtteil Parioli, nördlich der historischen Altstadt. Die Residenz des Botschafters und der Kanzleibau wurden von dem Münchner Architekten Alexander von Branca geplant und zwischen 1979 und 1984 gebaut.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jobst Knigge: Der Botschafter und der Papst – Weizsäcker und Pius XII. Die deutsche Vatikanbotschaft 1943–1945. Schriftenreihe Studien zur Zeitgeschichte, Band 69, Kovač, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3467-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lebenslauf auf heiliger-stuhl.diplo.de
  2. Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl: Ansprechpartner Kirche und Theologie. Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl, abgerufen am 27. Juli 2018: „Msgr. Oliver Lahl, Geistlicher Botschaftsrat“
  3. a b Ein verdientes Amt. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Februar 2014. Abgerufen am 31. Juli 2014.

Koordinaten: 41° 55′ 13,8″ N, 12° 29′ 6,5″ O