Deutsch-reformierte Kirche (Magdeburg)

Kirchengebäude in Deutschland

Die Deutsch-Reformierte Kirche war ein Kirchengebäude in Magdeburg in Sachsen-Anhalt am Kaiser-Otto-Ring, heute Ecke Lüneburger Straße/Henning-von-Tresckow-Straße.

VorgeschichteBearbeiten

Im Erzstift Magdeburg war im 16. Jahrhundert die lutherische Reformation eingeführt worden; diesem Bekenntnis gehörte in den folgenden Jahrhunderten die große Mehrheit der Bevölkerung an. Durch Zuwanderung aus den Niederlanden und dem Westen Deutschlands bildeten sich in den Städten auch kleine reformierte (calvinische) Gemeinden.

1680 kam das Gebiet des Erzstifts endgültig an Brandenburg-Preußen, dessen Herrscherhaus seit 1613 calvinisch war. Das bedeutete für die reformierte Minderheit – in Magdeburg die „wallonische“ (französischsprachige) und die „deutsche“ – eine gesellschaftliche Aufwertung und das Heraustreten aus der Verborgenheit. Die wallonisch-reformierte Gemeinde erhielt 1690/94 die ehemalige Augustiner-Klosterkirche, jetzt Wallonerkirche genannt. Für die deutsch-reformierte Gemeinde wurde ab 1693 die 1631 ausgebrannte ehemalige Dominikanerkirche St. Pauli am Breiten Weg wiederhergestellt, 1698 übergeben und 1700 eingeweiht.

Friedrich Wilhelm von Steuben und Karl Friedrich Friesen wurden hier getauft. Die 1821 neu geweihte Kirche wurde 1890 an die Post verkauft, die sie 1895 für die geplante neue Zentralpost abriss.

GeschichteBearbeiten

Die Grundsteinlegung der neuen deutsch-reformierten Kirche erfolgte am 10. Juli 1896. Die Bauleitung hatte Stadtbauinspektor Emil Jaehn. Wegen des großen Andrangs mussten zur Einweihung am 31. Januar 1899 Eintrittskarten ausgegeben werden.

Die in Sandstein gearbeitete neugotische Kirche maß:

Höhe Turm 72 m, Dach 28,5 m, Länge 43 m, Breite 30,5 m, größte Gewölbehöhe 21 m, größte Höhe der Emporenwölbung 4,5 m, diagonale Spannweite der Pfeiler des Schiffes 18 m, Breite und Tiefe des Schiffes 25 m, Höhe der Oberkante der Emporenbrüstung 5,5 m.

Im Westturm befand sich das Hauptportal. Die Emporenbrüstung umschloss in einem konzentrischen Zwölfeck den Innenraum, über den sich die Gewölbekuppel frei erhob. Die breite Westempore bot Raum für Chor bzw. für Orchester. Sie war mit drei großen farbigen mit Blumenornamenten verzierten Fenstern ausgestattet. In der Hauptachse lagen der Abendmahlstisch und die Kanzel, in Marmor ausgeführt, sowie die Orgel.

Neben den konzentrischen Bankreihen auf der Westempore gruppierten sich auf der Nord- und Südempore vermietete Familienlogen. Ein von Jaehn entworfener Kronleuchter symbolisierte das himmlische Jerusalem mit seinen zwölf Toren.

Neben dem Hauptportal verfügte die Kirche über fünf Seiteneingänge.

1917 wurden die zwei größten Glocken eingeschmolzen. Am 20. Oktober 1929 konnte das Geläut – als Geschenk der Gebrüder Adolf, Heinrich, Johannes und Fritz Mittag – wieder vervollständigt werden. Erneut wurden die großen Glocken 1940 eingeschmolzen.

Die Kirche wurde beim Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 schwer beschädigt und nicht wieder aufgebaut. 1955 wurde sie abgetragen, wobei etliche Steine zum Bau der Cracauer St.-Andreas-Kirche genutzt wurden.

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Joachim Krenzke: Kirchen und Klöster zu Magdeburg, Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt 2000, Seite 99f.

WeblinksBearbeiten

Koordinaten: 52° 8′ 29,6″ N, 11° 38′ 26,3″ O