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Detlef Hensche

deutscher Gewerkschaftsführer
Detlef Hensche beim Hamburger Senatsempfang 2018 für Roland Issen

Detlef Hensche (* 13. September 1938 in Wuppertal) ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Gewerkschafts­führer.

Von 1992 bis 2001 war er Vorsitzender der Industriegewerkschaft Medien. Hensche ist Mitherausgeber der politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Hensche stammt aus einer Wuppertaler Unternehmerfamilie, lehnte es aber ab, das elterliche Unternehmen zu übernehmen. Politisch geprägt wurde er durch seine Mutter, die sich in den 1950er Jahren gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik einsetzte. Er studierte zunächst Kunstgeschichte und Philosophie und wandte sich dann den Rechtswissenschaften zu, die er von 1957 bis 1961 in Hamburg, Berlin und Bonn studierte. 1962 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen in Düsseldorf ab. Seinen juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte er in Wuppertal, Düsseldorf und Bonn. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen 1966 war er bis 1968 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn, wo er 1972 mit der Arbeit „Der Schadenersatzanspruch wegen Nichterfüllung im Recht der Sachmängelgewährleistung“ zum Dr. jur. promoviert wurde. 1968 bis 1969 war er im Bundesministerium für Forschung und Technologie in Bonn tätig.

Tätigkeiten im DGBBearbeiten

Von 1969 bis 1971 war Hensche wissenschaftlicher Referent am Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Düsseldorf. Von 1971 bis 1975 leitete Hensche die Abteilung Gesellschaftspolitik beim DGB-Bundesvorstand.

Funktionen in IG Druck und Papier sowie IG MedienBearbeiten

1975 wurde Hensche in den geschäftsführenden Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Druck und Papier in Stuttgart gewählt. Dort war er für Medienpolitik sowie die Berufsgruppen der Journalisten (dju) und Schriftsteller zuständig. Mit der Gründung der IG Medien 1989 übernahm Hensche neben anderen Aufgaben die Zuständigkeit für die Tarifpolitik der Gewerkschaft. Von 1992 bis zum Übergang der IG Medien in die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) war er Vorsitzender der IG Medien. Beim ver.di-Gründungskongress im März 2001 in Berlin kandidierte Hensche, der inzwischen 63 Jahre alt war, nicht mehr für eine Gewerkschaftsfunktion.

Hensche arbeitet seither als Rechtsanwalt in Berlin und befasst sich mit Tarifpolitik. Er lebt abwechselnd in Berlin und bei Bozen in Südtirol. Des Weiteren ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac.[1]

ParteizugehörigkeitBearbeiten

Detlef Hensche gehörte 40 Jahre lang der SPD an. Aus Protest gegen die Politik der rot-grünen Regierung unter dem SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder verließ er 2001 die Partei. Im Dezember 2003 sagte er:

„Die Agenda 2010 hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich sehe keinen qualitativen Unterschied zwischen dem, was die gegenwärtige Regierung macht, und der Politik von CDU/FDP in den 90er Jahren: Kohl hat Sozialabbau betrieben, und Rot-Grün tut es ihm gleich.“

Nach der Gründung der WASG wurde er deren Mitglied. Im Bundestagswahlkampf 2005 unterstützte er das Linksbündnis von WASG und Linkspartei.PDS. Er ist Mitglied der Partei Die Linke, lehnt es aber ab, Mandate in der Partei zu übernehmen. „Das sollen Jüngere machen“, sagte er anlässlich seines 70. Geburtstages 2008.[2] Hensche ist jedoch Mitglied des Ältestenrates seiner Partei.

Hensche gehörte am 31. Oktober 2008, dem Reformationstag, neben Frank Crüsemann, Ulrich Duchrow, Heino Falcke, Christian Felber, Ton Veerkamp, Karl Georg Zinn und anderen zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs Frieden mit dem Kapital? Ein Aufruf wider die Anpassung der Evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft.[3]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Technische Revolution und Arbeitnehmerinteresse. Zu Verlauf und Ergebnissen des Arbeitskampfes in der Druckindustrie 1978. Köln 1978.
  • Hrsg. gemeinsam mit Martin Kutscha im Namen der VDJ: Recht und Arbeiterbewegung. Zum Gedenken an Wolfgang Abendroth. Köln 1987.
  • Erläuterungen und Handlungsanleitungen zum Manteltarifabschluss 1991 in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie. Stuttgart 1991.
  • Zur rechtlichen Zulässigkeit der OT-Mitgliedschaft. Befreit die „Mitgliedschaft ohne Tarifbindung“ von der Geltung des Tarifvertrages? Düsseldorf 2004.

LiteraturBearbeiten

  • Rüdiger Zimmermann: Detlef Hensche geb. 1935. In: Vom Buchdruckerverband zur Einheitsgewerkschaft. 150 Jahre verdi. Berlin 2016, S. 96–97.
  • Rüdiger Zimmermann: Der radikale Doktor: Detlef Hensche (geb. 1938). In: Vordenker und Strategen. Die Gewerkschaftspresse im grafischen Gewerbe und ihre Redakteure seit 1863. Berlin 2016, ISBN 978-3-86331-302-9, S. 355–392.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Detlef Hensche - Biografie
  2. Ulla Lessmann: Vom Glück auf dem Lebensweg In: M – Menschen machen Medien, Medienpolitische ver.di-Zeitschrift Nr. 8–9/08 Jahrgang 57 S. 7
  3. Frieden mit dem Kapital? Ein Aufruf wider die Anpassung der Evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft (PDF-Datei)

WeblinksBearbeiten