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Der stumme Tod. Gereon Raths zweiter Fall

Roman von Volker Kutscher

Der stumme Tod ist ein 1930 zur Zeit der Beisetzung Horst Wessels spielender historischer Roman des deutschen Autors Volker Kutscher, welcher im Jahr 2009 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschien. Es handelt sich um den zweiten Kriminalroman in der Serie um den Kriminalkommissar Gereon Rath. Die Handlung setzt zehn Monate nach Der nasse Fisch ein.

Das Buch zeichnet sich erneut neben der vordergründigen Kriminalhandlung, welche in der Tradition der amerikanischen Hardboiled detectives steht, durch sein anschauliches Sittengemälde der Goldenen Zwanziger in Berlin sowie die Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der späten Weimarer Republik, einschließlich des stärker werdenden Nationalsozialismus aus, welcher für den Leser klar erkennbar, aber für die handelnden Personen in seiner Tragweite noch nicht erfassbar ist. Neben fiktiven treten auch Personen der Zeitgeschichte und historische Ereignisse auf, welche aus der Sicht der Hauptfigur geschildert werden.

Der Roman dient als Vorlage für die geplante dritte Staffel der Serie Babylon Berlin.[1]

HandlungBearbeiten

Kriminalkommissar Gereon Rath wird im März 1930 an das Set eines Tonfilms gerufen, nachdem dort die Schauspielerin Betty Winter von einem herabstürzenden Scheinwerfer schwer verletzt und durch einen Stromschlag gestorben ist, weil ihr Ehemann und Kollege Viktor Meisner einen Eimer Wasser über sie entleert hat. Zunächst sieht es nach einem Unfall aus, doch als sich herausstellt, dass die Aufhängung des Scheinwerfers manipuliert wurde, konzentrieren sich die Ermittlungen auf den flüchtigen Beleuchter Felix Krempin. Lediglich Rath hat Zweifel an dessen Schuld und forscht auch in andere Richtungen, obwohl er eigentlich die Beisetzung Horst Wessels beobachten soll. Bei seinen Nachforschungen lässt Rath auch seine Kontakte zu Unterweltboss Johann Marlow spielen.

Zeitgleich bittet ihn der Filmproduzent Manfred Oppenberg, den Rath aus einem früheren Fall kennt und der Krempin als Saboteur bei seiner Konkurrenz eingeschleust hatte, privat das Verschwinden von dessen Schauspielerin und Geliebten Vivian Franck zu untersuchen. Und er soll auf Wunsch seines Vaters dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer inoffiziell helfen, weil dieser wegen unsauberer Geldgeschäfte mit dem Ziel erpresst wird, den Umzug der Ford-Werke von Berlin nach Köln zu verhindern. Vivian Franck taucht später in einem stillgelegten Kino als geschminkte Leiche wieder auf, der man die Stimmbänder entfernt hat. Als sich Krempin mit Rath treffen will, stürzt er vor Raths Augen tödlich vom Berliner Funkturm, wobei der Kommissar nicht an einen Selbstmord oder Unfall glaubt. Eine zweite Schauspielerin verschwindet und wird dank Raths Beharrlichkeit ebenfalls unter ähnlichen Umständen wie Vivian Franck ermordet aufgefunden, so dass klar wird, dass ein Serienkiller am Werk ist.

Unterdessen findet Rath heraus, dass hinter der Erpressung Adenauers ein Vorarbeiter bei Ford steckt, dessen Verlobte bei der Deutschen Bank arbeitet und der den Verlust seiner Arbeit fürchtet. Rath kann ihn so unter Druck setzen, dass dieser sein Unterfangen aufgibt. Inzwischen nähern Rath und Charly Ritter sich wieder einander an, und Rath droht wegen seiner Eigenmächtigkeiten und einer Schlägerei mit einem Kollegen ein Disziplinarverfahren. Durch ein Toupet, welches der Täter am Funkturm verloren hat, und Informationen über Spannungen zwischen den Eheleuten schließt Rath, dass Viktor Meisner sowohl Krempin als auch seine Frau ermordet hat, kann es jedoch nicht beweisen. Über die chinesische Frucht Yangtao, welche im Lauf der Ermittlungen mehrfach auftaucht, stößt Rath auf den Filmmagnaten Wolfgang Marquard. Marquard ist ein glühender Verfechter des Stummfilms und will durch seine Morde den Siegeszug des Tonfilms aufhalten. Als Rath ihn aufsucht, wird er außer Gefecht gesetzt, jedoch von Charly und seinen Kollegen gerettet, bevor Marquard auch ihn durch eine Überdosis Insulin töten kann. Marquard kann aus der Polizeihaft fliehen, entführt Meisner, weil er weiß, dass dieser der Mörder von Betty Winter ist, die er verehrte und selbst auch als Opfer ausgewählt hatte, und bringt sowohl ihn, als auch sich um.

Historischer HintergrundBearbeiten

Ermordung Horst WesselsBearbeiten

 
Beisetzung Horst Wessels in Berlin, 1930

Horst Wessel wurde am 14. Januar 1930 von Albrecht Höhler, einem aktiven Mitglied der KPD, und weiteren Mitgliedern einer Ersatzorganisation des damals verbotenen Roten Frontkämpferbunds in seiner Wohnung in der Großen Frankfurter Straße 62[2] aufgesucht, wobei Albrecht Höhler Horst Wessel beim Öffnen der Tür in den Kopf schoss.[3][4][5][6] Der Prozessbeobachter der Vossischen Zeitung, Moritz Goldstein, berichtete, dass die Angeklagten im Prozess behaupteten, Wessel oder sein später eingetroffener SA-Kamerad Richard Fiedler hätten eine Erstversorgung durch den „herbeigeeilten“ jüdischen Arzt Dr. Max Selo abgelehnt. So habe es in der Folge über eine Stunde gedauert, bis ein anderer Arzt kam und Wessel ins Krankenhaus transportiert werden konnte.[7] Dies wurde im Prozess von seiner damaligen Lebensgefährtin Erna Jaenichen energisch bestritten. Der Historiker Daniel Siemens hält die Darstellung der Angeklagten für „nicht sehr wahrscheinlich“.[8] Um 22:15 Uhr, etwa 15 Minuten nach dem Überfall, rief eine der Zeuginnen die Gauzentrale der NSDAP an. Um 22:30 Uhr traf ein von dort alarmierter Rettungswagen ein, der Wessel in das Städtische Krankenhaus im Friedrichshain brachte, wo ihm eine Notoperation zunächst das Leben rettete. Wessel starb dort am 23. Februar an einer Blutvergiftung. Die NSDAP nutzte Wessels Tod propagandistisch: Er wurde zum „Märtyrer der Bewegungstilisiert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Berliner Bezirk Friedrichshain in „Horst-Wessel-Stadt“ umbenannt (ab 1936 „Horst-Wessel“) und trug diesen NS-Ehrentitel bis 1945. Das Krankenhaus am Rande des Volksparks Friedrichshain, in dem Wessel gestorben war, erhielt den Namen „Horst-Wessel-Krankenhaus“. Der Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) in Berlin-Mitte wurde in „Horst-Wessel-Platz“ umbenannt, wodurch auch der dortige U-Bahnhof „Schönhauser Tor“ (heute U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz) diesen Namen erhielt. Ebenso trugen die Volksbühne und das heutige Karl-Liebknecht-Haus den Namen Wessels. Auch viele andere Plätze und Straßen in Deutschland wurden nach ihm benannt, unter anderem in seiner Geburtsstadt Bielefeld die heutige August-Bebel-Straße, an der die Pauluskirche steht, in der sein Vater früher tätig war. Einer Division der Waffen-SS, der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division, wurde der Beiname „Horst Wessel“ verliehen sowie am 24. März 1936 dem Jagdgeschwader 134 der Luftwaffe. Am 17. September 1934 wurde in Dresden mit großem propagandistischen Aufwand die Knabenberufsschule Altstadt als „Horst-Wessel-Schule“ eröffnet.[9][10] Im Rahmen der Blut-und-Boden-Politik der Nationalsozialisten wurde ein neu eingedeichter Koog auf der Halbinsel Eiderstedt mit Horst-Wessel-Koog (heute: Norderheverkoog) benannt. Auch der zweite Segelschulschiffbau der Kriegsmarine erhielt den Namen Horst Wessel (heute: Eagle, United States Coast Guard).

Vom Stummfilm zum TonfilmBearbeiten

 
Werbeplakat in den USA für den Film „Der Jazzsänger“

Der Kinofilm war nie stumm. In den Kinos wurde von Beginn an für musikalische Begleitung gesorgt, zumeist waren es Klavierspieler, auch Tappeure genannt. In vielen Kinos sorgte auch eine Kinoorgel für musikalische Untermalung. Bei Filmpremieren oder in großen Kinos wurden Filme von ganzen Orchestern mit bis zu 50 oder 60 Mitgliedern begleitet. Die schärfste Zäsur der Filmgeschichte dürfte jedoch der in den 1920er Jahren stattgefundene Triumphzug des Tonfilms sein. Beim Tonfilm wird die Tonspur neben den Bildern auf dem Film aufgebracht. Mit einer Lampe wird diese Spur beleuchtet und auf eine elektrische Fotozelle übertragen. Die unterschiedlichen elektrischen Spannungen, welche die unterschiedliche Helligkeit verursacht, wird mittels Verstärker und Lautsprecher in hörbare Töne umgewandelt. Durch die Kopplung von Ton und Bild auf dem gemeinsamen Streifen wird die Erhaltung der Synchronisation zwischen beiden gewährleistet. Der unerwartete Erfolg des Spielfilms Der Jazzsänger aus dem Jahr 1927 löste ein Tonfilmfieber aus, als dessen Folge der Stummfilm binnen weniger Jahre fast vollständig aus den Kinos verschwand. Eine Zeit lang existierten noch sogenannte „Hybridfilme“, die nur Dialogpassagen oder Soundeffekte aufwiesen. Die Studios brachten mitunter auch etablierte Streifen erneut heraus, die mit zusätzlichen Geräuscheffekten versehen waren. Bereits Anfang der 1930er-Jahre waren Produktion und Vorführung in nahezu allen großen Industrieländern komplett auf Ton umgestellt. Mitte des Jahrzehnts gehörte der Stummfilm bis auf wenige Ausnahmen weltweit der Vergangenheit an. Filme wurden seinerzeit häufig in mehreren Sprachversionen gedreht. Eine teure Praxis, mit der die großen Studios bei einigen Produktionen ein gravierendes Problem der frühen Tonfilmära zu umgehen suchten. Denn während Stummfilme in jedem Sprachraum verständlich waren, was eine weltweite Vermarktung erleichterte, waren Tonfilme an die Produktionssprache gebunden. Bis um 1933 eine befriedigende Sprachsynchronisation möglich war, litt Weltmarktführer Hollywood deshalb unter ungeahnten Exportschwierigkeiten. Die mangelnde Universalität war auch zentraler Kritikpunkt des vielleicht vehementesten Gegners des Tonfilms: Charlie Chaplin sah durch den sprechenden Film die Kunst der Pantomime bedroht. In seinen Augen die ursprünglichste, alle Völker verbindende Kunst. Der Tonfilm stellte auch die Filmemacher vor enorme Herausforderungen. Vor allem die unausgereifte Tonaufnahmetechnik und die eingeschränkte Mobilität der Kameras, die mit einer schallschluckenden Ummantelung umschlossen werden mussten, schlugen sich anfangs in schwerfälligen Inszenierungen nieder. Während in Augen späterer Medienwissenschaftler das Kino erst durch den Tonfilm zur autonomen Kunst aufstieg, kritisierte etwa Rudolf Arnheim den frühen Tonfilm als abgefilmtes Theater.[11] Der Übergang zum neuen Medium brachte in den USA einige Künstler in große Schwierigkeiten, insbesondere ausländische Stars, die mit teilweise starkem Akzent oder gar kein Englisch sprachen, hatten Probleme, ihren Status zu wahren. Viele Karrieren endeten langsam, da sich mit dem Wechsel zum Tonfilm auch neue Vorlieben im Publikumsgeschmack ergaben. Manche Schauspieler machten sehr spät ihr Tonfilmdebüt. Lon Chaney drehte erst 1930 seinen ersten und zugleich letzten Streifen. Lillian Gish hatte ebenfalls 1930 ihre Premiere im Sprechfilm. Charlie Chaplin wartete damit sogar bis 1940.

Konrad Adenauer und die Deutsche BankBearbeiten

 
Aktie über 1000 Mark der Vereinigen Glanzstoff-Fabriken AG vom Dezember 1916

1928 verspekulierte Adenauer sein Vermögen durch den Ankauf von Glanzstoff-Aktien, deren Kurs bald sank. Dadurch drohten ihm die Schulden, die er bei der Deutschen Bank hatte, über den Kopf zu wachsen, doch ließ er sich aus einem sogenannten Schwarzen Fonds vom Vorstandsvorsitzenden der Glanzstoff AG Fritz Blüthgen zwei Aktienpakete im Nominalwert von insgesamt 1,14 Millionen Reichsmark zur Verfügung stellen, die er unter Vermittlung seines Freundes Louis Hagen zum Ausgleich seines Kontos einsetzte. Im Februar 1931 berichtete die Kölner Lokalpresse von den Finanzschwierigkeiten des Oberbürgermeisters, Deutschnationale und Nationalsozialisten setzten sie in der Stadtverordnetenversammlung auf die Tagesordnung. Adenauer hatte sich aber im Voraus eine Erklärung der Deutschen Bank besorgt, die die umlaufenden „unzutreffenden Gerüchte und Behauptungen“ mit dem Hinweis dementierte, sein Konto sei „völlig ausgeglichen“.[12] Ein Interessenkonflikt bestand darin, dass Adenauer bis 1931 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank war.[13]

Umzug der Ford-Werke nach KölnBearbeiten

Am 17. August 1925 wurde im Deutschen Reich die 1920 erlassene Einfuhrsperre für ausländische Automobile aufgehoben. Bereits am 18. August 1925 wurde die Ford Motor Company Aktiengesellschaft ins Handelsregister von Berlin eingetragen. Ab dem 2. Januar 1926 wurden dann bis 1931 am Westhafen in Moabit in einer angemieteten ehemaligen Getreidehalle zunächst T-Modelle aus zugelieferten Teilen am Fließband montiert.[14] Im Jahr 1929 waren bereits 450 Personen in der Berliner Montagefabrik beschäftigt. Adenauer bemühte sich intensiv, ausländische Investoren nach Köln zu holen. 1927 hatte er bereits eine Zusage von Citroën für eine Automobilfabrik, das Projekt verlief dann aber doch im Sande. Nach intensiven Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Autohersteller Ford gelang es ihm, das Unternehmen davon zu überzeugen, ein komplett neues Werk in Köln zu errichten, anstatt die schon bestehenden kleineren Anlagen in Berlin auszubauen. Am 28. Oktober 1929 unterzeichnete der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Vertrag über den Bau des Ford-Werkes auf einem 170.000 Quadratmeter großen Gelände in Köln-Niehl, das ursprünglich für eine Jahresproduktion von bis zu 250.000 Fahrzeugen ausgelegt sein sollte und dessen Errichtung 12 Millionen Reichsmark kostete. Der Unternehmenssitz wurde 1930 von Berlin nach Köln verlegt, wo Henry Ford am 2. Oktober 1930 für die Grundsteinlegung anreiste. Am 4. Mai 1931 startete dann mit 619 Beschäftigten die Produktion des Modell A. Allerdings konnte auch dieses Werk die wirtschaftlichen Probleme, in die Köln wie das gesamte Reich in der Spätphase der Weimarer Republik kam, nur kurzfristig aufhalten. Bereits drei Wochen nach der Eröffnung veranlasste die Weltwirtschaftskrise zunächst eine Schließung des Werks. Kurz darauf wurde die Produktion jedoch wieder aufgenommen; 1931 liefen mehr als 6.000 Fahrzeuge vom Band.[15] 1932 wurde das Ford Modell B (zweite Generation) in den USA eingeführt; im Sommer 1932 rollte der erste Ford B unter dem Namen Ford Rheinland in Köln vom Band.

HauptpersonenBearbeiten

Gereon RathBearbeiten

Aus Köln stammender, zu Alleingängen neigender Kriminalkommissar, der in seiner Heimat ein erfolgreicher Mordermittler war, bis ein tödlicher Schuss aus seiner Dienstwaffe und eine daraus resultierende Pressekampagne seine Karriere dort zerstörte. Auf Vermittlung seines einflussreichen Vaters wechselt Gereon Rath im März 1929 in die Reichshauptstadt zur dortigen Kriminalpolizei, wo er zunächst der Sittenpolizei zugeordnet ist, bevor ihm der Wechsel zur Mordinspektion (Inspektion A) gelingt. Seine Eigenmächtigkeit und Unbeherrschtheit bringen ihn wieder in Schwierigkeiten.

Charlotte RitterBearbeiten

Stenotypistin bei der Berliner Inspektion A, womit sie ihr Jurastudium finanziert. Danach möchte sie als Kriminalbeamtin arbeiten. In der Mordinspektion lernt sie Gereon Rath kennen, zu dem sie sich zunächst hingezogen fühlt, bis dieser sie hintergeht. Sie steckt in ihren Staatsexamens-Prüfungen und nähert sich Gereon Rath wieder an.

Wilhelm BöhmBearbeiten

Oberkommissar bei der Inspektion A, genannt die „Bulldogge“ und einer der wichtigsten Mitarbeiter von Ernst Gennat. Er pflegt einen sehr ruppigen Umgangston, nicht nur im Umgang mit Verdächtigen und Zeugen, sondern auch mit Kollegen und Untergebenen. Böhm mag Gereon Rath wegen dessen Eigenmächtigkeit nicht.

Reinhold GräfBearbeiten

Kriminalsekretär bei der Inspektion A. Er ist mit Gereon Rath befreundet, welchem er seine Beförderung verdankt.

Andreas LangeBearbeiten

Kriminalassistent bei der Inspektion A. Er wird Gereon Rath als Mitarbeiter zugeteilt.

Berthold WeinertBearbeiten

Freier Journalist und ehemaliger Mitbewohner von Gereon Rath, mit dem er befreundet ist. Er versucht, seinem Freund zu helfen.

Heinrich BellmannBearbeiten

Zwielichtiger Filmproduzent mit antisemitischer Einstellung und Verfechter des Tonfilms. Sein weiblicher Star Betty Winter wird während Dreharbeiten getötet, woraus er Kapital schlägt.

Manfred OppenbergBearbeiten

Jüdischer Filmproduzent und Konkurrent von Heinrich Bellmann, dessen Filmarbeiten er sabotieren lässt. Er bittet Gereon Rath, der ihn von früheren Ermittlungen kennt, privat das Verschwinden seiner Geliebten und Schauspielerin Vivian Franck zu untersuchen.

Viktor MeisnerBearbeiten

Schauspielkollege und Ehemann von Betty Winter. Sein Versuch, seiner schwere Verbrennungen erleidenden Frau mit Wasser zu helfen, endet tödlich.

Wolfgang MarquardBearbeiten

Einflussreicher, wohlhabender Filmmagnat (Produzent, Kinobesitzer, Eigentümer eines Filmverleihs und Kopierwerks) sowie vehementer Gegner des Tonfilms.

Ernst GennatBearbeiten

Kriminalrat und Leiter der Inspektion A, wegen seiner Leibesfülle „Buddha“ oder auch „der volle Ernst“ genannt (historische Figur). Er hat die Mordinspektion aufgebaut und moderne Ermittlungsmethoden eingeführt, was ihn schon zu Lebzeiten zur Legende gemacht hat. Er schätzt Gereon Raths Fähigkeiten als Ermittler.

Engelbert RathBearbeiten

Gereon Raths Vater und Kriminaldirektor bei der Kölner Polizei. Duzfreund des Berliner Polizeipräsidenten Karl Friedrich Zörgiebel. Sein ältester Sohn und Liebling Anno fiel im Weltkrieg, der Zweitälteste, Severin, ging kurz vor Ausbruch des Krieges in die USA und wird seitdem von Engelbert Rath als Fahnenflüchtiger betrachtet. Sein Verhältnis zu Gereon Rath ist angespannt. Er stellt den Kontakt zu Konrad Adenauer her.

Konrad AdenauerBearbeiten

Der Kölner Oberbürgermeister (historische Figur) ist ein Parteifreund von Gereon Raths Vater in der Zentrumspartei und bittet um inoffizielle Hilfe, weil er mit dem Ziel erpresst wird, den Umzug der Ford-Werke von Berlin nach Köln zu verhindern.

Johann MarlowBearbeiten

Geschäftsmann und organisierter Verbrecherboss, auch „Dr. M.“ genannt. Drahtzieher des Ringvereins Berolina, welcher gesetzeswidrige Geschäfte aller Art wie Rauschgifthandel oder illegale Nachtclubs betreibt. Auf seiner Gehaltsliste stehen auch Beamte der Berliner Polizei. Gereon Rath gehört nicht dazu, hat aber ein besonderes Verhältnis zu ihm und nutzt dessen Kontakte.

Paul WittkampBearbeiten

Weinhändler und Gereon Raths bester Freund in Köln. Er ist zu Besuch in Berlin.

RezeptionBearbeiten

Der Roman erhielt überwiegend positive Kritiken. So schrieb Der Tagesspiegel[16]:

„Zwei Jahre nach „Der nasse Fisch“, dem furiosen Start der wohl ambitioniertesten deutschen Hardboiled-Reihe, legt Volker Kutscher nun die Fortsetzung vor: Mit „Der stumme Tod“ ist dem Kölner Autor erneut ein glänzend recherchierter, handwerklich solider, spannender Pageturner gelungen, aller Dialoglastigkeit und einigen Überlängen im letzten Drittel zum Trotz. Vor allem muss man sagen: Kutschers Protagonist gewinnt enorm an Profil. Überzeugte sein Erstling mehr durch den detailfreudig ausgemalten historischen Hintergrund als durch den sympathisch-blassen Jung-Kriminalisten ohne Eigenschaften, entpuppt sich Gereon Rath nun als Überehrgeizling und bedenkenloser Zyniker.“

Oliver Pfohlmann: Moden und Morde

Und die Kölnische Rundschau: „Für Krimifans, die längst ermüdet von den ewig gleichen grenzdepressiven Ermittlertypen aus dem kalten Norden sind, war Der nasse Fisch schon ein Genuss, den Der stumme Tod noch steigert.“ Die Welt äußerte: „Das Buch führt auf kluge Weise Fiktion und historische Tatsachen zusammen, ohne ständig mit dem Zeigefinger der Belesenheit zu protzen.“[17]

AuszeichnungenBearbeiten

Für den Roman Der stumme Tod erhielt Volker Kutscher 2010 den Burgdorfer Krimipreis sowie für dieses Buch, den Vorgänger Der nasse Fisch und den Folgeband Goldstein im Rahmen der Reinickendorfer Kriminacht 2011 den Berliner Krimifuchs, einen Literaturpreis für Kriminalromane, für herausragende Leistungen.[18][19]

Stilistische BesonderheitenBearbeiten

Während die übrige Handlung des Romans im Präteritum verfasst ist, werden die Kapitel, die aus der Erzählperspektive des Mörders geschrieben sind, im Präsens geschildert.

FortsetzungenBearbeiten

In der Reihe um Gereon Rath sind bis Oktober 2018 fünf weitere Romane und eine Novelle erschienen:

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Wir wollen Fernsehen auf Kino-Niveau“ – Interview mit Elke Walthelm, Executive Vice President Content bei Sky Deutschland, in TV Digital Serien Special (Verlagsbeilage) vom 2. November 2018
  2. Nationalsozialistische Kultfigur Horst Wessel „Hebt ihn hoch, den Toten“ von Manfred Gailus Der Tagesspiegel 26. September 2013
  3. Heinz Knobloch: Der arme Epstein: Wie der Tod zu Horst Wessel kam. Berlin 1996, S. 9–48.
  4. Bernd Kleinhans: Horst Wessel (1907–1930) auf shoa.de. Daniel Siemens: Horst Wessel. Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten. München 2009.
  5. Jay W. Baird: To Die for Germany. Heroes in the Nazi Pantheon. Bloomington (Ind.) 1990, S. 80ff.
  6. Marianne Brentzel: Die Machtfrau. Hilde Benjamin 1902–1989. Berlin 1997, S. 38ff.
  7. Dazu Heinz Knobloch: Der arme Epstein: Wie der Tod zu Horst Wessel kam. Berlin 1996, S. 49–51
  8. Siehe Daniel Siemens: Horst Wessel. Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten. München 2009, S. 23, dort auch Hinweise auf die Zeitangaben im Tagebuch der Telefonzentrale der NSDAP-Gauleitung und in der Rechnung für den Rettungseinsatz. Zu Siemens Veröffentlichung siehe die unten angegebene Rezension in H-Soz-u-Kult.
  9. Geschichte des BSZ für Agrarwirtschaft „Justus von Liebig“
  10. Geschichte des Beruflichen Schulzentrums für Technik „Gustav Anton Zeuner“ Dresden
  11. Jörn Hetebrügge: Vom Stummfilm zum Tonfilm. Abgerufen am 9. November 2017.
  12. Henning Köhler: Adenauer. Eine politische Biographie. Propyläen, Berlin 1994, S. 251–264, die Zitate auf S. 262, ISBN 3-549-05444-0.
  13. Der Spiegel vom 22. Februar 1961: Unfaßbar hoch. Abgerufen am 14. April 2017.
  14. Ford-Presseerklärung: Vor 80 Jahren wurde die Ansiedlung der Ford-Werke in Köln vereinbart. In: presseportal.de. Ford-Werke GmbH, 8. Oktober 2009, abgerufen am 26. August 2019.
  15. Ford-Presseerklärung: 80 Jahre Ford-Produktion in Köln: Vom A-Modell zum Ford Fiesta. In: presseportal.de. Ford-Werke GmbH, 2. Mai 2011, abgerufen am 26. August 2019.
  16. Oliver Pfohlmann: Moden und Morde. In: Der Tagesspiegel. 29. April 2009, abgerufen am 26. August 2019.
  17. Kriminalkommissar Gereon Rath: Die Presse. Abgerufen am 8. November 2017.
  18. Programmheft der Burgdorfer Krimitage 2010: Gier. Abgerufen am 8. November 2017.
  19. Literaturpreis Gewinner. Abgerufen am 19. Dezember 2017.