Der Schatz im Acker

Gleichnis Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus
Das Gleichnis vom Schatz im Acker von Rembrandt (um 1630)

Das von Jesus von Nazaret erzählte Gleichnis Schatz im Acker wird in den Evangelien im Neuen Testament der Bibel einzig durch das Evangelium nach Matthäus Mt 13,44 EU überliefert und gehört somit zum Matthäischen Sondergut. Eine Variante dieses Gleichnisses ist auch im nichtkanonischen Thomasevangelium in Logion 109 zu finden.

InhaltBearbeiten

Der Inhalt wird in der Einheitsübersetzung folgendermaßen wiedergegeben:

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“

Eine Parallelstelle gibt es in den übrigen kanonischen Evangelien nicht, aber eine ähnliche Fassung findet sich im Thomasevangelium, Logion 109:

Jesus sagt: „Die Herrschaft Gottes ist wie ein Mann, der auf einem Acker einen verborgenen Schatz besaß, von dem er nichts wusste. Nach seinem Tod hinterließ er den Acker seinem Sohn. Der Sohn wusste ebenfalls nichts von dem Schatz und verkaufte ihn [sc. den Acker]. Und der Käufer fand […] beim Pflügen den Schatz. Er begann, Geld gegen Zinsen zu verleihen, an wen er wollte.“[1]

Dem Gleichnis schließt sich direkt das Gleichnis von der kostbaren Perle an und ähnelt diesem in Aufbau und Aussage.[2]

AuslegungBearbeiten

Allegorische DeutungsansätzeBearbeiten

Die allegorische Auslegungspraxis wird vor allem in Brüdergemeinden und anderen bibeltreuen Gemeinschaften gepflegt. Hier geht man davon aus, dass Jesus selbst der beschriebene Mensch sei. Bei dem Schatz handelt es sich um die neutestamentlich Gläubigen.[3] Andere Ausleger deuten den Schatz auf das Volk Israel.[4]

Deutung auf das Reich Gottes hinBearbeiten

Eine weitere Interpretation, so z. B. von Georg Singe vertreten, geht davon aus, dass der Schatz im Acker ein Bild für das Reich Gottes abgibt und das Gleichnis einen Weg zu Gott aufzeigt. Der Mensch, der den Schatz gefunden hat, muss zunächst alles verkaufen, was er hat, um in Besitz des Ackers und des darin verborgenen Schatzes zu gelangen.[5]

Nach Dietrich Bonhoeffer müsse man, um Christ zu sein, mit voller Hingabe Christ sein. Dieses Gleichnis sei das erste Merkmal der „teuren Gnade“, das Bonhoeffer anführt und von der „billigen Gnade“ unterscheidet[6].

Neuere DeutungenBearbeiten

Klaus Berger deutet das Gleichnis von der Aussage „und verkaufte alles“ her. Er kommt zu der Auslegung, dass zum frühesten Christentum ein „Befreiungsschlag“ gehörte, der den Abschied von Besitz und Familie bedeutete.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nach: Klaus Berger, Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften. Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig, 2005, ISBN 3-458-17249-1, S. 669.
  2. "Die Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der Perle" Peter Müller, S. 2 (Memento des Originals vom 13. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ev.theologie.uni-mainz.de (PDF; 63 kB)
  3. Dirk Schürmann, Stephan Isenberg: Der vergessene Reichtum - Das Geheimnis Gottes in den Epochen seines Handelns. Daniel, Retzow 2009, S. 49.
  4. William McDonald: Kommentar zum Neuen Testament. CLV, Bielefeld 1997, S. 90
  5. Georg Singe: Theologische Grundlagen für eine postmoderne Soziale Arbeit. Münster 2006, S. 68ff.
  6. Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2002, ISBN 3-579-00455-7 (Erstausgabe: 1937).
  7. Klaus Berger: Kommentar zum Neuen Testament. 2. Auflage, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-579-08129-8, S. 76f.