Der Hexentöter von Blackmoor

Film von Jess Franco (1969)

Der Hexentöter von Blackmoor ist ein 1969 gedrehter und international besetzter deutsch-spanisch-italienischer Historien-, Horror- und Exploitationfilm mit reichlich Folter- und Sexfilmanteilen um blutige Hexen- und Rebellenjagden im England des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Regie führte der einschlägig bekannte B-Film-Regisseur Jesús Franco Manera. Die Hauptrolle als gnadenloser Lordrichter spielte Christopher Lee. Seine deutsche Erstaufführung erlebte der Film am 5. Juni 1970, exakt vier Monate nach seiner Uraufführung in Italien.

Filmdaten
Deutscher TitelDer Hexentöter von Blackmoor
OriginaltitelEl proceso de las brujas / Il trono di fuoco
ProduktionslandSpanien, Deutschland, Italien
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1970
Länge82 (dt. Fassung), 84 (span. Fassung) Minuten
AltersfreigabeFSK 18
Stab
RegieJesús Franco Manera
DrehbuchMichael Haller
Jesus Franco Manera
Enrico Colombo
ProduktionHarry Alan Towers
MusikBruno Nicolai
KameraManuel Merino
SchnittGertrud Petermann
Besetzung

HandlungBearbeiten

Nach dem Tode von König Karl II. (1685) versucht der Oberste Richter Englands, George Jeffreys, durch die rücksichtslose Verfolgung vermeintlicher Rebellen und Widersacher gegen den neuen König sowie durch brutale Hexenjagden die Herrschaft des neuen Monarchen König Jakob II. zu festigen.

Jeffreys’ Blutspur zieht sich durch das gesamte Königreich, wo immer der Lordkanzler und Oberrichter auftaucht. Er macht auch nicht Halt vor Frauen und Unschuldigen. Überall wittert er Verrat und Gefahr, umstürzlerische Umtriebe und Verschwörung. Jeffreys lässt foltern und morden, vor allem aber immer wieder hängen. Die Rebellen, die den neuen König ablehnen, sind für ihn ebenso Staatsfeinde wie auch die Frauen, die sich ihm nicht hingeben und die er kurzerhand zu Hexen erklärt. Denn König Jakob verlangt nach absoluter Macht wie sie die französischen Könige besitzen und will auch den Katholizismus wieder nach England zurückbringen – Inquisition, Folter und Mord inklusive.

Lord Jeffreys, ein Sadist und Schinder, der an die gerechte Sache seinen Mission zutiefst glaubt, benutzt mehr und mehr seine Position, um junge Frauen zu zwingen, sich ihm zu unterwerfen und um sie zu seinem eigenen Vergnügen sexuell zu missbrauchen. Diejenigen, die sich ihm verweigern, werden unter dem Vorwurf, Satansanbetung und Hexenkult zu betreiben, gefoltert. Eine seiner Opfer ist die schöne junge Alicia Grey. Sie wird von Jeffreys zum Tode verurteilt. Bevor Alicia schließlich hingerichtet wird, muss sie auf der Streckbank schwerste Folter über sich ergehen lassen und wird schließlich blutüberströmt zu Tode gestürzt.

Die blinde Wahrsagerin Mutter Rosa hingegen scheint Jeffreys zu fürchten. Er glaubt, dass die Hexe mehr Macht besitzt, als ihm lieb sein kann, und er fürchtet sich vor ihren Weissagungen und möglichen Verwünschungen. In Mary, der Schwester der ermordeten Alicia, Mutter Rosa und Harry Selton, dem Sohn des angesehenen Adeligen Lord Wessex, hat sich Jeffreys gefährliche Feinde geschaffen. Sie werden bald zu Verschworenen und erbitterten Gegnern des Blutrichters. Mary und Harry, der sich den Rebellen gegen James II. angeschlossen hat, verlieben sich ineinander. Schließlich geraten die Rebellen in die Fänge des erbarmungslosen Richters. Um ihren Geliebten zu retten, ist die blonde Mary sogar bereit, sich dem diabolischen Lordrichter hinzugeben. Mit größtem Widerwillen entkleidet sie sich vor ihm und lässt sich von ihm berühren und demütigen.

Schließlich wendet sich das Schicksal gegen den Blutrichter. Sein wichtigster Fürsprecher, König James, wird 1688 abgesetzt, und mit ihm verliert auch Richter Jeffreys all seine Macht. Schließlich wird der Bloody Judge[1] in den Tower of London geworfen und zum Tode verurteilt. In der deutschen Fassung steht er unter dem Galgen, und ein Strick wird um seinen Hals gelegt. Der Henker, der zuvor in seinem Namen fröhlich mitgefoltert hatte, gibt das Kommando an einen Helfer, den Strick festzuhalten, während der große Schemel, auf dem Jeffreys steht, weggetreten wird. Jeffreys zappelt, dann wird das Seil nachgelassen und Jeffreys plumpst auf den Gerüstboden. Der Henker macht einen kurzen Wink, und ein weiterer Helfer mit einer Axt kommt herbei und hackt zweimal auf den an den Händen Gefesselten ein.[2]

ProduktionsnotizenBearbeiten

Im Mittelpunkt des Films steht die historisch belegte Figur des britischen Lordrichters Jeffreys. In der Annahme, dass es sich bei Der Hexentöter von Blackmoor um einen sich einigermaßen an den Fakten orientierenden Historienfilm handeln würde, sagte Hauptdarsteller Christopher Lee dem Regisseur Manera zu, dort mitzuspielen. Wie Lee jedoch später in einem Interview[3] erklärte, habe er den fertigen Film nie angesehen, weil der Regisseur, angeblich ohne sein Wissen, eine Fülle von exzessiven Gewalt-, Nackt- und Folterszenen eingefügt habe. Auch habe er sich vehement jeder Teilnahme an einer Erotikszene verweigert.

Infolge des großen Erfolges von Michael ReevesDer Hexenjäger (1968) setzte in Mitteleuropa kurzzeitig eine kleine Hexenfilmwelle in Gang. Nahezu zeitgleich entstanden Maneras Film und der von Adrian Hoven gedrehte deutsche Folterstreifen Hexen bis aufs Blut gequält mit Herbert Lom in der Hauptrolle. Das Wettrennen um die frühere Uraufführung gewann Franco Maneras Film, der (in Italien) genau zwei Wochen vor Hexen bis aufs Blut gequält uraufgeführt wurde.

Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 8. August und dem 10. Oktober 1969 vor allem in Portugal und Spanien statt. In Leiria, nördlich von Lissabon, drehte Franco vor allem alle Aufnahmen, in denen „britische“ Architektur vorkam, in den Lavendelfeldern von Casa de Campo, zehn Kilometer von Madrid entfernt, entstanden die Schlachtszenen.

Der Hexentöter von Blackmoor war einer von insgesamt sieben Filmen, die Manera und Lee in kürzester Zeit Ende der 1960er Jahre miteinander drehten. Vor allem die Fu-Man-Chu-Filme der beiden machten Furore. In einem Interview, in dem er Wert darauf legte, seinen Charakter so nahe wie möglich an der realen, historischen Figur orientiert zu wissen, bezeichnet Lee den von ihm gespielten Lordrichter Jeffreys als einen „Dr. Jekyll und Mr. Hyde[4]

Wie Franco Manera in einem Interview[5] erklärte, verfügte er dank der zahlreichen Geldgeber der internationalen Koproduzenten über ein beträchtliches Budget, das ihm eine beachtliche internationale Besetzung ermöglichte. Auf der anderen Seite führte es dazu, dass die Koproduzenten die unterschiedlichsten Absichten mit Der Hexentöter von Blackmoor verfolgten: Die einen wollten einen Historienfilm, die anderen einen Horrorfilm und die Dritten einen Film mit viel Sex-und-Gewalt-Elementen.

Eigentlich sollte Dennis Price die Rolle des alten Lord Wessex übernehmen. Er erkrankte aber, und dieser Part ging an Leo Genn.

Manera und Howard Vernon, der den finsteren Henker spielt, entschieden, diesen Charakter eng an den von Boris Karloff in Der Henker von London gespielten Scharfrichter anzulehnen.

Wie häufig in Filmen der ausgehenden 1960er Jahre ihres Ehemannes, des Produzenten Harry Alan Towers, hatte die Österreicherin Maria Rohm auch hier mehrere Nacktszenen zu absolvieren. So etwa, als sie sich mit Widerwillen den Annäherungen Jeffreys’ zu unterwerfen hat oder völlig unbekleidet in das Bad steigt.

Wie Manera in einem Interview[6] erklärte, wählte der deutsche Filmverleih den Titel Der Hexentöter von Blackmoor, um damit eine Nähe zu den deutschen Edgar-Wallace-Filmen oder ähnlich gelagerten Mystery-Gruselkrimis (z. B. Der Würger von Schloss Blackmoor) zu insinuieren, obwohl im gesamten Film der Name Blackmoor überhaupt nicht auftaucht.

In der deutschen Synchronfassung war Heinz Drache die deutsche Stimme von Christopher Lee.

KritikBearbeiten

Das große Personenlexikon des Films nannte Der Hexentöter von Blackmoor wie auch Franco Maneras kurz zuvor entstandenen Frauengefängnisfilm Der heiße Tod „Trash-Movies“[7]

Im Lexikon des Internationalen Films ist über den Film zu lesen: „Die primitiv gemachte pseudohistorische Geschichte dient als Vorwand für breit angelegte Folterszenen und andere Grausamkeiten, zum Teil verbunden mit sadistischen Sexeinlagen.“[8] Auch der Evangelische Film-Beobachter hält nicht viel von dem Streifen: „Ein Schauerfilm mit ebenfalls viel Sadismus, dem es nicht gelingt, über dessen Demonstration hinaus etwas zu leisten.“[9]

Spaniens Guia del video-cine[10] stellte bezüglich dieses Horrorfilms, der in Spanien unter dem Titel El proceso de las brujas lief, fest: „Simpática, pero no en exceso interessante coproducción acerca de un sádico inquisidor inglés, construida sobre el contraste nacido de la truculenta maldad de Christopher Lee y la angelical belleza de la exquisita Maria Rohm. Excelentes fotografía e intervención de un Howard Vernon tras los pasos de Boris Karloff en „La torre de Londres“.“[11]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Bloody Judge war auch der sehr viel treffendere britische Verleihtitel dieses Films
  2. Der Film endet in seinen internationalen Verleihfassungen unterschiedlich. In einer anderen Version schaut Jeffreys aus dem Fenster einer Hinrichtung zu, während ein Sprecher aus dem Off sein Todesurteil verliest. Es ist genau dieselbe Szene, die in der deutschen Fassung seine eigene Hinrichtung sein soll. In einer dritten Version beichtet Jeffreys dem alten Lord Wessex seine Untaten, bevor er an einem Herzinfarkt stirbt. All diese Enden sind pure Fiktion. Der wahre Jeffreys starb, eingekerkert im Tower, 1689 an Nierenversagen
  3. Lee-Interview, zweiter Teil, zu Der Hexentöter von Blackmoor
  4. Lee-Interview auf YouTube
  5. Manera-Interview auf YouTube
  6. Manera im Interview, 3. Teil
  7. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 92.
  8. Klaus Brüne (Red.): Lexikon des Internationalen Films Band 3, S. 1610. Reinbek bei Hamburg 1987.
  9. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 263/1970.
  10. Carlos Aguilar: Guia del video-cine, S. 933, 4. Auflage. Madrid 1992
  11. Übersetzung: „Sympathische aber nicht übermäßig interessante Koproduktion über einen sadistischen, englischen Inquisitor, die auf dem Kontrast der blutrünstigen Schlechtigkeit von Christopher Lee einerseits und der engelsgleichen Schönheit der wunderbaren Maria Rohm andererseits aufbaut. Ausgezeichnet sind die Kameraarbeit und der Auftritt von Howard Vernon, der auf den Spuren von Boris Karloff in „Tower of London“ wandelt.“