Hauptmenü öffnen

Der Fragebogen

Roman von Ernst von Salomon

Der Fragebogen ist ein 1951 im Rowohlt Verlag erschienener, in Form einer Autobiografie verfasster Roman von Ernst von Salomon.

InhaltBearbeiten

Ernst von Salomon, den die amerikanische Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg in automatischen Arrest genommen hatte, verwendete den Fragebogen (d. h. das Befragungsformular) der Militärregierung zur Entnazifizierung als Gerüst dieses Romans.
Die im Befragungsformular gestellten Fragen zur persönlichen Geschichte, zur politischen Einstellung, Mitgliedschaft in Organisationen usw. beantwortete er peinlich genau und überausführlich. Salomon schildert seine Zeit als Kadett, die Kämpfe im Baltikum, an denen er als Freikorpsmann teilnahm, seine Beteiligung am Mord an Walther Rathenau 1922 und die anschließende Haft, seine literarische Arbeit, seine Erlebnisse im Frankreich der 1930er Jahre und im nationalsozialistischen Deutschland sowie das Kriegsende, das er gemeinsam mit seiner jüdischen Freundin Ille in Oberbayern erlebt hatte; drastisch wird die anschließende Internierung in einem amerikanischen Lager ausgemalt, in dem Salomon angeblich gefoltert wurde, was sich späterhin als unwahr herausstellte. So entstand einerseits eine Autobiografie, die auch ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund minutiös beleuchtete, aber auch ein Werk, das den Versuch einer bürokratisch-kollektiven Kategorisierung von Menschen ad absurdum führte.

RezeptionBearbeiten

Der Roman erregte große Aufmerksamkeit und erreichte in den 1950er und 1960er Jahren nicht nur in Deutschland sehr große Auflagen, die ihn zum Bestseller seiner Zeit machten. Er galt eine Zeitlang als eine der erfolgreichsten Neuerscheinungen der Nachkriegsliteratur überhaupt. Ausgaben davon erschienen auch in Amerika, England, Kanada, Frankreich, Italien und Spanien.

Der Roman wurde aber nicht nur als Gewissens­erforschung und Biografie eines Einzelnen verstanden, sondern auch als Dokument der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als exemplarische Darstellung des individuellen Ausgeliefertseins an historische und politische Mächte überhaupt. Dass Salomon das von ihm in amerikanischer Internierung erlittene Unrecht gegen die Massenverbrechen der Nationalsozialisten aufrechnet, die er empathielos mit zynischer Kälte abhandelt, wurde scharf kritisiert.[1]

Siehe auchBearbeiten

AusgabenBearbeiten

  • Ernst von Salomon: Der Fragebogen. Rowohlt, Hamburg 1951. (Erstausgabe), viele weitere Ausgaben. Als Taschenbuchausgabe zuletzt Rowohlt, Reinbek 1999, ISBN 3-499-10419-9, 2013 als E-Book unter der ISBN 978-3-644-02371-0.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Fragebogen. In: Kindlers Literatur Lexikon. dtv. München 1986, Bd. 5, S. 3646.