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Dennis J. Snower

amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler
Dennis J. Snower, 2011

Dennis J. Snower (* 14. Oktober 1950 in Wien) ist ein US-amerikanisch-deutscher Wirtschaftswissenschaftler, ehemaliger Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel sowie Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Snower wurde 1950 in Wien geboren und wuchs dort bis zu seinem 17. Lebensjahr auf. Er erlangte einen BA und MA vom New College der Universität Oxford (in Philosophy, Politics and Economics, 1971) und einen MA und PhD der Princeton University (1975). Er ist US-amerikanischer Staatsbürger, verheiratet und hat zwei Kinder.

Er arbeitete an der University of Maryland als Assistant Professor (1975–1979), am Institute for Advanced Studies als Assistant Professor (1979–1980) und am Birkbeck College, University of London (Lecturer 1980–1983, Reader 1983–1988 und Professor 1989–2004).

Seit Oktober 2004 ist Snower Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sowie Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Beschäftigungspolitik und Arbeitslosigkeit.

Snower befasst sich außerdem mit der Frage, wie das soziale Wohlergehen von Menschen gesteigert werden kann und welche Kriterien jenseits von monetären Vorteilen die Kooperationsbereitschaft von Menschen bedingen, etwas bei der internationalen Zusammenarbeit. Snower ist außerdem bestrebt, traditionelle ökonomische Modelle um Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaft zu erweitern.[1][2]

Heute liegt ein Schwerpunkt von Snowers Wirken in der Politikberatung insbesondere internationaler Institutionen wie den G20 und den G7. Dafür gründete er das Veranstaltungsformat„Global Solutions“, das vom Tagesspiegel Verlag organisiert wird, und den Think Tank Zusammenschluss „Council for Global Problem-Solving“.[3][4]

Mit erreichen der Altersgrenze verließ Snower das IfW Ende Februar 2019. Seine Nachfolge trat Gabriel Felbermayr an.[5][6]

Im Jahr 2018 nahm er auch die deutsche Staatsbürgerschaft an.[7]

Forschung und BeratungBearbeiten

Snower hat Regierungen in den Gebieten Arbeitsmarktpolitik, Ausbildungspolitik und Wohlfahrtsstaatreform beraten, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Schweden und Spanien. Er arbeitete als Berater für den Internationalen Währungsfonds (IMF) und die Weltbank und war Gastprofessor an zahlreichen Universitäten, darunter Columbia, Dartmouth College, European University Institute (Florenz), Harvard, Princeton und Stockholm.

Snower hat unter anderem in folgenden wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften publiziert: American Economic Review, Economic Journal, Journal of Economic Perspectives, European Economic Review, Journal of Labor Economics.

Zusammen mit Assar Lindbeck entwickelte er die Insider-Outsider Theorie zur Erklärung der Arbeitslosendynamik in Europa und die Theorie des „Friktionalen Wachstums“ zur Erklärung der Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Mit Mitarbeitern entwarf er verschiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen (z. B. Beschäftigungsgutscheine und Sozialkonten), die in verschiedenen Ländern angewendet wurden.

Snower ist Research Fellow am Centre for Economic Policy Research (London), Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (Bonn), CESifo (München), Euro Area Business Cycle Network und SKOPE Center an der Oxford University. Er ist Mitglied des Zentralen Beirates der Commerzbank sowie des Scientific Advisory Board des Instituts für Höhere Studien (Wien). Des Weiteren ist er Mitglied des Global Agenda Council on Economic Imbalances und des Council on the Skills Gap (beide World Economic Forum).

Snower initiierte im Jahre 2008 im schleswig-holsteinischen Plön erstmals das Global Economic Symposium (GES). Dort wurden forschungsbasierte Lösungsvorschläge für globale Probleme erarbeitet und diskutiert. Es folgten weitere GES in Kiel, Istanbul, Rio de Janiero und Kualalumpur sowie GES-Workshops in Kiel und Taipei. Das für 2016 in Istanbul geplante GES wurde aufgrund der politischen Lage in dem Land abgesagt.[8]

2011 wurde er zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gewählt.[9]

Zur Lösung der Eurokrise skizzierte Snower im Mai 2012 einen Vier-Punkte-Plan für Europa, der unter anderem eine „atmende Fiskalregel“ und Solvenzkriterien für die EU-Länder vorschlägt.[10]

Während der deutschen G20-Präsidentschaft 2016/2017 leitete Dennis Snower gemeinsam mit Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Bonn (DIE) die Think 20 (T20), ein Zusammenschluss von Think Tanks aus den G20 Ländern mit dem Ziel, die G20-Entscheider mit forschungsbasierten Handlungsempfehlungen zu unterstützen. Die T20 zählen zu den sogenannten Engagement Groups rund um den G20 Prozess, wie etwa Women 20, Business 20 oder Youth 20. Als einzige Engagement-Group vertreten die T20 aber keine Lobbygruppe.[11][12][13]

Auf dem gemeinsam mit dem Tagesspiegel Verlag organisierten T20 Gipfel „Global Solutions“ wurden dem damaligen Kanzleramtsminister Peter Altemeier ein finales Dokument mit dem Titel „20 Solution Proposals for the G20“ überreicht.[14][15]

Mit dem Ende der deutschen G20-Präsidentschaft wechselte auch die Leitung der T20. Die Konferenz „Global Solutions“ wird als Jahrestreffen des Council for Global Problem-Solving fortgeführt und ist Teil des offiziellen T20 Jahreskalenders[16]. Auf der Gästeliste stehen auch Offizielle aus den G20-Staaten. 2018 etwa fordert Kanzlerin Angela Merkel auf dem Gipfel die Einführung einer internationalen Digtialsteuer.[17]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • The Future of the Welfare State. In: Economic Journal. Band 103, 1993, S. 700–717.
  • mit Assar Lindbeck: Cooperation, Harassment and Involuntary Unemployment. In: American Economic Review. Band 78, Nr. 1, 1988, S. 167–188.
  • mit Assar Lindbeck: Multi-task Learning and the Reorganization of Work. In: Journal of Labor Economics. Band 18, Nr. 3, 2000, S. 353–376.
  • mit Assar Lindbeck: Insiders versus Outsiders. In: Journal of Economic Perspectives. Band 15, Nr. 1, 2001, S. 165–188.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Uwe Jean Heuser: Dennis Snower: "Meine Frau sagt: Welcher Unfug!" In: Die Zeit. 30. Januar 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).
  2. From Homo Economicus towards a Caring Economics. Abgerufen am 1. Februar 2019 (englisch).
  3. Global Solutions 2019. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  4. Council for Global Problem-Solving (CGP) - Policy advice to the G20. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  5. orf.at: Österreicher Felbermayr leitet künftig Kieler IfW. Artikel vom 10. September 2018, abgerufen am 10. September 2018.
  6. Felbermayr wird neuer Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  7. Tobias Kaiser: Dennis Snower: „Es wird große soziale Konflikte geben“. In: DIE WELT. 3. Januar 2019 (welt.de [abgerufen am 3. Januar 2019]).
  8. global-economic-symposium.org: Home, Zugriff am 4. Januar 2011
  9. Pressemitteilung vom 30. März 2011 Akademie der Wissenschaften in Hamburg vgl. Website
  10. Vier-Punkte-Plan für Europa. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27. Mai 2012 (Druckfassung, online 28. Mai 2012).
  11. Die Agenda reicht von Flucht bis Energiewende. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  12. T20 Germany. Abgerufen am 1. Februar 2019 (englisch).
  13. G20 Insights - Policy Briefs, produced by Task Forces from the Think20. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  14. Was die Think-Tanks der Welt den G20-Chefs raten. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  15. 20 Solutions for the G20. In: G20 Insights. 30. Mai 2017, abgerufen am 1. Februar 2019.
  16. T20 Japan 2019. Abgerufen am 1. Februar 2019 (amerikanisches Englisch).
  17. ZEIT ONLINE: Steuerreform: Angela Merkel fordert Besteuerung von Daten. In: Die Zeit. 28. Mai 2018, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).