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Defäkationsreflex

komplexer Reflex der rektalen Muskeln

Der Defäkationsreflex (auch Stuhlreflex) ist ein zusammengesetzter Reflex, über den die Speicherfunktion des Mastdarms sowie der Stuhlgang reguliert werden. Der Defäkationsreflex hat eine unwillkürliche und eine willkürliche Komponente.

Anatomischer HintergrundBearbeiten

Der Mastdarm wird durch zwei Schließmuskeln verschlossen. Der Musculus sphincter ani internus (innerer Analschließmuskel) ist eine Verstärkung der glatten Muskulatur der Ringmuskelschicht der Darmwand und ist nicht willkürlich beeinflussbar, sondern wird über das vegetative Nervensystem reguliert. Der Musculus sphincter ani externus (äußerer Analschließmuskel) besteht dagegen aus Skelettmuskulatur und wird über den Nervus pudendus innerviert. Er unterliegt auch der willkürlichen Kontrolle durch die Großhirnrinde.

Für die Defäkation (Stuhlabsatz) ist nicht nur das Erschlaffen dieser Schließmuskeln notwendig, sondern auch die Erhöhung des Bauchinnendrucks, die durch Skelettmuskulatur (Bauchmuskeln, Zwerchfell) ausgelöst wird.

ReflexablaufBearbeiten

Durch die vermehrte Füllung im Enddarm kommt es zur Reizung der Dehnungsrezeptoren in der Mastdarmwand. Über Afferenzen (zum Zentralnervensystem hinführende Nervenbahnen) wird dieser Dehnungsreiz zum Rückenmark, genauer zum Sakralmark geleitet. Hier erfolgt eine Umschaltung auf Efferenzen (vom Zentralnervensystem wegführende Nervenbahnen) des Parasympathikus. Diese lösen eine reflektorische Erschlaffung des inneren Analschließmuskels aus. Gleichzeitig wird vom Sakralmark über Bahnen des motorischen Nervensystems eine reflektorische Anspannung des äußeren Analschließmuskels ausgelöst, die den Stuhlabsatz verhindert. Der erhöhte Druck im Mastdarm löst Stuhldrang aus.

Nach etwa 30 bis 60 Sekunden erfolgt bei unterdrücktem Kotabsatz eine Anpassung des Mastdarms an die vermehrte Füllung. Die Darmspannung vermindert sich und die Dehnungsrezeptoren werden auf einen höheren Schwellenwert eingestellt, so dass der Stuhldrang wieder verschwindet. Ein Erwachsener kann den Stuhlabsatz bis zu einer Füllungsmenge von etwa einem Liter unterdrücken.

StörungenBearbeiten

Bei Durchtrennung des Rückenmarks (Querschnittlähmung) oberhalb des Sakralmarks bleibt der Defäkationsreflex auf Rückenmarksebene erhalten, der Stuhlabsatz kann aber durch Fehlen der willkürlichen Komponente nicht ausgelöst werden. Eine Darmentleerung ist dann nur durch Suppositorien, Klysmen und/oder digitales Ausräumen möglich.

Siehe auchBearbeiten