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David Bosch

südafrikanischer Missionswissenschaftler

David Jacobus Bosch (* 13. Dezember 1929 bei Kuruman; † 15. April 1992 in Südafrika) war ein südafrikanischer Missionar, evangelischer Missionswissenschaftler und Mitglied der Niederländisch-reformierten Kirche Südafrikas, der sich gegen Apartheid und für Versöhnung und Veränderung in Südafrika eingesetzt hat.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Bosch war der Sohn von Farmern, die der reformierten Kirche angehörten, und erhielt eine christliche Erziehung. 1948 schrieb der sich an der Universität Pretoria für ein Lehramtsstudium ein und begrüßte den Wahlsieg der National Party. An der Universität schloss er sich der Student Christian Association an, bei einem Camp wurde ihm klar, dass er zum Priestertum berufen sei. Während eines Sommeraufenthalts bei seinen Eltern veranstaltete Bosch einen Gottesdienst für Schwarze, der seine Einstellung ihnen gegenüber veränderte. Vorher waren sie Unpersonen, jetzt menschliche Wesen. In der Folgezeit setzte er sich kritisch mit der Apartheid auseinander und konnte sie nicht mehr legitimieren. Durch einen Professor lernte er die Texte von Oscar Cullmann kennen, der zu seinem Doktorvater an der Universität Basel wurde.

1957 kehrte Bosch nach Südafrika zurück und war bis 1966 als Missionar unter den Xhosa in Transkei tätig. 1967 wurde er als Senior Lecturer für Kirchengeschichte und Missionswissenschaft an die Theologische Schule der Niederländisch-reformierten Kirche berufen. Von 1971 bis zu seinem Tod arbeitete Bosch als Professor für Missionswissenschaft an der Universität von Südafrika, zu der Zeit die einzige südafrikanische Universität an der Schwarze und Weiße studieren durften. Eine Berufung auf den Lehrstuhl für Missiologie und Ökumene an der Princeton University lehnte er ab, um sich weiterhin innerhalb Südafrikas gegen Apartheid und für gesellschaftliche Transformation und Versöhnung einsetzen zu können. Er starb 1992 bei einem Autounfall.

LehreBearbeiten

Durch seine zahlreichen Publikationen – insbesondere sein umfassendes postkolonial missionstheologisches Werk Transforming Mission: Paradigm Shifts in Theology of Mission (1991) – hat er bis heute großen internationalen Einfluss im Bereich der Missiologie. Darin plädierte er zur freudigen Annahme unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Glaubenszeugnis und Dialog mit Personen anderer Glaubensüberzeugungen sei in gründlicher Kenntnis eigener Positionen zu führen, so wie es schon Paulus vorgemacht habe. Den Begriff missional hat Bosch mitgeprägt, den er als ganzheitliches Missionieren definiert hat. Christliche Überlieferung sei eine alte, aber nicht allein wahre Geschichte, die heute zum Dialog zwinge. Dass nur in Jesus Christus Heil sei, löse Widerspruch und Spannungen aus, die es im Leben auszuhalten gelte.[1]

Bosch galt zudem als Brückenperson, die im Weltkirchenrat ebenso wie in der Weltweiten Evangelischen Allianz respektiert war.[2]

SchriftenBearbeiten

  • Die Heidenmission in der Zukunftsschau Jesu. Eine Untersuchung zur Eschatologie der synoptischen Evangelien. Zwingli-Verlag, Zürich 1959 (Dissertation).
  • An die Zukunft glauben. Auf dem Wege zu einer Missionstheologie für die westliche Kultur. Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Hamburg 1996.
  • Ganzheitliche Mission. Theologische Perspektiven. Francke, Marburg 2011, ISBN 978-3-86827-244-4.
  • Mission im Wandel. Paradigmenwechsel in der Missionstheologie. Mit einem neuen abschließenden Kapitel von Darell I. Guder und Martin Reppenhagen. Brunnen, Gießen/Basel 2012, ISBN 978-3-7655-9561-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Donald A. Carson: Die Emerging Church. Abschied von der biblischen Lehre? Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld 2008. ISBN 978-3-89397-989-9, Seiten 43-45
  2. Gerald H. Anderson: Bosch, David J(acobus) (2000). In: Evangelical Dictionary of World Missions