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Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Film von Umberto Lenzi (1971)

Das Rätsel des silbernen Halbmonds ist ein italienisch-deutscher Kriminalfilm (ital. Titel: Sette orchidee macchiate di rosso), der in Deutschland als 38. und letzter Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit veröffentlicht wurde. Der Film, der auf Motiven von Edgar Wallace basiert, wurde vom 6. September bis 23. Oktober 1971 unter der Regie des Italieners Umberto Lenzi in Rom und Spoleto gedreht. Der von der deutschen Rialto Film koproduzierte und in Techniscope aufgenommene Giallo startete am 30. Juni 1972 in den deutschen Kinos.

Filmdaten
Deutscher TitelDas Rätsel des silbernen Halbmonds
OriginaltitelSette orchidee macchiate di rosso / Das Rätsel des silbernen Halbmonds
Das Raetsel des silbernen Halbmonds Logo 001.svg
ProduktionslandItalien, Deutschland
OriginalspracheEnglisch
Italienisch
Erscheinungsjahr1972
Länge92 (dt. V.: 85) Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieUmberto Lenzi
DrehbuchPaul Hengge
Roberto Gianviti
Umberto Lenzi
ProduktionHorst Wendlandt
MusikRiz Ortolani
KameraAngelo Lotti
SchnittEugenio Alabiso
Clarissa Ambach
Besetzung

HandlungBearbeiten

Auf einem düsteren Parkplatz in Rom wird eine Prostituierte grausam ermordet. Bis auf einen silbernen Halbmond an einer Kette, die der Täter offensichtlich bewusst zurückgelassen hat, fehlt vom Mörder jede Spur. Wenig später wird die Amerikanerin Kathy ermordet, und auch bei ihr findet die Polizei einen silbernen Halbmond.

Giulia, seit kurzem mit Mario verheiratet, wird während ihrer Hochzeitsreise ebenfalls von dem Mörder überfallen, und wieder hinterlässt dieser sein Zeichen. Auf Giulias Beerdigung kann die Polizei nichts Verdächtiges feststellen, und zwischen den Mordopfern scheint es keinerlei Verbindung zu geben. Giulia, die den Anschlag überlebt hat und deren Begräbnis inszeniert war, beschließt, bis zur Klärung der Mordserie mit Mario die Stadt zu verlassen.

Unterwegs kann sich Giulia plötzlich daran erinnern, das Markenzeichen des Mörders schon einmal gesehen zu haben. Zwei Jahre vorher hielt sie sich in einem Hotel auf, in dem ein Amerikaner verkehrte, an dessen Schlüsselbund ein silberner Halbmond hing. Mario und Giulia stellen fest, dass die ersten beiden Mordopfer ebenfalls Gäste dieses Hotels waren, und es gelingt ihnen, an weitere Namen von ehemaligen und ihrer Meinung nach gefährdeten Hotelbewohnerinnen zu kommen. Dennoch kann das junge Paar die nächsten zwei Morde, die ihre Theorie bestätigen, nicht verhindern.

Eine weitere Spur führt sie zum ehemaligen Hotelbesitzer. Doch Mario muss feststellen, dass dieser bei einem Autounfall ums Leben kam und die schuldige Fahrerin geflüchtet ist. Nachdem die Zwillingsschwester einer ehemaligen Hotelbewohnerin ermordet wird, hat die Polizei schließlich einen Hauptverdächtigen. Man beschließt, den Mörder zu überführen, indem man ihm zeigt, dass Giulia noch lebt. Anschließend soll sie als Lockvogel dienen. Als der skrupellose Verbrecher in die Falle tappt, gerät Giulia in höchste Lebensgefahr. Doch sie wird in letzter Sekunde von Mario gerettet. Als Mörder entpuppt sich der Bruder von Frank Saunders, einem jungen Amerikaner, der bei einem Autounfall ums Leben kam und bei dem der Unfallverursacher Fahrerflucht beging. Saunders war damals Hotelgast wie die ermordeten Frauen. Sein Bruder nahm Rache an den Frauen, um diese für dessen Tod zu bestrafen, weil er im Glauben war, dass eine von Ihnen seinen Bruder auf dem Gewissen hatte, ohne zu ahnen, welche es wirklich war. Beim Kampf mit Mario im Pool ertrinkt Saunders Bruder, ohne die Wahrheit zu erfahren, dass die Zwillingsschwester Giuseppina, deren Schwester Maria auch ermordet wurde, die wahre Unfallverursacherin ist.

KritikenBearbeiten

„Wallace zu lesen ist nicht selten interessanter, als ihm auf der Leinwand zu begegnen. So auch hier: Zähflüssig schildert dieser Film eine Serie von Morden an Frauen, die gemeinsam in einem Hotel Urlaub machten. Die ehemalige Hotelbesitzerin (Uschi Glas) scheint in den Fall ebenso verwickelt wie ihr Mann, ein Drogensüchtiger ebenso wie ein liebenswürdiger Pater. Die Lösung ist nicht ohne Überraschung. Reiz gibt dem Ganzen allein Marisa Mell.“

Hamburger Abendblatt, 19. August 1972[1]

„Man fühlt sich wie immer bei Edgar Wallace angenehm angegruselt, aber doch nicht allzusehr geschockt.“

Wiesbadener Tagblatt, 22. September 1972

„Der […] Edgar-Wallace-Krimi von Produzent Horst Wendlandt ist in der Tat ein echter ‚Gänsehaut-Film‘. Aber es ist nicht der übliche Wallace, sondern die Inszenierung einer hautnahen Geschichte, weit weg von der Abstraktheit und ferner Vergangenheit. Die Story ist ‚voll da‘, macht den Kinobesucher neugierig, entlässt ihn gelegentlich in eigene Träume, spornt dann jedoch wieder seine Fantasie an und lässt ihn so alle Tiefen und Höhen des spannungsreichen Geschehens unmittelbar miterleben. Er vermag kaum ‚wegzutreten‘. Die Leinwand spricht ihn suggestiv an.“

Filmecho, 39/1972

„Endlich ist es wieder einmal möglich, von einem Edgar-Wallace-Film gefesselt zu werden.“

„Gutes Buch, gute Regie, aber mit Wallace hat dies wenig zu tun.“

Joachim Kramp: Das Edgar Wallace Lexikon, 2004

„Dieser letzte der 32 von Horst Wendtland [sic!] produzierten Edgar-Wallace-Filme war zugleich einer der schlechtesten. Regisseur und Drehbuchautor Umberto Lenzi beging einige Kardinalfehler, die am Geist der Serie sündigten: Statt im nebligen London spielte die Handlung in Rom, statt Karin Dor gab Uschi Glas das Opfer, und statt Eddi Arent durfte Petra Schürmann mitspielen. Außerdem hätten wir gerne «Blacky» gesehen oder wenigstens Heinz Drache.“

„Schon nach wenigen Minuten bringt der Frauenmörder die Heldin – gespielt von Uschi Glas – vom Leben zum Tode. Die einzige Überraschung, die der belanglose Krimi im weiteren Verlauf zu bieten hat, ist keine: Natürlich hat das „Opfer“ die vielen Messerstiche wie durch ein Wunder überlebt. Langweiliges Trivialkino ohne Witz und Tempo.“

Deutsche FassungBearbeiten

Uschi Glas synchronisierte sich selbst und ist in diesem Film mit ihrer eigenen Stimme zu hören. Synchronsprecher von anderen Darstellern waren unter anderem:

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Mario Antonio Sabàto Thomas Danneberg
Concetta Petra Schürmann Ursula Herwig
Giuseppina/Maria Marisa Mell Beate Hasenau
Vismara Pier Paolo Capponi Edgar Ott
Kathy Marina Malfatti Ursula Heyer
Pastor Renato Romano Gerd Martienzen
Renzi Franco Fantasia Friedrich G. Beckhaus
Ferri Claudio Gora Hans W. Hamacher
Palumbo Aldo Barberito Klaus Miedel
Barret Bruno Corazzari Arne Elsholtz
Palmieri Andrea Bosic Klaus Sonnenschein

SonstigesBearbeiten

  • Das Drehbuch von Paul Hengge, das lediglich auf Motiven von Edgar Wallace basiert, hatte ursprünglich den Titel „Sieben Gesichter für die Mörderin“. Dies entspricht auch dem italienischen Arbeitstitel „Sette volti per l’assassino“.
  • Dies ist der einzige Edgar-Wallace-Film, dessen Handlung komplett in Italien spielte.
  • Der Film war früher als der vorherige Edgar-Wallace-Film Das Geheimnis der grünen Stecknadel abgedreht und startete in Italien bereits am 24. Februar 1972.
  • Uschi Glas, die 1965 in „Der unheimliche Mönch“ ihre erste Filmrolle hatte, wirkte zum fünften und letzten Mal in einem Edgar-Wallace-Film mit. Auch Produktionsleiter Herbert Kerz (6 Filme), Marisa Mell und Petra Schürmann (beide jeweils 2 Filme) nahmen Abschied von der Serie.
  • Die deutsche Fassung des Films wurde von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. 1991 folgte die Freigabe ab 12 Jahren. Auf der 2004 erschienenen DVD, die auch die etwa 10 Minuten längere englische Fassung des Films enthält, ist eine Altersfreigabe ab 16 angegeben.

LiteraturBearbeiten

  • Joachim Kramp, Jürgen Wehnert: Das Edgar Wallace Lexikon. Leben, Werk, Filme. Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein! Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-508-2.
  • Joachim Kramp: Hallo! Hier spricht Edgar Wallace. Die Geschichte der legendären deutschen Kriminalfilmserie von 1959–1972. 3. Auflage. Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2005, ISBN 3-89602-645-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Das Rätsel des silbernen Halbmonds. In: Hamburger Abendblatt. 19. August 1972, S. 22 (abendblatt.de [PDF; 1,9 MB]). abendblatt.de (Memento des Originals vom 1. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.abendblatt.de
  2. Das Rätsel des silbernen Halbmonds. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 25. Juni 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet