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Dammbruch von Brumadinho

Bruch des Staudamms einer Eisenerzmine in Brasilien am 25. Januar 2019
Luftbildaufnahme aus einem Video (Ausschnitt), 26. Januar 2019, Rotfärbung durch Eisenerze
Zerstörungen durch die Schlammlawine, rot = Ausbreitung der Grubenabwässer

Der Dammbruch von Brumadinho war ein Unglück in der brasilianischen Kleinstadt Brumadinho nahe Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais. Das Unglück ereignete sich am 25. Januar 2019. Eine dadurch ausgelöste Schlammlawine mit etwa zwölf Millionen Kubikmetern zerstörte Siedlungen nahe der Stadt.[1] Bis Anfang März 2019 waren 186 Todesopfer geborgen worden, weitere 122 Menschen galten als vermisst. Das Ökosystem des Flusses Paraopeba, in den die Schlammlawine floss, galt als zerstört.[2]

Mit dem Bau des Damms wurde 1976 begonnen und er wurde in zehn Schritten aufgestockt auf eine Endhöhe von 86 m.[3] Die Einzeldämme hatten dabei rund 5 bis 8 m Höhe. Für den Bau wurden anfangs Abraum aus dem Bergbau und dann Böden (Laterit) aus der Umgebung benutzt, die verdichtet wurden, später (in den letzten sechs Stufen) wurde der getrocknete Tailings des Absetzbeckens genommen. Er besteht zu 56 Prozent aus Feinsand, 28 Prozent Schluff, 8 Prozent Mittelsand und 4 Prozent Ton.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf und FolgenBearbeiten

 
Querschnitt durch den Unglücksdamm
 
Fluss voller Schlamm in Brumadinho

Der gebrochene Staudamm an einer Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Vale, der für das Unglück ursächlich war, und das von diesem aufgestaute Rückhaltebecken für Schlamm, ein Absetzteich für die Tailings genannten feinkörnigen Rückstände, sollen im September 2018 vom TÜV Süd überprüft worden sein. Dieser habe nichts beanstandet, gab der Bergbaukonzern an. Als sich das Unglück ereignete, sollen mehr als 400 Arbeiter in der im Tagebau betriebenen Mine Mina Córrego do Feijão gearbeitet haben. Von ihnen wurden am 26. Januar 2019, dem Tag nach dem Unglück, 150 als vermisst gemeldet. Die Feuerwehr ging insgesamt von 200 bis 300 Opfern aus, da außer den Arbeitern weitere Menschen in dem überfluteten Gebiet lebten. Unter anderem wurden ein Hotel zerstört und Wagen eines Zugs von Schlammmassen erfasst.[4] Die brasilianische Armee sucht mit etwa 1000 Soldaten sowie mit Spürhunden nach Vermissten. 130 Soldaten der israelischen Armee wurden Ende Januar 2019 zum Unglücksort entsandt, um mit Hilfe von Sonargeräten nach Personen in den Schlammmassen zu suchen. In Folge des Unglücks fror die brasilianische Justiz elf Milliarden Real (ca. 2,6 Milliarden Euro) auf den Konten des Betreibers Vale ein, um mögliche Entschädigungszahlungen zu decken. Zusätzlich verhängten der Staat und der Bundesstaat bereits erste Strafen in Höhe von 81 Millionen Euro gegen Vale.[5] 110 Opfer waren bis zum 1. Februar geborgen, 238 Personen wurden noch vermisst.[6][7]

Der Damm war im September 2018 vom TÜV Süd geprüft und nicht beanstandet worden. Aufgrund dieses Gutachtens war eine Betriebsgenehmigung erteilt worden.[8][9] Am Morgen des 29. Januar 2019 durchsuchte die Polizei das Büro des TÜV Süd in São Paulo, nahm zwei am Gutachten beteiligte Ingenieure vorläufig fest und beschlagnahmte Computer und Unterlagen.[10] Festgenommen wurden außerdem drei Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale.[11]

Am 30. Januar 2019 wurde berichtet, dass im Dezember 2018 das regionale Umweltsekretariat des Bundesstaates Minas Gerais dem Konzern Vale eine Genehmigung zum Ausbau der Minenaktivität in Brumadinho und Arbeiten am eigentlich stillgelegten Unglücksdamm erteilt hatte. In den Genehmigungsunterlagen war das Sicherheitsrisiko des Staudamms mit 4 angegeben worden, was ein mittleres Risiko bedeutet. In vorherigen Genehmigungen war dem Damm die Risikostufe 6, ein höheres Risiko, bescheinigt worden. In Folge der Genehmigung hätte die Produktion der Mine um 70 Prozent gesteigert werden können.[12] Im weiteren Verlauf wurde am 15. Februar 2019 berichtet, dass die TÜV Süd Mitarbeiter nach einer Woche wieder freigelassen worden waren, und statt dessen auf deren Aussage hin 8 Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale verhaftet wurden.[13] Derweil wird gegen die Verantwortlichen ermittelt:

„Die Vertreter von Vale bestehen darauf, dass es sich um einen Unfall handelte, aber die Staatsanwaltschaft und die Polizei von Minas Gerais sind überzeugt, dass wir es mit einem vorsätzlichen Verbrechen zu tun haben“

William Garcia Pinto Coelho von der Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Minas Gerais.[14]

Das Umweltministerium des Bundesstaats Minas Gerais im Südosten Brasiliens entzog Vale die Genehmigung für den Laranjeiras-Damm. Dieser gehört zu einer Eisenerzmine in Brucutu. Die Firma verlor auch für einen weiteren Damm ihre Lizenz.[15]

Etwa fünf Wochen nach der Katastrophe, Anfang März 2019, trat der Vale-Chef Fabio Schvartsman vorerst von seinen Posten zurück. Dieser Schritt war dem Konzern von der brasilianischen Staatsanwaltschaft empfohlen worden.[16] Am 14. März 2019 wurde berichtet, dass wiederum für elf Mitarbeiter des Vale Konzerns und zwei TÜV-Süd-Mitarbeiter Haft angeordnet wurde, da sie verdächtigt werden, von der Instabilität des Dammes gewusst zu haben.[17]

Im März wurde bekannt, dass das TÜV-Süd-Gutachten eine Reihe von Mängeln listete, am Ende aber dennoch die Standfestigkeit zertifizierte. So lagen für die ersten sechs Aufstockungen des Damms bis auf eine Höhe von 60,5 Meter keine as built-Dokumente vor, sodass die Gutachter vermerkten, dass sie für den Bau bis zu diesem Zeitpunkt die Situation nicht endgültig beurteilen konnten. Auch gab es kein Register, in dem Bauabweichungen von den Planungen verzeichnet wurden. Dokumente gab es erst ab 2003 für die letzten vier Aufstockungen.[18] Weiter wurde bekannt, dass TÜV-Ingenieure schon 2017 Zweifel an der Sicherheit geäußert und Mängel aufgelistet hatten.

Parallelen 2015Bearbeiten

Am 5. November 2015 war im selben Bundesstaat ebenfalls an einem Rückhaltebecken eines Eisenerzbergwerks ein Damm gebrochen. Der Minenbetreiber Samarco hatte teilweise Vale sowie dem australisch-britischen Konzern BHP Billiton gehört. Bei dem Dammbruch von Bento Rodrigues waren 19 Menschen ums Leben gekommen.[19]

Literatur zur DammstabilitätBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dammbruch von Brumadinho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Brumadinho, Website der Vale mit Informationen zur Katastrophe (englisch, brasilianisches Portugiesisch)
  • Another Deadly Dam Collapse in Brazil, Eine vergleichende Darstellung von Luftbildern vor und nach der Katastrophe zeigt die Ausbreitung der Schlammlawine.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Chef des Minenbetreibers tritt nach Dammbruch zurück. In: Die Zeit. 3. März 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  2. Umweltschützer: Kein Leben in Fluss nach Dammbruch von Brumadinho. Erschienen am 1. März 2019 in Aargauer Zeitung. Eingesehen am 3. März 2019.
  3. 86 m nach Spiegel, Nr. 13, 23.3.2019, S. 21. Nach Pirete, Gomes, Soils and Rock, Band 36, Nr. 1, 2013, S. 40, war die maximale Höhe damals (2013) 81 m
  4. „Mit Sicherheit sind viele Opfer zu beklagen“. In: tagesschau.de. Erschienen und abgerufen am 26. Januar 2019.
  5. Mehr als 300 Menschen vermisst: Mindestens 58 Tote bei Dammbruch in Brasilien. In: RP ONLINE. 28. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.
  6. Inzwischen 110 Leichen geborgen. In: deutschlandfunk.de. Erschienen und abgerufen am 1. Februar 2019.
  7. Aktivisten demonstrieren bei Schweizer Hauptsitz von Vale. In: tagesanzeiger.ch. 30. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019: „42 Leichen seien inzwischen identifiziert worden. «Leider ist es sehr unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden», sagte ein Feuerwehrsprecher im Fernsehsender Globo News.“
  8. Dammbruch in Brasilien: Viele Opfer befürchtet. In: tagesschau.de. 26. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019.
  9. Thomas Fromm, Boris Herrmann, Frederik Obermaier, Uwe Ritzer: "Keine Mängel festgestellt". Dammbruch in Brasilien. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.
  10. Dammbruch in Brasilien: Zwei Ingenieure des TÜV Süd festgenommen. In: Welt Online. 28. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019.
  11. Matthias Ebert: Polizei nimmt TÜV-Süd-Mitarbeiter fest. In: Spiegel online. 29. Januar 2019, abgerufen am 29. Januar 2019.
  12. Matthias Ebert: Behörden erlaubten Arbeiten am Damm. In: tagesschau.de. 30. Januar 2019, abgerufen am 30. Januar 2019.
  13. Acht Bergwerksmitarbeiter festgenommen. In: tagesschau.de. 15. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2019.
  14. «Kein Unfall»: Ermittler suchen Verantwortliche für den Dammbruch in Brasilien. In: nzz.ch. 18. Februar 2019, abgerufen am 18. Februar 2019.
  15. Minenkatastrophe in Brasilien: TÜV soll Bergbaukonzern vor möglichem Dammbruch gewarnt haben. In: Spiegel Online. 8. Februar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 3. März 2019]).
  16. Dammbruch in Brasilien: Bergbaukonzern-Chef bietet Rücktritt an. In: Spiegel online. 3. März 2019, abgerufen am 3. März 2019.
  17. Nach Dammbruch in Brasilien - Haftanordnung für TÜV-Mitarbeiter. In: ZDF. 14. März 2019, abgerufen am 17. März 2019.
  18. Dammbruchkatastrophe: Versagte deutscher TÜV in Brasilien?. Der Spiegel. S. 21. Erschienen 23. März 2019. Seite 21.
  19. Schlammlawine reißt Hunderte in den Tod Erschienen am 26. Januar 2019 auf orf.at. Abgerufen am 26. Januar 2019.

Koordinaten: 20° 7′ 10″ S, 44° 7′ 15″ W