DV (Zeitung)

isländische Zeitung
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DV (von Dagblaðið & Vísir, dann Dagblaðið Vísir) ist eine isländische Boulevardzeitung im Tabloid-Format, die ursprünglich als Tageszeitung erschien. Nach verschiedenen Änderungen der Erscheinungsfrequenz erscheint sie mit Stand 2019 wöchentlich.

DV
DV logo.png
Beschreibung isländische Wochenzeitung
Verlag Frjáls fjölmiðlun ehf.
Erstausgabe 26. November 1981[1]
Erscheinungsweise wöchentlich
Chefredakteur Lilja Katrín Gunnarsdóttir
Herausgeber Karl Garðarsson
Weblink www.dv.is

GeschichteBearbeiten

Die Zeitung entstand 1981 als Dagblaðið & Vísir[2] durch die Fusion der 1910 gegründeten Zeitung Vísir, der ältesten Tageszeitung Islands, und des 1975 nach einem Konflikt um die politische Ausrichtung von Vísir gegründeten Dagblaðið.[3]

In der Vergangenheit heizte DV die öffentliche Debatte in Island immer wieder mit einer aggressiven Redaktionspolitik an. So wurden etwa häufig die vollen Namen, Adressen und Bilder von noch nicht rechtskräftig verurteilten Strafverdächtigen veröffentlicht. DV verteidigte sich damit, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf die Veröffentlichung dieser Daten habe.

Im Januar 2006 rückte besonders die Berichterstattung über einen früheren Grundschullehrer in das öffentliche Interesse. Dieser hatte angeblich zumindest zwei Jungen in seiner Heimatstadt Ísafjörður sexuell missbraucht. Am Tag der Veröffentlichung des ersten Berichtes darüber in der DV beging der Beschuldigte Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief erklärte er, den durch die Berichterstattung erzeugten Druck nicht ertragen zu können.[4] Daraufhin wurde der öffentliche Druck auf die Zeitung, derartige Berichte zukünftig sensibler zu gestalten, größer. Eine Online-Petition wurde von 30.000 Personen unterschrieben (etwa 10 % der isländischen Bevölkerung). Mehrere Redakteure verloren ihren Arbeitsplatz. Als direkte Reaktion darauf wurden die Gesetze zum Schutz vor Diffamierung in den Medien verschärft. Zukünftig müssen Medienunternehmen in einem solchen Fall hohe Summen an Schadenersatz zahlen (im anglo-amerikanischen Rechtssystem unter Punitive damages bekannt).

Ab 2008 gehörte DV zum Medienunternehmen Birtingur, das seinerseits Bestandteil der Baugur Group war. 2010 wurde die Zeitung von einer Investorengruppe um die Kunsthändlerin Lilja Skaftadóttir und DV-Chefredakteur Reynir Traustsson gekauft, die aus der Boulevardzeitung eine unabhängige Alternative im isländischen Zeitungsmarkt schaffen wollten.[5][6] Die neuen Eigentümer hatten festgelegt, dass kein Aktionär, unabhängig von seinem Aktienanteil, über mehr als 26 % der Stimmen verfügen kann, und eine deutlichere Unterscheidung zwischen Management und Redaktion eingeführt.[6] Nach einem Konflikt unter den Aktionären[3] übernahm Ende 2014 die Verlagsgesellschaft Vefpressan, die unter anderem das Portal pressan.is betrieb, die Zeitung.[7] Neuer Herausgeber war Björn Ingi Hrafnsson. Im September 2017 wurde die Zeitung von Frjáls fjölmiðlun („Freie Medien“) mit Karl Garðarsson als Geschäftsführer übernommen.[3]

Am 28. April 2006 wurde bekanntgegeben, dass DV künftig nur mehr am Wochenende publiziert würde, da eine tägliche Ausgabe wirtschaftlich unrentabel war. Mit Stand Ende Juli 2010 erschien die Zeitung dreimal wöchentlich,[5] später wieder wöchentlich.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Erstausgabe von Dagblaðið & Vísir setzt die Jahrgangszählung als 7. Jahrgang des Dagblaðið und als 71. Jahrgang von Vísir parallel fort und ist als Nr. 262 des Jahres nach der Nummernzählung von Vísir erschienen.
  2. Dagblaðið og Vísir verða eitt: Sameinað og stærra blað á markaðinn. In: Dagblaðið & Vísir. Nr. 262, 26. November 1981, S. 1 (isländisch, timarit.is).
  3. a b c Um DV (Isländisch) DV. Abgerufen am 17. November 2019.
  4. Suicide sparks outrage (Englisch) In: Iceland Review. 12. Januar 2006. Abgerufen am 17. November 2019.
  5. a b Daniela Zinser: Islands Medienlandschaft: Zombies und eine Retterin. In: taz.de. 30. Juli 2010. Abgerufen am 17. November 2019.
  6. a b Iceland’s DV newspaper sold (Englisch) In: IceNews. 20. März 2010. Abgerufen am 17. November 2019.
  7. Haukur Már Helgason: Pressan Acquires Newspaper DV (Englisch) In: The Reykjavík Grapevine. 21. November 2014. Abgerufen am 17. November 2019.

WeblinksBearbeiten