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Döhlen (Freital)

Stadtteil von Freital

GeographieBearbeiten

 
Döhlen und östlich benachbarte Dörfer auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert
 
Sicht vom Windberg u. a. über Freital-Döhlen

Döhlen liegt im nach dem Stadtteil benannten Döhlener Becken am linken, westlichen Ufer der Weißeritz. In Richtung Westen steigt das Gelände an. Die Gemarkung Döhlen befindet sich etwa im Zentrum Freitals und besteht aus den Ortslagen Oberdöhlen, Unterdöhlen und Neudöhlen. Im Norden grenzt es an Zauckerode, im Nordosten an Potschappel und im Osten an Burgk. Südlich benachbart liegt Deuben, westlich von Döhlen befindet sich Weißig. Auf der Döhlener Flur befindet sich die Wüstung Weitzschen.

Im Stadtteil befindet sich die Lutherkirche sowie die Freitaler Schule zur Lernförderung mit einer Klinik- und Krankenhausschule.

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname geht auf die altsorbische Sprache zurück und bedeutet „Ort im Tal“.[2] Erstmals erwähnt wurde das Dorf 1206 in derselben Urkunde, die die Ersterwähnung Dresdens sowie die von Potschappel und Wurgwitz enthält. Diese Urkunde nennt „Arnoldus de Dolen“[3] (Arnold von Döhlen) als einen der Zeugen im Schlichtungsverfahren eines Rechtsstreits zwischen dem Bischof von Meißen und dem Burggrafen von Dohna um die Burg Thorun.[4] Im Laufe der Jahrhunderte tauchen neben „Dolen“ unter anderem die Ortsnamenformen „Dolin“, „Dalen“, „Dalan“, „Dolan“, „Dölen“ und „Delen“ auf. Im Jahr 1875 heißt das Dorf schließlich „Döhlen b. Dresden“, um es von fünf gleichnamigen Dörfern in Sachsen zu unterscheiden.[5]

 
Alte Rote Mühle Döhlen

Das Rittergut Arnolds von Döhlen befand sich in einer zum Schutz der Deutschen Ostsiedlung erbauten Wehranlage neben der Kirche im Bereich des heutigen Johann-Georg-Palitzsch-Hofs. Zwischen Kirche und Dorfanger lag das Pfarrlehn. Als Kirchdorf entwickelte sich Döhlen zum Zentrum der Region. Die später entstandene Kirchschule besuchten Kinder aus sämtlichen Nachbardörfern. Die Grundherrschaft übten über die gesamte frühe Neuzeit die Besitzer des Ritterguts Döhlen aus. So hatte Döhlen im 16. Jahrhundert an den Gutsherrn Hans von Grensing verschiedene Abgaben zu erbringen.[6] Dem Rittergut unterstanden neben anderen Dörfern in der Umgebung auch entferntere Orte, darunter ein Teil von Rähnitz im Norden Dresdens. Nach dem Tod des Gutsherrn Alexander von Schönberg († 1801) kaufte der sächsische Staat das aus Schloss und Gutshof sowie den angeschlossenen Ländereien bestehende Rittergut, das damit zum Kammergut wurde. Ausschlaggebender Grund dafür waren die lukrativen Kohlefelder in dessen Einflussbereich, die anschließend mit anderen Gruben zum Zauckeroder Steinkohlewerk unter der Leitung von Carl Wilhelm von Oppel zusammengefasst wurden.

 
Glasfabrik Döhlen (Friedrichshütte) um 1856
 
Stahlwerk Döhlen
 
Ansicht von Döhlen auf einer Zeichnung von 1799

Döhlen war bis ins 18. Jahrhundert das bevölkerungsreichste Dorf am Oberlauf der vereinigten Weißeritz. Beim Bau der Straße von Dresden durch den Plauenschen Grund nach Tharandt ab 1745 blieb Döhlen etwas abseits, die neue Route führte durch Potschappel. Von diesem Zeitpunkt an ging die zentrale Bedeutung Döhlens zurück, die Bevölkerungszahlen von Burgk, Potschappel und Deuben stiegen deutlich stärker an. Auch an der Bahnstrecke Dresden–Werdau erhielt Döhlen im Gegensatz zu seinen Nachbardörfern keinen Bahnhof, obwohl sie auch über Döhlener Flur führt. Selbst Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk und seine Nachfolger vermochten nicht, Döhlen entscheidend zu fördern.

Allerdings siedelten sich im 19. Jahrhundert entlang der Bahnstrecke bedeutende Industriebetriebe an, darunter 1818 die Glasfabrik Döhlen und 1855[7] die Gussstahlhütte, aus der das Edelstahlwerk hervorging. In beiden waren zeitweise jeweils über 1000 Arbeiter beschäftigt. Außerdem wurde Döhlen Sitz eines Amtsgerichts.[8] Im Jahr 1880 wurde die baufällige romanische Saalkirche, in der zwei Jahre zuvor Otto Lilienthal geheiratet hatte, abgerissen[9] und bis 1882 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.[10] Auf dem Kirchhof befindet sich eine 1899 errichtete Denkmälerhalle, das Freiherrlich-Burgksche Mausoleum, ein Kriegerdenkmal[11] und ein Medaillon für die hier begrabene Wilhelmine Reichard. Östlich des alten Dorfkerns entstand ab 1890 Neudöhlen mit zwei Zentren um den heutigen Platz des Friedens an der Grenze zu Potschappel und um den Neumarkt und die Leßkestraße an der Grenze zu Deuben. In diesem Gebiet hat die Wüstung Weitzschen gelegen.[12] Die Döhlener Gutsblockflur war um 1900 etwa 387 Hektar groß.[5] In den Jahren 1914/1915 ließ die Gemeinde Döhlen ein prächtiges Rathaus errichten, welches nach 1952 dem Kreis Freital als Verwaltungsgebäude diente.

Am 1. Oktober 1921 schlossen sich Deuben, Döhlen und Potschappel zu einer gemeinsamen Stadt zusammen. Da für den Stadtnamen kein Name einer der Gründungsgemeinden infrage kam, wurde ein Namenswettbewerb ausgerufen. Dabei setzte sich Freital („Freies Tal“) durch, der Vorschlag des Döhlener Gemeindevertreters Hermann Henker. Entlang der Dresdner Straße entstanden in den 1930er Jahren auch auf Döhlener Flur planmäßige Neubauten. Im Zweiten Weltkrieg spielte das in Döhlen gelegene Freitaler Stahlwerk eine wichtige Rolle als Rüstungsbetrieb und beschäftigte zahlreiche Zwangsarbeiter. An sie und andere NS-Opfer erinnert eine 1958 aufgestellte Bronzeplastik von Wieland Förster. Das bis 1945 verpachtete Kammergut wurde nach Kriegsende enteignet. In der Zeit der DDR dehnte sich das Edelstahlwerk über weite Teile des Ostens der Döhlener Flur aus. Unter anderem wurde die Hüttenstraße eingezogen und für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Erst 2000 wurde sie als Teil der neuen Nordwest-Tangente, die die Dresdner Straße entlastet, wieder freigegeben. Dies wirkte sich sehr positiv auf die Erreichbarkeit Döhlens aus. Im alten Döhlener Dorfkern, der an der Lutherstraße liegt, blieben einige Bauernhöfe aus dem 19. Jahrhundert bis heute erhalten.

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Jahr Einwohner[5]
1551 18 besessene Mann, 10 Gärtner, 52 Inwohner
1764 13 besessene Mann, 1 Gärtner, 6 Häusler
1834 640
1871 1957
1890 2948
1910 5165
1925 siehe Freital

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Rathaus Döhlen
 
Brunnen am Neumarkt
 
Reichardstr. 9, Haus der 1. deutschen Ballonfahrerin Wilhelmine Reichard

Plätze und ParksBearbeiten

In Döhlen befindet sich der Freitaler Neumarkt. Er wird als Parkplatz für die Besucher der angrenzenden Geschäfte oder des Ärztehauses benutzt. Hinter dem Neumarktgelände, am Fuß des Windbergs, liegt ein Park mit Bänken und Bäumen, der in Zukunft zu einem Abenteuerspielplatz umgestaltet werden soll. Der Neumarkt hat eine Bushaltestelle, die allerdings nur aus Richtung Deuben erreichbar ist. Neben der Haltestelle steht ein Brunnen, der im Zuge der teilweisen Umgestaltung des Neumarktes dort aufgestellt wurde. In der Nähe des Neumarktes befindet sich auch der Storchenbrunnen. An der Straße in Richtung des Freitaler Stadtteils Burgk liegt der Platz des Friedens. Dort finden die großen Freitaler Veranstaltungen statt, wie das Windbergfest und Zirkusvorstellungen. Angrenzend an den Platz des Friedens liegt ein kleiner Park. In der Wilhelmine-Reichard-Siedlung befindet sich ein Innenhof, der mit Bänken und Bäumen sowie einem kleinen Brunnen ausgestattet ist. Direkt am ehemaligen Freitaler Kino liegt ein Park, der 2006 eingeweiht wurde und ebenfalls einen Brunnen hat.

GedenkstättenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In Döhlen befinden sich die Werkshallen sowie Teile der Abbaugebiete des Ziegelwerkes Eder, das 56 Mitarbeiter beschäftigt.[13] Weitere größere Unternehmen im Stadtteil sind das Edelstahlwerk (ca. 700 Mitarbeiter, Stand: 2014[14]) sowie die Glashütte Freital (ca. 70 Mitarbeiter, Stand: 2010[15]). Die Firmen „Freitaler Strom und Gas GmbH“ sowie „Freitaler Wohnungsgesellschaft mbH“ haben ihren Sitz in Döhlen. Bis zum Jahr 2011 war der Stadtteil Standort der größten Veranstaltungshalle Freitals, der Windberg-Arena. Sie war in einer alten Fabrikhalle des Plastmaschinenwerks untergebracht, die wegen Baumängeln zuerst geschlossen und schließlich abgerissen werden musste. Auf der Abrissfläche entsteht ein Gewerbepark, am Neumarkt wurde in Verbindung damit ein Technologie- und Gründerzentrum errichtet.[16] Auf einer ebenfalls nach Abriss von Fabrikhallen entstandenen Brachfläche neben der Windberg-Arena entstand Anfang der 2000er Jahre ein Baumarkt der Kette Toom.

Durch Döhlen verlaufen die Staatsstraßen S 36 und S 194. Durch die Lage im Zentrum Freitals ist Döhlen ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Stadtverkehr, hier befinden sich die verkehrsstarken Kreuzungen zwischen den Straßen nach Dresden und Tharandt (Dresdner Straße), nach Kesselsdorf (Wilsdruffer Straße), nach Weißig (Lutherstraße) und in den Stadtteil Burgk bzw. nach Bannewitz (Burgker Straße). Die Freitaler Umgehungsstraße verläuft direkt östlich des Ortskerns, um den an der Dresdner Straße gelegenen wenig attraktiven Teil Neudöhlens vom Verkehr zu entlasten.

Die Anbindung des Stadtteils an den Stadtverkehr Freital wird vor allem durch die Buslinie D des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sichergestellt. Diese Linie verkehrt vom Busbahnhof in Deuben ausgehend durch Neudöhlen über die Schachtstraße südlich des Ortskerns in Richtung Weißig. Durch Neudöhlen führen zudem alle anderen Stadtbusse (A−F). Die Buslinie A ersetzte die 1974 eingestellte Plauensche Grundbahn, eine Dresdner Straßenbahnlinie, die bis in den Stadtteil Hainsberg verkehrte. Die Bahnstrecke Dresden–Werdau verläuft in südwestlich-nordöstlicher Richtung durch den Stadtteil.

BehördenBearbeiten

In Döhlen sind einige Behörden ansässig, wie das Jobcenter Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am Johann-Georg-Palitzsch-Hof und gegenüber auf der Hüttenstraße die Außenstelle des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mitsamt Bürgerbüro sowie die Zulassungsstelle.

 
Straßenschild in Döhlen
 
Sitz der Außenstelle des Landkreises und der Zulassungsstelle

BildungBearbeiten

Es gibt die Schule zur Lernförderung Freital, eine Kindertagesstätte Schatzinsel sowie mit dem IB Freital einen Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit.

PersönlichkeitenBearbeiten

TriviaBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Cornelius Gurlitt: Döhlen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 24. Heft: Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 25.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Döhlen (Freital) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung, Haushalte, Familien sowie Gebäude und Wohnungen am 9. Mai 2011 nach Gemeindeteilen. (PDF; 750 KB) In: Kleinräumiges Gemeindeblatt Zensus 2011. Statistisches Landesamt Sachsen, abgerufen am 15. November 2015.
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 199, ISBN 3-05-003728-8
  3. Urkunden des Hochstiftes Meißen im Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae
  4. 800 Jahre Potschappel, Döhlen und Wurgwitz (Memento vom 22. August 2016 im Internet Archive)
  5. a b c Döhlen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Abgaben Döhlens im Repertorium Saxonicum (ISGV)
  7. Bestand 11617 Sächsische Gußstahl-Werke Döhlen AG, Freital. Hauptstaatsarchiv Dresden, abgerufen am 27. Juli 2014.
  8. Döhlen, in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 81.
  9. Lutherkirche Döhlen auf freital.de
  10. Fabian-Handbuch: Pfarrbibliothek der Lutherkirche zu Freital-Döhlen
  11. Freital-Döhlen auf denkmalprojekt.org
  12. Weitzschen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  13. Kurzcharakteristik auf der Website des Ziegelwerkes Eder (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)
  14. BGH Edelstahlwerke GmbH. Abgerufen am 14. Februar 2016.
  15. Matthias Weigel: Millionen sind nicht selbstverständlich. In: Sächsische Zeitung, 19. Januar 2011.
  16. http://www.tgf-freital.de/
  17. Brauerei Döhlen-Freital. In: bierdeckelsammler.net. Archiviert vom Original am 4. Oktober 2010; abgerufen am 27. Juli 2014.
  18. Brauerei Döhlen Freital. In: biersachse.de. Abgerufen am 27. Juli 2014.