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Cyrille Toumanoff

georgisch-russisch-US-amerikanischer Historiker

Cyrille Toumanoff (georgisch კირილ თუმანოვი; russisch Кириллъ Тумановъ; * 13. Oktoberjul./ 26. Oktober 1913greg. in St. Petersburg; † 4. Februar 1997 in Rom) war ein georgisch-russisch-US-amerikanischer Historiker und Experte für Kaukasien im Mittelalter.[1][2][3]

LebenBearbeiten

Toumanoffs Vater Lew Tumanow war russischer Offizier und stammte aus der armenisch-georgischen Fürstenfamilie der Tumanjan-Tumanischwili, Fürsten von Satumanischwilo und Protonotare am georgischen Hof in Tiflis.[4] Die Vorfahren waren im 15. Jahrhundert aus dem Königreich Kleinarmenien nach Georgien eingewandert.[2] Die Familie stand auf der Liste der georgischen Fürsten im Vertrag von Georgijewsk über die Oberhoheit und Schutzherrschaft des Russischen Kaiserreichs über Georgien 1783, und 1850 wurde die Familie als Fürsten Tumanow in den Russischen Adel aufgenommen.[5] Toumanoffs Mutter Jelisaweta Schdanowa stammte aus einer russischen Adelsfamilie mit Verbindungen zum westeuropäischen Adel.[2] Nach der Oktoberrevolution 1917 flüchtete die Familie zunächst zu den mütterlichen Großeltern in Astrachan. Im beginnenden Russischen Bürgerkrieg schloss sich der Vater der Weißen Bewegung an, während die Mutter von den Bolschewiki erschossen wurde. Nach der Niederlage der Weißen emigrierte der Vater mit dem Sohn nach Paris. 1928 wanderten sie in die USA aus.[6]

Zur Vorbereitung auf ein Studium besuchte Toumanoff die private Lenox School for Boys der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika in Lenox (Massachusetts). 1931 begann er das Studium an der Harvard University. Seine Lehrer John Coddington und Robert P. Blake verhalfen ihm zu einem Aufenthalt in Brüssel mit armenischen Studien bei Nicholas Adontz und dann in Berlin mit georgischen Studien bei Micheil Zereteli.[2] Während dieser Zeit konvertierte er zum Römischen Katholizismus, was zu einer Trennung von seinem orthodoxen Vater führte. Nach seiner Rückkehr studierte er an der Georgetown University in Washington, D.C. mit Promotion 1943. Dort lehrte er dann bis 1970, als er als Professor Emeritus für Geschichte ausschied.[4]

Toumanoff verließ nun die USA und ließ sich in Rom nieder.[2] Sein Forschungsschwerpunkt war die Genealogie der Fürstenfamilien des christlichen Kaukasiens.[3] Bei seinen Untersuchungen der georgischen Familien stützte er sich in der Regel nur auf die Georgischen Chroniken unter Vernachlässigung der lateinischen, byzantinischen, armenischen und arabischen Quellen, wofür er kritisiert wurde.[7][8]

Toumanoff war Professritter mit Promess, Hoher Historischer Berater und Großprior von Böhmen des Souveränen Malteserordens.[9]

Toumanoff wurde an der Kapelle der Malteserritter auf dem Campo Verano in Rom begraben.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Society for the Study of Caucasia: The Annual of the Society for the Study of Caucasia, volumes 6–7. The Society, Chicago, Ill. 1997.
  2. a b c d e Robert H. Hewsen: In Memoriam: Cyril Toumanoff. In: Journal of the Society for Armenian Studies. Band 8, 1995, S. 5–7.
  3. a b A. Kazhdan: Toumanoff. In: Caucasia and Byzantium „Traditio“. Band 27, 1971, S. 111–152.
  4. a b Stephen H. Rapp: Studies In Medieval Georgian Historiography: Early Texts And Eurasian Contexts. Peeters, 2003, ISBN 90-429-1318-5, S. 16.
  5. Любимов С.В.: Титулованные роды Российской империи: Опыт подробного перечисления всех титулованных российских дворянских фамилий, с указанием происхождения каждой фамилии, а также времени получения титула и утверждения в нем. ФАИР-ПРЕСС, Moskau 2004, S. 368.
  6. François Bauchpas: L'émigration blanche. Paris 1968.
  7. David Braund: Georgia in Antiquity. A History of Colchis and Transcaucasion Iberia 550 BC–AD 562. Paris 2002.
  8. Christian Settipani: Continuités des élites à Byzance durant les siècles obscurs. Les princes caucasiens et l’Empire du VIe au IXe siècle. de Boccard, Paris 2006, ISBN 978-2-7018-0226-8.
  9. McHugh, Rosita: The Knights of Malta: 900 years of care. Irish Association of the Sovereign Military Hospitaller Order of St. John of Jerusalem, of Rhodes, and of Malta, 1996, ISBN 0-9525810-0-0, S. xix.