Curt Elze

Hochschullehrer

Curt Elze (* 16. Februar 1885 in Halle; † 9. April 1972 in Kassel) war ein deutscher Anatom, Hochschullehrer und Rektor der Universität Rostock.

LebenBearbeiten

Curt Elze war der Sohn des Juristen Curt Elze (1852–1937) und dessen Ehefrau Lina (1857–1936), geborene Frenkel.[1] Sein jüngerer Bruder war der Offizier und Militärhistoriker Walter Elze.[2] Seine Schullaufbahn beendete Elze 1902 mit dem Abitur in seiner Heimatstadt. Danach absolvierte er ein Studium der Medizin an den Universitäten Freiburg und Halle, dass er 1907 mit dem medizinischen Staatsexamen abschloss. Nach dem Medizinalpraktikum wurde er im Dezember 1908 zum Dr. med. promoviert und im Monat darauf approbiert. Anschließend war er erster Prosektor an der Universität Wien und von 1912 bis 1921 an der Universität Heidelberg, wo er sich 1912 in Anatomie habilitierte und Privatdozent wurde. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges leistete er zunächst als Truppenarzt Kriegsdienst und ab 1916 Dienst in einem Heidelberger Lazarett. Im Oktober 1918 wurde er in Heidelberg zum außerordentlichen Professor ernannt und wechselte im April 1921 als Prosektor an die Universität Gießen, wo er ebenfalls als außerordentlicher Professor wirkte.

Im Oktober 1921 wurde er auf den Lehrstuhl für Anatomie der Universität Rostock berufen, wo er als Direktor auch dem Anatomischen Institut vorstand. An der medizinischen Fakultät war er 1926/27 Dekan. Von März 1931 bis Februar 1932 war er zunächst Rektor und danach ein Jahr Prorektor der Universität Rostock. Zur Zeit des Nationalsozialismus trat er 1934 dem NS-Lehrerbund bei und gehörte auch der NSV und dem Reichsluftschutzbund an. Mitglied der Partei wurde er erst Anfang April 1940 (Mitgliedsnummer 8.007.883).[3]

Im Oktober 1936 wechselte er auf den Lehrstuhl für Anatomie nach Gießen und wurde vom örtlichen Dozentenschaftsleiter folgendermaßen beurteilt: „Er hat früher dem Nationalsozialismus in ablehnender Weise gegenüber gestanden, ich habe jedoch den Eindruck gewonnen, daß er in klarer Weise erkannt hat, was der Nationalsozialismus für Deutschland und die Welt bedeutet“.[4]

Ab April 1940 lehrte er als ordentlicher Professor Universität Würzburg, wo er dem Anatomischen Institut als Direktor vorstand. Nach der Emeritierung des Medizinhistorikers Georg Sticker 1934 hatte Elze zudem dessen Unterricht in Würzburg übernommen.[5] Übergangsweise leitete Elze während der Abwesenheit von Ludwig Schmidt und Friedrich Keiter ab Mai 1941 auch das Rassenbiologische Institut der Universität.[6] Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm er seine Lehrtätigkeit in Würzburg 1947 wieder auf und wurde dort 1952 emeritiert.[7] Sein Nachfolger wurde Kurt Neubert (1952–1967).[8]

Seine Forschungsschwerpunkte waren „makroskopische Anatomie, die anatomische Präparierkunst und die Medizingeschichte“.[7] Er gab von 1934 bis 1967 die Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungsgeschichte heraus sowie von 1938 bis 1967 die Ergebnisse der Anatomie und Entwicklungsgeschichte.[7] Er übernahm ab 1932 von Hermann Braus die Weiterführung des Lehrbuchs Anatomie des Menschen und war Autor diverser Fachveröffentlichungen zur Anatomie, Entwicklungsgeschichte und Medizinhistorie.[9]

Seit 1916 war er mit Annemarie (* 1892), geborene Keil, verheiratet. Das Paar bekam zwei Söhne und zwei Töchter. Ein Sohn war der Hamburger Theologieprofessor Martin Elze.[1] Zweiter Sohn war der Historiker und Hochschullehrer Reinhard Elze.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Beitrag zur Histologie des embryonalen Säugetierdarmes. Dissertation an der Universität Freiburg 1909.
  • Studien zur allgemeinen Entwicklungsgeschichte des Blutgefäßsystems : T. 1. Anatom. u. physiol. Grundlagen. Cohen, Bonn 1913, Aus: Archiv f. mikrosk. Anat. Band 82. Abt. 1. (zugleich: Heidelberg, Med. Hab.-Schr., 1912).
  • Über Form und Bau des menschlichen Magens. Winter, Heidelberg 1919.
  • Der menschliche Körper. Springer, Berlin /Heidelberg/ New York 1966.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Dagmar Drüll: Heidelberg Gelehrtenlexikon. 1803–1932. Berlin / Heidelberg 1986, S. 59.
  2. Wolfgang Graf Vitzthum: Preusse im George-Kreis: Walter Elze. In: V. Caspari (Hrsg.): Theorie und Geschichte der Wirtschaft. Festschrift für Bertram Schefold. Metropolis-Verlag, Marburg 2009, ISBN 978-3-89518-715-5, S. 331–357, hier S. 343.
  3. Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. Saur, München 2007, S. 122.
  4. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 134.
  5. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3; zugleich Dissertation Würzburg 1995), ISBN 3-88479-932-0, S. 40.
  6. Ute Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3; zugleich Dissertation Würzburg 1995), ISBN 3-88479-932-0, S. 40–42.
  7. a b c Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. Saur, München 2007, S. 122 f.
  8. Theodor Heinrich Schiebler: Anatomie in Würzburg (von 1593 bis zur Gegenwart). In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6), ISBN 3-7686-9062-8, S. 985–1004; hier: S. 1001 und 1004.
  9. Elze, Curt. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). 2., überarb. und erweiterte Auflage. Band 3: Einstein–Görner. De Gruyter / K. G. Saur, Berlin / Boston / München 2006, ISBN 3-11-094655-6, S. 50.