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LebenBearbeiten

Eisfeld legte 1911 die Prüfung als Diplom-Handelslehrer an der Handelshochschule Berlin ab. Er promovierte an der Universität Tübingen. Ab 1915 war er Assistent an der Handelshochschule Berlin, 1920/21 Referent im Reichsernährungsministerium, ab 1922 außerordentlicher Professor in Tübingen, ab 1925 als Ordinarius. Zudem war er von 1923 bis 1927 Lehrbeauftragter an der TH Stuttgart. 1927 erfolgte die Berufung nach Hamburg als einziger Ordinarius für Betriebswirtschaft.[1]

Eisfeld galt als Spezialist für das Bank- und Sparkassenwesen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband errichtete 1927 in Berlin für den Führungsnachwuchs das „Lehrinstitut für das kommunale Sparkassen- und Kreditwesen“. Eisfeld wurde wissenschaftlicher Leiter des Instituts. Neben Eisfeld lehrten anerkannte Wissenschaftler wie Melchior Palyi, Willi Prion und Konrad Mellerovicz. Eisfeld blieb Leiter des Lehrinstituts bis 1943, als es kriegsbedingt schließen musste. Bis dahin hatten über dreihundert Führungskräfte das Studium erfolgreich abgeschlossen. Eisfeld wurde in späterer Zeit „Begründer der Sparkassenbetriebswirtschaft“ genannt.[2] Er und seine Schüler führten u. a. den Sparkassenbetriebsvergleich ein.[3]

Die Notverordnung vom 19. September 1931 und die 1. Durchführungsverordnung dazu vom 15. Dezember 1931 schufen den Wirtschaftsprüfer.[4] Er sollte vorgebildet und erfahren genug sein, um die gebotene Qualität der Pflichtprüfung von Abschlüssen zu gewährleisten. Die Zulassung als Wirtschaftsprüfer konnte erst nach einer fachlichen Prüfung erfolgen. Bei der Bildung der Prüfungsausschüsse wurde Eisfelds Hilfe gesucht. Neben seinem Seminar für Betriebswirtschaftslehre wurde ihm 1931 an der Hamburgischen Universität auch ein Seminar für Revisionswesen als Zentrum für Wirtschaftsprüfungsfragen genehmigt.[5] Er wurde Mitglied im Prüfungs- und Zulassungsausschuss an der Handelskammer Hamburg, der für Hamburg, Schleswig-Holstein und das Land Braunschweig zuständig war.[6]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wählte die Hamburger Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät Eisfeld als Dekan. Er hatte zuvor erklärt, dass er nicht beabsichtige, Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zu werden.[7] Er blieb Dekan bis 1938. Im Herbst 1933 wurde er Mitglied des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbunds, 1938 des Nationalsozialistischen Altherrenbunds und 1942 des Reichskolonialbundes, zu unbekannter Zeit auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt und des Reichsluftschutzbundes.[8] Er wurde aber trotz des Druckes nie Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.[9]

1947 erhielt Eisfeld den Vorsitz des Prüfungsausschusses für Wirtschaftsprüfer an der Handelskammer Hamburg. 1948 wurde er zum Ehrenmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer ernannt.[10] Er blieb über Jahrzehnte Prüfer der Verbandsprüfer der Sparkassen.[11] Bis 1963 war er Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Verbandsrevisoren.[12]

Weitere Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

  • Ehrendoktor der der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln 1956
  • Ehrenmitgliedschaft des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft 1956
  • Silberne Johann-Friedrich-Schär-Plakette durch die Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft 1963[12]

NachlassBearbeiten

Curt Eisfeld und seine Frau Elisabeth vermachten ihren Besitz der Universität Hamburg als nicht rechtsfähige Stiftung. Die Curt-Eisfeld-Nachlassbibliothek umfasst etwa 3500 Bände und befindet sich im „Haus der Betriebswirtschaft“ der Universität.[13][14]

LiteraturBearbeiten

  • Curt Eisfeld: Aus fünfzig Jahren: Erinnerungen eines Betriebswirts 1902 - 1951, Göttingen 1973
  • Peter Mantel: Betriebswirtschaftslehre und Nationalsozialismus: Eine institutionen- und personengeschichtliche Studie, Gabler 2009, S. 678f.
  • Hartmut Schmidt, Henrik Sattler, Lutz Raettig: Curt Eisfeld und seine Bibliothek, Bankhistorisches Archiv 40, 2014/1–2, S. 103–115.
  • Helmut Macron, Heinrich Strecker, Hrsg.: 200 Jahre Wirtschafts- und Staatswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Leben und Werk der Professoren, Stuttgart 2004, S. 463 - 469.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Unter "Curt Carl Gustav Eisfeld" finden sich bei Macron und Strecker viele Details zum Hintergrund, zu den Schulen und zur Vielfalt von Arbeitsverhältnissen Eisfelds zwischen 1905 und 1922. Helmut Macron, Heinrich Strecker, Hrsg.: 200 Jahre Wirtschafts- und Staatswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Leben und Werk der Professoren, Stuttgart 2004, S. 463 f.
  2. Thorsten Wehber: Kontinuität im Wandel, in: SparkassenZeitung, 81. Jg., Nr. 48, 30. November 2018, S. 12.
  3. Hartmut Schmidt, Henrik Sattler, Lutz Raettig: Curt Eisfeld und seine Bibliothek, Bankhistorisches Archiv 40, 2014/1 - 2, S. 110. Curt Eisfeld, Aus fünfzig Jahren: Erinnerungen eines Betriebswirts 1902 - 1951, Göttingen 1973, weist zurückhaltend auf seinen Würzburger Vortrag im Jahr 1930 hin. Er behandelte den Betriebsvergleich bei Sparkassen (S. 114 f.).
  4. Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V., Hrsg. , 1932 - 2007, 75 Jahre Wirtschaftsprüfer im IDW, Rückblicke, Düsseldorf 2007, S. 15 - 17.
  5. Marie-Elisabeth Hilger, Das Sozialökonömische Seminar, in: Hochschulalltag im "Dritten Reich", Die Hamburger Universität 1933 – 1945, Hrsg. Eckart Krause / Ludwig Huber / Holger Fischer. Berlin und Hamburg 1991, S. 968.
  6. Curt Eisfeld: Aus fünfzig Jahren: Erinnerungen eines Betriebswirts 1901 - 1951, Göttingen 1973, S. 123–129.
  7. Curt Eisfeld: Aus fünfzig Jahren: Erinnerungen eines Betriebswirts 1902 - 1951. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, ISBN 3-525-13140-2, S. 131 - 133.
  8. Humboldt-Universität, Universitätsarchiv, Akte der Wirtschaftshochschule Berlin, Nr. 612, Blatt 36-37. Es handelt sich um einen Personalfragebogen, den Eisfeld im Vorfeld eines geplanten Wechsels nach Berlin am 28. August 1947 ausfüllte. Zu stützenden und abweichenden Quellen siehe Hartmut Schmidt, Henrik Sattler, Lutz Raettig: Curt Eisfeld und seine Bibliothek, Bankhistorisches Archiv 40, 2014/1 - 2, S. 114 f., Fußnoten 59 - 64.
  9. Arnold Sywottek, Kontinuität im Neubeginn: Über die Anfänge der „Universität Hamburg“, in: Hochschulalltag im „Dritten Reich“, Die Hamburger Universität 1933 – 1945, Hrsg. Eckart Krause / Ludwig Huber / Holger Fischer. Berlin und Hamburg 1991, S. 1390. Bundesarchiv, Akte R 4901/2389, Blatt 130, Abschrift des Schreibens der NSDAP-Gauleitung Hamburg an den Reichsstatthalter in Sachsen vom 14. März 1944, wo es heißt, "Eisfeld ist kein Nationalsozialist", "Sein Verkehr erstreckt sich auf Personen, die nicht positiv zum Nationalsozialismus stehen" und seine" vorgesehene Berufung kann ich nicht empfehlen."
  10. Ernennungsurkunde vom 15. März 1948. In einem Rundschreiben des Instituts heißt es im Abschnitt Mitgliederstatistik und WP-Verzeichnis: "Als Ehrenmitglieder werden WP Professor Dr. Schmalenbach, Köln sowie Professor Dr. Eisfeld, Hamburg geführt." Institut der Wirtschaftsprüfer, Rundschreiben Nr. 11 vom 2. Juni 1951, S. 1.
  11. Professor Dr. Curt Eisfeld 80 Jahre, in: Deutsche Sparkassen-Zeitung vom 18. Februar 1966.
  12. a b Staatsarchiv Hamburg, Bestand 361-6, Signatur IV 1181, S. 13 vom 25. Oktober 1963. Eisfeld war an der Handelshochschule Berlin Assistent bei Professor Schär von 1916 bis 1919 (Signatur IV 1181, S. 17 vom 4. März 1927).
  13. https://www.bwl.uni-hamburg.de/mb/service/curt-eisfeld-nachlassbibliothek.html
  14. https://www.sub.uni-hamburg.de/bibliotheken/hamburger-bibliotheksfuehrer/details-zur-bibliothek/bib-id/1260366746.html