Cueva de las Palomas

Vulkanhöhle im »malpaís de San Juán« bei Todoque oberhalb der Westküste von La Palma

Die Cueva de las Palomas (spanisch, Höhle der Tauben) im Ortsteil Todoque, der Gemeinde Los Llanos de Aridane, der Kanarischen Insel La Palma ist eine Lavaröhre, die im Lavastrom des Vulkans San Juan vom 8. bis zum 26. Juli 1949 entstand.[1]

Cueva de las Palomas
Vulkanröhre El Vidrio, im Hintergrund Tauben

Die Lavaröhre besteht aus den Abschnitten Todoque I und Todoque II, welche als Naturdenkmal, Tubo Volcánico de Todoque in das Gesetz 12/1994 aufgenommen wurden (BOCA Nr. 157 vom 24. Dezember 1994).[2] Mit der Änderung des Dekrets 174/2009 der Regierung der Kanarischen Inseln wurde der Name der besonderen Schutzzone (ZEC), De la Red Natura 2000 Tubo Volcánico de Todoque in Malpaís de Las Manchas y Cueva de Las Palomas geändert.

Die Cueva de las Palomas (560 + 157,5 Meter lang) ist eine von den mehr als 100 Lavaröhren auf La Palma, wobei die Cueva Honda del Bejenado in der Gemeinde El Paso mit 1.362 Meter die längste Lavaröhre ist.[3]

Lavaröhren im Lavafeld des San JuanBearbeiten

Der Ausbruch des Vulkans San Juan fand auf dem Bergkamm der Cumbre Vieja an drei zeitlich versetzten Ausbruchsstellen statt. Eine davon war die Spaltenöffnung bei der Ebene Llano del Banco in 1300 Meter Höhe (auch als Llano del Banco-Vulkan bezeichnet), aus der sich ein großer Lavastrom über die Westflanke der Cumbre Vieja bis zum Meer ergoss und dort eine 6 × 3,5 km große Lavaplattform im Meer entstehen ließ. Heute befinden sich dort neben großen Bananenplantagen die Siedlung La Bombilla und der Leuchtturm Faro de Punta Lava. In dem ausgedehnten Lavafeld hatten sich mehrere Lavaröhren ausgebildet:[2][4][5]

Name Code 1) Länge
/m/
Geländehöhe
/m ü. M./
Zugänge Bemerkung
Cueva de Johannes Sprunk LLA- 37,7 Durch Eingriffe des Menschen z. T. zerstört.
Cueva Lávico Las Manchas LLA-12 50
Cueva Pequeña Sima LLA-13 6
Cueva El Vidrio LLA-14 15 2
Cueva de Todoque I LLA-01 560 564 12 Naturdenkmal ²)
Cueva de Todoque II LLA-04 157,5 485 1 Naturdenkmal ²)
Cueva Verde LLA-07 42 490 1 Bis zu 10 m große Hohlräume
Cueva Hoyo de las Norias I LLA-09 38 365 1 Durch Eingriffe des Menschen z. T. zerstört.
Cueva Hoyo de las Norias II LLA-10 40 350 20 m große Galerie
Cueva de la Terraza de Verano TZ-03 49 180 1
Cueva La Muralla TZ-04 44 170 Die Höhle befindet sich unter der Straße, die nach Puerto Naos führt
Cueva La Murga LLA- 68,4 15 Eindringendes Wasser durch aus der Bewässerung der Bananenplantagen

1) Offizielle Kodierungen der Lavaröhren auf La Palma seit 1997.
Lage der Lavaröhren in den Gemeinden: LLA: Los Llanos, TZ: Tazacorte[5]

²) Die ehemals zusammenhängende Lavaröhre Cueva de las Palomas wurde durch den Bau der Landstraße LP-211 in die Abschnitte Todoque I und II getrennt.

Die ersten topografischen Untersuchungen der Lavaröhren fanden im Jahr 1987 durch die Universität La Laguna statt, deren Ergebnisse 1996 veröffentlicht wurden. 1998 wurde der Eingang der Lavaröhre Todoque I entdeckt. In den folgenden Jahren wurden weitere Abschnitte unterschiedlicher Längen des gesamten Verlaufes der Lavaröhre festgestellt.

Der Eingang zur Lavaröhre Todoque I besteht aus einer großen Einsturzmulde und liegt im weiträumigen Lavafeld des Llano del Banco-Vulkans zwischen den Orten Todoque und Las Manchas, an der Landstraße LP-211.[6] Die Einsturzmulde wird im spanischen Jameo genannt und bedeutet in der Sprache der Guanchen, Hohlraum oder Vertiefung im Erdboden. Die Lavaröhre ist sehr unterschiedlich geformt und besteht aus z. T. 3 – 4 Meter hohen Wänden, weiten Hallen und schmalen Durchgängen sowie ebenen Abschnittsverläufen und steilen Abstiegen.[1]

Bildungsmechanismus von LavaröhrenBearbeiten

Der Bildungsmechanismus der Lavaröhre wird wie folgt angenommen: In der Nähe der Eruptionsstelle des Vulkans fließt die Lava zunächst in offenen Kanälen im Gelände hinab, wobei die Lava sich durch den Kontakt mit dem Umgebungsgestein an der Unterseite und durch den Kontakt mit der Luft an den Rändern abkühlt und erstarrt. Durch die langsame Abkühlung des Lavastroms an seinen Rändern wird die Lava dort zähflüssiger und es bilden sich Seitenwände, die immer höher wachsen und den Lavafluss schließlich überdachen. Je größer die Geländeneigung ist, desto leichter bildet sich ein Kanal aus, der schließlich zu einem Lavatunnel führt. Die maximale Fließgeschwindigkeit des Lavastroms des Llano del Banco-Vulkans wird mit 37 km/h angegeben.[7]

Lebensraum der LavaröhrenBearbeiten

 
Stalaktiten in der Lavaröhre El Vidrio

An den Decken der Lavaröhre wachsen teilweise kleine Stalaktiten heraus, die aus dem einsickernden Niederschlagswasser auskristallisieren, welches auf seinem Weg durch die Lava die Minerale im Gestein zuvor gelöst hat. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Gips (CaSO4. 2H2O) oder auch Calcit (CaCO3).[1]

In den Lavaröhren hat sich eine besondere Fauna von wirbellosen Tieren ausgebildet, die sich dem hypogealen Leben angepasst haben. Mit Gesetz 12/1987 wurde dieses Gebiet zu einem besonders schützenswerten Naturraum der Kanarischen Inseln und durch das Gesetz 12/1994 zum Naturschutzgebiet der Kanarischen Inseln erklärt. Dieser Raum bildet auch eine einzigartige unterirdische Landschaft mit besonderen Merkmalen, die den Inselkomplex abwechslungsreicher machen.[8]

Mehrere Lavaröhren dienen als Zufluchts- und Nistplätze von Tauben, Kaninchen, kanarischen Hunden, Eidechsen, Fledermäusen, Ziegen und Kakerlaken, dementsprechend befinden sich dort Ansammlungen von Taubenkot, Schneckenhäuser der Art Hemicycla sowie Skelette der vorgenannten Tierarten.[5]

Besucherzentrum und Zugänge zu den LavaröhrenBearbeiten

 
Besucherzentrum-Dez.2020
 
Besucherzentrum im Lavafeld

Im Lavafeld des Llano del Banco-Vulkans wurde 2017 das Besucherzentrum Centro de interpretation de las cavidades volcanicas Canos de Fuege errichtet und im April 2019 eröffnet. Unterhalb des Gebäudes befindet sich der Zugang zu einem begehbaren Abschnitt einer etwa 15 Meter langen Lavaröhre El Vidrio.[9][10]

Über ein ausgedehntes Lavafeld vom Besucherzentrum zum Zugang der Lavaröhre Cueva de las Palomas wurde ein begehbarer Metallsteg angelegt, der die Betrachtung der vielfältigen Formen des Lavaflusses ermöglicht.

WeblinksBearbeiten

Commons: Tubo volcánico de Todoque – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Rainer Olzem: Tubo Volcánico de Todoque, Geologische Exkursionen auf La Palma 2012.
  2. a b F. Dumpierrez et al.: Las Cavidades Volcanicas de los Terminos Municipales de Los Llanos De Aridane y Tazacorte, 1998, ISBN 84-923180-2-3.
  3. Fin a la discusión: el tubo es Cueva de las Palomas, El Día, Los Llanos De Aridane 11. Oktober 2016.
  4. R. Olzem, T. Reisinger: Die San Juan-Eruption 1949
  5. a b c Cueva de Las Palomas. Las Manchas, 4. Juni 2017.
  6. Lage Zugang zur Höhle Cueva de Las Palomas, Google Earth.
  7. Schautafel im Besucherzentrum Cueva de las Palomas.
  8. Monumento Natural del Tubo Volcánico de Todoque (P-11).
  9. Lavaröhre als neue Touristenattraktion, Wochenblatt, 10. April 2011.
  10. El Centro de Interpretación de las Cavidades Volcánicas Caños de Fuego abre sus puertas al público, EL APURON, 12.04.2019.