Croÿ-Teppich

Der Croÿ-Teppich (Tapetum Concordiae) ist eine 6,80 Meter lange und 4,32 Meter hohe (nach anderer Quelle[1] 6,90 m × 4,46 m messende) Bildwirkerei, die sich im Eigentum der Universität Greifswald befindet. Er gilt aufgrund seiner Größe, der Darstellung und der Qualität der Ausführung als ein einzigartiges kulturhistorisches Zeugnis aus der Zeit der Reformation.

Croÿ-Teppich von 1554/1556

GeschichteBearbeiten

Das Werk wurde 1554 von Herzog Philipp I. von Pommern in Auftrag gegeben und von Peter Heymans, einem niederländischen Bildwirker, in Stettin oder Jasenitz angefertigt. Es wurde die Basselisse-Wirktechnik angewendet.

Ernst Bogislaw von Croÿ, Sohn der Herzogin Anna von Pommern, schenkte die Tapisserie 1681 der Greifswalder Universität. Mit der Schenkung war die Auflage verbunden, sie alle zehn Jahre, zum Todestag der Herzogin Anna am 7. Juli, im großen Hörsaal der Universität auszuhängen.

1893 erfolgte eine tiefgreifende Restaurierung beim Kunstgewerbemuseum Berlin. Dabei wurde ein größeres Loch im rechten oberen Viertel mit einer neuen Inschrift gefüllt.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs war das Werk zunächst nach Lübeck ausgelagert worden, von dort kam es in das Kunstgutlager Schloss Celle, bevor es zum 500-jährigen Bestehen der Universität 1956 an den Ort seiner testamentarischen Bestimmung zurückgeführt wurde.

Seit 2005 befindet sich der Croÿ-Teppich als Leihgabe der Universität Greifswald im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Im Jahr 2014 wurde er in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts eingetragen.[3]

BildinhalteBearbeiten

BildthemaBearbeiten

Der Teppich zeigt in idealisierter Form die Hochzeit Philipps I. von Pommern mit Maria von Sachsen am 27. Februar 1536 in Torgau. Aber weniger die Hochzeit als Ereignis ist dargestellt als die Verbundenheit der beiden beteiligten Herrscherhäuser, der gemeinsame reformatorische Glaube sowie die ersehnte Einigkeit innerhalb des Luthertums angesichts der Streitigkeiten nach dem Augsburger Interim von 1548.[4]

GliederungBearbeiten

Die Mittelachse der Darstellung bildet eine Kanzel auf säulenförmigem Fuß mit den Evangelistensymbolen am Geländer. Auf ihr steht im schwarzen Professorenornat Martin Luther predigend[5] und mit der Rechten auf den gekreuzigten Jesus Christus zeigend. Beidseitig des Kanzelfußes sind Familienangehörige des pommerschen (rechts) und des kursächsischen Fürstenhauses (links) angeordnet. Hinter den Sachsen ist der Kopf des Reformators Philipp Melanchthon, hinter den Pommern der von Johannes Bugenhagen zu sehen. Zwei große Wappen repräsentieren die beiden Dynastien, mehrere kleine einzelne Personen. Zwischen den Inschriften am oberen Bildrand finden sich außerdem die Wappensymbole der drei Reformatoren: die Eherne Schlange für Melanchthon, die Lutherrose sowie für Bugenhagen die Harfe Davids.

InschriftenBearbeiten

Auf dem Teppich finden sich folgende Inschriften:[6]

Am oberen Bildrand:
ER IST DEN VBELTHETERN GLEICH GERECHNET VND HAT VIELER SVNDE GETRAGEN VND HAT FVR DIE VBELTHETER GEBETEN ESAIE AM LIII (Jesaja 53,12 LUT)
ANNO MDXVII HAT DER EHRWIRDIGE DOCTOR MARTIN LVTHER ZV WITTEMBERG ANGEFANGEN GOTTES WORT LAVTER VND REIN ZV PREDIGEN BIS ER ANNO MDXLVI DEN XVIII FEBRVAR CHRISTLICHER BEKENNTNIS VORSCHIDEN IST IM 63 IAR SEINS ALTERS
IM IAR NACH CHRISTI GEBVRT MDXXXV IST IN POMERLANDT DAS LEICHT[7] DER GNADEN DAS GOTTLICH WORT ANGEZVNDT VND DVRCH D IOHAN BVGNHAGN GEPREDIGT
Zwischen der Zeigehand Luthers und dem Gekreuzigten:
SIHE DAS IST GOTTES LAM DAS DER WELT SVNDE TREGT DISER ISTS VON DEM ICH EVCH GESAGT HABE IOH I (Joh 1,29–30 LUT) VND WIE MOSES IN DER WÜSTEN EINE SCHLANGE ERHÖHET HAT ALSO MVS DES MENSCHEN SON AVCH ERHÖHET WERDEN AVF DAS ALLE DIE AN IN GLEVBEN NICHT VERLOREN WERDEN SONDERN DAS EWIGE LEBEN HABEN IOHAN III (Joh 3,14–15 LUT) M D L IIII
Rechts von Luther die 1893 eingefügte Inschrift:[8]
GEFERTIGT 1554 ZU STETIN. DER UNIVERSITAET ZU GREIFSWALD DURCH ERNST BOGISLAV HERZOG VON CROY DEN LETZTEN UNSERES ALTEN FÜRSTENHAUSES 1684 HINTERLASSEN. RESTAURIRT 1893.
Am Kanzelaufgang auf den von Mose gehaltenen Gebotstafeln:
תאהב את יהוה אלהיך תאהב את רעך כמך („Du sollst lieben den HERRN deinen Gott. Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst.“)[9]
Im Schmuckrahmen links:
VERBVM DOMINI MANET IN ETERNVM („Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.“ – Jes 40,8 EU; 1 Petr 1,25 EU; Wahlspruch der sächsischen Reformationsfürsten[2])
Im Schmuckrahmen rechts:
PRO LEGE ET GREGE („Für Recht und Volk“, Wahlspruch Philipps I.) WGW (wohl Abkürzung des Wahlspruchs Johann Friedrichs „Wie Gott will“[2])
Am unteren Bildrand links:
NOMINA ILLVSTRISSIMORVM DVCVM AC PRINCIPVM SAXONIAE („Die Namen der allererlauchtesten Herzöge und Fürsten Sachsens“). Es folgen die Namen Friedrich III. (1463–1525), Johann I. (1468–1532), Johann Friedrich (1503–1554), Johann Ernst (1521–1553), Johann Friedrich II. (1529–1595), Johann Wilhelm (1530–1573) und Johann Friedrich III. (1538–1565).
Am unteren Bildrand rechts:
ILLVSTRISSIMORVM DVCVM AC PRINCIPVM POMERANIAE NOMINA („Die Namen der allererlauchtesten Herzöge und Fürsten Pommerns“). Es folgen die Namen Georg I. (1493–1531), Barnim IX. (hier als X. gezählt; 1501–1573), Philipp I. (1515–1560) und fünf seiner Kinder: Johann Friedrich (1542–1600), Bogislaw XIII. (1544–1606), Ernst Ludwig (1545–1592), Amalia (1547–1580) und Barnim X. (1549–1603).

LiteraturBearbeiten

Vgl. die Literaturliste in der Datenbank National wertvolles Kulturgut, siehe Weblinks.

  • Birgit Dahlenburg, Rita Sauer: Der Croÿ-Teppich der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – national wertvolles Kulturgut Deutschlands. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 3/2014, ISSN 0032-4167, S. 42–47.
  • Marcin Wislocki: Der Croy-Teppich. In: Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Konstitution und Konkurrenz im nationen- und epochenübergreifenden Zugriff. Hrsg. von Joachim Bahlcke, Stefan Rohdewald, Thomas Wünsch. Akademie-Verlag, Berlin, 2013, ISBN 978-3-05-005658-6, S. 350–359.
  • Heimo Reinitzer: Tapetum Concordiae. Peter Heymans Bildteppich für Philipp I. von Pommern und die Tradition der von Mose getragenen Kanzeln. Berlin 2012. ISBN 978-3-11-027887-3.
  • Max Semrau: Das Geheimnis des Croy-Teppichs (1920), online bei inselreport.de

WeblinksBearbeiten

Commons: Croÿ-Teppich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Croy-Teppich, Informationen der Universität Greifswald zur Tradition der Croy-Feiern und zum Croy-Fest 2021.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Croÿ-Teppich. (Memento vom 29. Juni 2016 im Internet Archive) Eintrag in der Datenbank National wertvolles Kulturgut. In: kulturgutschutz-deutschland.de, (zuletzt) abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c Semrau, s. Literatur
  3. Feier zur Anerkennung: Croy-Teppich ist national wertvolles Kulturgut. In: Nordkurier.de. 10. Oktober 2014, abgerufen am 5. Januar 2021.
  4. These von Heimo Reinitzer
  5. Luthers Hochzeitspredigt in der Weimarer Luther-Ausgabe
  6. Hier mit Ausschreibung der Abbreviaturen wiedergegeben.
  7. wohl Falschschreibung oder Falschrestaurierung für LIECHT
  8. Ein Inventar von 1560 und theologische Gründe sprechen dafür, dass an dieser Stelle ursprünglich die Taufe Christi dargestellt war (Semrau, siehe Literatur).
  9. Diese Zusammenfassung des Dekalogs findet sich Dtn 6,5 EU und Lev 19,18 EU sowie im Mund Jesu Mt 22,37–39 EU. Auf dem Croy-Teppich ist der Wortlaut der Hebräischen Bibel offenbar der neutestamentlichen Fassung angepasst worden (Entzifferung, Übersetzung und Textvergleich von Ktiv).