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Corveyer Traditionen

historisches Dokument des Klosters Corvey (Nordrhein-Westfalen)

Die Corveyer Traditionen (lat.: traditiones Corbeienses) sind eine Zusammenstellung frühmittelalterlicher Besitzerwerbungen des Klosters Corvey. Ihr erster Teil aus karolingischer Zeit umfasst die Jahre 822 bis 875; ein zweiter Teil beginnt 963 und reicht bis 1023.

InhaltBearbeiten

Das Corveyer Traditionsbuch stand am Übergang von älteren Arten der Zusammenstellung von Besitzverzeichnissen wie den Kopialbüchern.

Der erste Teil reicht bis in die Zeit vor den ersten Abt zurück und beginnt 822. Dieser geht auf einzelne Urkunden zurück. Die Schreiber hielten darin die zentralen Angaben zu der jeweils dem Kloster gemachten Schenkung und die Namen der Zeugen fest. Beispiel: „Aldward übergab zwei Teile vom Erbe des Aldaric, die er hatte in Empelde, Benstorf und Uffenleva (= Offleben). Zeugen sind: Eisulf, Wilmer, Halegdag, Heio.“[1] Die für die Amtszeit eines Abtes gemachten Notizen wurden auf einem Blatt zusammengefasst nachträglich in ein Buch eingetragen. In ähnlicher Weise vergewisserten sich auch die Klöster Fulda und Lorsch ihrer Besitzrechte. Der erste Teil endet 875.

Ein zweiter Teil beginnt 963. Nunmehr wurden die Schenkungen und sonstigen Erwerbungen fortlaufend im Buch selbst eingetragen. Ein Beispiel (in deutscher Übersetzung aus dem Lateinischen): „Übergeben hat Graf Bernhard zwei Hörigenfamilien für sich und seine Frau Hathali.“[2]

Damit hat das Traditionsbuch seine Form gefunden. Es hatte wohl selbst eine gewisse Beweiswirkung, da man etwa auf die Nennung von Zeugen verzichtete.

Die Corveyer Traditionen sind eine bedeutende Quelle für die Entwicklung der klösterlichen Grundherrschaft.

EditionenBearbeiten

  • Paul Wigand (Hrsg.): Traditiones Corbeienses. Brockhaus, Leipzig 1843, Digitalisat.
  • Klemens Honselmann (Hrsg.): Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey. Bonifatius, Paderborn 1982, ISBN 3-87088-326-X, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen 10 = Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung 6).

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. zit. nach: Karl Kroeschell: recht und unrecht der sassen. Rechtsgeschichte Niedersachsens. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-36283-8, S. 33.
  2. zit. nach Hagen Keller: Schriftgebrauch und Symbolhandeln in der öffentlichen Kommunikation. Aspekte des gesellschaftlich-kulturellen Wandels vom 5. bis zum 13. Jahrhundert. In: Frühmittelalterliche Studien. 37, 2003, ISSN 0071-9706, S. 1–24, hier S. 13.

Koordinaten: 51° 46′ 40,1″ N, 9° 24′ 31,8″ O