Corps Bavaria München

Studentenverbindung in München

Das Corps Bavaria München ist eine Studentenverbindung im Münchner Senioren-Convent. Das Corps vereint Studenten und Alumni aller Münchener Hochschulen und steht zu Mensur und Couleur. Sie ist eines der zwei letzten Lebenscorps im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), die Corpsmitglieder werden Münchner Bayern oder einfach nur Bayern genannt.

Corps Bavaria

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: München
Gründungsort: Landshut
Stiftungsdatum: 30. November 1806
Korporationsverband: KSCV seit 1862
Zuständiger SC: MSC
Kartell / Kreis / AG: keine, Lebenscorps
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Wahlspruch: Concordia fortes, virtute beati
Feldgeschrei (Panier): Circulus fratrum vivat Bavariae!
Mitglieder insgesamt: ca. 230
Aktive: ca. 10
Website: www.corpsbavaria.de
Joseph Ludwig von Armansperg
Lithographie des Stifters Joseph von Armansperg (1833)

LebenscorpsBearbeiten

Bavaria ist seit 1851 ein Lebenscorps, somit gehört es keinem Kösener Kreis an, erlaubt keine Doppelmitgliedschaften der Mitglieder[1] und steht in keinem Verhältnisvertrag. Als sich ab 1860 immer mehr bayerische Lebenscorps zu Waffencorps wandelten, blieb allein Bavaria dem alten Grundsatz treu. Seit seiner Stiftung hat das Corps fast 2.100 Mitglieder rezipiert und ist somit eines der größte Corps überhaupt. Das Corps Bavaria hat derzeit um die 230 Mitglieder.[2]

CouleurBearbeiten

Bavaria hat die Farben weiß-blau-weißen mit goldener Perkussion. Dazu wird eine Mütze in Biedermeierform als Hinterhauptcouleur getragen. Die Füchse tragen ein zweifarbiges Band in den Farben weiß-blau, das ebenfalls mit goldener Perkussion versehen ist.

GeschichteBearbeiten

LandshutBearbeiten

Gestiftet wurde das Corps Bavaria am 30. November 1806 an der Universität Landshut.[3] In jenem Wintersemester hatte das Corps nicht nur einen Senior, sondern auch einen Consenior. Das zeigt, dass Ehrenangelegenheiten über den Corpsburschen-Convent geregelt wurden – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den Nationes und den Studentenorden.

Gründungssenior der Bavaria im Wintersemester 1806 war Joseph von Armansperg.[4] Als Finanzminister des Königreiches Bayern garantierte er 20 Jahre später die Übersiedelung der Universität nach München. 1832 wurde Armansperg Regentschaftsratsvorsitzender für den minderjährigen Otto (Griechenland). Von 1835 bis 1837 bekleidete er das Amt des griechischen Staatskanzlers.

Zu den Gründungsburschen gehörte auch Carl Joseph Anton Mittermaier, später einer der größten Rechtsgelehrten des 19. Jahrhunderts in Deutschland und 1848 Präsident des Vorparlaments in der Frankfurter Nationalversammlung. Ignaz Perner verhinderte 1815/16, dass das durch Maximilian von Montgelas zeitweilig verbotene Corps den aktiven Betrieb einstellte.

MünchenBearbeiten

Im Juli 1848 vertrat der Senior Anton Freiherr von Lobkowitz das Corps bei der Gründung des KSCV, dem er mit den anderen Corps des Münchner SC 1862 endgültig beitrat.

Im 19. Jahrhundert waren sehr viele (katholische) Adelige und über 100 Priester bei Bavaria.[5] Als bayerisches Landescorps stellte sie den Wittelsbachern viele Vertraute. Ein Beispiel ist Emil von Schauß, der den bayerischen Hausschatz hütete und die Finanzen Bayerns kontrollierte. Er leitete von 1893 bis 1895 den Verband Alter Corpsstudenten.

1860 trat das Corps mit dem MSC dem Kösener Senioren-Convents-Verband bei. Bavaria war 1897 und 1920 präsidierendes Vorortcorps und stellte die Vorsitzenden des oKC.

Bayerns Adel blieb im Kulturkampf katholisch und zog sich vom corpsstudentischen Leben zurück. Dafür wurde Bavaria für ihre vielen bedeutenden Mediziner bekannt.[5]

1933–1945Bearbeiten

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Bavaria als eines der ersten Corps verboten; denn die Altherrenschaft namens des AHV-Vorsitzenden Franz Ruhwandl weigerte sich, die Zusammenarbeit der Aktiven mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund zu billigen. Das Corps wurde bei der Gestapo denunziert und im Mai 1935 verboten.[6] Daraufhin flog Karl Gebhardt im Juli 1935 mit dem Privatflugzeug von Rudolf Heß nach München und erwirkte mit einem neuen AH-Vorstand einen NS-konformen Kurs. Der aktive Betrieb wurde im selben Jahr geschlossen, das Corpshaus unter Zwang verkauft.[7] Auch alle anderen Corps waren inzwischen durch das NS-Regime verboten worden. Aus den Reihen des Corps Bavaria zählt Eduard Brücklmeier zu den 16 Corpsstudenten, die im Kampf gegen das NS-Regime ihr Leben verloren.[8]

Seit 1945Bearbeiten

Betreut durch den Altherrenvorsitzenden Ruhwandl nahm das Corps Bavaria unter der Leitung des Seniors Otmar Schleich den aktiven Betrieb am 13. Juli 1947 wieder auf. Im Sommersemester 1951 wurde unter SC-Senior Hans-Georg Curtze der Münchner Senioren-Convent offiziell gegründet. Es handelt sich hier um den einzigen SC, in dem Weinheimer und Kösener Corps gleichberechtigt vertreten sind. Im Jahre 2006 feierte das Corps sein 200. Stiftungsfest mit einem Kommers im Hofbräukeller und einem Tanzball mit 830 Gästen im Hotel Bayerischer Hof. Ihrer verstorbenen Corpsbrüder gedachten die Münchner Bayern beim Requiem (Mozart) in St. Peter.

CorpshäuserBearbeiten

 
Früheres Haus des Corps Bavaria München am Platzl 5, um 1910

Im Jahre 1900 wurde das erste Corpshaus am Platzl 5 (München)[9] bezogen. 1931 wechselten die Münchner Bayern in die feudale Kaulbach-Villa (München) des Malers Friedrich August von Kaulbach, der 4000 m² große Garten grenzte direkt an die Bayerische Staatsbibliothek[10]. Nachdem die Bayern im Jahre 1938 durch den NS-Staat enteignet wurden, konnte 1963 ein neues Corpshaus in Alt-Bogenhausen bezogen werden. Die 1912 erbaute Jugendstilvilla wurde seither mehrmals erweitert und an die Bedürfnisse des Corpsbetriebs angepasst.

MitgliederBearbeiten

In alphabetischer Reihenfolge

 
Ferdinand Kurz, Bavarias Corpshistoriker

LiteraturBearbeiten

  • Max Weigl: Gedenkbuch des Corps Bavaria an der Universität München zur Feier seines Jubilaeums in Landshut 1867, Wolf & Sohn, 1868
  • Ferdinand Kurz: Das Corps Bavaria zu Landshut und München. München 1910.
  • Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München. Akademischer Verlag, München 2006, ISBN 3-932965-86-8.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Corps Bavaria München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Corps Bavaria München: Was ist das Corps Bavaria? Abgerufen am 15. Januar 2020.
  2. Corps Bavaria München: Was ist das Corps Bavaria? Abgerufen am 15. Januar 2020.
  3. S. Sigler: „Vivat der 30te November 1806“, in ders. (2006), S. 3 ff., S. 40, S. 46
  4. Kösener Korps-Listen 1910, 170, 1
  5. a b Peter Gering, Sebastian Sigler: Gesamtliste des Corps Bavaria. München 2006
  6. Rosco Weber, Wolfgang Wippermann: Die deutschen Corps im Dritten Reich. SH-Verlag 1998, ISBN 3-89498-033-8, S. 171 f.
  7. Rosco G. S. Weber, Wolfgang Wippermann: Die deutschen Corps im Dritten Reich. SH-Verlag 1998, ISBN 3-89498-033-8, S. 171 f.
  8. Hans Parr: Corps Bavaria im Dritten Reich, in S. Sigler (2006), S. 93 f.
  9. Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 96.
  10. Corps Bavaria München (@corpsbavaria) • Instagram-Fotos und -Videos. Abgerufen am 18. Januar 2020.