COVID-19-Pandemie

Virusausbreitung ausgehend von Wuhan, China
(Weitergeleitet von Corona-Pandemie)
Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
COVID-19-Pandemie
Anzahl bestätigter Infizierter je 1.000 Einwohner
Anzahl bestätigter Infizierter je 1.000 Einwohner
Daten
Krankheit COVID-19
Krankheitserreger SARS-CoV-2
Ursprung Wuhan, Hubei,
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
Beginn Dezember 2019
Betroffene Länder über 200
Bestätigte Infizierte ca. 5,82 Mio.
Todesfälle ca. 363.000
Letzte Aktualisierung: 30. Mai 2020 (WHO-Report)

Als COVID-19-Pandemie (auch Coronavirus-Pandemie, Corona-Pandemie, Coronavirus-Krise oder Corona-Krise) wird der weltweite Ausbruch der neuen Atemwegserkrankung COVID-19 (»Corona«) bezeichnet. Diese trat erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan (Provinz Hubei) auf, entwickelte sich im Januar 2020 zur Epidemie in China und anschließend weltweit zur Pandemie. Verursacht wird die Erkrankung durch eine Infektion mit dem bis dahin unbekannten Coronavirus SARS-CoV-2. Um einer Ausbreitung in Staaten ohne leistungsfähige Gesundheitssysteme entgegenzuwirken, rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 30. Januar 2020 die internationale Gesundheitsnotlage aus. Ab dem 28. Februar 2020 schätzte die WHO in ihren Berichten das Risiko auf globaler Ebene als „sehr hoch“ ein (englisch WHO risk assessment, global level: very high), zuvor als „hoch“. Am 11. März 2020 erklärte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie, der ersten seit der Pandemie H1N1 2009/10.

Am 13. Januar 2020 wurde aus Thailand – und damit erstmals außerhalb Chinas – die erste laborbestätigte Infektion mit SARS-CoV-2 gemeldet. Der erste offiziell gemeldete Infektionsfall außerhalb Asiens trat am 23. Januar 2020 in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. In beiden Fällen gab es eine Verbindung zu Reisen nach oder von Wuhan. Anfang Februar 2020 trat auf den Philippinen der erste Todesfall außerhalb Chinas auf; es handelte sich um einen Chinesen aus Wuhan. Am 9. Februar 2020 überstieg die Zahl der registrierten Todesfälle mit über 800 die Gesamtzahl der Todesfälle der SARS-Pandemie 2002/2003.[1] Am 16. Februar 2020 wurde aus Frankreich der erste Todesfall außerhalb Asiens gemeldet, eine aus China eingereiste Person. Am 23. Februar 2020 wurden aus Italien die ersten beiden Europäer gemeldet, die an COVID-19 verstarben. Italien wurde zunehmend zum Zentrum der Pandemie; am 19. März wurden hier erstmals mehr Todesopfer gemeldet als in China. Mitte März 2020 gab es neben China, Italien und Spanien die meisten Infektionsfälle im Iran, in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten; aus China wurden nur noch wenige Neuinfektionen gemeldet. Ende März 2020 stiegen die Infektionszahlen in den USA stark an; damit entwickelten sich die Vereinigten Staaten neben Europa und nach China zum neuen Zentrum der Pandemie.

In zahlreichen Ländern ist die Pandemie inzwischen durch massive Einschnitte in das öffentliche Leben und in das Privatleben der Bürger sowie durch eine Wirtschaftskrise gekennzeichnet (siehe Auswirkungen der COVID-19-Pandemie). Am 23. Mai 2020 überstieg die Anzahl der gemeldeten Fälle 5.000.000 bei ca. 333.000 Todesfällen. Im Mai 2020 entwickelte sich Lateinamerika zum neuen Zentrum der Pandemie; besonders betroffen sind Brasilien, Peru, Chile und Mexiko.[2][3]

Hinweis zu den aktualisierten Daten: Die täglichen WHO-Berichte beinhalten die aus den Mitgliedsstaaten gemeldeten Fallzahlen, dadurch kommt es nicht nur zu einer zeitlichen Verzögerung. Die einzelnen Länder unterscheiden sich auch stark in ihrer Meldepolitik, so dass die Länder anhand dieser Zahlen nicht vergleichbar sind, siehe Abschnitt Anmerkungen zu den Daten und Falldefinition der WHO. Das Center for Systems Science and Engineering (CSSE) an der Johns Hopkins University entwickelte eine alternative Sammlung der von örtlichen Stellen gemeldeten Fälle und eine Präsentation der Daten durch ein als Dashboard bezeichnetes Online-Tool (siehe Weblinks unten). Diese Zahlen unterliegen einem größeren Vorbehalt als die an anderer Stelle gezeigten Daten der WHO (mehr Informationen dazu finden sich im Abschnitt Genesung).

Krankheit

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Die Krankheit COVID-19 und der Krankheitserreger SARS-CoV-2, die am Jahresende 2019 die Epidemie auslösten, waren vorher nicht bekannt. Im Verlauf des zunächst als lokaler Ausbruch und relativ schnell als Epidemie eingestuften Ereignisses mussten daher zunächst wesentliche Erkenntnisse über die Krankheit gewonnen werden. Dies betraf den krankmachenden Auslöser ebenso wie grundlegende Kennzahlen, die die Gefährlichkeit einer Krankheit bestimmen, und die Fakten, die die Verbreitung und mögliche Maßnahmen dagegen betreffen. Gleichzeitig mit dem grundsätzlichen Problem, zunächst herauszufinden, worum es sich handelt (siehe Entdeckungsgeschichte des SARS-CoV-2), erschwerten die rasante räumliche Ausbreitung und weitere Merkmale der Krankheit die Erhebung von genügend genauen Daten, um Verbreitung, Ausdehnung und Gefährlichkeit wissenschaftlich exakt zu bestimmen (siehe unten den Abschnitt Statistische Schätzungen und Simulationsstudien). Gemeint sind die gleichartigen Symptome der neuen Krankheit COVID-19 und der verschiedenen Formen von Virusgrippen: Husten, Atembeschwerden und Fieberanstieg (siehe Klinische Erscheinungen bei COVID-19). Ein besonderes Problem stellt die anscheinend hohe Infektiosität bereits in der Inkubationszeit vor dem Auftreten dieser oder anderer Symptome dar.

Zu Beginn gingen die örtlichen Behörden nicht von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen aus, der direkten Infektion, da dies bei einem Erreger, der aus dem Tierreich auf den Menschen übergeht, einer Zoonose, eher die Ausnahme ist und man meinte, zunächst keine solchen Fälle identifiziert zu haben.[4] Nachdem der Erreger als neuartige Unterart der Virenspezies Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus (kurz SARSr-CoV) identifiziert worden war,[5] gingen die Seuchenbekämpfer von ähnlichen Bedingungen aus wie bei der bereits zuvor bekannten Krankheit schweres akutes Atemwegssyndrom, ausgelöst durch das bis dato als SARS-CoV bekannte und später dann in Abgrenzung vom neu entdeckten Virus oft als SARS-CoV-1 bezeichnete[6] Virus und der davon ausgelösten SARS-Pandemie 2002/2003. Wie sich später herausstellte, waren diese Annahmen falsch, insbesondere, was die Mensch-zu-Mensch-Übertragung und Verbreitung der Krankheit durch Träger ohne oder nur mit sehr leichten Symptomen betraf.

Im Verlauf des Februars 2020 zeigte sich, dass COVID-19 deutlich leichter als SARS übertragen wird, dass viele Infizierte keine Symptome aufweisen und dass asymptomatisch Infizierte, also Infizierte gänzlich ohne, oder ohne deutliche oder zeitlich noch nicht ausgeprägte Symptome, ansteckend sein können. Es wurde von Fällen berichtet, in denen Menschen andere Familienmitglieder angesteckt hatten, ohne dass sie selbst Symptome zeigten.[7][8] Als auch Mitte März 2020 noch nicht ganz klar war, welche Rolle diese stillen Träger in der Pandemie genau einnehmen, wurde bekannt, dass rund ein Drittel der positiv getestet Infizierten wohl asymptomatisch sind und einen relevanten Teil der Infektionen verursachen.[9] Hinzu kam in den ersten Wochen des Seuchenzuges die Überforderung der Behörden in Wuhan, die zu einer derart hohen Dunkelziffer in dieser Region führte, „dass die gezählten Fälle dort nicht sehr aussagekräftig sind“, so der Epidemiologe René Niehus.[10]

Gefährlichkeit der Krankheit

Zur Einschätzung der Gefahr durch eine Epi- bzw. Pandemie werden unterschiedliche Faktoren betrachtet: Zu unterscheiden ist, ob eine Krankheit individuell für eine bestimmte Person, für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, für die Bevölkerung eines Staates, eine Region oder für die gesamte Welt eine Gefahr darstellt. Die WHO benannte deshalb in ihren täglichen Berichten die Gefährdungslage getrennt für China, Regional Level und Global Level (Stand 26. Februar 2020).[11] Die wichtigsten Kenndaten einer Epidemie sind die Übertragungsrate, die Ausbreitungsdynamik (zeitlich und räumlich), der Anteil schwerer Verläufe, die Letalität sowie die Inkubationszeit. Einige dieser Daten lassen sich erst im Nachhinein ermitteln, siehe den Abschnitt Probleme der Interpretation im Artikel Letalität. Andere werden maßgeblich durch menschliches Verhalten bestimmt und sind daher sehr variabel. Dies trifft insbesondere auf die räumliche Ausbreitung und die Basisreproduktionszahl zu, die durch individuelle Faktoren wie Reiseverhalten, Kommunikations- und Kontaktarten sowie Hygieneverhalten stark beeinflusst werden.

Die WHO fasste am 19. Februar 2020 die bis dahin wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse (teilweise auf Abschätzungen durch Modellrechnungen beruhend) zusammen:[12]

  • Zeit zwischen Infektion und Auftreten der Symptome (Inkubationszeit): 5–6 Tage (in Einzelfällen bis 14 Tage)
  • Zeit zwischen „Fall 1“ und dem davon angesteckten „Fall 2“ in einer Übertragungskette (Serielles Intervall): rund 5–7 Tage
  • Letalität: war nicht gesichert bekannt. Die WHO unterscheidet zwischen zwei Berechnungsformen. Zum einen ist dies das Verhältnis der Anzahl der Fälle einer bestimmten Krankheit mit tödlichem Verlauf in einem bestimmten Zeitraum zu der Anzahl der bestätigten Fälle im gleichen Zeitraum, die confirmed case fatality ratio. Zum anderen ist dies der Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten, die IFR für infection fatality ratio. Für beide Varianten sind während einer dynamisch sich ausbreitenden Erkrankungswelle mit mutmaßlich hohen Dunkelziffern nur begrenzt verlässliche Aussagen möglich. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Person unabhängig von individuellen Merkmalen stirbt, die IFR, wird von der WHO mit 0,3–1 % angegeben, eine von der WHO zitierte Arbeit vom Februar 2020 benennt als vorläufige Schätzung 0,4–2,6 %, wobei der wahrscheinlichste Wert mit 0,94 % angegeben wurde.[13]

Weitere grundlegende Erkenntnisse (vergleiche Hauptartikel zur Krankheit) waren:

  • Schwere Krankheitsverläufe, insbesondere solche, bei denen die Lunge betroffen ist, haben oft langfristige Schäden zur Folge. Bekannt sind neben Schäden der Lunge auch solche des Herzmuskels. Auch vermeintlich harmlose Krankheitsverläufe können sehr ausgeprägte Veränderungen in der Lunge hervorrufen, von denen – Stand März 2020 – nicht bekannt ist, ob sie sich zurückbilden.[14][15]
  • Die Zahl der Menschen, die von einem Infizierten angesteckt werden (Basisreproduktionszahl), lag nach einer Metastudie von zwölf Arbeiten bis zum 7. Februar 2020 bei 3,28 (arithmetisches Mittel) bzw. 2,79 (Median), also bei rund drei Personen.
  • Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt es insbesondere bei den Fällen mit schweren Komplikationen und tödlichem Verlauf, auch wenn alle infiziert werden können.
  • Die Übertragung erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektion, auch die Ansteckung über Aerosole – eine Unterform der Tröpfcheninfektion – kommt in Frage. Es ist nicht erwiesen, dass die Übertragung auch durch das Berühren kontaminierter Oberflächen und Gegenstände (Schmierinfektion) stattfindet; es wird aber von offizieller Seite davor gewarnt.[16]
  • Von hoher Unsicherheit behaftet war Ende Februar 2020 die Frage der Pathogenität, d. h., wie hoch der Anteil der Menschen mit (schweren) Symptomen an der Gesamtzahl der Infizierten ist. Dazu fehlen, wie der oben zitierte WHO-Report – 29 anführt, Reihenuntersuchungen, die den wahren Anteil an Infizierten in der Bevölkerung bestimmen. Insbesondere die im nichtchinesischen Ausland untersuchten Cluster deuten aber auf eine insgesamt geringe Pathogenität im Vergleich zu SARS hin.
  • Ebenso unsicher ist die Infektiosität, also wie wahrscheinlich eine Ansteckung im Falle einer Exposition gegenüber dem Virus ist. Diese Infektiosität ist nur zum Teil durch das Virus selbst bestimmt (seine Kontagiosität), aber auch dadurch, wie gesund die exponierte Person ist, wie gut ihr Immunsystem auf das Virus reagiert, sowie dadurch, wie vielen Viren die Person ausgesetzt ist und wie lange dies geschieht. Grobe Schätzungen gehen von einer deutlich höheren Infektiosität als bei SARS aus, aber kleiner als beispielsweise bei Masern.[17]

Mitte Februar wurde eine chinesische Studie veröffentlicht, in der 44.672 bestätigte COVID-19-Fälle untersucht wurden. 81 % der Patienten hatten milde Formen von COVID-19. In etwa 14 % der Fälle verursachte das Virus schwere Krankheitsverläufe mit Lungenentzündung und Dyspnoe. Etwa fünf Prozent der Patienten erlebten Atemstillstand, einen septischen Schock oder Multiorganversagen. In etwa zwei Prozent der Fälle verlief die Krankheit tödlich.[18] Der Studie zufolge erhöht sich das Risiko zu sterben mit dem Alter. Der WHO zufolge gibt es relativ wenige Fälle von erkrankten Kindern.[19] Bei einem leichten Krankheitsverlauf (dem häufigsten Fall) klingen die Krankheitszeichen, sofern überhaupt welche bestehen, laut WHO in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab.[20] Bei Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf dauert es zwischen drei und sechs Wochen, bis sie sich von der Krankheit erholen.[20]

Risikogruppen

Die Untersuchungen dazu, welche Bevölkerungsanteile besondere Risiken für eine Infektion, eine Erkrankung oder einen schweren Krankheitsverlauf haben, sind nicht abgeschlossen und müssen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen separat durchgeführt werden. Die Süddeutsche Zeitung fasste Ende März 2020 die Erklärungsversuche für die Unterschiede in den Zahlen für verschiedene Bevölkerungsanteile so zusammen, dass es bis zu dem Zeitpunkt zu wenige Untersuchungen an ausreichend großen Patientengruppen gegeben habe, um die Hypothesen zu belegen.[21] Dennoch lassen diese Unterschiede in den Statistiken erkennen, dass Vorerkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, hoher Blutdruck oder Krebs, das Risiko schwerer Verläufe erhöhen. Nach Angaben des RKI sind nicht nur Ältere und Vorerkrankte, sondern auch Raucher Risikogruppen für einen schweren Verlauf.[22][23] Des Weiteren können auch junge Menschen zu der Risikogruppe zählen, z. B. bei hohem Body-Mass-Index oder koronarer Herzerkrankung.[24]

Stand 9. April waren laut WHO 95 % aller in Europa gemeldeten Todesfälle der Altersgruppe über 60 zuzuordnen. Mehr als 50 % dieser Verstorbenen waren über 80 Jahre alt.[25] In Moskau und in einigen Schweizer Kantonen wurden eigens auf Senioren zugeschnittene Maßnahmen angeordnet. Eine Untersuchung von Verstorbenen mit positivem COVID-19-Befund in Italien (Stand: 17. März 2020) ergab, dass lediglich 0,8 % dieser Personen keine Vorerkrankung hatten, während 25,1 % eine und 25,6 % zwei Vorerkrankungen hatten. Drei oder mehr Vorerkrankungen wurden bei 48,5 % der Fälle festgestellt.[26]

Vergleich mit Influenza (Grippe)

Die von der WHO zitierte Studie von Mike Famulare vom Institute for Disease Modeling[27] entwarf mittels eines Rahmenkonzepts zur Bewertung von Influenza-Epidemien und -Pandemien[28] eine Skala für die Übertragbarkeit und den klinischen Schweregrad von COVID-19. Demnach ist COVID-19 genauso leicht übertragbar wie die Spanische Grippe, aber eine Stufe geringer im klinischen Schweregrad und somit insgesamt eine Stufe weniger schwerwiegend als diese, aber zwei Stufen schwerwiegender als die Asiatische Grippe und die Hongkong-Grippe. Inzwischen geht man auch im klinischen Schweregrad von einer möglichen Gleichwertigkeit aus.[13][29] Ein pauschaler Vergleich zwischen COVID-19 und der Influenza ist nicht möglich, denn das Influenzavirus ist extrem wandelbar und jede Grippewelle, jede Grippesaison unterscheidet sich maßgeblich in ihren grundlegenden Werten. Da Coronaviren ebenfalls wandelbar sind – wenn auch nicht so stark wie Grippeviren –, ist dies auch für COVID-19 anzunehmen, sollte das Virus endemisch werden. Dies ist der Fall, wenn es nicht wie bei SARS ausgemerzt oder wie MERS stark eingedämmt werden kann.[30]

Der in den deutschen Medien mehrfach mit der Aussage „fünfmal gefährlicher als Grippe“[31] zitierte Virologe Alexander S. Kekulé bezog seinen Vergleich daher ausdrücklich auf die saisonale, aktuell leichte Grippe.[32] Lothar H. Wieler, Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI), gab in einer Pressekonferenz am 27. Februar 2020 eine ähnliche Einschätzung ab. Er verglich dabei die Prozentzahlen der Todesfälle unter den Infizierten für eine leichte Grippesaison mit einer Letalität von 0,1–0,2 % mit einer angenommenen Letalität von 1–2 % für die SARS-CoV-2-Epidemie.[33] Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit stufte die Situation zu COVID-19 Ende Februar 2020 im Prinzip eher als besorgniserregend ein, kam im Vergleich zur Grippe jedoch zum damaligen Zeitpunkt zu der Schlussfolgerung, dass man bei COVID-19 noch weit vom Niveau der saisonalen Influenza mit weltweit ungefähr 650.000 Toten pro Jahr entfernt gewesen sei, auch wenn sich das bald ändern könne. Er verwies auf die mangelnde Immunität der Bevölkerung bei COVID-19 im Gegensatz zur normalen, saisonalen Grippe sowie fehlende Impfmöglichkeiten.[34]

Genesung und Immunität

Da das Virus als Zoonose erstmals auf den Menschen übersprang, hatte die Bevölkerung keine adaptive Immunität, d. h. keine durch früheren Kontakt mit dem Erreger oder Impfung erworbene Immunität.[35] Auch eine Kreuzimmunität auf Grund von sehr ähnlichen, schon zirkulierenden Erregern ist nicht bekannt[36] bzw. dürfte nicht vorhanden sein.[37] Für die Entwicklung einer Epidemie in der Gesamtbevölkerung ist hauptsächlich die Herdenimmunität wichtig. Diese entwickelt sich mit der Zunahme des immunisierten Bevölkerungsteils und bremst die Ausbreitung, indem die Nettoreproduktionszahl unter 1 gedrückt wird und die Weiterverbreitung rückläufig wird, bis sie schließlich zum Stillstand kommt. Für COVID-19 wird der Bevölkerungsanteil der immun gewordenen Menschen, bei dem eine Herdenimmunität eintritt, auf rund 60 bis 70 % geschätzt.[38][39] Dies zu erreichen, ist aber in absehbarer Zeit laut dem Immunologen Michael Meyer-Hermann nicht möglich, ohne dass das Gesundheitssystem zusammenbricht.[40]

Vergleiche mit anderen Coronaviren ließen die meisten Forscher annehmen, dass Menschen nach Durchleben von COVID-19 bzw. einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine Immunität erwerben; jedoch müssen diese Annahmen noch wissenschaftlich bewiesen werden. Nach Studien über die vier bereits bekannten endemischen Coronaviren, die Erkältungen verursachen, ist die Immunität nur kurzlebig und selbst Menschen mit hohen Antikörperkonzentrationen im Blut können weiterhin mit Viren dieser Familie infiziert werden. Für die beiden Coronaviren SARS-CoV-1 und MERS-CoV, welche die bisherigen Epidemien auslösten, sind die Beweise wegen mangelnder Daten jedoch unklar. Nach bisher unveröffentlichten Daten konnten für das vor COVID-19 bereits bekannte Coronavirus SARS-CoV-1 noch 15 Jahre nach der Infektion Antikörper im Blut nachgewiesen werden.[41]

In Deutschland gelten Infizierte frühestens zehn Tage nach Beginn ihrer Symptome als genesen, zudem dürfen sie 48 Stunden lang kein Fieber gehabt haben, seit mehr als 24 Stunden keine weiteren Symptome mehr verspüren und zwei im Abstand von mindestens 24 Stunden genommene Abstriche aus dem Nasenrachenraum müssen virenfrei sein.[42] Die frühe Entlassungspraxis in China und in anderen Einzelfällen ist insbesondere für die Frage des Rückfallrisikos problematisch, da einige Personen später erneut positiv auf das Virus getestet wurden und somit die Frage aufgeworfen wurde, ob eine mehrfache Ansteckung möglich sei. Die vermeintlich doppelt Erkrankten wurden jedoch wahrscheinlich nur zu früh aus dem Krankenhaus entlassen.[43]

Vorbeugung

 
Stark vereinfachtes Modell zur „Abflachung der Pandemiewelle“: ohne Schutzmaßnahmen rasche Zunahme der Erkrankten und Überlastung des Gesundheitssystems (rot); durch Schutzmaßnahmen langsamere Ausbreitung, weniger gleichzeitig Erkrankte, so dass alle Patienten versorgt werden können (gelb)

Die gesellschaftliche Vorbeugung hat zum Ziel, die Ausbreitung einer Seuche möglichst zu stoppen oder zu verlangsamen. Die Ausbreitung einer Seuche ist neben den Eigenschaften des Virus (siehe Abschnitt Gefährlichkeit der Krankheit) maßgeblich durch das Sozialverhalten der Menschen gekennzeichnet. Daher sind Hygienemaßnahmen, Früherkennung und das Management von Kontaktpersonen (Ermittlung und beispielsweise häusliche Isolierung oder eine Quarantäne) erste Maßnahmen, die eine weitere Verbreitung des Virus verhindern oder verlangsamen sollen.[44]

Bei einer weiteren Verbreitung werden verschiedenste Maßnahmen getroffen, die alle das Social Distancing (deutsch Räumliche Distanzierung), also die Erhöhung des sozialen Abstands, die Kontaktreduzierung und physischen Abstand zum Ziel haben. Der Grund dafür ist, dass die soziale Nähe (Anzahl und Art der Treffen, Umgangsformen und physischer Abstand) bei Erregern, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, maßgeblich die Basisreproduktionszahl bestimmt, also die Zahl, die angibt, wie viele Menschen eine infektiöse Person im Durchschnitt ansteckt.[45] Wenn ein Erreger endemisch wird und er somit nicht mehr als eindämmbar und ausmerzbar gilt, ändern sich die Vorsorgeziele von „Bekämpfung der Ausbreitung“ in Richtung „Verlangsamung der Ausbreitung und Gesundheitsvorsorge“. Oberstes Ziel ist in dieser Phase „das gleichzeitige Erkranken extrem vieler behandlungsbedürftiger Personen und die damit drohende Überlastung der medizinischen Infrastruktur zu vermeiden“.[46]

Ursprung und Verlauf der Pandemie

Ursprung

Das auslösende Virus stammt vermutlich aus dem Tierreich (Zoonose), wobei das Erregerreservoir bislang nicht vollständig klar ist. Zunächst wurde vermutet, das Virus stamme von Fledermäusen, von denen das Virus über einen Zwischenwirt, wahrscheinlich ein weiteres Säugetier, auf den Menschen überging.[47][48] Ende März 2020 wurde vermutet, dass das Virus ebenso wahrscheinlich vom Schuppentier stammt. Schließlich wird vermutet, dass es bei einer Doppelinfektion zu einer Rekombination gekommen ist und das Virus SARS-CoV-2 eine neue Chimäre ist, die aus einem Virus, das dem aus Fledermäusen isolierten Virus ähnelt, und einem Virus, das dem aus Schuppentieren isolierten Virus ähnelt, entstand.[49]

Erste bekannt gewordene menschliche Erkrankungsfälle gab es im Dezember 2019.[50] Da mehrere der zuerst Infizierten auf dem „Wuhan Huanan Großhandelsmarkt für Fische und Meeresfrüchte“ (chinesisch 武汉华南海鲜批发市场, Pinyin Wǔhàn huánán hǎixiān pīfā shìchǎng) als Verkäufer oder Händler arbeiteten, wurde dort der primäre Infektionsort vermutet.[51] Auf dem wet market wurden neben Meerestieren auch viele andere Wildtiere, die in der chinesischen Küche und der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden, gehandelt.[52] Später wurde nach einer Studie des Wuhan Hospitals bekannt, dass der erste identifizierte Patient nicht auf diesem Markt gewesen war.[49] Am 31. Dezember 2019 sandte die chinesische Gesundheitsbehörde ein Team zur Untersuchung der unklaren Fälle nach Wuhan.[53] Die Behörden und die WHO gingen anfänglich davon aus, dass der Erreger der Infektion nicht oder nur sehr schwer von Mensch zu Mensch übertragbar sei.

Die Forschung über Zeitpunkt und Ort des Ausbruchs ist noch im Gange:

  • Am 31. Dezember 2019 informierten das medizinische Informationssystem HealthMap sowie die kanadische Firma BlueDot in den Vereinigten Staaten die WHO und die CDC über einen auffälligen Anstieg von Berichten über Lungenentzündungen (Pneumonien) unklarer Genese in der Region um Wuhan.[54][55]
  • Ein Artikel der Zeitschrift Science fasste Ende Januar 2020 die Forschungsergebnisse mehrerer Gruppen zur genetischen Mutation und Herkunft zusammen. Demnach schätzten mehrere Gruppen den Beginn der Verbreitung auf Mitte November 2019, eine Gruppe sogar auf den 18. September 2019.[56]
  • Laut einem Bericht der South China Morning Post von März 2020 zeigen Regierungsunterlagen, dass der erste Patient, dessen Proben nachträglich COVID-19 zuzuordnen sind, sich am 17. November 2019 infiziert haben könnte. Ab diesem Zeitpunkt seien täglich zwischen einem und fünf Fällen registriert worden. Keiner der frühen Fälle wird als „Patient null“ betrachtet. Bis zum 15. Dezember seien dem Bericht zufolge 27 Personen infiziert gewesen, am 17. Dezember seien erstmals zweistellige Neuinfektionen aufgetreten. Am 27. Dezember seien mehr als 180 Menschen infiziert gewesen, bis Jahresende mindestens 266 Personen. Zum Jahresbeginn habe es 381 Infektionen gegeben, ohne dass diese zum damaligen Zeitpunkt unklaren Fälle an die Öffentlichkeit weitergegeben wurden.[57]
  • Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 8. Mai 2020 berichtet von Forschungsergebnissen, die mit Hilfe einer phylogenetischen Analyse[58] den Ausbruch mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % auf den Zeitraum zwischen dem 13. September und dem 7. Dezember 2019 eingrenzen.[59] Als mögliche Orte des Ausbruchsgeschehens werden in dem Artikel die chinesischen Provinzen Yunnan und Guangdong genannt.

Weltweite Ausbreitung in der Anfangszeit


 
Weltweite Entwicklung der Infektionen mit SARS-CoV-2 nach Staaten
im Zeitraum vom 12. Januar 2020 bis zum 29. Februar 2020

Asien

Volksrepublik China
Dezember 2019

Die lokale Gesundheitsbehörde war spätestens am 27. Dezember über den Befund eines SARS-ähnlichen Erregers informiert. China hatte nach den Erfahrungen der SARS-Pandemie ein Frühwarnsystem eingeführt, das sicherstellen sollte, dass Seucheninformationen unabhängig von politischen Erwägungen unverzüglich an das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention weitergeleitet werden. Im Fall des neuartigen Coronavirus geschah dies aber nicht.[60]

Am 30. Dezember warnte der chinesische Arzt Li Wenliang innerhalb einer WeChat-Gruppe mit Kollegen angesichts einer ungewöhnlichen Häufung von Lungenentzündungen (Pneumonien) im örtlichen Krankenhaus in Wuhan vor einem Virus, von dem er zu diesem Zeitpunkt ausging, dass es das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS) verursache.[61] Nachdem sich die Warnung von Li und seinen Kollegen im Internet verbreitet hatte, wurden er und mindestens sieben weitere seiner Kollegen von der örtlichen Polizei vorgeladen. Sie wurden beschuldigt, „unwahre Behauptungen gemacht“ zu haben, die die „gesellschaftliche Ordnung ernsthaft gestört“ hätten, und mussten unter Androhung harter Strafen Schweigepflichtserklärungen unterschreiben, gegen die Li Wenliang später allerdings verstieß.[62][63] Am 1. Januar 2020 berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua über die angeblichen „Falschmeldungen“ der Ärzte und bekräftigte, dass es keine Anzeichen für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung der neuen Erkrankung gebe.[64] Li Wenliang starb am 7. Februar 2020 mit 33 Jahren mutmaßlich an der Krankheit, vor der er zuvor gewarnt hatte.[65] Die Ärzte hatten aus eigener Initiative weiter an den offiziellen Kanälen vorbei Patientenproben an Analyselabors geschickt, um auf eigene Faust der Erkrankungsursache nachzugehen.[66] Sie wurden Ende Januar vom Obersten Volksgerichtshof rehabilitiert.[65]

Der chinesischen Regierung wird diesbezüglich vorgeworfen, den Ausbruch der Krankheit zunächst aktiv verschleiert und damit überhaupt erst deren ungehinderte Ausbreitung ermöglicht zu haben.[67] Obwohl das neue Virus bereits im Dezember 2019 entdeckt und sequenziert worden war, befahl die Kommunistische Partei Chinas den Forschungseinrichtungen noch im Januar, die Tests abzubrechen sowie die Proben wieder zu vernichten, und verhängte eine Pressesperre.[68][50][69]

Am 31. Dezember 2019 informierten die chinesischen Behörden offiziell die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass seit Anfang Dezember 2019 mehrere Fälle von schwerer Lungenentzündung in der Stadt Wuhan aufgetreten waren, deren Erreger bisher nicht identifiziert werden konnte und für die als Auslöser ein bislang uncharakterisierter Krankheitserreger angenommen wurde. Die Meldung wurde noch am selben Tag über die Nachrichtenagenturen verbreitet.[70] Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC erfuhr dann ebenfalls von der Pneumonie-Häufung in Wuhan. Eine Epidemiologin der CDC, die zuvor eingebettet bei der chinesischen Gesundheitsbehörde gearbeitet hatte und deren Aufgabe es auch gewesen wäre, frühzeitig Informationen über potentiell gefährliche Ausbrüche weiterzugeben, war im Juli von der US-Regierung abberufen und die Position nicht neu besetzt worden.[71]

Zwischen dem 31. Dezember 2019 und dem 3. Januar 2020 wurden der WHO insgesamt 44 Fälle von Pneumonien mit unbekannter Ursache aus Wuhan gemeldet.

Jahr 2020
 
Arzt im Schutzanzug bei der Befragung von Patienten im Krankenhaus von Wuhan im Januar 2020

Der Fischmarkt in Wuhan wurde am 1. Januar 2020 durch die örtlichen Behörden geschlossen und desinfiziert.[52] Am 5. Januar 2020 schloss das Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention aufgrund von Untersuchungsergebnissen MERS-CoV und SARS-CoV als Erreger aus.[72] Am 7. Januar 2020 wurde von chinesischer Seite die Identifizierung eines neuartigen Coronavirus bei mehreren Erkrankten bekanntgegeben. Das Virus erhielt die provisorische Bezeichnung 2019-nCoV (2019 neuartiges Coronavirus).[52] Am 13. Januar 2020 gab das Gesundheitsministerium Thailands bekannt, dass das neue Virus in Thailand nachgewiesen wurde, bei einer Reisenden aus Wuhan. Am 15. Januar wurde ein analoger Fall aus Japan bekannt und am 20. Januar ein Fall aus Südkorea.[52]

Aus dem Umstand, dass Erkrankungsfälle bei mehreren Fernreisenden aufgetreten waren, schlossen Epidemiologen, dass die Zahl der Erkrankungsfälle weit größer sein müsse als die anfänglich gemeldeten 44 Fälle. Experten schätzten am 17. Januar 2020 die Zahl der in Wuhan infizierten Personen auf etwa 1.700.[73] Dadurch, dass mehrere Angehörige des Krankenhauspersonals, das mit der Behandlung der Erkrankten befasst war, ebenfalls erkrankten, wurde deutlich, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich ist. Dies wurde am 20. Januar 2020 durch die chinesischen Behörden bestätigt.[74]

Noch am 18. Januar versammelten sich knapp 40.000 Familien in Wuhan ungehindert für Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest (Potluck). Es wird vermutet, dass es hierbei zu einer besonders großen Zahl an Infektionen kam.[75]

Derweil hatte die Krankheit auch Beijing erreicht, wo Infizierte seit dem 20. Januar in bestimmten Krankenhäusern konzentriert wurden.[76]

 
Personenkontrolle an der Stadtgrenze von Xi’an in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi, Ende Januar 2020

Bis einschließlich 26. Januar 2020 waren offiziellen chinesischen Angaben zufolge in China 2.744 infizierte Personen registriert worden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg auf 80 (alle in China).[77] Am 26. Januar 2020 wurde die Provinz Hubei inklusive der Stadt Wuhan vom deutschen Robert Koch-Institut als erstes Risikogebiet in China eingestuft.

Am 27. Januar 2020 meldete das chinesische Staatsfernsehen einen Anstieg um 1.200 Erkrankungen, wodurch die Gesamtzahl der in China gemeldeten Fälle auf etwa 4.000 stieg; eine Abweichung von 500 gegenüber den Zahlen der WHO.[78]

Anfang Februar schien die Zahl der Neuinfektionen in China zunächst zu sinken. Das deutsche Robert Koch-Institut erklärte am 7. Februar 2020, dass die chinesischen Risikogebiete ausgeweitet und vier Großstädte (Wenzhou, Hangzhou, Ningbo und Taizhou) in der Provinz Zhejiang in Küstennähe im Osten Chinas ins bisherige Risikogebiet eingeschlossen würden. Am 13. Februar änderten die chinesischen Behörden die Meldekriterien und es wurden, abweichend von den Vorgaben der WHO, auch klinisch diagnostizierte Fälle ohne Virusnachweis erfasst. Dies ergab allein für Hubei mit 14.000 neuen Fällen die höchste Zahl an gemeldeten Neuinfektionen.[79][80] Diese Änderung wurde am 20. Februar wieder zurückgenommen; die Meldekriterien entsprechen seither wieder den Vorgaben der WHO. Am 14. Februar 2020 gab die Nationale Gesundheitskommission bekannt, dass zum Berichtstag 1.716 Mitarbeiter des Gesundheitswesens infiziert seien. Sechs davon wurden als verstorben gemeldet.[81] Bis zum 20. Februar 2020 gab es 2.055 laborbestätigte Infektionen bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens, 88 % davon in der Provinz Hubei, in insgesamt 476 chinesischen Kliniken.[82]

Am 18. Februar 2020 lag die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in China unter 2.000, am 20. Februar sank sie unter 1.000, und laut WHO-Bericht vom 26. Februar 2020 gab es erstmals mehr Neuinfektionen außerhalb Chinas (460) als innerhalb (410).[11] Die von der WHO vom 16. bis 24. Februar 2020 mit China durchgeführte gemeinschaftliche Mission (englisch WHO-China joint mission) kam zu dem Ergebnis, dass die in China durchgeführten radikalen Maßnahmen geeignet waren, das Virus einzudämmen und seit Ende Februar 2020 die Anzahl der Neuinfizierten deutlich zu senken. Dies wurde durch intensive Nachverfolgung von Infizierten und ihren Kontaktpersonen erreicht. Auch die Einschränkungen von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen durch Absage zahlreicher Großveranstaltungen sowie die Verlängerung der Ferien anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes dienten diesem Zweck. Als extreme Maßnahme galt die Abriegelung der Stadt Wuhan, mit der die gesamte Bevölkerung in häusliche Quarantäne versetzt wurde[82][83] (siehe Abschnitt Maßnahmen in China im Artikel COVID-19-Pandemie in der Volksrepublik China).

In seiner Rede am 9. März 2020 erklärte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass mehr als 70 % der etwa 80.000 Infektionsfälle mittlerweile genesen seien und die Kliniken verlassen hätten.[84] Die Zahl der Neuinfektionen in China lag an diesem Tag bei 45.[11]

In dem Bericht der WHO-Mission, für den im Februar Wissenschaftler aus acht Ländern neun Tage im Land unterwegs waren, heißt es, China habe „die womöglich ambitionierteste, agilste und aggressivste Anstrengung zur Krankheitseindämmung in der Menschheitsgeschichte“ unternommen.[85][86][87]

Indien

Am 24. März 2020 erließ die Regierung Indiens eine 21-tägige Ausgangssperre für die gesamte Bevölkerung, da es trotz vergleichsweise weniger Tests offiziell mehr als 500 Corona-Fälle gab.[88][89] Narendra Modi, der derzeitige Premierminister Indiens, ordnete besonders strenge Maßnahmen an. Regierungsstellen, Büros, Einkaufszentren und öffentliche Verkehrsmittel sind stillgelegt – diese Maßnahme trat nur vier Stunden nach Bekanntgabe in Kraft, was dazu führte, dass die Bevölkerung kaum Vorbereitungszeit hatte und die Versorgung mit Lebensmitteln aufgrund von extremen Hamsterkäufen teilweise nicht mehr gewährleistet war.[90] Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation sind in Indien 80,9 Prozent der Arbeitskräfte im informellen Sektor beschäftigt – ohne Verträge, Lohnfortzahlung oder Versicherung. Jeder verstrichene Tag ohne Arbeit bedeutet für sie einen Tag ohne Einkommen. Hinzu kommt, dass viele kaum Rücklagen haben.[91][92]

Iran
 
Pressekonferenz vom 24. Februar 2020, links Minister Iraj Harirchi

Am 20. Februar 2020 meldete der Iran den Nachweis des Virus bei zwei Todesfällen.[11] Da bei den an die Weltgesundheitsorganisation gemeldeten Zahlen für den Iran die Zahl der Todesfälle in Relation zur Zahl der Infizierten überdurchschnittlich hoch war, wird in Presseberichten eine hohe Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht gemeldeter Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutet.[93][94] Experten drückten ihre Besorgnis aus, dass Iran nicht über die erforderlichen Ressourcen verfüge, die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, sollten die Fallzahlen stark steigen.[95] Reisende mit Aufenthalt im Iran waren bis Anfang März 2020 die Ursache für Infektionen in mehreren Ländern im Nahen und Mittleren Osten, beispielsweise Afghanistan, Bahrain, Irak, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten.[96]

Am 25. Februar 2020 wurde bekannt, dass der stellvertretende iranische Minister für Gesundheit Iraj Harirchi, der tags zuvor bestritten hatte, das Ausmaß des Ausbruchs zu vertuschen, positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden war.[97] Vom 2. bis 10. März war ein Team der Weltgesundheitsorganisation vor Ort, um bei der Bekämpfung des COVID-19-Ausbruchs zu helfen,[96][98] dabei wurde angemahnt, dass die Mitarbeiter im Gesundheitssystem besser geschützt werden müssten.[98] Am 4. März 2020 erklärte der Generalstaatsanwalt des Landes, das Horten von Atemschutzmasken und anderen Vorräten sei mit der Todesstrafe belegt worden.[94]

Laut WHO-Bericht vom 23. März 2020 lag die offizielle Zahl der Todesfälle bei 1.685, bei insgesamt 21.638 Infektionsfällen. Den höchsten Stand an täglichen Neuinfektionen erreichte man am 30. März mit 3.186 Fällen, danach sank die Zahl kontinuierlich, so dass am 8. April erstmals seit dem 24. März wieder unter 2.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet werden konnten. Die Gesamt-Todeszahl übertraf bereits am 4. April die von China und war ab diesem Tag nur noch in fünf anderen Ländern der Welt höher. Auch bei der Zahl der Infizierten gehört der Iran weiterhin zu den am schwersten betroffenen Staaten. Auf dem Stand vom 10. April 2020 meldeten nur sieben andere Länder mehr Infektionen.[11] Am 25. Mai 2020 meldete die WHO 135.701 Infizierte und 7.417 Todesfälle.[99]

Türkei

Die Türkei war vergleichsweise lange Zeit nicht von der COVID-19-Pandemie betroffen. Präventiv wurden am 24. Januar 2020 an den internationalen Flughäfen Wärmebildkameras installiert und bei Reisenden aus China Tests durchgeführt, später wurden alle Passagiere kontrolliert. Am 11. März 2020 gab der Gesundheitsminister Fahrettin Koca bekannt, dass ein Mann, der sich unter anderem in Italien und Deutschland aufgehalten hatte, positiv auf das Virus getestet worden sei. Am 12. März fand unter der Leitung des Staatspräsidenten eine Sondersitzung statt. Daraufhin wurde bekannt gegeben, dass sämtliche Schulen geschlossen werden und ab dem 23. März der Fernunterricht an den Schulen beginnt. Das Staatsfernsehen TRT hat mit Lehrpersonen Programme entwickelt. Der Unterricht wird über drei speziell dafür eingerichtete Fernsehsender (EBA – Eğitim Bilişim Ağı) und eine Internetseite erfolgen. Weiter wurden in einem ersten Schritt Flüge in mehrere EU-Länder verboten, später folgten die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Saudi-Arabien. Am 16. März 2020 wurden alle Geschäfte geschlossen, die nicht der Grundversorgung dienen. Am 22. März 2020 waren laut Gesundheitsministerium bereits 1.236 Menschen infiziert und 21 gestorben.[100][101][102] Am 31. März sollen es laut Gesundheitsminister Fahrettin Koca 13.531 Infizierte und 214 Gestorbene gewesen sein.[103] Am 10. April meldete die Türkei als elftes Land weltweit den 1.000. Todesfall. Die Zahl der Infizierten betrug nun 47.029 und war damit achtmal höher als zwei Wochen zuvor, wo sie noch mit 5.698 angegeben wurde.[11] Am 25. Mai 2020 meldete die WHO 156.827 Infizierte und 4.340 Todesfälle.[104]

Vorderasien, Naher Osten

In Vorderasien bzw. im Nahen Osten meldeten am 22. Februar 2020 jeweils Israel und der Libanon ihren ersten Erkrankungsfall.[105] Am 24. Februar bestätigten Kuwait (3), Bahrain (1), Afghanistan und der Irak (1) die ersten Infektionsfälle in ihren Ländern.[106] Bei all diesen neu gemeldeten Fällen soll es Verbindungen zum Iran gegeben haben.[95] Bei den Fällen im Libanon, in Kuwait, Bahrain, Oman, Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im Irak und in Afghanistan konnte im Nachhinein ein Zusammenhang mit Reisen in den Iran ermittelt werden.[96][107] Am 22. März 2020 gab auch Syrien offiziell seinen ersten Coronavirus-Fall bekannt.[108]

Saudi-Arabien war mit über 3.400 am 14. April 2020 gemeldeten Fällen – sowohl in der Herrscherfamilie als auch unter migrantischen Arbeitskräften – nach dem Iran, der Türkei und Israel der in der Region am meisten betroffene Staat.[109]

Besondere Sorge bereitet den Experten die mögliche Ausbreitung des Virus in Ländern mit einem unzureichenden Gesundheitssystem und überfüllten Flüchtlingslagern.[110][111][108] Im Nordwesten Syriens beispielsweise leben drei Millionen Geflüchtete unter prekären Lebensbedingungen, und Syriens Gesundheitssystem ist nach neun Jahren Bürgerkrieg weitgehend heruntergewirtschaftet.[112]

Republik China (Taiwan)

Ausgehend von der SARS-Epidemie 2004 etablierte Taiwan mit dem Nationalen Gesundheitskommandozentrum eine zentrale Einrichtung zur Steuerung der Reaktion auf einen erneuten Krankheitsausbruch. Am 31. Dezember 2019, an dem Tag, als die VR China der WHO eine Häufung von Pneumonien meldete, begannen die taiwanesischen Behörden mit Fiebermessungen und Befragungen bei allen Flugreisenden aus der Volksrepublik. Bis zum 24. Februar 2020 beschloss das Gremium 124 Einzelmaßnahmen, von der Regelung der Quarantäne, der proaktiven Suche nach Infizierten, Regelungen für Schulen und Bildungseinrichtungen sowie der Kontrolle von See- und Luftgrenzen. Die Produktion von Schutzmasken wurde unter Heranziehung von Soldaten gesteigert. Am 20. Januar 2020 gab die taiwanische Gesundheitsbehörde (Taiwan CDC) bekannt, über einen Vorrat von 44 Millionen OP-Masken und 1,9 Millionen N95-Masken zu verfügen (bei rund 23,5 Millionen Einwohnern). Die Zahl bereitstehender Isolationszimmer mit Unterdrucksystem wurde mit 1.100 angegeben. Taiwan fasste Reise- und Kranken- sowie Sozialversicherungsdaten zusammen, um die Gefährdung von individuellen Personen zu errechnen. Aufgrund dieser Daten wurde ein Echtzeitalarm an die betreffenden Personen per Mobilfunk verschickt. Dieser ermöglichte erst die Einreise. Bei unauffälliger Datenlage wurden die Personen durchgewunken. Bei Verdachtsfällen aufgrund der Reisedaten wurden die betreffenden Personen unverzüglich für die Dauer der Inkubationszeit in häusliche Quarantäne überführt. Die Einhaltung der Quarantäne wurde über das Mobiltelefon über dasselbe Programm überwacht.[113]

Anfang März 2020 zeigte sich, dass die Eindämmung des SARS-CoV-2 in Taiwan mit diesen Maßnahmen überaus erfolgreich verlief, obwohl Taiwan auf Druck Chinas offiziell von der WHO nicht mit Informationen versorgt und von der Zusammenarbeit fast vollständig ausgeschlossen wurde.[114]

Südkorea

Mitte Februar 2020 wurden in Südkorea die ersten Fälle festgestellt, bei denen sich nicht klären ließ, wo sie sich angesteckt hatten.[115] Die Zahl der bekannten Infektionsfälle bewegte sich bis zum 20. Februar 2020 bei unter 50 und stieg dann sprunghaft an. Ein erheblicher Teil konnte auf eine 61-jährige Superverbreiterin zurückgeführt werden, die innerhalb der Shincheonji-Kirche in Daegu mindestens 37 andere Anhänger infiziert hatte.[116] Sie hatte zuvor einen Virustest verweigert. Am 22. Februar 2020 wurden bereits mehr als 400 Infektionsfälle im Land gemeldet, von denen etwa die Hälfte mit der Kirchengemeinde in Daegu und einem Krankenhaus in Cheongdo in der Umgebung in Verbindung stand,[117] außerdem zwei Todesfälle.[116] Die Städte Daegu und Cheongdo wurden durch die Behörden zu „Sonderüberwachungszonen“ erklärt.[118] Am 23. Februar 2020 wurden über 600 Infektionsfälle sowie fünf Todesfälle gezählt. Präsident Moon Jae-in erklärte, dass sich das Land an einem „schwerwiegenden Wendepunkt“ befinde. Die nächsten Tage seien für die Bekämpfung der Ausbreitung der Virusinfektion entscheidend.[119] In Südkorea gibt es Apps und Webseiten, die vor Orten warnen, an denen sich Infizierte nachweislich (mit ihrem Smartphone) aufgehalten haben.[120] Zur Eindämmung der Epidemie steigerten die Gesundheitsbehörden die Testkapazität des Landes von rund 200 Ende Januar 2020 auf rund 1000 Ende Februar 2020. Vom 20. Januar bis zum 5. März wurden rund 146.000 Personen in Südkorea getestet. Nach Medienberichten wurden Anfang April 2020 täglich 400.000 Menschen getestet.[121] Das Ziel des Massentestprogramms ist die Unterbrechung der Infektionsketten durch Isolierung aller Überträger inklusive der beschwerdefreien Patienten.[122]

Südostasien
 
Hinweise zu Corona auf Tetum (Osttimor)

In Brunei wurde am 9. März ein Mann, der aus Kuala Lumpur zurückkehrte, positiv auf SARS-CoV-2 getestet.[123] Einen Monat später, am 15. April wurden 136 Infizierte, darunter ein verstorbener, gemeldet.[11]

Aus Indonesien fehlten lange Zeit Meldungen über Infizierte, was Kritiker an der Qualität der Kontrollen zweifeln ließ, bis Mitte März erste Fälle entdeckt wurden. Am 12. März wurde mit einer britischen Touristin auf Bali der erste Todesfall aus Indonesien gemeldet. Bis zu diesem Tag wurden insgesamt 34 Fälle in Indonesien registriert.[124] Am 15. März wurden 117 Infizierte und 4 Tote gemeldet.[125] Am 10. April wurde der 300. Todesfall gemeldet; die Zahl der Infizierten wurde mit 3.512 angegeben, was eine sehr hohe Sterblichkeit bedeuten würde, aber wohl weiterhin auf eine große Dunkelziffer zurückzuführen ist.[11]

Am 27. Januar wurde der erste Fall von SARS-CoV-2 in Kambodscha bei einem Chinesen, der aus Wuhan kam, registriert.[126] Am 13. Februar erreichte das Kreuzfahrtschiff Westerdam den Hafen von Sihanoukville. Bei einer US-amerikanischen Passagierin wurde kurz darauf bei der Weiterreise nach Malaysia eine Infektion mit dem Virus diagnostiziert. Seitdem durften die verbleibenden 980 Passagiere und Besatzungsmitglieder der Westerdam das Schiff nicht mehr verlassen, bis sie negativ auf das Virus getestet wurden. Da inzwischen allerdings neben der Frau noch weitere 1276 Passagiere bereits ungetestet das Schiff verlassen hatten und weitergereist waren, befürchteten Experten eine nun sehr viel schwerer eingrenzbare Verbreitung der neuartigen Coronavirus-Epidemie.[127] Bis zum 10. April 2020 wurden 120 Fälle gemeldet, Todesfälle waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.[11]

Laos und Myanmar meldeten am 24. März jeweils ihre beiden ersten SARS-CoV-2-Fälle. Auch Mitte April 2020 waren diese Länder relativ wenig betroffen: Laos meldete bis zum 15. April 19 Infizierte, Myanmar 85 Infizierte, darunter vier Tote.[11]

In Osttimor wurde am 21. März 2020 erstmals ein Fall einer SARS-CoV-2-Infektion gemeldet. Es handelte sich um einen Ausländer, der in Osttimor lebt. Er hatte leichte Symptome und wurde von den Behörden isoliert.[128]

In Singapur wurde bereits am 2. bzw. 3. Januar 2020 begonnen, alle Patienten mit Lungenkrankheiten zu identifizieren, die zuvor aus der Region Wuhan eingereist waren, und bei allen aus Wuhan ankommenden Reisenden am Flughafen die Körpertemperatur zu messen. Im Januar wurden die Alarmstufen und das Contact-Tracing schrittweise ausgebaut. Am 31. Januar 2020 wurden Einreisen aus Hubei untersagt und 700 Menschen, die vorher in Hubei gewesen waren, isoliert. Aus China kommende Einwohner mussten sich von da an zwei Wochen lang isolieren. Nach Ausrufung der Alarmstufe „DORSCON orange“ waren Lebensmittel und Güter des Grundbedarfs vielfach ausverkauft, Premier Lee Hsien Loong rief in einer Videoansprache in sozialen Netzwerken die Bevölkerung zur Ruhe auf. Es gebe reichlich Vorräte, die Stadt werde nicht abgeriegelt, und es würden auch nicht alle Bürger angewiesen, zu Hause zu bleiben, wie in China, Südkorea oder Italien geschehen.[129][130]

Bis zum 19. Februar waren 84 Infizierte in Kliniken behandelt worden, von denen 4 auf eine Intensivstation kamen.[131] Bis zum 16. März gab es 121 bestätigte COVID-19-Fälle; es waren jedoch fast ebenso viele Patienten als geheilt entlassen worden. Alle COVID-19-Fälle konnten innerhalb kürzester Zeit isoliert werden, die Kontakte wurden mit dem nach der SARS-Epidemie 17 Jahre zuvor entwickelten Contact-Tracing-Management identifiziert und unter Quarantäne gestellt. Premier Lee konnte vermelden, die Situation sei unter Kontrolle und man werde die Stadt nicht herunterfahren, so wie dies in China, Südkorea oder Italien geschehen sei. Reisende aus Deutschland wurden nicht ins Land gelassen, das Land galt als Risikofall – als einer jener Staaten, die COVID-19 zu lange nicht ernst genug genommen hätten, wie Premier Lee kritisiert: „Ein alarmierendes Level von Inaktivität hat es die Weltgesundheitsorganisation genannt. Wir hier in Singapur haben COVID-19 von Anfang an absolut ernst genommen“.[132] Auf dem Stand vom 15. April waren es 3.699 Infizierte, darunter 10 Tote.[11]

Thailand meldete am 13. Januar den ersten SARS-CoV-2-Fall außerhalb Chinas.[133] Bis 15. April 2020 stieg die Zahl der Infizierten auf 2672, darunter 46 Tote.[11]

In Vietnam wurde die ersten Fälle am 23. Januar gemeldet. Bis 15. April gab es keine Todesfälle und nur 267 Infizierte wurden bekannt.[11]

Japan

Die Zahl der Infizierten an oder von Bord der Diamond Princess im Hafen von Yokohama stieg am 24. Februar 2020 auf 691. Diese Infektionsfälle werden in den WHO-Berichten nicht Japan zugeordnet, sondern als Internationale Beförderung geführt (vergleiche den Abschnitt Tabellen).[11] Am 26. Februar ordnete das Schulamt in der Präfektur Hokkaidō an, Grund- und Mittelschulen für einige Tage zu schließen.[134] Am gleichen Tag stieg die Zahl der Infektionen in Japan auf 164.[11] Am Folgetag verkündete der Premierminister Shinzō Abe die Schließung aller Schulen in Japan bis zum April 2020;[135] für Kinder, deren berufstätige Eltern keine Betreuungsmöglichkeit hatten, waren Ausnahmen vorgesehen.[136] Mitte März waren es ca. 800 Infizierte und ein Dutzend Todesfälle, Mitte April mehr als 10.000 Infizierte und über 100 Tote, Mitte Mai mehr als 15.000 Infizierte und über 700 Tote.[11]

Europa

Deutschland
 
COVID-19-Test-Kit

Durch das Bayerische Gesundheitsministerium wurde am 28. Januar 2020 eine erste Infektion in Deutschland laborbestätigt. Ein 33-jähriger Mitarbeiter des Automobilzulieferers Webasto, der in der Unternehmenszentrale in Stockdorf arbeitete,[137] hatte sich während einer internen Schulung bei einer angereisten chinesischen Kollegin vom Unternehmensstandort Shanghai infiziert. Danach wurde bekannt, dass sich im Zusammenhang mit dem ersten bestätigten Fall 13 weitere Webasto-Mitarbeiter oder deren Angehörige infiziert hatten.[138] Bis Ende Februar wurden alle Infizierten als geheilt aus der Klinik entlassen.[139]

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte am 22. Januar 2020 erklärt, „dass nur wenige Menschen von anderen Menschen angesteckt werden können“ und dass sich das Virus nicht sehr stark auf der Welt ausbreiten würde.[140] Dies wurde vom Virologen Alexander Kekulé kritisiert, der am selben Tag erklärte, dass er „nicht ganz die Gelassenheit des Robert Koch-Instituts“ teile.[141]

Am 25. Februar 2020 wurde der erste Erkrankte in Baden-Württemberg bestätigt. Er hatte sich wahrscheinlich bei einer Italienreise in Mailand angesteckt. Kurz darauf wurde auch bei einer Person aus Nordrhein-Westfalen COVID-19 nachgewiesen.[142] Danach stieg die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stark an: Waren am 29. Februar noch 57 Personen infiziert, stieg die Zahl in der darauffolgenden Woche auf 795 Personen.[143] Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzte die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland zunächst als mäßig ein. Diese Gefährdung habe aber von Region zu Region variiert und sei in „besonders betroffenen Gebieten“, insbesondere dem Kreis Heinsberg, hoch gewesen.[144] Am 16. März 2020 gab es über 4.838 bestätigte Fälle und 12 bestätigte Todesfälle in Deutschland.[143]

Sprach zunächst das Robert Koch-Institut davon, dass „die Pandemie von selbst gestoppt [wird], wenn sich immer mehr Menschen infiziert haben und eine Immunität aufbauen“[145], so muss dennoch die Strategie offensichtlich eine „Ausrottung“ der Krankheit sein, um eine Überlastung des Gesundheitssystems sowie eine Wirtschaftskrise zu vermeiden.

Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten am 13. März 2020 appellierte Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bürger, „alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen und auf Sozialkontakte zu verzichten“.[146] In vielen Bundesländern wurden Maßnahmen beschlossen, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. So wurden beispielsweise Großveranstaltungen verboten[147] bzw. Kitas und Schulen geschlossen.[148] Nach Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums vom 13. März 2020 sollten sich „alle Reiserückkehrer aus Italien, Österreich und der Schweiz selbst in Quarantäne begeben“, das heißt symptomunabhängig „unnötige Kontakte“ vermeiden „und […] zwei Wochen zu Hause“ bleiben.[149]

Mitte März 2020 warnte das Gesundheitsministerium vor dem Gerücht, dass bald massive weitere Einschränkungen des Lebens angekündigt werden[150] und auch Ministerpräsident Markus Söder wies Gerüchte über eine Zwangsschließung von Gaststätten zurück.[151] Drei Tage später teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit, dass Gaststätten und Freizeiteinrichtungen geschlossen werden. Sie sagte auch: „Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen seien Maßnahmen nötig, die es so in Deutschland noch nicht gegeben habe.“[152]

Am 17. März veränderte das RKI die Gefährdungseinschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung und schätzte dies nunmehr als insgesamt „hoch“ ein. Die Belastung des Gesundheitswesens könne örtlich „sehr hoch“ sein.[153] Daraufhin legten zunächst einzelne Bundesländer Maßnahmen zu Ausgangsbeschränkungen fest, beispielsweise wurden in Baden-Württemberg ab dem 18. März 2020 gemäß der Corona-Verordnung der Landesregierung sämtliche Versammlungen und Veranstaltungen untersagt, Kirchen, Synagogen, Moscheen, Kultur- und Bildungseinrichtungen geschlossen[154] und das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege erließ am 20. März 2020 per Allgemeinverfügung eine „Vorläufige Ausgangsbeschränkung“ mit Wirkung vom 21. März 2020 bis zunächst 3. April 2020.[155] Unter anderem war das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen „triftiger Gründe“ erlaubt.

Am 22. März 2020 einigten sich Bund und Länder auf ein „umfassendes Kontaktverbot“, statt weitergehende Ausgangssperren zu beschließen. Zur Reduzierung sozialer Kontakte ist zum Beispiel bei Zusammentreffen im öffentlichen Raum ein Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten, die Gastronomiebetriebe werden geschlossen, hierbei ausgenommen sind Speisen und Getränke zum Mitnehmen. Auch Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege (z. B. Friseure) bleiben geschlossen. Kernpunkt des Kontaktverbotes ist, dass der Aufenthalt im öffentlichen Raum „nur alleine oder mit einer weiteren Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet“ ist.[156] Die Maßnahmen galten zunächst bis zum 19. April 2020.

Die im internationalen Vergleich geringe Sterblichkeitsrate, die flächendeckenden Testkapazitäten wie auch der rasche Ausbau von Beatmungsplätzen fanden im Frühling 2020 Anerkennung in den internationalen Medien.[157][158]

Österreich

Nach weiteren zahlreichen, meist negativen Verdachtsfällen in den Tagen vor dem 25. Februar wurden an diesem Tag erstmals zwei Krankheitsfälle in Innsbruck gemeldet. Dabei handelt es sich um zwei 24-jährige aus der Lombardei stammende Italiener, die in Innsbruck leben und einige Tage vorher aus ihrer Herkunftsregion Bergamo nach Tirol kamen.[159] Einen weiteren Fall gab es zwei Tage später in Wien, wo ein älterer Patient bereits zehn Tage im Spital auf Grippe behandelt wurde.[160] Es folgten weitere Positivdiagnosen in Wien und in anderen Bundesländern.

Am 27. Februar 2020 gab die Bundesregierung bundeseinheitliche Richtlinien aus, denen zufolge bei Verdachtsfällen kein Arzt aufgesucht, sondern primär die im Jahr zuvor geschaffene Gesundheitshotline 1450 angerufen werden sollte, um andere Personen keiner Ansteckungsgefahr auszusetzen. Diese Hotline sollte danach die weiteren Schritte, beispielsweise einen Hausbesuch zur Durchführung eines Tests, organisieren.[161][162]

Im März 2020 sollen Ereignisse im Ferienort Ischgl (Tirol) maßgeblich zur europaweiten Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 und damit zur Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 in ganz Europa beigetragen haben. Island erklärte Ischgl bereits Anfang März 2020 zum Risikogebiet für isländische Staatsbürger. Der Tiroler Ferienort wurde aber erst acht Tage später von den österreichischen Behörden unter Quarantäne gestellt, so dass noch hunderte Urlauber unkontrolliert nach ganz Europa ausreisen konnten.[163][164][165] Seit Ende März 2020 ermittelt die Staatsanwaltschaft Insbruck, ob im Zusammenhang mit den Ereignissen in Ischgl der begründete Verdacht einer „Gefährdung durch ansteckende Krankheiten“ besteht.[164][165]

Am 10. März 2020 gab die Bundesregierung eine Reisewarnung mit der höchsten Sicherheitsstufe (6) für Italien und San Marino aus und verhängte eine Einreisesperre für Reisende aus Italien.[166] Nachdem Mitte März zuerst einzelne Gemeinden unter Quarantäne gestellt wurden, verlautbarte Bundeskanzler Sebastian Kurz am 15. März eine landesweite Ausgangsbeschränkung, verbunden mit einer Einschränkung der Versammlungsfreiheit auf bis zu fünf Personen. Ausnahmen, das Haus zu verlassen, sind: Berufsarbeit, dringend notwendige Besorgungen (bspw. Lebensmittel), Betreuung/Hilfe anderer Personen sowie Bewegung im Freien allein (beispielsweise: laufen gehen, spazieren gehen) und mit Menschen, die im eigenen Wohnungsverband leben oder wenn ein Abstand von mindestens einem Meter zu anderen Menschen sichergestellt ist.[167][168] Seit Dienstag, dem 17. März, gilt für gastronomische Betriebe eine Totalsperre.[169] Um die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten, werden ehemalige Zivildienstleistende einberufen.[170]

In einer Umfrage unter den Mandataren und Funktionären der Gemeinden Österreichs sind über 50 % mit den Maßnahmen der Bundesregierung zufrieden; 68 % wünschen sich jedoch auch klarere Anweisungen zu beschlossenen Auflagen und 9,25 % gaben an, dass sie nicht zufrieden mit dem Breitbandnetz in ihren Gemeinden sind.[171]

Schweiz
 
Hinweisplakat der Kampagne „So schützen wir uns“ (Schweizerische Eidgenossenschaft)

Das Bundesamt für Gesundheit vermeldete am 25. Februar 2020 den ersten positiv getesteten Einwohner der Schweiz, einen im Kanton Tessin wohnhaften 70-jährigen Mann, der sich in der Nähe von Mailand angesteckt hatte.[172] Am 27. Februar wurden sieben weitere Fälle bekannt; in den folgenden Kantonen waren insgesamt acht bestätigte Corona-Patienten in Spitalpflege: Aargau, Basel-Stadt, Genf, Graubünden, Tessin, Waadt und Zürich. Alle Patienten waren kurz zuvor in Italien. Am 28. Februar 2020 wurde der erste Patient vom 25. Februar 2020 im Kanton Tessin als genesen aus dem Spital entlassen; am 5. März verstarb die erste Person in der Schweiz aus den Erstinfizierten im Kanton Waadt.[173]

Auf den 17. März 2020 wurde für die Schweiz eine „Ausserordentliche Lage“ gemäß Epidemiengesetz ausgerufen; alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wurden bis zum 19. April 2020 geschlossen. Dienstleistungsbetriebe führten Homeoffice ein; auf die Verhängung einer Ausgangssperre wurde verzichtet im Vertrauen auf das Verantwortungsbewusstsein der Bürger. Unternehmen, welche den Betrieb behördlich verordnet einstellen mussten, erhielten von den Banken binnen Stunden Sofortkredite von bis zu 500.000 Franken, für die der Bund bürgt.[174] Um Entlassungen zu vermeiden, wurden die Kriterien für den Bezug einer Kurzarbeitsentschädigung erleichtert. Die Schulen wurden landesweit geschlossen.[175]

Der Bundesrat verlängerte am 8. April 2020 die «ausserordentliche Lage» bis zum 26. April 2020.[176]

Am 16. April 2020 gab die Regierung drei Daten der Lockerung bekannt. Das betrifft ab dem 27. April die Spitäler für nicht-dringliche Eingriffe sowie Ärzte/Zahnärzte, Coiffeure, Physiotherapie, Kosmetikstudios, Baumärkte und Gartencenter; am 11. Mai nehmen die Volksschulen den Betrieb wieder auf und am 8. Juni auch die höheren Bildungseinrichtungen sowie Kulturinstitutionen und Zoos.[177]

Liechtenstein

In Liechtenstein sind derzeit 51 Personen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert und es wurden 750 Tests durchgeführt (Stand: 23. März 2020).[178][179] Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein berichtet über das Amt für Gesundheit im Ministerium für Gesellschaft seit dem 11. Februar 2020 in Medienmitteilungen der Regierung über die Situation im Land. Über die Medienmitteilungen werden neben Anordnungen, Gesetzesänderungen und sonstigen Maßnahmen auch Fallzahlen von Infizierten und den bisher durchgeführten Tests in Liechtenstein genannt.[180][181] Am 23. März 2020 gab die Regierung von Liechtenstein mehrere Maßnahmen im Gesundheitssystem bekannt. Da aufgrund der steigenden Fallzahlen im Land auch mit weiteren schweren Krankheitsverläufen gerechnet werden müsse, wolle man neben den bisherigen Betten im Liechtensteinischen Landesspital weitere Kapazitäten im Haus St. Peter und Paul schaffen, um sich auf diese Situation vorzubereiten. Zusätzlich zu den bestehenden Beatmungsgeräten im Landesspital wurden im Zuge der Corona-Krise im März 2020 fünf weitere Beatmungsgeräte angeschafft. Falls es die Lage erfordere, wolle man darüber hinaus noch weitere Beatmungsplätze im Spital einrichten.[178][179]

Baltische Staaten

Die Staaten des Baltikums meldeten an folgenden Daten jeweils den ersten Infektionsfall: Estland am 27. Februar 2020, Litauen am 28. Februar 2020 und Lettland am 3. März 2020. Am 13. März 2020 wurde berichtet, dass in Estland bis zum 1. Mai 2020 die Schulen geschlossen und öffentliche Versammlungen verboten wurden. Reisende aus Risikogebieten mussten sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben.[182] Nachdem Litauen Mitte März 2020 (mit 34 Infektionsfällen am 19. März 2020) den nationalen Notstand ausgerufen hatte und die gesamte Bevölkerung für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt hatte, wurden die zuvor ermittelten Bewegungsprofile der Infektionsfälle anonymisiert im Internet veröffentlicht.[183] Zu den EU-Nachbarländern Polen und Lettland wurden Grenzkontrollen eingerichtet (Stand 14. März 2020).[184] In Lettland wurden im März 2020 die Schulen geschlossen.[185] Mitte März 2020 verhängte Lettland ein Einreiseverbot für Reisende u. a. aus Deutschland.[186]

Dänemark

Dänemark hat besonders früh mit strikten Maßnahmen auf die Corona-Krise reagiert, unter anderem sind seit dem 14. März die Grenzen für Ausländer ohne triftigen Einreisegrund geschlossen. Schulen, Kindergärten, Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls geschlossen, es gilt ein Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen. Am 11. März gab die Gesundheitsbehörde Sundhedsstyrelsen einen Wechsel in der Teststrategie bekannt: Es sollen nur noch Menschen, die mit starken Atembeschwerden oder einer Atemwegserkrankung in ärztlicher Behandlung sind, auf das neuartige Coronavirus getestet werden. Dies führt dazu, dass tatsächlich deutlich mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, als es die offizielle Statistik ausweist.[187][188]

Frankreich

Ende Januar 2020 trat mit drei Erkrankten in Frankreich das Virus erstmals in Europa auf.

Am 15. Februar 2020 wurde der erste Todesfall in Europa und damit außerhalb Asiens bekanntgegeben; es handelte sich um einen 80-jährigen Touristen aus China, der in Frankreich verstarb.[111]

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran berichtete am 22. Februar, dass Frankreich die Zahl der Labore, die Infektionen nachweisen können, vervielfacht habe. Als Ziel gab er an, die Kapazität von derzeit 400 Tests pro Tag auf mehrere Tausend Tests pro Tag auszuweiten.[189] Mitte März wurde bis auf weiteres die Schließung aller Kitas, Schulen, Universitäten und öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Geschäfte, Restaurants etc.) angeordnet.[190][191] In der Folgezeit entwickelte sich Frankreich zu einem weltweiten Schwerpunkt, Mitte April meldete Frankreich über 100.000 Infizierte, kurz darauf zudem über 20.000 Tote. Ende Mai waren es knapp 30.000 Tote bei mehr als 140.000 Infizierten, was einer Sterblichkeit von zirka 20 Prozent entspräche, so dass es vermutlich eine hohe Dunkelziffer bei den Infizierten gibt.[11]

Griechenland

Der erste Fall wurde am 26. Februar 2020 bekannt, als eine Griechin, die von einer Reise aus dem schon betroffenen Norditalien zurückgekehrt war, in Thessaloniki positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde.[192] Bereits einen Tag später wurden umfangreiche Maßnahmen beschlossen, die innerhalb von drei Tagen in Kraft traten, darunter die Einstellung des Lehrbetriebs an Schulen und Universitäten und eine Untersagung sämtlicher Kultur- und Sportaktivitäten. Es folgte eine landesweite Ausgangssperre und eine Verschärfung und Überarbeitung die am 23. März verkündet wurde. Seitens der Behörden wurden die strengeren Restriktionen mit dem Argument gerechtfertigt, dass das Gesundheitssystem nach einem mehrjährigen Sparkurs weniger Fälle verkraften könne, als das anderer EU-Länder. Die vergleichsweise erfolgreiche Eindämmung der Covid-19-Infektionen in Griechenland ist Gegenstand internationaler Berichterstattung.[193][194][195]

Island

Die Regierung unter Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir hat das öffentliche Leben eingeschränkt und lässt großflächig testen. Auch Menschen ohne Symptome werden getestet.[196]

Einen besonderen „Aufschrei“ gab es, als bekannt wurde, dass sich mehrere Isländer im österreichischen Skiort Ischgl infiziert hatten; obwohl die isländische Regierung Ischgl als Risikogebiet deklariert hatte, reagierte die Lokalregierung des Skiorts erst eine Woche später.[197]

Italien
 
Warteschlange vor einem Supermarkt in Italien im März 2020.

In der Nacht zum 22. Februar 2020 wurden in Italien die ersten durch das neuartige Coronavirus bedingten Todesfälle unter Europäern gemeldet. Die Betroffenen waren ein 78-jähriger Mann aus der Nähe von Padua sowie eine 77-jährige Frau aus der Nähe von Cremona, die in der Nacht zuvor verstorben war und sich nachträglich als infiziert herausstellte. In der Lombardei waren am 22. Februar zunächst 39, später 46 Menschen als infiziert gemeldet, mit einer Häufung von Fällen in der Stadt Codogno; hinzu kamen 12 Infizierte in Venetien. Der „Patient 1“, ein 38-Jähriger, auf den zumindest die Infektionen in der Lombardei zurückgeführt werden, sei in gesundheitlich stabilem Zustand. Patient null wurde laut Quelle nicht gefunden.[198][199] In Codogno und weiteren neun umliegenden Gemeinden wurde die Schließung der Schulen und öffentlichen Lokale für die Dauer einer Woche verfügt. Am 22. Februar wurden die 50.000 dort lebenden Menschen aufgefordert, zu Hause zu bleiben, und die betroffenen zehn Kommunen in der Lombardei und eine Kommune in Venetien wurden abgeriegelt.[200][201] Wer sich der Anordnung widersetzt, riskiert bis zu drei Monate Haft.[200] Am selben Abend rief Friaul-Julisch Venetien als erste italienische Region den Notstand aus, um auf auftretende Krankheitsfälle flexibel reagieren zu können.[202] Im Laufe des Vormittags des 23. Februar wurde die Zahl von 100 Infizierten überschritten. Dabei kam es auch außerhalb der elf abgeriegelten Gemeinden zu weiteren Erkrankungen. In der Serie A wurden die Heimspiele von Atalanta Bergamo, Inter Mailand, Hellas Verona und des FC Turin abgesagt. Der Bürgermeister von Mailand Giuseppe Sala kündigte die Schließung der Schulen in Mailand bis mindestens Ende der Woche an.[203] Der Karneval in Venedig wurde vorzeitig beendet,[204] Museen, Kirchen, Opernhäuser und Sportstadien wurden zunächst bis Anfang März geschlossen. Für die Lebensmittel- und Medikamentenversorgung der abgeriegelten Gemeinden richtete die Regierung „sterile Korridore“ ein, über die Lieferanten, die mit Gesichtsmasken und Schutzkleidung ausgerüstet sind, zu bestimmten Zeiten Waren abliefern können.[205] Am Nachmittag des 23. Februar war in Cremona das dritte Todesopfer in Italien zu verzeichnen. Die Zahl der Infizierten stieg in den Folgetagen deutlich weiter an, darunter waren erstmals auch Infizierte aus nicht abgeriegelten Provinzen (zu aktuellen Zahlen siehe COVID-19-Pandemie in Italien).

Der italienische Vertreter in der Direktion der WHO Walter Ricciardi behauptete, dass die Zahlen in Italien auch deshalb höher als in anderen Regionen der Welt seien, weil in Italien anfänglich Massentests auf das Virus durchgeführt wurden. Da man sich jedoch nicht auf diejenigen beschränkte, die Kontakt mit Erkrankten hatten, gingen viele Symptomfreie mit in die Statistik ein.[206] Symptomfreie positiv Getestete sind gemäß den Regeln der WHO in der Statistik mitzuzählen.[207] Der italienische Virologe Roberto Burioni bemängelt hingegen die öffentliche Intention, in Italien die Gefahr herabzuspielen.[208]

Das Robert Koch-Institut zählt seit dem 5. März auch Südtirol zu den Risikogebieten.[209] Am 8. März wurde das abgeriegelte Gebiet in Norditalien vergrößert, so dass die Bewegungsfreiheit von rund 16 Millionen Menschen in Italien eingeschränkt wurde.[210] Am 9. März entschied die Regierung, die Bewegungseinschränkungen auf das gesamte italienische Staatsgebiet auszuweiten.[211] Die Schließung von Schulen und Universitäten wurde landesweit erst bis zum 3. April und einige Tage später über dieses Datum hinaus verlängert.[212][211] Der Spielbetrieb von Sportligen, wie der des italienischen Fußballs, ist vorübergehend eingestellt. Zudem wurde ein Versammlungsverbot angekündigt.[211] Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der innerstaatliche öffentliche Nahverkehr sollen trotz der Abriegelung nicht ausgesetzt werden.[211]

Mit Stand 14. März 2020 (11.685 Infizierte, 966 Tote) ist die Lombardei die am stärksten von der COVID-19-Pandemie betroffene Region in Europa.[213] Ende März meldete Italien mehr als 100.000 Infizierte und über 10.000 Tote. Schon Mitte April wurden mehr als 20.000 Tote registriert und Ende April waren es mehr als 200.000 Infizierte. Anfang Mai meldete man mehr als 30.000 Tote. Danach verlangsamte sich der Prozess auf etwas über 230.000 Infizierte und über 33.000 Tote Ende Mai.[11]

Kroatien
 
Ein Plakat vor dem Amphitheater in Pula mit wichtigen Informationen für die Bürger, März 2020

Am 25. Februar wurde die erste COVID-19-Erkrankung in Kroatien bestätigt. Der Erkrankte hatte sich vom 19. bis zum 21. Februar in Mailand, Italien, aufgehalten. Nach der positiven Testung wurde er im Universitätsklinikum „Dr. Fran Mihaljević“ für Infektionskrankheiten in Zagreb untergebracht.[214] In der Nacht vom 17. auf den 18. März wurde der erste Todesfall gemeldet; es verstarb ein Mann in der Selbstisolation. Die Obduktion ergab das Virus als Todesursache.[215][216][217][218][219]

Am 11. März 2020 wurden mit den Schulschließungen in der Gespanschaft Istrien, welche zu dieser Zeit die am stärksten betroffene Gespanschaft war, die ersten beträchtlichen Einschränkungen des sozialen Lebens in Kroatien verhängt bzw. angekündigt. Am 16. März traten verschärfte Maßnahmen in Kraft, darunter auch die landesweite Schließung aller Bildungseinrichtungen.[220]

Die Regierung der Republik Kroatien richtete eine Website (koronavirus.hr) sowie die Telefonnummer 113 für zeitnahe und richtige Informationen über das Coronavirus ein.[221][222]

Mit Stand vom 27. April 2020 waren in Kroatien 2.039 Personen an dem Virus erkrankt. Davon sind 1.166 genesen und 59 verstorben.

Norwegen

Ein erster Todesfall wurde am 12. März bekannt. Mitte März 2020 zählte Norwegen zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. So lag Norwegen am 17. März 2020 in absoluten Zahlen mit 1169 Infizierten noch vor Österreich mit 1132 Infizierten; hierbei ist auch die geringere Einwohnerzahl in Norwegen in Relation zu bedenken.[223] Alle aus nicht-nordischen Ländern nach Norwegen Reisenden ohne Wohnsitz in Norwegen werden seit dem 16. März 2020 an der Grenze zurückgewiesen. Sofern sie nicht vorher ausreisen können, werden sie zu einer bis zu 14-tägigen Quarantäne verpflichtet.[224] Am 7. April 2020 gab die norwegische Regierung bekannt, dass die getroffenen Maßnahmen ab dem 20. April allmählich gelockert werden. Zunächst soll vor allem der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden.[225]

Polen

Der erste Fall einer Infektion wurde in Polen am 4. März 2020 bestätigt. Die infizierte Person hatte sich zuvor im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen aufgehalten, um den dortigen Karnevalsfestlichkeiten beizuwohnen. Der erste Todesfall im Zuge der Pandemie wurde am 12. März 2020 bestätigt. Die polnische Regierung reagierte bislang mit tiefgreifenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Aufgrund einbrechender Lieferketten mussten zudem landesweit Fabriken ihren Betrieb einstellen.[226]

Portugal

Aus Portugal wurden bis zum 13. März 2020 112 bestätigte Fälle gemeldet, es gab dort bis dahin keinen Toten.[227] Bis zum 20. März waren es 1.020 Fälle. Im Land wurde zum ersten Mal seit 1974 der Ausnahmezustand erklärt.

Russland
 
Ein Großplakat an der Baustelle eines medizinischen Zentrums in einem Vorort von Moskau fordert die Arbeiter am 21. März 2020 auf, das Virus gemeinsam zu „begraben“.

Drei Regionen der Russischen Föderation, die eine gemeinsame Außengrenze mit China besitzen, schlossen die Grenze bis zum 7. Februar 2020. Das betraf die Jüdische Autonome Oblast, die Oblast Amur und die Region Chabarowsk.[228][229] Der Ministerpräsident von Russland verfügte am 30. Januar 2020 eine zeitweilige Beschränkung des Verkehrs an 16 von insgesamt 25 Grenzübergängen zur Volksrepublik China. In der Anlage der Verordnung wurden die Grenzkontrollstellen aufgeführt.[230][231] Ab dem 20. Februar 2020 durften vorübergehend keine chinesischen Staatsbürger mehr in die Russische Föderation einreisen. Zuvor waren bereits zahlreiche Bahn- und Flugverbindungen von und nach China ausgesetzt und keine Arbeitsvisa mehr für Chinesen ausgestellt worden.[232]

Die Russische Föderation hatte am 1. Februar 2020 erstmals zwei Infektionsfälle bekannt gegeben, bis zum 5. März 2020 waren insgesamt drei Infektionsfälle an die WHO gemeldet worden.[11] Danach stiegen die Fallzahlen an, laut Presseberichten auf 15 Infektionsfälle am 8. März 2020.[233] Um den Import von weiteren COVID-19-Fällen zu verhindern, ordnete die Verwaltung der Hauptstadt Moskau an, dass Rückkehrer aus China, Südkorea, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, dem Iran sowie weiteren von der Epidemie betroffenen Ländern sich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben müssen. Bei Verstoß gegen diese Anordnung drohen Haftstrafen bis zu fünf Jahren.[233] Für die Zeit vom 23. März bis zum 12. April ordnete der Bildungsminister landesweite Schulschließungen an. Am 18. März waren in Russland 114 Fälle von COVID-19 bekannt, die Hälfte davon in Moskau.[234] Theater durften nicht mehr öffnen und Festivals mussten abgesagt werden; zudem wurden Veranstaltungen mit über 50 Personen in Moskau verboten.[235] Mit Stand 20. März 2020 gab es 199 bestätige Infektionen in Russland, am 22. März 306 und einen ersten Toten, mittlerweile mussten auch Schwimmbäder und Fitnesscenter schließen.[236] Da keine massenhaften Tests stattfinden und der angewandte Bluttest erst ab einer hohen Konzentration des Erregers anschlägt, galten die offiziell verbreiteten Zahlen der russischen Behörden aber als fragwürdig und zu niedrig gegriffen.[237]

Am 23. März ordnete der Bürgermeister von Moskau an, dass Einwohner ab Alter 65 vom 26. März bis 14. April zu Hause bleiben müssen.[238] Anonym berichten Ärzte in Moskau von einem rasanten Anstieg an Lungenentzündungen in ihren Krankenhäusern.[239]

Am 25. März wurde die folgende Woche als landesweite bezahlte Ferienwoche deklariert. Anfang April wurde die landesweite „bezahlte“ Ferienwoche bis Ende April ausgedehnt, und zwar bei „vollem Gehalt“.[240]

Mit der Republik Altai erreichte COVID-19 am 16. April alle Subjekte der Föderation. Zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 27.000 Menschen in Russland erkrankt.[241] Ende April 2020 wurden bereits über 100.000 Infizierte registriert, Anfang Mai über 200.000 und Mitte Mai über 300.000. Ende April meldete man über 1.000 Tote, Mitte Mai über 2.000 und Ende Mai über 3.000 Tote.[11]

Schweden

Schweden zählte am 24. März 2020 fast 2300 Infizierte und etwa 36 Tote.[242] Etwa drei Tage später waren es über 3000 Infizierte und 105 Tote. Schweden hat (Stand 28. März 2020) das öffentliche Leben bei weitem nicht so stark eingeschränkt wie andere Länder. Der Chef der schwedischen Gesundheitsbehörde (Folkhälsomyndigheten), Anders Tegnell, setzt auf Herdenimmunität. Stefan Löfven (SAP), Ministerpräsident seit 2014, trägt diesen Kurs mit.[243] Tegnell geht davon aus, dass das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 „nicht aufzuhalten ist. Und er ist auch der Überzeugung, dass die Kurve flach gehalten werden müsse, um Krankenhäuser nicht zu überlasten. Doch Tegnell hatte von Anfang an auch die sozialen Folgen im Blick: Die Einschränkungen sollten nicht zu streng sein, damit Menschen auch bereit sind, diese über Monate zu akzeptieren. Zudem hofft er darauf, dass auf diese Weise genug widerstandsfähige Menschen an COVID-19 erkranken, um eine Immunität gegen den Erreger zu entwickeln.“[244]

Spanien

Nachdem sich die Zahl der Infizierten innerhalb der zweiten Märzwoche (Kalenderwoche 11) verzehnfacht hatte, verkündete der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am 13. März einen ab dem 16. März beginnenden nationalen Notstand.[245] Damit einher ging eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum 26. April andauert. Mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken wurde die Schließung aller öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Geschäfte, Restaurants) angeordnet.[245] Am 25. März meldete auch Spanien mehr Todesopfer als China.[246] Am 28. März 2020 verkündete Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Verschärfung der Ausgangssperre: Arbeitnehmer wurden zwangsbeurlaubt, erhielten weiterhin ihr Gehalt und haben nicht geleistete Arbeitsstunden später nachzuholen. Nur für den Staat essentielle Tätigkeiten, etwa im Lebensmittelhandel, durften weiterhin ausgeübt werden.[247]

Ende März 2020 meldete Spanien 100.000 Infizierte, bereits Mitte April über 200.000. Danach kam es – auch durch Nachkorrekturen – zu einer Verlangsamung des Anstiegs und Mitte Mai waren etwas über 270.000 Infektionsfälle gemeldet. Anfang April wurden 10.000 Tote registriert, kurz darauf – Mitte April 2020 – bereits 20.000, dann verlangsamte sich auch dieser Anstieg deutlich und Mitte Mai waren es etwas über 27.000 Tote.[11]

Vatikanstadt

Am 10. März 2020 wurde die Schließung des Petersplatzes und des Petersdomes bekanntgegeben. Dies gilt vorerst bis zum 3. April.[248] Zuvor, am 8. März, war bereits die Schließung der Vatikanischen Museen verkündet worden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 5 Personen in vatikanischer Quarantäne.[249] Die Generalaudienzen und das Angelus-Gebet von Papst Franziskus finden nicht mehr vor großen Menschenmengen statt, sondern werden lediglich aus dem Apostolischen Palast via Livestream ins Internet übertragen. Erstmals in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche wurde der päpstliche Segen Urbi et orbi wegen der COVID-19-Pandemie außerplanmäßig am 27. März 2020 gespendet. Eigentlich wird dieser nur zu Ostern, Weihnachten und unmittelbar nach dem ersten öffentlichen Auftreten des neugewählten Papstes erteilt.

Vereinigtes Königreich

Am 15. März 2020 lag Großbritannien mit 21 Todesfällen nach Italien, Spanien und Frankreich in Europa an vierter Stelle, obwohl deutlich weniger positive Testergebnisse vorlagen als in diesen drei und weiteren drei Ländern. Das Gesundheitssystem gilt als unterfinanziert und kaum auf eine Pandemie vorbereitet.[250]

Bis zum 15. März ging Premierminister Boris Johnson gelassen mit der Pandemie um und lehnte Schutzmaßnahmen im großen Stil ab.[251] Ab dem 18. März 2020 wurden sukzessive Maßnahmen (beginnend mit Schulschließungen[252]) gegen die Pandemie getroffen. Anfang April begannen die Todesfälle auf 500 pro Tag zu steigen und bereits am 10. April waren es 980, obwohl man nur die in Krankenhäusern verstorbenen Personen registrierte. Mitte April wurden 100.000 Infizierte gemeldet.[253][11] Bis zum 29. April 2020 enthielt die Statistik Großbritanniens nur in Krankenhäusern an Covid-19 Gestorbene; seit diesem Tag enthält sie auch die an anderen Orten (zum Beispiel in Altenheimen und Pflegeheimen) Gestorbenen.[254] Am 29. Mai 2020 wurden 271.222 Infizierte und 38.161 Todesfälle gemeldet.[255]

Weißrussland

In Weißrussland gab es mit Stand 30. März 2020 offiziell etwa 150 Infizierte, aber Menschenrechtler berichten, dass die Krankenhäuser wegen Patienten mit Lungenentzündung überfüllt sind. Die Pandemie wurde von Machthaber Alexander Lukaschenko mehrfach verharmlost und kleingeredet, unter anderem nannte er sie eine „Psychose“ und empfahl scherzhaft Wodka, Saunagänge und landwirtschaftliche Arbeit gegen das Ausbreiten des Virus. Als einziges Land der Welt finden zudem Sportveranstaltungen wie Fußball oder Eishockey regulär und mit Zuschauern weiter statt.[256] Auch das öffentliche Leben unterliegt keinen Einschränkungen, Kindergärten, Schulen, Universitäten usw. sind weiterhin geöffnet wie Geschäfte, Restaurants und Cafés.[257]

Afrika

Am 14. Februar 2020 wurde der erste Infektionsfall auf dem afrikanischen Kontinent – in Ägypten – gemeldet.[258] Es handelte sich um einen 33-jährigen aus dem Ausland stammenden Patienten; nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums fielen bei allen seinen Kontaktpersonen die Tests auf den Erreger negativ aus. Bis zum 16. März 2020 wurden von 26 afrikanischen Ländern Fälle gemeldet.[259][260] Angola meldete am 21. März 2020 seinen ersten Corona-Fall.[261] Bis zum 25. März 2020 wurden 2412 Fälle in 43 afrikanischen Staaten gemeldet, davon 709 in Südafrika.[262]

Nordamerika

Kanada

Am 13. März wurde bekanntgegeben, dass die Ehefrau des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau positiv getestet wurde. Vorsorglich begaben sich beide für 14 Tage in häusliche Quarantäne.[263] Trudeau war der erste Regierungschef, der in häusliche Quarantäne ging.[264]

Es wurden zahlreiche Maßnahmen gegen das Virus angekündigt. So soll das Parlament fünf Wochen schließen, internationale Flüge sollen auf wenige Flughäfen mit besonderen Kontrollen umgeleitet werden, Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 500 Personen sollen nicht mehr andocken dürfen. Von einem Einreiseverbot wurde zunächst abgesehen, um nicht zu illegalen Grenzübertritten Anlass zu geben. Die Regierung forderte die Bürger auf, von entbehrlichen Auslandsreisen abzusehen und sich im Sinne der räumlichen Distanzierung von Menschenmassen fernzuhalten.[265] Am 16. beziehungsweise 18. März wurden dann doch Einreiseverbote ausgesprochen.

Vereinigte Staaten

Der erste bestätigte Fall in den USA wurde am 21. Januar 2020 aus dem Bundesstaat Washington vermeldet.[266] Am 6. März 2020 waren 245 bestätigte Fälle sowie 14 Todesfälle bekannt.[267] In mehreren Bundesstaaten wurde zahlreichen Menschen eine häusliche Quarantäne verordnet, insbesondere mehr als 2.500 Menschen allein in New York und mehr als 9.700 in Kalifornien (Stand: 6. März 2020). Es handelt sich um Kontaktpersonen der ersten bestätigten Infizierten sowie um zurückgekehrte Reisende.[268]

Ende Januar bewerteten die CDC die Gefahr durch COVID-19 für die US-Bevölkerung als niedrig.[269]

Die Federal Reserve stellte im März Dollarscheine, die aus Asien zurückkehren, unter eine siebentägige Quarantäne.[270]

Anfangs verharmloste US-Präsident Donald Trump die Gefahren des neuartigen Coronavirus.[271][272] Zahlreiche Aussagen Trumps in den ersten beiden März-Wochen zur Pandemie stellten sich retrospektiv als inkorrekt heraus, werden mithin vom CNN als „Falschaussagen“ angeprangert.[273] In einer Fernsehansprache am 11. März kündigte er – ohne Absprache mit der EU – ein einmonatiges Einreiseverbot für Nicht-US-Bürger an, die sich in den vergangenen zwei Wochen in einem der 26 europäischen Länder des Schengenraums aufgehalten hatten.[274] Wenige Tage später erweiterte Trump den Einreisestopp auf Großbritannien und Irland.[275]

Angesichts des sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus in den USA wurde am 13. März der nationale Notstand ausgerufen. Bis dahin waren weniger als insgesamt 15.000 Menschen getestet worden – wobei rund 2300 positiv auf COVID-19 getestet wurden. Diese vergleichsweise niedrige Zahl an positiv auf COVID-19 Getesteten lag daran, dass es an Tests fehlte. Vielen Menschen mit Krankheitssymptomen gelang es nicht, sich testen zu lassen. Präsident Trump erklärte, die Produktion von fünf Millionen Coronavirus-Tests sei angestrebt, die „sehr bald“ verfügbar sein würden.[276][277]

Als erster US-Bundesstaat verhängte Kalifornien am 19. März 2020 eine Ausgangssperre. Gouverneur Gavin Newsom ging davon aus, dass sich knapp 60 Prozent der 40 Mio. Einwohner in den nächsten acht Wochen anstecken könnten. In einigen Teilen Kaliforniens hätten sich laut Newsom zuvor die Fallzahlen alle vier Tage verdoppelt. Bis zur Verhängung der Ausgangssperre waren in Kalifornien 958 Infektionsfälle bekannt geworden sowie 19 Todesfälle. Am selben Tag hatte Bürgermeister Eric Garcetti die Einwohner von Los Angeles dazu aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Zuvor waren bereits im Raum San Francisco viele Bezirke mit einer einwöchigen Ausgangssperre konfrontiert worden.[278]

Am 27. März 2020 wurden in den USA erstmals über 100.000 Infizierte gemeldet.[279] Damit entwickelten sich die USA neben Europa und nach China zum neuen Zentrum der Pandemie.[280] Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC rief am 4. April die amerikanische Öffentlichkeit dazu auf, im Alltag Schutzmasken zu tragen, um die Verbreitung der Infektionskrankheit zu verlangsamen.[281][282]

Lateinamerika

Die COVID-19-Pandemie erreichte Lateinamerika später als Asien und Europa. Seitdem hat sich das Virus aber über alle Länder der Region ausgebreitet, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit und mit unterschiedlichen Infektions- und Todeszahlen.[283] In vielen Ländern sind die Gesundheitssysteme überfordert. Auch die Reaktionen der lateinamerikanischen Regierungen waren verschieden.[284] Während Staaten wie Argentinien, Bolivien, Kolumbien und Uruguay früh räumliche Distanzierung im Rahmen einer Massenquarantäne anordneten, spielten die Präsidenten Mexikos und Brasiliens (siehe Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie #Brasilien) die Bedrohung durch das Virus zunächst herunter. In vielen Staaten wurden schnelle soziale Hilfsmaßnahmen verabschiedet.[285] Vielfach wurden die Regierungen mit Sonderkompetenzen ausgestattet. Auch in den Fällen, wo dies zur Eindämmung der Pandemie gerechtfertigt scheint, fürchten Kritiker einen Verlust an demokratischer Qualität und die Legitimierung autoritärer Praktiken über die akute Krise hinaus.[286][284]

Argentinien

Am 2. März wurde der erste Fall in Argentinien bestätigt, wo schon in den Tagen zuvor mehrere Verdachtsfälle untersucht worden waren. Der erkrankte Mann kam allerdings erst am 1. März aus Italien nach Argentinien.[287] Bis zum 8. März 2020 erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in dem Land auf 10.[288] Am 7. April wurden 1628 Infektionen aufgeführt.

Bolivien

Am 10. März 2020 wurde der erste COVID-19-Fall in Bolivien bestätigt. Ab dem 22. März 2020 wurde das Land per Dekret erstmals unter Massenquarantäne gestellt.

Brasilien

Nachdem am 26. Februar 2020 in Brasilien die erste bestätigte Infektion mit dem neuartigen Coronavirus aus Südamerika gemeldet worden war[289] und am 28. Februar zwei positive Fälle aus Mexiko bekannt geworden waren,[290] gab es mit Stand 1. März 2020 noch zehn weitere bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen in Lateinamerika: einen zweiten Fall in Brasilien, vier Fälle in Mexiko, sechs in Ecuador und einen Fall in der Dominikanischen Republik. Bis zum 8. März kamen fünf bestätigte Infektionsfälle in Costa Rica hinzu. Auf dem südamerikanischen Kontinent traten Infektionen auch in Peru, Kolumbien und Französisch-Guayana auf.[288]

Die beiden brasilianischen Erstpatienten, ein 61-Jähriger und ein 32-Jähriger, stammen aus São Paulo und waren kürzlich von Reisen nach Italien zurückgekehrt.[291] Am 4. April 2020 wies das Land offiziell 10.278 Infektionen aus, eine Woche später waren es doppelt so viele. Zudem wurde am 11. April 2020 der tausendste Todesfall gemeldet.[11]

Chile

Am 3. März wurde der erste Erkrankte aus Chile gemeldet; der 33-jährige Kinderarzt war am 25. Februar mit seiner Frau von einer einmonatigen Asienreise zurückgekehrt und hatte sich am 1. März mit hohem Fieber in die Notaufnahme eines Krankenhauses in Talca begeben.[292] Am 4. März wurde die erste SARS-CoV-2-Infektion in der Hauptstadt Santiago de Chile bekannt gegeben: Eine 56-jährige Ärztin aus dem deutschen Krankenhaus der Metropole erkrankte nach der Rückkehr von einer Reise nach Norditalien.[293][294] Bis zum 8. März erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in dem Land auf acht, darunter neben Kontaktpersonen der beiden Ärzte in Talca und Santiago ein 20-Jähriger aus Puerto Montt, der am 3. März aus Spanien zurückgekehrt war, und eine 83-jährige Frau aus Las Condes, die Besuch von infizierten Verwandten aus New York erhalten hatte.[295][296]

Dominikanische Republik

Der erste bekannte Fall in der Dominikanischen Republik ist ein 62-jähriger Italiener, der am 22. Februar als Tourist in das Land eingereist war.[297] Er wurde in einem Militärkrankenhaus nahe der Hauptstadt Santo Domingo isoliert.[291] Bis zum 8. März 2020 erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in dem Land auf fünf.[288] Am 7. April wurden 1956 Infektionen aufgeführt.

Ecuador

Das zunächst am stärksten betroffene Land Lateinamerikas war Ecuador. Bis zum 4. März stieg die Zahl der dort bestätigten Infizierten auf zehn an. Alle Fälle sind Kontaktpersonen einer 71-jährigen, in Spanien lebenden Frau, die aus Madrid nach Ecuador gereist und einige Tage nach ihrer Ankunft erkrankt war.[297][298] Bis zum 8. März erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in dem Land auf 14, am 7. April wies Ecuador 3.747 Infektionen auf. Davon waren allein 1.600 Infizierte in Krankenhäusern beschäftigt, da es an Schutzmaterialien mangelt.[288][299]

Ecuador weist in Relation zur Gesamtbevölkerung deutlich mehr Infizierte und Tote als die anderen lateinamerikanischen Staaten auf. Bereits auf dem Stand vom 15. März gab es in der am stärksten betroffenen Provinz Guayas 10.000 mehr Tote, als in normalen Jahren bis dahin gezählt wurden, so dass anzunehmen ist, dass das Virus deutlich früher auftrat als bisher bekannt.[300] In der ecuadorianischen Metropole Guayaquil (Prov. Guayas) kollabierte Ende März das Bestattungswesen. Spezialeinheiten mussten mit einer dreiwöchigen Bergungsmission beginnen und holten bis zum 12. April 1.402 Leichen aus Privathaushalten und Krankenhäusern der Stadt, da die Leichenhäuser voll waren und die Toten teils auf der Straße abgelegt wurden, zudem wurden weitere Leichen ohne Untersuchung bereits zuvor privat verbrannt.[301][302] Die zu diesem Zeitpunkt offizielle Todeszahl von etwas über 300 ist daher als unrealistisch einzustufen und eine hohe Dunkelziffer anzunehmen. Die Ursache des jeweiligen Todes der geborgenen Leichen wurde allerdings nicht bekannt gegeben, so dass keine sichere Zahl mehr ermittelt werden kann.

Guyana

Bis zum 26. April 2020 wurden in Guyana 74 Infektionsfälle verzeichnet. 8 Erkrankte verstarben und 12 wurden als geheilt entlassen.[303] Eine Zivilschutzkommission beschloss Anfang April 2020 ein Unterstützungsprogramm für bestimmte Gemeinden. Zudem traten Ausgangsbeschränkungen in Kraft.

Kolumbien

Am 6. März 2020 wurde der erste COVID-19-Fall in Kolumbien bestätigt.[304][305] In den WHO-Situationsberichten tauchte dieser Fall erstmals am 7. März 2020 auf.[306]

Bis zum 20. April 2020 wurden von der WHO 3621 COVID-19-Fälle und 166 Todesfälle in Kolumbien bestätigt.[306]

Kuba

Am 11. März meldete Kuba die ersten Fälle; drei Touristen aus Italien wurden positiv auf COVID-19 getestet.[307] Die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 in Kuba stellt das Gesundheitssystem der sozialistischen Karibikinsel auf die Probe. Ursprünglich von Touristen und aus dem Ausland zurückreisenden Kubanern auf die Insel gebracht, hat sich das Virus rasch über die ganze Insel verbreitet; Mitte April wurden rund 1.000 Fälle von Infizierungen gezählt[308]. Das Land verfügt über ein breites Gesundheitssystem mit einer sehr hohen Ärztedichte (siehe COVID-19-Pandemie in Kuba). Gleichzeitig leidet die medizinische Versorgung unter einem Mangel an Ausrüstung und Medikamenten sowie den niedrigen Löhnen des Personals. Hinzu kommen teils dramatische Versorgungsengpässe, auch bei sanitären Produkten und der Wasserversorgung. Aufgrund der hohen Altersstruktur gilt rund ein Viertel der Bevölkerung als Risikogruppe. Trotz der kritischen Lage auf der Insel selbst entsandte Kuba Ärzte-Brigaden zur Bekämpfung der COVID-19-Epidemie in andere Länder, unter anderem nach Norditalien und in zahlreiche Karibikstaaten.[309]

Kubas schwierige wirtschaftliche Situation wird durch die Pandemie verschärft, da sie zum Einbruch des wichtigsten Wirtschaftszweiges des Landes, des Tourismus, geführt hat.[310] Die Regierung hat Lock-Down-Maßnahmen ergriffen. Zur Notversorgung der Bevölkerung hat sie verstärkt Nahrungsmittel und Sanitärprodukte dem freien Verkauf entzogen und in die Verteilungswirtschaft des Rationierungssystems überführt.

Mexiko

In Mexiko wurde am 2. März der erste Erkrankte als geheilt entlassen, ein 35-jähriger Mann aus Mexiko-Stadt, der Mitte Februar an einer Geschäftsreise nach Italien teilgenommen hatte. Insgesamt zählte Mexiko am 3. März 5 Infektionsfälle, die sich alle auf Italienreisen angesteckt hatten.[290][311] Bis zum 14. März erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle im Land auf 41.[312] Am 23. März wurden die ersten Schließungen von Restaurants angeordnet.[313]

Paraguay

Paraguay verzeichnete bis zum 26. April 2020 228 bestätigte Infektionen, 9 Todesfälle und 93 Fälle der Genesung. Neben einem Plan zur Förderung der heimischen Landwirtschaft wurde für die Osterwoche für die Hauptstadt Asunción eine Ein- und Ausreisesperre beschlossen. Am 8. April verkündete Präsident Mario Abdo Benítez, die Ausgangsbeschränkungen für die Bürger des Landes bis zum 19. April zu verlängern. Ausnahmen sind beispielsweise der Einkauf von Lebensmitteln oder Medikamenten.[314][315]

Peru

Zum 27. April 2020 verzeichnete Peru 28.699 Infizierte, 782 Todes- und 8.425 Genesungsfälle.[316]

Suriname

Am 8. April erklärte die Nationalversammlung einen vorläufig dreimonatigen Ausnahmezustand. Zum 27. April 2020 wurden 10 Infektionsfälle, 1 Todesfall und 7 Genesene gemeldet.[317]

Uruguay

Bis zum 26. April 2020 wurden aus dem südamerikanischen Land 606 bestätigte Infektionen und 15 Todesfälle gemeldet, 375 Fälle wurden als genesen verzeichnet. Zuvor hatte die Regierung Ausgangsbeschränkungen verhängt und Wahlen verschoben. Der oberste Gerichtshof erklärte, dass mit Ausnahme der dringendsten Fälle Gerichtsverhandlungen vorläufig ruhen würden. Am 8. April wurde verkündet, dass ab 22. April in 973 Schulen des Landes der Unterricht wiederaufgenommen werden solle.[318][319]

Venezuela

Im März 2020 wurden in Venezuela die ersten zwei Fälle bekannt, welche aus Spanien eingereist waren; am 14. März waren acht zusätzliche Personen betroffen.[320] Das Virus erreichte damit ein Land, in dem schon unabhängig vom Virus im Januar 2020 von einem Zusammenbruch der medizinischen Versorgung die Rede war.[321] Der Präsident ordnete am 15. März eine Quarantäne für 8 Regionen an, schon am Folgetag galt diese für das ganze Land.[313]

Flüchtlingslager und marginalisierte Romasiedlungen

Besondere Sorge bereitet den Experten die mögliche Ausbreitung in Ländern mit unzureichenden Gesundheitssystemen, überfüllten Flüchtlingslagern und marginalisierten Elendssiedlungen, in denen in vielen Staaten insbesondere Angehörige der nationalen Minderheit der Roma leben müssen.[110][111] Beim Umgang mit der Risikogruppe der in Elendssiedlungen kumulierten Roma kommen ethnische Diskriminierung und daraus folgende Ungleichbehandlung erschwerend hinzu.[322][323][324] In einigen Staaten würden Roma-Siedlungen polizeilich abgeriegelt und, wenn einzelne Roma unter Quarantäne stehen, dem ganzen Roma-Kollektiv strikte Maßnahmen auferlegt, während Maßnahmen gegenüber Mitgliedern der Mehrheitsbevölkerung lediglich individuell vorgenommen würden. Der Gesundheitsschutz der Roma werde dabei vernachlässigt.[322][323]

Nationale Maßnahmen

Tabellarische Übersicht

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die nationalen Maßnahmen einzelner ausgewählter Länder:

Staat bzw. Region Politische Maßnahmen Schulschließungen o. ä. Absagen oder weitere Schließungen Belege
Belgien  Belgien: COVID-19-Pandemie in Belgien seit dem 13. März 2020 Verbot von Kundgebungen unabhängig von deren Größe seit dem 13. März 2020 Schulen seit dem 13. März 2020 Cafés und Restaurants [325]
Danemark  Dänemark: COVID-19-Pandemie in Dänemark seit dem 14. März 2020 Versammlungsverbot für mehr als zehn Personen seit dem 14. März 2020 Schulen, Kindergärten seit dem 14. März 2020 Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen [326]
Deutschland  Deutschland: COVID-19-Pandemie in Deutschland seit 16. März 2020 Schulen, Kindertagesstätten seit 13. März 2020 Großveranstaltungen, seit 23. März 2020 umfassendes Kontaktverbot, Gastronomiebetriebe (ausgenommen Speisen und Getränke zum Mitnehmen), Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege (z. B. Friseure) [327][328][156]
Estland  Estland: COVID-19-Pandemie in Estland seit dem 13. März 2020 Verbot öffentlicher Versammlungen 13. März bis 1. Mai 2020 Schulen [182]
Frankreich  Frankreich: COVID-19-Pandemie in Frankreich seit dem 16. März 2020 Schulen, Hochschulen und Kindertagesstätten seit dem 16. März 2020 öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Geschäfte, Restaurants etc.) [325][329]
Indien  Indien: COVID-19-Pandemie in Indien seit dem 24. März 2020 eine 21-tägige Ausgangssperre seit dem 24. März 2020 Regierungsstellen, Büros, Einkaufszentren und öffentliche Verkehrsmittel [330][331]
Iran  Iran: COVID-19-Pandemie im Iran am 4. März 2020 wurde das Horten von Atemschutzmasken und anderen Vorräten mit der Todesstrafe belegt seit dem 4. März 2020 Schulen und Universitäten seit dem 4. März 2020 Kultur- und Sportveranstaltungen [94][233]
Italien  Italien: COVID-19-Pandemie in Italien am 22. Februar 2020 rief Friaul-Julisch Venetien als erste italienische Region den Notstand aus seit dem 10. März 2020 landesweit Schulen und Universitäten am 22. Februar 2020 wurde der Karneval in Venedig vorzeitig beendet, seit dem 9. März 2020 Bewegungseinschränkungen in ganz Italien, seit dem 12. März 2020 Schließung aller katholischen Kirchen in Rom (Verfügung des Vatikan) [332][333][211][325]
Japan  Japan: COVID-19-Pandemie in Japan seit 8. April 2020 30-tägiger Ausnahmezustand in sieben Präfekturen seit 27. Februar 2020 Schulen [334][335]
Lettland  Lettland: COVID-19-Pandemie in Lettland seit dem 12. März 2020 bis 13. April 2020 Notstand seit dem 12. März 2020 bis 13. April 2020 Schulen und andere Bildungseinrichtungen seit dem 12. März 2020 bis 13. April 2020 öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen [325][185]
Litauen  Litauen: COVID-19-Pandemie in Litauen seit Ende Februar 2020 Notstand (vorsorglich) seit dem 13. März 2020 Kindergärten, Schulen und Universitäten seit dem 13. März 2020 Kultur-, Freizeit-, Sport- und Unterhaltungseinrichtungen [325]
Malaysia  Malaysia: COVID-19-Pandemie in Malaysia Malaysia hat am 17. März 2020 mit der Sperrung begonnen, die am 12. Mai 2020 endet. Alle Schulen waren vom 17. März 2020 bis zum 12. Mai 2020 geschlossen. Ab dem 27. März 2020 wurden bestimmte Standorte für eine strengere Bewegungskontrollverordnung festgelegt. [336]
Mongolei  Mongolei: COVID-19-Pandemie in der Mongolei von Ende Januar bis 2. März 2020 Universitäten und Bildungseinrichtungen von Ende Januar bis 2. März 2020 öffentliche Veranstaltungen [337]
Norwegen  Norwegen: COVID-19-Pandemie in Norwegen seit dem 13. März 2020 Kindergärten, Schulen und Universitäten [325]
Osterreich  Österreich: COVID-19-Pandemie in Österreich seit dem 15. März 2020 Einschränkung der Versammlungsfreiheit auf bis zu fünf Personen, seit 18. März 2020 stehen bzw. standen das gesamte Land Tirol sowie einzelne Regionen bzw. Ortschaften in Kärnten, dem Land Salzburg sowie Vorarlberg unter Quarantäne seit dem 11. März Schließung aller Hochschulen, seit dem 16. März aller Schulen seit dem 17. März 2020, Totalsperre für gastronomische Betriebe [338][339][340]
Portugal  Portugal: COVID-19-Pandemie in Portugal seit dem 18. März 2020 Ausnahmezustand (zum ersten Mal seit 1974), zunächst bis 2. April, dann verlängert bis 17. April seit dem 12. März 2020 Schulen u. a. Bildungseinrichtungen [341][342]

[343]

Russland  Russland: COVID-19-Pandemie in Russland seit dem 23. März 2020 bis 12. April 2020 Schulen seit dem 18. März 2020 Theater und Festivals, seit dem 22. März 2020 Schwimmbäder und Fitnesscenter [344][345][346]
Schweiz  Schweiz: COVID-19-Pandemie in der Schweiz seit dem 17. März 2020 «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz seit dem 17. März 2020 Schulen seit dem 17. März 2020 bis 19. April 2020 Läden, Restaurants, Bars, Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe[347][348]
Spanien  Spanien: COVID-19-Pandemie in Spanien seit dem 16. März 2020 Notstand seit dem 16. März 2020 alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Geschäfte, Restaurants), außer Lebensmittelläden und Apotheken [245]
Singapur  Singapur: COVID-19-Pandemie in Singapur Singapur hat seit dem 7. April 2020 für die meisten Unternehmen abgesperrt. Ab dem 8. April 2020 waren die Schulen geschlossen. Allen Schülern wurde geraten, zu Hause zu lernen. Versammlungen über 10 Personen sind ab dem 25. März 2020 nicht mehr zulässig, 250 Personen ab dem 13. März 2020 nicht mehr. Die wesentlichen Dienstleistungen wurden ab dem 22. April 2020 gekürzt. [349][350]
Korea Sud  Südkorea: COVID-19-Pandemie in Südkorea Beginn des neuen Schuljahres vom 2. März zunächst auf den 23. März, dann auf den 9. April 2020 verschoben, Online-Unterricht geplant [351][352]
Tschechien  Tschechien: COVID-19-Pandemie in Tschechien seit dem 12. März 2020 30-tägiger Notstand [325]
Turkei  Türkei: COVID-19-Pandemie in der Türkei seit dem 12. März 2020 Schulen, seit dem 23. März 2020 Fernunterricht (das Staatsfernsehen TRT hat mit Lehrpersonen Programme entwickelt), bis 30. April geplant seit dem 16. März 2020 alle Geschäft, die nicht der Grundversorgung dienen [353][354][355]
Vatikanstadt  Vatikanstadt: COVID-19-Pandemie in der Vatikanstadt seit dem 8. März 2020 Vatikanische Museen, seit dem 10. März 2020 Petersplatz und Petersdom [356][357]
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten: COVID-19-Pandemie in den Vereinigten Staaten seit dem 13. März 2020 Notstand [358]
China Volksrepublik  Volksrepublik China: COVID-19-Pandemie in der Volksrepublik China seit dem 23. Januar 2020 Abriegelung von Wuhan, seit dem 24. Januar 2020 weitere Städte in der Provinz Hubei Januar 2020 in Peking Großveranstaltungen zur Feier des chinesischen Neujahrsfests [359][4][360]

Weltkarte zu Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen

Überblick über verschiedene nationale Maßnahmen
Übersicht der Ausgangsbeschränkungen (Stand: 25. März 2020)
  • Landesweit beschlossene Ausgangsbeschränkungen
  • Dezentral bzw. regional beschlossene Ausgangsbeschränkungen
  • Keine Ausgangsbeschränkungen
  • Aufgrund von COVID-19 beschlossene Schulschließungen der jeweiligen Länder (Stand: 14. Mai 2020)[361]
  • Regionale Schulschließungen
  • Landesweite Schulschließungen
  • Keine Schulschließungen
  • Keine Daten

  • Maßnahmen zur Sammlung von Kontakt- und Bewegungsdaten

    Die Artikel COVID-19-App und COVID-19-Pandemie #Maßnahmen zur Sammlung von Kontakt- und Bewegungsdaten überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. TheRandomIP (Diskussion) 21:26, 22. Apr. 2020 (CEST)

    COVID-19-Apps

    Unter COVID-19-Apps versteht man mobile Apps, die durch Kontaktverfolgung (Tracking) die Eindämmung der COVID-19-Pandemie unterstützen sollen. Viele Länder entwickeln eigene Apps, zum Teil auf gleichen Standards um Kompatibilität zu erreichen. Die datenschutzorientierte Nichtregierungsorganisation NOYB mit Sitz in Österreich hat auf der von ihr betriebenen Informationsseite names „GDPRhub“ Institutionen aufgelistet, die Apps dieser Art entwickeln.[362][363] In Österreich ist eine freiwillige Tracking-App des Roten Kreuzes mit dem Namen „Stopp Corona“ in Anwendung.[364] Die Freiwilligkeit müsse gesetzlich abgesichert werden, damit sie nicht etwa durch Positivanreize „faktisch ausgehebelt“ werden könne.[365] Aus Singapur wurde bekannt, dass dort „jede App-Installation mit der Telefonnummer des Nutzers verbunden und somit identifizierbar“ sei, was weitreichende Überwachungsmöglichkeiten schaffe.[366]

    Eine Mitte April von Apple und Google gemeinsam vorgestellte „Technik zur Kontaktverfolgung soll in den kommenden Monaten […] auf Betriebssystemebene in iOS und Android integriert werden.“ Dadurch sei die Kontaktverfolgung aller Nutzer (per Opt-In) möglich. Wird ein Kontakt mit einem infizierten Nutzer festgestellt, soll ein Hinweis zum Download der App einer zuständigen Behörde erfolgen.[367]

    Sonstige Auswertung von Standortdaten

    Auch ohne Tracking-Apps kann aufgrund der Ortungsmöglichkeiten von Smartphones und Mobiltelefonen und daraus abgeleiteten Mobilitätsdaten bereits überprüft werden, ob sich Bürger an die im Rahmen der Corona-Pandemie erlassenen Verordnungen halten, „ob die Bevölkerung sich“ beispielsweise „an die Empfehlungen halte, zuhause zu bleiben“. Lothar Wieler, der Präsident des deutschen Robert Koch-Instituts, erläutert hierzu, dass die hierfür notwendigen Informationen, Ortungen und Bewegungsdaten von der Telekom zur Verfügung gestellt werden: Man kann „kleinräumig und ziemlich aktuell nachzuvollziehen, wie sich bestimmte Maßnahmen, die zur Epidemiebekämpfung eingeführt worden sind, auch auswirken“.[368] Mit Mobilitätsdaten kann zum Beispiel tagesaktuell gemessen werden, „wie sich Menschen bewegen, und ob sie in den letzten Wochen ihr Verhalten verändert haben“.[369]

    Einige Länder wie Israel und Österreich verwenden netzwerkbasierte Standortverfolgung oder Standortdaten anstelle von Tracking-Apps. Dadurch entfällt sowohl das Herunterladen einer App als auch die Möglichkeit, die Verfolgung zu vermeiden.

    Der ehemalige Datenschutzbeauftragte der Deutschen Bundesregierung, Peter Schaar, hält die Methode, „jeden Einzelnen jede Sekunde zu tracken“, für rechtlich problematisch. Dies sei in Deutschland „auch im Zweifel nicht zulässig“.[368] Der Journalist Tomas Rudl beschreibt das ständige Tracking der persönlichen Standortdaten in Netzpolitik.org als „Holzhammermethode“.[370] In Israel habe eine Notstandsverordnung „dem Inlandsgeheimdienst Schabak die Mittel in die Hand“ gegeben, „ohne unabhängige richterliche Kontrolle die Standortdaten von sämtlichen israelischen Handynutzern auszuwerten. Sollte sich aus diesen ergeben, dass sich ein Nutzer für länger als zehn Minuten in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten hat, schickt das Gesundheitsministerium eine SMS mit der Aufforderung, sich in Quarantäne zu begeben. Die Einhaltung der Auflage soll ebenfalls vom Geheimdienst kontrolliert werden. Ob solche drakonischen und technikgestützten Ansätze letztlich gegen die Ausbreitung des Corona-Virus helfen,“ bleibe – so Tomas Rudl – „vorläufig offen“.[370]

    Kritik der Auswertung von Standortdaten

    Die Sicherstellung der Privatsphäre der bislang bekannten Apps wird unterschiedlich bewertet; zudem sind die Apps auch unterschiedlich kritisch. Während sie in China und Südkorea breit eingesetzt werden und von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert werden (wobei es in China starke Einschränkungen der freien Meinungsäußerung gibt) und es in Israel, „wo Geheimdienste und Überwachung vor allem als Schutz wahrgenommen werden“, laut der Deutschen Welle eine „wesentlich geringere Hemmschwellen“ gibt, „um Handy-Tracking zur Corona-Bekämpfung einzusetzen“, werden diese Anwendungen in Europa eher skeptisch betrachtet. Verschiedene Länder beachten in unterschiedlicher Weise einen Ausgleich von Datenschutz und Sicherheitsvorkehrungen.[371]

    Contact Tracing als „Risikotechnologie“

    Der Chaos Computer Club bezeichnet „Contact Tracing“ als „Risikotechnologie“.[372] Grundsätzlich wohne dem Konzept einer „Corona App“ aufgrund der möglicherweise erfassten Kontakt- und Gesundheitsdaten ein enormes Risiko inne. Gleichzeitig gebe es breite Anwendungsmöglichkeiten für „Privacy-by-Design“-Konzepte und -Technologien, die in den letzten Jahrzehnten von der Krypto- und Privacy-Community entwickelt wurden. Mit Hilfe dieser Technologien sei es möglich, die Potenziale des „Contact Tracing“ zu entfalten, ohne eine Privatsphäre-Katastrophe zu schaffen. Allein deshalb seien sämtliche Konzepte strikt abzulehnen, die die Privatsphäre verletzen oder auch nur gefährden. Die auch bei konzeptionell und technisch sinnvollen Konzepten verbleibenden Restrisiken müssen laut dem Chaos-Computer-Club fortlaufend beobachtet, offen debattiert und so weit wie möglich minimiert werden.[372] Daher legte der Chaos-Computer-Club „10 Prüfsteine für die Beurteilung von ‚Contact Tracing‘-Apps“ vor. Eine dieser Anforderungen sei, dass „IDs für ‚Contact Tracing‘ über Drahtlostechnik (z. B. Bluetooth oder Ultraschall) […] nicht auf Personen zurückführbar sein“ dürften und „häufig wechseln“ müssten. Aus diesem Grund verbiete sich auch „eine Verbindung mit oder Ableitung von IDs aus Kommunikationsbegleitdaten wie Push-Tokens, Telefonnummern, verwendeten IP-Adressen, Gerätekennungen etc.“[372]

    Auch die NGO Reporter ohne Grenzen legte sieben „Mindestanforderungen an eine Corona-Tracking-App“ vor, zum Beispiel dass der jeweilige Quellcode „von Anfang an als Open-Source-Software“ veröffentlicht werden müsse.[366]

    Der Datenschutzbeauftragte Stefan Brink äußerte Besorgnis über die Auswirkungen einer potenziellen Massenüberwachung mithilfe von Coronavirus-Apps.[373] Auch zuvor Mitwirkende wie Gernot Beutel, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der an der Entwicklung der Geohealth App beteiligt war, will „diese Entwicklung aus Gründen des Datenschutzes“ nicht weiterverfolgen.[374]

    Der deutsche Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv hierzu: „Es gibt natürlich Grenzen, wo man auch nicht freiwillig auf Freiheitsrechte verzichten kann. Das ist eine ganz wichtige Säule unseres Rechtsstaats. Diese roten Linien haben wir aber noch lange nicht beim Kampf gegen die Pandemie erreicht.“ Er gibt zu bedenken: Auf die Frage „Wären Sie bereit auf Datenschutz zu verzichten, um sich oder andere vor dem Virus zu schützen?“ hätten „etwa 64 Prozent mit Ja“ geantwortet. Er stellt hierbei allerdings klar: „Ich halte die Frage für unfair, weil sie nicht konkret ist. Wenn ich fragen würde: ‚Sind Sie einverstanden, dass Sie nach einer Infektion im Radio mit Namen und Adresse genannt werden?‘, würden das viele als völlig unnötig ablehnen. Es geht um die Verhältnismäßigkeit.“[375]

    Drosten hatte dagegen erwähnt, dass eine fiktive App für Mobilgeräte den Lockdown ersetzen könne, falls die App großflächig eingesetzt und akzeptiert werden würde.[376]

    Kritisch gesehen werden können die App-Entwicklungen, die auf Bluetooth aufsetzen, sie erfordern, dass diese als unsicher bekannte Technologie permanent aktiviert ist, was bösartige Angriffe auf das Mobilgerät möglich macht.[377]

    Auch wird die Frage gestellt, ob die zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie geschaffene Überwachungsinfrastruktur schnell oder überhaupt abgebaut wird, wenn die Bedrohung vorüber ist.[363] So wird Jonathan Klinger, Anwalt und Rechtsberater der Bewegung „Digitale Rechte in Israel“, in der taz wiedergegeben mit: „Sobald das System aufgebaut ist, ist es unwahrscheinlich, dass es schnell wieder abgebaut wird.“[370]

    Internationale Maßnahmen

    Internationale Gesundheitsnotlage, WHO-Maßnahmen

    Am 30. Januar 2020 erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus das Vorliegen einer Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite (auch vereinfacht „internationale Gesundheitsnotlage“ genannt).[378][379] Ausschlaggebend hierfür war die Sorge um die mögliche Ausbreitung der Virusepidemie auf Länder mit einem schwach entwickelten Gesundheitssystem, insbesondere in Subsahara-Afrika. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation betonte ausdrücklich, dass die Gesundheitsnotlage nicht wegen der Lage in China erklärt worden sei. Die WHO habe weiterhin volles Vertrauen in die Fähigkeiten Chinas, die Epidemie im Land unter Kontrolle zu bringen.[380]

    Am 11. und 12. Februar 2020 fand in Genf auf Einladung der Weltgesundheitsorganisation eine Konferenz statt, auf der sich über 400 Experten aus verschiedenen Fachgebieten zur Epidemie berieten. Es ging um den Austausch von Wissen über die Krankheit COVID-19 und das sie verursachende Virus SARS-CoV-2 sowie um die Festlegung zeitnaher Strategien, Impfstoffe und Behandlungsmethoden zu entwickeln.[381][382] In seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 15. Februar 2020 sagte Ghebreyesus, dass die chinesischen Maßnahmen halfen, die Weiterverbreitung der Epidemie auf andere Staaten zu verlangsamen. Er lobte die gute Zusammenarbeit der internationalen Forschergruppen und erklärte, dass Tests zur Diagnose des Virus sowie persönliche Schutzausrüstungen für medizinisches Personal an Staaten mit großem Bedarf verschickt wurden.[383] Im Situation Report – 29 der WHO vom 18. Februar 2020 wurde gemeldet, dass Testkits zur Labordiagnose von COVID-19 nach 56 Staaten verschickt wurden, ebenso wurden mehr als 12 Tonnen an persönlicher Schutzausrüstung an Staaten mit besonderem Bedarf in den Regionen Westpazifik, Südostasien und Afrika versandt.[11] Am 13. März 2020 berichtete der WHO-Generaldirektor, dass 1,5 Millionen Testkits nach 120 Staaten geliefert wurden und 28 weitere Staaten folgen würden, außerdem wurden Vorräte an persönlicher Schutzausrüstung für 56 Staaten bereitgestellt.[384] Die aktualisierte Meldung im Situation Report – 78 der WHO vom 7. April 2020 führte mehr als 900.000 Mund-Nasen-Schutzmasken, 62.000 N95-Masken, 1.000.000 Schutzhandschuhe, 115.000 Kittel, 17.000 Schutzbrillen und 34.000 Gesichtsschutzmasken auf, die an 133 Staaten versendet wurden.[11]

    Der WHO-Generaldirektor erklärte laut Medienangaben am 24. Februar 2020, dass es sich bislang nicht um eine Pandemie handele, sondern um Epidemien in einzelnen Ländern, denn es gebe bislang keine unkontrollierte globale Ausweitung des Virus. Von einer Pandemie zu sprechen, würde Angst schüren, sei im Prinzip unerheblich und würde keine Menschenleben retten.[385]

    Am 1. März 2020 gab die WHO eine Empfehlung für die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung heraus. Diese wurde durch die weltweite Knappheit an Schutzausrüstung motiviert, welche für Atemmasken bereits bestehe und für Kittel und Augenschutz absehbar sei. Darin wird empfohlen, pflegerische Tätigkeit mit Mund-Nasen-Schutz zu erledigen. FFP-2- und N95-Masken sollten länger und bei mehreren Patienten getragen werden, um Material zu sparen. Diese höherwertigen Masken sollten nur bei aerosolbildenden Eingriffen am Patienten zum Einsatz kommen. Der allgemeine Einsatz von Masken in der Bevölkerung wurde nur für pflegende Angehörige und Personen mit Atemwegsbeschwerden empfohlen.[386] In mehreren Staaten zugleich kam es zu Engpässen, die nicht kurzfristig durch Produktionserhöhungen und -umstellungen kompensiert werden konnten. Der Mangel an medizinischer Schutzkleidung, insbesondere auch an Atemschutzmasken, sowie an Mund-Nasen-Schutz für medizinische Fachkräfte und für die Allgemeinheit sowie an Desinfektionsmitteln wurde zu einem Faktor, den die Regierungen bei der Abwägung der Optionen miteinkalkulieren mussten. Teilweise griffen Regierungen direkt in Produktionsentscheidungen und Lieferketten ein.

    Am 11. März 2020 stufte die WHO die globale Verbreitung des Coronavirus offiziell als Pandemie ein.[387] Im WHO-Bericht 53 vom 13. März 2020 wurde bekannt gegeben, dass der Solidaritätsfonds zur Bekämpfung von COVID-19 (englisch COVID-19 Solidarity Response Fund) in Zusammenarbeit mit der UN-Stiftung und anderen Partnern eingerichtet wurde, um der Pandemie zu begegnen.[11] Ziel ist es, bis Ende April 675 Millionen US-Dollar zu sammeln, um Staaten mit besonderem Bedarf bei ihrem Einsatz gegen die Verbreitung von COVID-19 zu unterstützen.[388] Um Spenden für den Solidaritätsfonds zu sammeln und die Beschäftigten im Gesundheitswesen im weltweiten Einsatz gegen das neuartige Coronavirus zu würdigen, wurde zusammen mit der NGO Global Citizen für den 18. April das globale Live-Streaming- und TV-Ereignis „One World: Together At Home” („Eine Welt: Zusammen zuhause“) geplant. Kuratorin des Events ist Lady Gaga, es sollen Beiträge von internationalen Künstlern und führenden Gesundheitsexperten gesendet werden.[389][390]

    Anfang April 2020 unterstützte die WHO sechs östliche Mitglieder der WHO-Europagruppe mit finanziellen Mitteln in Höhe von 140 Millionen Euro, davon stammten 30 Millionen Euro von der EU-Kommission. Die Mittel wurden für medizinische Ausrüstung, persönliche Schutzausrüstungen und Diagnosestests, sowie Schulungen für das medizinische und das Laborpersonal und Informationskampagnen in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Republik Moldau, Ukraine und Weißrussland verwendet.[391]

    Die WHO veröffentlichte außerdem Informationen zur individuellen Vorbeugung, basierend auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Am 29. April lauteten die Empfehlungen:[392]

    • regelmäßig und gründlich die Hände mit Wasser und Seife oder mit einer für die Handdesinfektion geeigneten Handwaschlotion waschen, oder mit einem Handdesinfektionsmittel auf Alkoholbasis benetzen;
    • mindestens 1 m Abstand zu anderen Personen halten;
    • überfüllte öffentliche Plätze meiden;
    • möglichst nicht Augen, Nase oder Mund berühren;
    • in die Armbeuge niesen oder husten bzw. in ein Taschentuch;
    • zu Hause bleiben, wenn man sich krank fühlt;
    • bei Fieber, Husten und Kurzatmigkeit einen Arzt konsultieren (vor Besuch zuerst anrufen);
    • auch bei milden Symptomen (wie z. B. leicht laufender Nase oder Kopfschmerzen) zu Hause bleiben

    Maßnahmen in der EU

    In einer am 29. Januar 2020 abgeschlossenen Umfrage unter 47 Laboren ermittelte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die Testkapazität innerhalb der Europäischen Union (EU) auf 8.275 pro Woche an 37 Laboren in 24 Staaten. Diese Kapazität sollte bis zum 17. Februar auf 9.150 Tests pro Woche an 46 Laboren erhöht werden.[393]

    Bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister am 13. Februar 2020 in Brüssel wurde eine enge Zusammenarbeit beschlossen, um den Informationsaustausch, die Beschaffung persönlicher Schutzausrüstungen und notwendige Kapazitäten bei Behandlung und Diagnose von COVID-19 sicherzustellen. Es wurden finanzielle Mittel für die Forschung und Entwicklung eines Impfstoffes bereitgestellt. EU-weit geltende Einreisebestimmungen wurden nicht vereinbart, allerdings wurde geplant, dass Reisende aus bestimmten Regionen zu ihren Kontakten mit Menschen aus den von der Epidemie betroffenen Gebieten befragt werden. Bei dem Treffen lehnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nationale Alleingänge ab, ebenso das Fiebermessen von Einreisenden.[394]

    Am 24. Februar gab die Europäische Kommission Hilfsinvestitionen in Höhe von 232 Millionen Euro bekannt. Die Gelder sind für die WHO, für Forschung, für Afrika und für Flüge für die Rückholung von EU-Bürgern bestimmt.[395]

    Am 12. März beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), bis zum Jahresende für langfristige Kredite für Banken und den Aufkauf von Wertpapieren 120 Milliarden Euro bereitzustellen.[396] Eine Woche später kündigte die EZB an, bis Ende des Jahres mit weiteren Anleihekäufen im Umfang von 750 Milliarden Euro die Wirtschaft stabilisieren zu wollen.[397]

    Die EU-Kommission verabschiedete am 16. März Leitlinien, in denen sie die Mitgliedstaaten aufforderte, bei Grenzkontrollen für einen möglichst ungehinderten Warenverkehr im europäischen Binnenmarkt sowie für einen freien Grenzübertritt der im Gesundheits- und Nahrungsmittelsektor arbeitenden Pendler zu sorgen. EU-Bürgern, die durch ein anderes Land nach Hause wollen, solle die Durchreise erleichtert werden.[398]

    Am 17. März 2020 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union ein sofort wirksam werdendes 30-tägiges Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger.[399] Ausnahmen gibt es für Personen mit längerfristigem Aufenthaltsrecht in einem EU-Staat sowie Sonderregelungen für Staatsbürger von EFTA-Staaten und dem Vereinigten Königreich. Wer einen dringenden Einreisegrund habe (beispielsweise eine Beerdigung oder einen Gerichtstermin), müsse dafür die entsprechenden Nachweise mitführen.[400]

    Die EU-Kommission kündigte am 20. März an, sie werde wegen der Corona-Krise die Haushaltsregeln lockern. Zum ersten Mal werde die allgemeine Ausweichklausel des EU-Stabilitätspakts aktiviert.[401] Das heißt, dass „nationale Regierungen so viel Liquidität wie nötig in die Wirtschaft pumpen können“.[402]

    Anfang März kam es in einigen Ländern zu Exportsperren für Schutzausrüstung, insbesondere Atemmasken und Schutzkleidung, so in Deutschland[403][404] und Frankreich.[405] Dadurch wurden Lieferungen für schon stark betroffene Länder wie Italien, Schweiz oder Österreich, zurückgehalten.[406][407] Die EU-Kommission musste eine Rüge wegen mangelnder Solidarität aussprechen.[408][409][410] Erst Mitte März konnte eine Einigung erzielt werden, die auf gemeinsame Beschaffung durch die Kommission und Exportbeschränkungen nur für EU-Drittländer hinausläuft.[408] China kündigte an, Europa mit inzwischen dort nicht mehr benötigtem Material zu versorgen.[411] Allerdings stellten sich viele dieser chinesischen Lieferungen später als Mangelware heraus.[412]

    Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die Initiativen der EU-Kommission, beispielsweise zur gemeinsamen Beschaffung von Schutzkleidung.[413]

    Bei einer Umfrage des Marktforschungsdienstes Aposcope gaben 32,1 % von 56 befragten Apotheken an, beim Verkauf der Masken einen Aufschlag von 40 % bis unter 50 % zu erheben; 16,1 % verlangten einen Aufschlag von 50 % und mehr.[414][415] Der Einkaufspreis für chirurgische Masken lag nach Angaben des Bayerischen Apothekerverbands bisher bei wenigen Cent und stieg seit dem Übergang zur Maskenpflicht auf ein bis zwei Euro. Die Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbände wies darauf hin, dass die Berufsordnung für Apotheker „allzu offensive Preisgestaltung, vulgo ‚Wucher‘“, verbiete.[416]

    In einem Video-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten am 26. März 2020 vertraten einige Teilnehmer, so wie zuvor auch zahlreiche Ökonomen[417], die Position, dass die Staaten gemeinsame Anleihen für die Bekämpfung der Krise (auch als „Corona-Bonds“ bezeichnet) ausgeben sollten. Es kam aber zunächst zu keiner Einigung auf eine gemeinsame Position zur Finanzierung von Krisenbewältigungsmaßnahmen.[418] Der Präsident des Europäischen Forschungsrats Mauro Ferrari reichte aus Enttäuschung über die Reaktion der EU auf die Krise am 7. April 2020 seine Kündigung ein.[419]

    Am 9. April beschloss die EU als erste Hilfsmaßnahme, besonders von der Pandemie betroffenen Mitgliedstaaten Kredite des Eurorettungsschirms ESM bis zur einer Höhe von 240 Milliarden zu gewähren, Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 200 Milliarden Euro für Unternehmen bereitzustellen und ein Kurzarbeiterprogramm namens „SURE“ (Support Mitigating Unemployment Risks In Emergency, deutsch Unterstützung zur Minderung des Arbeitslosenrisikos im Notfall) mit einem Umfang von 100 Milliarden Euro aufzustellen.[420][421] Ein längerfristiges, zweites Hilfspaket gleicher Höhe (ein sogenannter Recovery Fund) wurde zwar vereinbart, aber es kam vorerst zu keiner Einigung über eine konkrete Finanzierung.[422]

    Die Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien (EGE), welche eine beratende Funktion gegenüber der Europäischen Kommission hat, gab im April 2020 eine Erklärung über die Europäische Solidarität und den Schutz der Grundrechte während der COVID-19-Pandemie ab. Sie rief dazu auf, die Solidarität nicht auf die eigenen Region oder das eigene Land zu beschränken, und wies darauf hin, dass sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen stärker von der Pandemie betroffen sind. Den Auswirkungen − dem Wirtschaftsabschwung ebenso wie einer Zunahme von häuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch und Selbstmorden − sei durch unmittelbare Unterstützungsmaßnahmen finanzieller und psychosozialer Art zu begegnen, ausgehend von dem gleichen, auf der Menschenwürde beruhenden Wert aller Menschen. Konkret sei auf den Instrumenten der finanziellen Unterstützung aufzubauen, die zur Bewältigung der Finanzkrise 2008 eingesetzt wurden; EU-Mitgliedstaaten, die größere medizinische Ressourcen haben, sollen sie mit anderen teilen. Die Rettung von Menschenleben sei das erste Ziel, wobei zugleich darauf zu achten sei, dass die Krise nicht zum Machtmissbrauch verwendet werde. Überwachungsdaten seien nach einer Abwägung der Verhältnismäßigkeit frühzeitig wieder zu löschen. Nach der Krise sei aus den gesammelten Erfahrungen eine gemeinsame Strategie für den Umgang mit zukünftigen Bedrohungssituationen zu entwickeln.[423]

    Am 18. Mai legten Angela Merkel und Emmanuel Macron überraschend einen gemeinsamen Vorschlag für einen Wiederaufbaufonds vor. Statt einer gesamtschuldnerischen Haftung wie bei „Corona-Bonds“ sollen die Hilfen in Höhe von 500 Milliarden Euro über den EU-Haushalt finanziert werden. Hierdurch wäre auch eine direkte demokratische Kontrolle der Mittelverwendung möglich.[422]

    Außenpolitik und außenpolitische internationale Zusammenarbeit

    Flug- und Reiseverkehr

    Einzelne betroffene Kreuzfahrtschiffe

    Mehrere Kreuzfahrtschiffe wurden im Rahmen der COVID-19-Pandemie unter Quarantäne gestellt, andere mussten aufgrund von Befürchtungen, dass sich das Virus an Land weiter ausbreiten könnte, ihre Route ändern, um an einem anderen Hafen anzulegen. Mehrere Staaten holten ihre Bürger, die auf unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffen festsaßen, in die Heimat zurück. Teils wurde die Handhabung der Quarantänemaßnahmen an Bord und rund um die Ausschiffung als ein Risiko für eine verstärkte Ausbreitung des Virus bewertet.

    Evakuierungen

    Weltbank

    Nachdem die Weltbank schon im März 2020 ein Hilfspaket von 12 Milliarden US-Dollar aufgelegt hatte,[424] das Entwicklungsländer beim Kampf gegen das Coronavirus unterstützen sollte, kündigte sie im April 2020 an, 160 Milliarden bereitstellen zu wollen.[425]

    Die Weltbank hatte im Jahr 2017 die Finanzierungseinrichtung für Pandemienotfälle (englisch Pandemic Emergency Financing Facility, kurz: PEF) als Versicherungsmarkt für weltweite Pandemienotfälle eingeführt, in Zusammenarbeit mit den Rückversicherern Swiss Re, Munich Re und GC Securities. Es wurden Anleihen in Höhe von insgesamt 320 Millionen US-Dollar ausgegeben.[426] Diese werfen jährlich hohe Zinsen ab, im Gegenzug verlieren Anleger ihre Einlage zum Teil oder auch in Gänze, falls die Bedingungen für eine Pandemie erfüllt sind. Das Geld wird dann zur Finanzierung der Krisenreaktion verwendet.[427][428] Dies geschieht laut Medienberichten 84 Tage nach einem entsprechenden Lagebericht der WHO. Teils ist es selbst für gut informierte Investoren schwer einzuschätzen, wann der Pandemienotfall eintritt.[427] Die Anleihe, die nicht an öffentlichen Börsen gehandelt wird, verlor im Zuge der Corona-Epidemiekrise stark an Wert.[429] Experten betonen, dass die Summe klein ist im Vergleich der Gesamtheit der liquiden Mittel der Weltbank in Höhe von zehn Milliarden Dollar.[427]

    Vereinte Nationen

    Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres rief am 23. März zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand auf, um Zivilpersonen in den Konfliktregionen vor der Pandemie zu schützen. Guterres sagte später, dass sein Aufruf seitdem von 70 Staaten sowie von regionalen Partnern, nichtstaatlichen Akteuren, Netzwerken der Zivilgesellschaft und Organisationen unterstützt worden ist. Darunter seien auch elf in langjährige Konflikte verwickelte Staaten. Eine Online-Petition, die auf diesen Aufruf der UN Bezug nahm, wurde von mehr als eine Million Personen unterstützt.[430]

    Die Vereinten Nationen gaben am 2. April 2020 eine erste gemeinsame Resolution zur COVID-19-Pandemie ab. Sie rief darin zu mehr internationaler Zusammenarbeit und Multilateralismus auf, mahnte den Schutz der Menschenrechte an und sprach sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aus. Einige Staaten, darunter Russland, hatten im Vorfeld gefordert, auch zur Aussetzung von internationalen Sanktionen aufzurufen.[431] In den Medien wurde die späte Reaktion der Vereinten Nationen auf die Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit als eine „Kluft zwischen normiertem Anspruch und der Wirklichkeit“ kritisiert.[432]

    Am 15. April 2020 begrüßten die UN-Organisationen IOM, UNHCR und UNICEF Luxemburgs Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus Griechenland.[433]

    Die Allianz für Multilateralismus sagte in einer gemeinsamen, von den Außenministern zahlreicher Staaten unterzeichneten Erklärung vom 16. April 2020 den Vereinten Nationen, der WHO und anderen internationalen Organisationen ihre Unterstützung für deren Anstrengungen zu, die Pandemie einzudämmen, zu bekämpfen und ihre Ausbreitung zu verhindern.[434]

    Medien berichteten von einem Veto der Vereinigten Staaten vom 8. Mai 2020 gegen einen bisher ausgehandelten Kompromissvorschlag für eine Covid-19-Resolution. Diese sollte eine weltweite Waffenruhe in der Pandemie unterstützen. Die Vereinigten Staaten widersprachen der Nennung der WHO in dem Entwurf, der von Frankreich und Tunesien ausgearbeiteten worden war. Ebenso wenig stimmten sie einem in der Wortwahl abgewandelten Entwurf zu.[435]

    Internationale Nichtregierungsorganisationen

    Einige internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) setzten sich in Wuhan bei der Bekämpfung des Virus ein, darunter Project HOPE, Direct Relief und Save the Children China.[436]

    Die nationalen Rotkreuzgesellschaften arbeiten als nationale Hilfsgesellschaften in enger Zusammenarbeit mit Behörden für die Bekämpfung des Virus.

    Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) setzt sich unter anderem in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Norwegen und Griechenland für gefährdete Bevölkerungsgruppen ein.[437] In Italien unterstützen etwa 30 MSF-Mitarbeiter Krankenhäuser, Pflegeheime und Patienten und helfen Hausärzten und Gesundheitsfachleuten bei der Umsetzung häuslicher Isolierung (Stand: 27. März 2020).[437] In Spanien richtete MSF temporäre Spitale ein, wo Patienten mit moderaten Beschwerden behandelt werden können, um Notaufnahmen und Intensivstationen zu entlasten, und berät zum Schutz von medizinischem Personal und älteren Menschen.[437][438] In Frankreich unterstützt MSF die örtlichen Gesundheitsbehörden bei der Diagnose und Behandlung von Infektionen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen, insbesondere unter Migranten und Obdachlosen.[437][439]

    Forschungseinrichtungen und Universitäten

    • Forschung findet einerseits auf den Gebieten der Impfstoffentwicklung und zur Behandlung[445][446] Erkrankter statt, andererseits wird an Diagnostik zum Nachweis einer aktiven Erkrankung und an Antikörpertests zum Nachweis einer bereits stattgefundenen Infektion geforscht. Wichtige Vorarbeit für die Impfstoffentwicklung war die Entschlüsselung des Erbguts des in Wuhan isolierten Virus im Januar 2020, veröffentlicht in der frei zugänglichen GenBank des Nationalen Zentrums für Biotechnologieinformation, gefolgt von der Entschlüsselung weiterer Genomsequenzen.[447] Fortschritte bei der Diagnostik und den Antikörpertests verbessern die Nachverfolgbarkeit der Krankheit und können so durch angepasste Infektionsschutzmaßnahmen dazu beitragen, die Verlaufskurve abzuflachen, was wichtig ist, um die Zahl der Intensivpatienten unterhalb der Kapazitätsgrenze der Intensivbetten zu halten.[448] Noch im Januar 2020 wurden erste Nachweisverfahren für SARS-CoV-2 (damals noch als 2019-nCoV bezeichnet) mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) publiziert, weitere Gruppen von Wissenschaftlern veröffentlichten ihre entwickelten Methoden; sie sind auf der Website der WHO abrufbar.[449]
    • Forschern der Schweizerischen Eawag und der ETH Lausanne ist es Ende April 2020 gelungen, Spuren des Sars-CoV-2-Virus im Abwasser nachzuweisen. In täglich aus der Abwasserreinigungsanlage von Lausanne entnommenen Proben konnten sie den Anstieg der Sars-CoV2-Viren im Abwasser im März und April grob nachzeichnen. Der Forschungserfolg erlaubt es, einen allfälligen Wiederanstieg der Infektionen rund eine Woche schneller zu erkennen als aufgrund der Tests. Ziel ist es, aus rund zwanzig großen, geografisch gut über die Schweiz verteilten Kläranlagen das Abwasser von rund 2,5 Millionen Menschen im Rahmen eines Frühwarnsystems zu überwachen.[451]

    Auswirkungen

    Die national sowie international beschlossenen Maßnahmen hatten wiederum drastische Auswirkungen auf eine Vielzahl von Lebensbereichen, die im Folgenden kurz aufgeführt und in den jeweilgen Hauptartikeln näher beschrieben sind.

     
    Aufgrund von Hamsterkäufen waren verschiedene Produkte wie Reis, Nudeln, Konserven und Toilettenpapier zeitweise ausverkauft.

    Wirtschaftliche Auswirkungen

    Die COVID-19-Pandemie hatte weitreichende Auswirkungen auf die Ökonomie, die sich zunächst in China und Asien, später weltweit bemerkbar machten. Die Quarantäne ganzer Regionen und Ausgangsbeschränkungen der Bevölkerung wirkten sich auf die Versorgungslage aus[452] und führten im Einzelhandel mitunter zu Hamsterkäufen von haltbaren Lebensmitteln und Toilettenpapier.[453] Ebenfalls waren Dienstleistungsbranchen wie Tourismus, Gastronomie oder Unterhaltungseinrichtungen betroffen, die starke Umsatzeinbußen verzeichneten.[452] Die Unterbrechung länderüberschreitender Lieferketten führte zu zumindest zeitweiligen Produktionsstopps.[452] Im März 2020 kam es an den Aktienmärkten vieler Staaten zum Börsencrash.[454] Die Wirtschaftskrise im Jahr 2020 wurde in den Medien auch als Coronarezession bezeichnet.

    Auswirkungen auf den Politikbetrieb

    Durch Erkrankung ranghoher Politiker sowie Vorbeugungs- und Quarantänemaßnahmen veränderte sich die Staatsführung in einigen Ländern, insbesondere die Ausübung einer parlamentarischen Demokratie stellte die Staaten vor Herausforderungen.

    Soziokulturelle Auswirkungen

    Die COVID-19-Pandemie hat weitreichende soziokulturelle Auswirkungen, so etwa auf die Arbeitswelt und die Schule. Da die Menschen dazu angehalten werden, ihre Arbeit möglichst von zu Hause aus auszuführen (Homeoffice), können negative gesundheitliche Begleiterscheinungen auftreten (siehe Massenquarantäne #Mögliche Nebeneffekte). In Folge der Pandemie kam es aber auch zu Kurzarbeit und einer Reihe von Entlassungen von Arbeitnehmern. Hinzu kamen regionale oder landesweite Schulschließungen. Im Rahmen der COVID-19-Pandemie zeigen sich ebenfalls Auswirkungen auf das soziale Miteinander; beispielsweise kam es nach dem Aufruf zur räumlichen Distanz zu Ovationen an Fenstern und Balkonen als Dank an das medizinische Personal für ihre Arbeit in der Krise. Teils kam es aber auch zu Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung von Personen, von denen lediglich vermutet wurde, sie könnten das neuartige Coronavirus übertragen. Die Pandemie hat teils auch psychologische Folgen, etwa Ängste und zwischenmenschliche Probleme. Aufgrund der neuartigen Krankheit COVID-19 und des Virus SARS-CoV-2 kursieren vor allem im Internet viele Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie.

    In nahezu allen betroffenen Ländern, insbesondere aber in solchen mit Massenquarantänemaßnahmen oder anderen Ausgangsbeschränkungen beziehungsweise Kontaktverboten, sind kulturelle Veranstaltungen, wie Theater, Konzerte, Kino, Museumsbesuche, Besichtigungen, nahezu zum Erliegen gekommen. Hierzu zählen auch Kirchweihen, Jahrmärkte, Stadt- und Dorffeste. Zahlreiche Kinostarts wurden verschoben, Preisverleihungen und Festivals abgesagt. Wegen der Pandemie wurden zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt oder verschoben; zunächst waren Veranstaltungen in China, später in Asien und mit Verlauf der Pandemie weltweit betroffen.

    Zu den Opfern der Pandemie zählen auch zahlreiche Prominente (siehe hierzu: Liste von Todesopfern der COVID-19-Pandemie).

    Auswirkungen auf die Umwelt

    Es kam wegen der zunehmenden Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivitäten und der individuellen Mobilität zu einem Rückgang der Umweltverschmutzung und des Kohlendioxid-Ausstoßes in den betroffenen Weltregionen.

    Anderweitige Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung

    Abseits der direkten Folgen der Krankheit hatte die Pandemie zahlreiche medizinische Auswirkungen, etwa durch Verschiebung geplanter, nicht als notwendig erachteter Operationen, um Kapazitäten in Krankenhäusern freizuhalten.

    Die WHO warnte davor, die Bekämpfung anderer Krankheiten während der Pandemie zu vernachlässigen, etwa den Kampf gegen Malaria in Subsahara-Afrika.[455] Da COVID-19-Patenten zur Behandlung sekundärer Infektionen häufig Antibiotika bekommen, könnte dies die bereits seit Jahren zunehmende Ausbreitung der Antibiotikaresistenzen beschleunigen.[456]

    Auswirkungen auf Forschung und Lehre

    Die COVID-19-Pandemie führte einerseits zu drastischen Einschränkungen des akademischen Austauschs. Um soziale Distanzierung aufrechtzuerhalten, wurden zahlreiche akademische Forschungsprojekte heruntergefahren. So wurde in einem Artikel in der Radiological Society of North America über mögliche Folgen dieser Maßnahmen für die Radiologie berichtet. Ein Shutdown über 3 bis 4 Monate könnte ein bis zwei Jahre wissenschaftlicher Produktivität zunichte machen. Schwierigkeiten werden etwa bei der Wiederaufnahme unterbrochener klinischer Studien gesehen.[457]

    Andererseits fand ein intensivierter internationaler Austausch von Informationen und Forschungsergebnissen zum Virus SARS-CoV-2, zum Krankheitsverlauf von COVID-19 und zu epidemiologischen Fragestellungen statt.[383]

    Die Pandemie führte zudem zu Einschränkungen in der akademischen Lehre. So wurden Auslandssemester ausgesetzt und der Lehrbetrieb wurde auf Online-Kommunikation umgestellt.[458]

     
    Vorübergehende Schließung des städtischen Lincoln-Theaters in Worms am Rhein

    Statistiken und Modellrechnungen zur Epidemie

    Die täglichen WHO-Berichte beinhalten die aus den Mitgliedsstaaten gemeldeten Fallzahlen, dadurch kommt es zu einer zeitlichen Verzögerung. Das Zentrum für Systemwissenschaft und Systemtechnik (englisch Center for Systems Science and Engineering, kurz: CSSE) an der Johns Hopkins University entwickelte eine alternative Sammlung der durch örtliche Stellen gemeldeten Fälle und Präsentation der Daten per als Dashboard bezeichneten Online-Tool.[459] Diese Zahlen unterliegen einem größeren Vorbehalt als die an anderer Stelle gezeigten Daten der WHO, mehr Informationen dazu finden sich im Abschnitt Genesung.

    Bestätigte Tote und Übersterblichkeit

     
    Fall-Verstorbenen-Anteile verschiedener Länder

    Experten verweisen darauf, dass Zahlen zu Todesfällen nach der Definition der WHO auch insofern unsicher sind, als in Fällen einer Coronavirusinfektion diese wie bei allen Atemwegserkrankungen nicht notwendigerweise die finale Todesursache sein müsse. Dies könne man vielfach nur anhand der Ergebnisse einer Autopsie unterscheiden.[460] Umgekehrt werden aber auch nicht alle Toten, die auf das Virus zurückzuführen sind, tatsächlich als solche identifiziert.[461] Um diese Unsicherheiten bei der Bewertung der Schwere einer Seuche zu berücksichtigen, wird neben der Anzahl der Toten, die nach den Falldefinitionen bestätigt infiziert waren (siehe auch oben Abschnitt Vergleich mit Influenza (Grippe)), die Übersterblichkeit festgestellt,[462] was jedoch erst nachträglich möglich ist. Die Problematik der Zuordnung der Todesarten ist ein bekanntes Problem. Die international nach einheitlichen Regeln geführte Todesursachenstatistik berücksichtigt in den statistischen Auswertungen nur eine Hauptdiagnose, obschon laut Neue Zürcher Zeitung „bei fast 90 Prozent aller Todesfälle mehr als eine Diagnose verzeichnet“ werde. Die Todesursachenstatistik sei zudem arbeitsintensiv, bisher von geringer Priorität und würde daher mit großer Verzögerung erstellt; in der Schweiz seien die Daten für 2017 im Dezember 2019 veröffentlicht worden. Bereits Anfang April 2020 konnte jedoch das Eintreten einer Übersterblichkeit für die Woche vom 16. bis zum 22. März auf Grund der COVID-19-Pandemie festgestellt werden.[463] Anfang April berichtet Der Spiegel über die Datenlage des europäischen Netzwerks EuroMOMO (European Monitoring of Excess Mortality for Public Health Action), das wöchentliche Bulletins über die Gesamtsterberaten seiner 24 europäischen Partnerländer bzw. -regionen veröffentlicht.[464] Danach sei noch in der 13. Kalenderwoche in der Gesamtstatistik aller erfassten Länder kaum ein Ausschlag zu sehen. Die Zahlen müssten jedoch wegen verzögerter Meldungen vorsichtig interpretiert werden. Trotz dieser Unsicherheiten sei für die 14. Woche ein deutlicher Ausschlag von 10.000 Toten, also 70.000 statt der zu erwartenden 60.000 Toten, zu erkennen. Der Anstieg gehe hauptsächlich auf vier Staaten mit durch die Corona-Pandemie in Teilen zusammengebrochener Gesundheitsversorgung zurück (Italien, Frankreich, Spanien und England). In Italien und Spanien musste bereits die Triage eingeführt werden.[465][466][467] Deutlich erhöht sei die Sterblichkeit auch in der Schweiz und in den Niederlanden. EuroMOMO fasst die Statistik der 14. Kalenderwoche wie folgt zusammen:

    “The latest pooled estimates from the EuroMOMO network show a marked increase in excess all-cause mortality overall for the participating European countries, related to the COVID-19 pandemic. This overall excess mortality is driven by a very substantial excess mortality in some countries, primarily seen in the age group of 65 years and above, but also in the age group of 15–64 years.”

    „Die jüngsten zusammengefassten Schätzungen des EuroMOMO-Netzwerks zeigen einen deutlichen Anstieg der überhöhten Gesamtsterblichkeit in den teilnehmenden europäischen Ländern im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Diese Gesamtübersterblichkeit ist in einigen Ländern auf eine sehr erhebliche Übersterblichkeit zurückzuführen, die vor allem in der Altersgruppe der über 65-Jährigen, aber auch in der Altersgruppe der 15–64-Jährigen zu beobachten ist.“

    euroMOMO: European mortality bulletin week 14, 2020[464]

    Anmerkungen zu den Daten und Falldefinition der WHO

    Die WHO gibt täglich einen Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report (deutsch Lagebericht zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)) heraus, der alle der WHO bis um 10 Uhr Mitteleuropäische Zeit des jeweiligen Tages von den Mitgliedsländern neu gemeldeten Fälle der letzten 24 Stunden beinhaltet. Die jeweiligen WHO-Mitglieder sind für die Angaben verantwortlich. Seit dem Report — 39 vom 28. Februar 2020 beinhaltet die Liste der Staaten einen Eintrag, wie viele Tage seit dem letzten gemeldeten Fall vergangen sind.[11] So lag der letzte gemeldete Fall für Kambodscha am 28. Februar bereits 32 Tage zurück. Zum Report – 49 am 9. März hatten die USA seit zwei Tagen keine Fälle mehr gemeldet, wodurch der Stand bei 213 Fällen und 11 Toten verblieb, obwohl andere Quellen viel höhere Zahlen gemeldet hatten, unter anderem das Zentrum für Systemwissenschaft und Systemtechnik der Johns-Hopkins-Universität: 605 Infizierte und 22 Tote, siehe unten Abschnitt Weblinks. Die WHO führt Taiwan, das kein WHO-Mitglied ist, als Region Chinas, weist dies aber seit dem Report — 56 vom 16. März 2020 nicht mehr in den Reports aus, sondern nur noch auf ihrem Dashboard Coronavirus (COVID-19).[468]

    Am 6. Februar 2020 wurden innerhalb der Volksrepublik China zum ersten Mal seit dem 24. Januar weniger neu infizierte Menschen erfasst als am Vortag. Medienberichte führten dies darauf zurück, dass die chinesische Nationale Gesundheitskommission am 7. Februar eine geänderte Definition für einen „bestätigten Coronavirus-Fall“ vorgab. Demnach sollten Personen, bei denen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, die aber keine Krankheitssymptome zeigen, nicht mehr als bestätigter Fall angesehen werden. Es war unklar, ob diese geänderte Zählweise bereits angewendet worden war.[469][470] Sie widersprach der Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation:

    “Confirmed case: A person with laboratory confirmation of 2019-nCoV infection, irrespective of clinical signs and symptoms.”

    „Bestätigter Fall: Eine Person mit Laborbestätigung der 2019-nCoV-Infektion (Anmerkung: später als COVID-19 bezeichnet), ungeachtet klinischer Anzeichen und Symptome.“

    WHO: Global Surveillance for human infection with novel coronavirus (2019-nCoV)[471]

    Vom 13. Februar bis 19. Februar 2020 änderte die chinesische Gesundheitskommission erneut die Kriterien, somit ergab sich am 13. Februar allein für Hubei mit 14.000 neuen Fällen die höchste Zahl an Neuinfektionen. Nach der neuen Definition konnten Ärzte in der Provinz Hubei aufgrund ihrer Diagnose einen „bestätigten Coronavirus-Fall“ melden, wenn mehrere Faktoren wie Computertomographie (CT) der Lungen, andere Symptome und ein epidemiologischer Zusammenhang mit anderen Fällen zutrafen, unabhängig vom Nachweis des Virus im Labor.[80][470] Zuvor waren unter 167 Patienten fünf Fälle beschrieben worden, bei denen der Labortest mittels RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) negativ verlaufen war, aber der CT-Befund auf eine Infektion schließen ließ. Die Patienten wurden während der Behandlung isoliert und die RT-PCR-Untersuchung von neuen Abstrichen wiederholt, zum Teil mehrfach. Nach zwei bis acht Tagen bestätigte ein positiver Labortest die ursprüngliche Diagnose.[472]

    Die Vorgehensweise vom 13. Februar entsprach nicht der Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation, die zunächst mit ihrem Situation Report – 24 dazu überging, nur die laborbestätigten Fälle aus China in ihrem Bericht aufzuführen, nicht die zusätzlichen, lediglich klinisch diagnostizierten. Außerdem forderte die WHO weiterführende Informationen zu dieser Änderung an.[473] Ab dem WHO-Bericht Situation Report – 25 wurden die zusätzlich klinisch diagnostizierten Fälle aus Hubei in einer Tabelle genannt, aber nicht in den Fallzahlen auf der ersten Berichtsseite berücksichtigt.[11] Bereits drei Tage später änderte die WHO ihre Berichterstattung erneut: Ab dem Situation Report – 28 wurden auf der ersten Seite die summierten Fallzahlen genannt, also die laborbestätigten und klinisch diagnostizierten Infektionsfälle. Eine separate Darstellung in der Tabelle für die Provinz Hubei entfiel.[11] Ab dem Situation Report – 31 vom 20. Februar 2020 wurde wieder die ursprüngliche Zählweise (nur die laborbestätigten Fälle) für China angewandt, da die chinesische Gesundheitskommission die Sonderregelung für die Provinz Hubei revidiert hatte (Stand: 20. Februar 2020).[11]

    Diskussion um die Validität der gemeldeten Daten

    Generell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer von nicht erkannten Infektionen und von Infektionen, die symptomfrei verlaufen, und zweifeln die Aussagekraft der Zahlen der gemeldeten Fälle an.[80][470][474][475] Siehe dazu auch den Abschnitt Statistische Schätzungen und Simulationsstudien.

    Die Erhebungen und die Meldepolitik sind in den Ländern so unterschiedlich, dass die Daten kaum zum Vergleich der Länder genutzt werden können. So berichtet Die Zeit Mitte März 2020, Russland melde generell keine COVID-19-Toten, sondern erfasse diese als Fälle von Lungenentzündung. Zudem existierten pauschale Vorbehalte, Negatives öffentlich zu machen und so die Regierung schwach aussehen zu lassen, wodurch von offizieller Seite der Zustand der Corona-Epidemie in Russland verschwiegen werde.[476] Ähnliches berichtet Der Spiegel aus dem Iran, wo die Machthaber aus Propagandagründen die Seuche zunächst vertuscht, dann lange verharmlost und Maßnahmen aus ideologischen Gründen hinausgezögert hätten. Rick Brennan, Notfalldirektor der WHO, glaube, dass das iranische Regime das Ausmaß der Krise noch immer vertusche und die Zahl der Coronavirus-Toten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fünfmal höher liege als offiziell angegeben.[477] Andere, vor Ort angeblich gut mit dem Gesundheitssystem vernetzte Quellen berichteten Ende März von 11.500 Toten statt der Zahl 2.200, die bis zum gleichen Zeitpunkt an die WHO gemeldet worden war, weil das Regime Sorge um die Aufrechterhaltung der Macht habe.[478] Ende März berichtete die South China Morning Post, dass China seit dem 7. Februar positiv Getestete ohne Symptome zwar isoliere, aber entgegen den WHO-Regeln nicht mehr in die offizielle Zählung der bestätigten Fälle aufnehme. So fehlten bis Ende Februar mehr als 43.000 Fälle in den offiziell rund 80.000 von China Gemeldeten. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Italien hingegen testeten Menschen ohne Symptome (abgesehen von medizinischem Personal) wie die meisten europäischen Staaten erst gar nicht. Andere, wie Südkorea, bemühten sich weiterhin, alle Kontaktpersonen von positiv Getesteten zu überprüfen.[9]

    Zudem sind die Verfahren rund um die Diagnose, d. h., wer wird wie oft mit welchem Verfahren getestet und wie viele Tests stehen zur Verfügung, von Land zu Land, selbst von Region zu Region stark unterschiedlich und ergeben unterschiedlich hohe Dunkelziffern.[479]

    Eine Unterschätzung der wahren Zahl an Infizierten im Verlauf der Pandemie kann es auch durch mangelnde Testkapazität geben, welche von Land zu Land unterschiedlich schnell erreicht sind.[480] Beispielsweise testen manche Länder auf dem Höhepunkt der Verbreitung aufgrund mangelnder Kapazitäten nur noch bestimmte Risikogruppen.[481]

    Die auffälligen Unterschiede zwischen den Werten der Fallsterblichkeit verschiedener Länder, die dadurch errechnet werden, dass man die Zahl der gemeldeten Fälle mit den gemeldeten Todesfällen ins Verhältnis setzt, sind aus Expertensicht auch auf diese unterschiedlichen Testkapazitäten und Teststrategien zurückzuführen. So wies in Europa beispielsweise Italien zwischenzeitlich (März 2020) eine scheinbare Sterblichkeitsrate von über 7,7 % auf, während in Deutschland im gleichen Zeitraum die Rate bei nur 0,3 % lag, was auch damit zu erklären war, dass in Deutschland flächendeckend und vor allem auch jüngere Infizierte mit leichten Symptomen getestet wurden, während Italien aufgrund der schon stärker ausgebreiteten Infektion nur noch diejenigen testen konnte, die schon mit schweren Symptomen behandelt werden mussten. Somit war schon die Auswahl des Personenkreises, der getestet wurde, verzerrt. Die eigentlich aussagekräftigere Angabe der Infektionssterblichkeit (Anzahl aller Infizierten einer repräsentativen Gruppe im Verhältnis zu den Gestorbenen) war aufgrund der unsicheren Dunkelziffer in März 2020 nicht sicher bestimmbar.[482][461] Um diese Dunkelziffer bestimmen zu können, wurde in Österreich begonnen, eine repräsentative Stichprobe von 2.000 Personen zu testen. Zur Abschätzung der Inzidenz müssten die Stichprobentests jeweils mit einer neu entnommenen repräsentativen Stichprobe regelmäßig wiederholt werden.[483]

    Bei einer Untersuchung in Kalifornien, durchgeführt von einer Forschungsgruppe der Stanford University, wurden in der Studienpopulation bei 1,5 % der Teilnehmer Antikörper gegen das neuartige Coronavirus nachgewiesen. Der Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten wurde auf zwischen 0,12 % und 0,2 % geschätzt. Die Forschungsgruppe weist auch darauf hin, dass die Ergebnisse noch nicht endgültig seien.[484] Die Studie wurde stark kritistiert. Es sei ein aus China importierter Lateral Flow Test verwendet worden, welcher nicht spezifisch genug sei, um in den niedrigen Prävalenzbereichen belastbare Aussagen zu machen. Auch sei der Test weder von chinesischen noch von US-amerikanischen Behörden zugelassen gewesen und mittlerweile von den chinesischen Behörden vom Markt genommen worden. Beanstandet wurden auch die Rekrutierung der Studienteilnehmer über soziale Medien oder per E-Mail durch die Ehefrau eines Studienautors und die statistischen Methoden, mit denen versucht wurde, das Studienkollektiv auf die Allgemeinbevölkerung hochzurechnen. Außerdem wurden die Studienautoren wegen ihrer Kritik an den Lockdown-Maßnahmen in den US-amerikanischen Medien kritisiert.[485] Schließlich wurde die Forschergruppe auch deswegen kritisiert, weil sie ihre finanzielle Förderung durch den Gründer von JetBlue David Neeleman, der aus eigenen finanziellen Interessen und in Verbindung mit Trump die sofortige Beendigung des Lockdowns fordert, nicht offengelegt und sogar die Bekanntschaft mit ihm geleugnet habe.[486][487]

    Diagramme und Tabellen

    Die folgenden Zahlen basieren auf den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) täglich veröffentlichten Berichten zur weltweiten Lage. Es sind sämtliche Fälle berücksichtigt, die der WHO jeweils bis 10:00 Uhr (MEZ) desselben Tages als nachweislich mit dem Virus Infizierte gemeldet wurden.(a) „Kumuliert“ bedeutet so viel wie „aufsummiert“, d. h., dass alle Fälle aufgeführt sind, die bis zu dem jeweiligen Tag aufgetreten sind, und nicht nur die, die an dem jeweiligen Tag neu aufgetreten sind (letztere sind in den Tabellen kursiv aufgeführt). Bei den folgenden tabellarischen Darstellungen ist zu beachten, dass die Zahlen über die Länder hinweg schwer zu vergleichen sind. Beispielsweise weil andere Länder ihre Fälle anders zählen, andere Klassifikationskriterien für einen Coronatoten haben oder weil es zu Übermittlungsproblemen an die Behörden kommt. Zudem unterscheiden sich die Länder in ihren beobachtbaren individuellen Faktoren (Größe eines Landes, vorhandene Testkapazitäten etc.) und es können unbeobachtbare länderspezifische Faktoren vorliegen, die eine Vergleichbarkeit erschweren. Die absoluten Zahlen sind insbesondere aufgrund von unterschiedlichen sozio-ökonomischen Faktoren (z. B. die vorhandene Altersstruktur eines Landes oder bestimmte gegebene soziale Strukturen) nicht über die Länder hinweg vergleichbar.[488]

    Tagesstatistiken, Wochenstatistiken, Grafiken und Tabellen

    Todesfälle pro Millionen Einwohner in stark betroffenen Staaten

    Bestätigte Todesfälle (kumuliert) auf 1.000.000 Einwohner[489]
    Besonders stark betroffene Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern
    zweimal wöchentlich (jeweils dienstags und freitags)

    KW 13/2020 bis 18/2020
    Datum BEL
    Belgien 
    ESP
    Spanien 
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    GBR
    Vereinigtes Konigreich 
    FRA
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    IRL
    Irland 
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    Vereinigte Staaten 
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    LUX
    Luxemburg 
    POR
    Portugal 
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    Kanada 
    DNK
    Danemark 
    DEU
    Deutschland 
    IRN
    Iran 
    AUT
    Osterreich 
    weltweit
    Gesamt
    24. März 2020 8 47 101 5 13 12 2 1 2 8 13 2 1 4 2 22 3 2
    27. März 2020 19 87 135 9 26 25 7 4 4 19 14 6 1 7 3 27 6 3
    31. März 2020 44 157 192 21 46 50 14 11 10 34 35 14 2 13 7 33 12 5
    3. April 2020 87 214 230 43 69 78 28 20 18 62 48 20 4 21 10 38 18 7
    7. April 2020 141 279 273 79 137 109 47 35 33 67 66 31 9 32 19 45 24 10
    10. April 2020 218 326 302 118 187 140 79 53 50 87 83 40 13 41 28 49 33 12
    14. April 2020 337 374 338 167 229 165 91 74 71 99 110 52 21 49 35 55 41 15
    17. April 2020 419 417 367 202 275 193 132 98 101 117 110 62 32 55 46 58 46 19
    21. April 2020 503 455 399 243 310 219 156 139 129 132 120 72 45 63 55 62 52 22
    24. April 2020 560 482 423 276 335 245 200 161 151 146 133 80 57 68 64 65 56 24
    28. April 2020 622 510 446 311 357 264 225 223 170 156 141 91 72 74 71 69 61 27
    1. Mai 2020 655 531 463 394 373 280 256 250 190 164 144 97 84 78 75 72 65 30
    ab KW 19/2020
    Datum BEL
    Belgien 
    ESP
    Spanien 
    GBR
    Vereinigtes Konigreich 
    ITA
    Italien 
    FRA
    Frankreich 
    SWE
    Schweden 
    NLD
    Niederlande 
    IRL
    Irland 
    USA
    Vereinigte Staaten 
    CHE
    Schweiz 
    ECU
    Ecuador 
    CAN
    Kanada 
    LUX
    Luxemburg 
    POR
    Portugal 
    BRA
    Brasilien 
    DEU
    Deutschland 
    AUT
    Osterreich 
    weltweit
    Gesamt
    5. Mai 2020 684 544 423 481 386 274 297 267 208 171 89 102 153 104 34 82 67 32
    8. Mai 2020 726 558 451 495 398 301 309 284 229 175 94 117 160 108 43 87 68 35
    12. Mai 2020 751 572 472 508 408 322 318 297 244 178 122 132 161 112 54 90 69 37
    15. Mai 2020 768 584 495 519 420 349 326 305 260 183 133 145 165 116 66 93 70 39
    19. Mai 2020 783 593 513 529 427 366 332 313 273 185 159 155 171 121 79 96 70 41
    22. Mai 2020 793 598 531 537 432 383 337 321 286 189 167 163 174 125 94 98 70 43
    26. Mai 2020 803 580* 544 544 436 399 340 325 297 190 182 173 176 130 110 99 71 44
    29. Mai 2020 810 580 557 548 439 422 345 332 307 191 188 182 176 134 126 101 74 46

    * Für Spanien wurde am 25. Mai 2020 die Methode der Datenerhebung verändert.

    Österreich gehört seit dem 3. Mai 2020 nicht mehr zu den 17 am stärksten betroffenen Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern und wird nur noch zum Vergleich aufgeführt. Deutschland gehört seit dem 23. Mai 2020 nicht mehr zu den 16 am stärksten betroffenen Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern und wird nur noch zum Vergleich aufgeführt.

    Kartografische Darstellungen

     
    bestätigte Covid-19-Infektionen pro Millionen Einwohner
     
    bestätigte COVID-19-Todesfälle pro Million Einwohner
     
    Infektionen mit SARS-CoV-2 aufgeschlüsselt nach Provinzen Chinas, Stand 10. Februar 2020


    Genesung

    Tote und Genesene und aktuell Infizierte (weltweit)
    nach Daten der Johns-Hopkins-Universität
    [490]

    Die WHO weist in ihren Lageberichten (englisch Situation Reports) weder Zahlen für Genesene noch für aktuell als infiziert Gemeldete (also die bisher bestätigten Infizierten abzüglich der Verstorbenen und Genesenen) aus. Zum Verständnis einer Epidemie ist dennoch neben der Entwicklung der Gesamtzahl der Infizierten die zum aktuellen Zeitpunkt gegebene Menge der Infizierten, also diejenigen Infizierten, die weder verstorben noch genesen sind, relevant, ebenso die Anzahl der Genesenen und damit wahrscheinlich zukünftig Immunen.[491] Die Zahl der Genesenen und Verstorbenen ist im Vergleich zur Zahl der Infizierten zeitlich verschoben – um die Dauer zwischen Bestätigung der Infektion und der Beendigung der Krankheit durch Gesundung oder Tod. Insbesondere lassen sie keine einfachen Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit oder die Letalität zu.

    Das Zentrum für Systemwissenschaft und Systemtechnik (englisch Center for Systems Science and Engineering, kurz: CSSE) in Baltimore (USA) an der Johns Hopkins University entwickelte eine alternative Sammlung der von örtlichen Stellen gemeldeten Fälle und eine Präsentation der Daten per Online-Tool,[459] siehe Weblinks unten. Die hier angegebenen Zahlen unterliegen einem größeren Vorbehalt als die an anderer Stelle gezeigten Daten der WHO, da es keine einheitliche Definition der Genesung gibt. Die Zeit schrieb am 4. März hierzu, dass es sich bei den Zahlen aus China strenggenommen um „aus dem Krankenhaus Entlassene“ handele, da die Zahlen nur diese erfassten. In China gilt jeder als genesen, der drei Tage fieberfrei war und zweimal negativ auf das Virus getestet wurde. Es sei jedoch zu bezweifeln, ob unter dem starken Druck auf das Gesundheitssystem wirklich alle Entlassenen nicht mehr ansteckend waren. Weiter schrieb sie, dass es in Deutschland keine offiziellen Zahlen gebe, da es keine Meldepflicht für Genesene gebe, und zitiert einen Gesundheitsamtsleiter, der sagte, dass sie dem Robert Koch-Institut (RKI) aus Datenschutzgründen gar keine Informationen über Genesene übermitteln dürften.[491]

    Statistische Schätzungen und Simulationsstudien

    Die Anzahl bestätigter Infektionen liegt während der raschen Ausbreitung einer Epidemie oft deutlich unter der Anzahl tatsächlicher Infektionen. Dieser Effekt kann selbst bei gutem Willen aller Beteiligten auftreten, da es selten gelingt, alle neu infizierten Personen sofort sicher zu identifizieren. Für eine Abschätzung der Zahl der tatsächlich Infizierten werden daher von der Infektionsepidemiologie verschiedene mathematische Prognosemodelle eingesetzt. Diese Modelle werden auch eingesetzt, um den zeitlichen und geografischen Verlauf einer Epidemie sowie wichtige epidemiologische Parameter abzuschätzen. Um die Verbreitung des Virus vorherzusagen, spielen Computersimulationen eine große Rolle; sie liefern den Politikern vieler Staaten wichtige Entscheidungsgrundlagen. Ein mathematisches Simulationsmodell von besonderer Relevanz ist das Simulationsmodell vom COVID-19-Reaktionsteam des Imperial College London unter Leitung des Epidemiologen Neil Ferguson. Als aktualisierte Daten im Modell des Imperial Teams darauf hinwiesen, dass das britische Gesundheitssystem bald von schweren COVID-19-Fällen überfordert sein würde und mehr als 500.000 Todesfälle eintreten könnten, falls die britische Regierung keine Maßnahmen ergreifen würde, kündigte Premierminister Boris Johnson unmittelbar als Reaktion strenge neue Bewegungseinschränkungen für die Menschen an. Das gleiche Modell legte nahe, dass die Vereinigten Staaten ohne Maßnahmen rund 2,2 Millionen Todesfälle erleiden könnten. Nachdem die Daten dem Weißen Haus vorgelegt worden waren, folgten schnell neue Leitlinien zur räumlichen Distanzierung.[492]

    Am 17. Januar 2020 erschien eine Hochrechnung einer mit der WHO zusammenarbeitenden Forschergruppe des Imperial College London. Die Forscher schlossen aus Verkehrsdaten zwischen China und Thailand, dass es am 12. Januar 2020 rund 1.000 bis 2.300 Infizierte mit mittleren bis schweren Symptomen in Wuhan gegeben haben müsste.[493] Eine Gruppe der Northwestern University schätzte anhand von unvollständigen Daten – unter anderem zu Mobilität und internationaler Verbreitung –, dass es in Wuhan am 29. Januar 2020 31.200 Infektionen gegeben habe.[494] Eine erneute Modellrechnung des Imperial College London vom 10. Februar 2020 schätzte, dass in der Provinz Hubei auf jeden durch Test gefundenen Infizierten neunzehn nicht getestete Infizierte mit milderem Verlauf kämen. Statt einer hohen geschätzten Letalität von 18 % in der Provinz Hubei läge die tatsächlichen Letalität dann bei rund 1 %.[495] Dieselbe Forschergruppe veröffentlichte am 21. Februar 2020 eine Abschätzung der Effizienz internationaler Quarantäne- und Überwachungsmaßnahmen. Aus der Analyse von Verkehrsdaten und Infektionsfällen ergab sich, dass nur einer von drei aus China exportierten Fällen erkannt werde. Möglicherweise gebe es unentdeckte Infektionscluster außerhalb Chinas.[496]

    Laut einer Simulationsstudie, die in der Fachzeitschrift The Lancet erschien und die die Wirksamkeit der Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung im Rahmen der unter Massenquarantäne gestellten Millionenstadt Wuhan analysiert, zeigen die Simulationen, dass die Kontrollmaßnahmen zur Verringerung der räumlichen Vermischung in der Bevölkerung wirksam sein können, um das Ausmaß des COVID-19-Ausbruchs zu verringern und seinen Höhepunkt zu verzögern. Das Simulationsmodell legt nahe, dass die räumlichen Distanzierungsmaßnahmen bei einer gestaffelten Rückkehr zur Arbeit Anfang April am effektivsten sind. Dies würde die mediane Anzahl von Infektionen Mitte 2020 und Ende 2020 um mehr als 92 % (bei einem Interquartilabstand von 66–97) beziehungsweise 24 % (bei einem Interquartilabstand von 13–90) reduzieren.[497]

    Am 31. Januar 2020 erschien in The Lancet eine Modellrechnung, die ein dynamisches Metapopulationsmodell in Kombination mit bayesscher Inferenz mit offiziellen Infektionsdaten von Ende Dezember 2019 bis Ende Januar 2020 sowie Daten aus der nationalen und internationalen Fluggaststatistik verwendete. Die Studie setzt die Zahl der Infizierten um ein Vielfaches höher an als die Zahl der positiv getesteten Fälle. Die Autoren schätzten die Zahl der Infizierten in China für den 25. Januar 2020 auf rund 75.000 und gaben an, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten zu dem Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit (95-%-Glaubwürdigkeitsintervall) nicht weniger als rund 37.000 und nicht mehr als rund 130.000 war. Davon waren gemäß den Zahlen der WHO jedoch nur 1.300 Infizierte bekannt. Ein Export des Virus von Wuhan in andere Millionenstädte habe nach dem Modell bereits stattgefunden. Die Studienautoren sagten voraus, dass es auch in anderen chinesischen Städten zu sich selbst unterhaltenden Ausbrüchen kommen würde. Die Studienautoren gingen davon aus, dass viele Patienten nur milde Symptome haben. Nicht betroffene Gebiete sollten Vorkehrungen für den Fall einer globalen Pandemie treffen.[498]

    Am 18. Februar berichtete die Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature über aktuelle, noch nicht abschließend begutachtete Studien. Eine Studie von H. Nishiura, Epidemiologe an der Universität Hokkaidō (Sapporo, Japan), geht davon aus, dass sich die Epidemie mittelfristig innerhalb von China nicht wird eingrenzen lassen. Für ein Worst-Case-Szenario spreche auch, dass viele infizierte Personen keine Symptome zeigten und nach dem Ende der verlängerten Neujahrsferien viele Betriebe und Organisationen die Arbeit langsam wieder aufnähmen. Dadurch eröffneten sich neue Übertragungswege. Zwischen Ende März und Ende Mai könnten täglich bis zu 2,3 Millionen Fälle diagnostiziert werden. Zwischen 550 und 650 Millionen Menschen (≈ 40 % der Bevölkerung) könnten sich insgesamt infizieren.[499]

    Eine am 16. März vorab online in Science veröffentlichte Arbeit erklärte mittels einer Modellrechnung auf Grundlage von Zahlen aus China vor Inkrafttreten der Eindämmungsmaßnahmen am 23. Januar 2020 die schnelle geografische Ausbreitung von SARS-CoV-2. Sie schätzte die Menge, Prävalenz und Ansteckungsrate (Kontagiosität und Infektiosität, englisch zusammengefasst contagiousness) der unentdeckten Infektionen. Die unentdeckten Fälle hatten meist geringere oder keine Symptome, waren aber dennoch ansteckend. Die Arbeit kam zum Schluss, dass 86 % aller Infektionen (95 %-Konfidenzintervall: [82–90 %]) unentdeckt geblieben waren. Die unentdeckt Infizierten hatten eine Ansteckungsrate, die 55 % derer der dokumentiert Infizierten betrug (95 %-Konfidenzintervall: [46–62 %]). Auf Grund der großen Zahl der undokumentierten Fälle waren sie jedoch zu 79 % die Infektionsquelle für die dokumentierten Fälle.[500]

    Eine Hochrechnung des Imperial College London vom 30. März 2020 schätzte die Infektionszahlen und die Wirkung der getroffenen nicht-pharmazeutischen Maßnahmen in 11 europäischen Ländern. Laut der Hochrechnung seien durch die getroffenen Maßnahmen rund 56.000 Tode (95 %-Glaubwürdigkeitsintervall 21.000 bis 120.000) durch COVID-19 bis Ende März verhindert worden. Aufgrund der Zeitverzögerung von zwei bis drei Wochen nach denen die Wirkung der Maßnahmen erst abgeschätzt werden könne sprachen sich die Studienautoren für eine Beibehaltung der getroffenen Maßnahmen aus.[501]

    Eine Modellrechnung im März 2020, veröffentlicht in den PNAS, untersuchte den Effekt von Reisebeschränkungen und Flughafenscreenings in der Frühphase der Epidemie. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Unter-Quarantäne-Stellung der Stadt Wuhan und 15 weiterer Städte in der Provinz Hubei ab dem 23. Januar 2020 70 % der zu erwartenden Exportfälle im Zeitraum bis zum 15. Februar 2020 verhindert habe. Aufgrund der im Modell eingerechneten Übertragung im vorsymptomatischen Stadium sprechen die Autoren den Gesundheitsuntersuchungen an Flughafen nur einen mäßigen Effekt zu. In Zusammenschau folgern die Autoren dass diese Maßnahmen die Ausbreitung des Virus signifikant verlangsamt haben. Um eine Ausbreitung zu verhindern müsse jedoch ein effizientes Aufspüren der Kontakte erfolgen.[502]

    Kontroversen

    Da die Pandemie nahezu alle Bereiche des Lebens weltweit berührt, erfolgten nach und nach viele gesellschaftliche und politische Debatten. Diese sind in den jeweiligen Länderartikeln, im Artikel Auswirkungen der COVID-19-Pandemie oder den Hauptartikeln der Einzelthemen dargestellt, wie zum Beispiel der Stand der Wissenschaft im Artikel zum Virus SARS-CoV-2 und im Artikel zur Krankheit COVID-19, die Debatte um die Trageempfehlung von Schutzmasken wird im Artikel Mund-Nasen-Schutz (Medizin) behandelt, die Debatte um die Sammlung von Kontakt- oder Bewegungsdaten zur epidemiologischen Rückverfolgung von Infektionsketten und der Entwicklung von entsprechenden Programmen in Contact Tracing und Contact Tracing App. Randständische Meinungen, Wissenschaftsleugnung und problematische Debattenbeiträge werden ebenso wie Falschbehauptungen, Fake News, pseudowissenschaftliche Gesundheitsempfehlungen und Verschwörungstheorien im Artikel Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie thematisiert. Im Folgenden werden hier lediglich die internationalen Debatten und Kontroversen, welche sich unmittelbar auf die Pandemie als gefährliche Seuche beziehen, dargestellt.

    Zeitpunkt der Pandemie-Erklärung der WHO

    Schon im Februar wurden Stimmen laut, die von einer sich anbahnenden Pandemie sprachen. Der Virologe Christian Drosten äußerte bei einer gemeinsamen Vorlesung der Charité und der London School of Hygiene and Tropical Medicine im Berliner Museum für Naturkunde am 26. Februar 2020, er halte es für möglich, dass sich der Ausbruch des neuen Coronavirus nicht eindämmen lasse und zu einer Pandemie werde. Der Mikrobiologe Alexander S. Kekulé vom Universitätsklinikum Halle (Saale) vertrat am 25. Februar 2020 in der Zeit die Meinung: „Spätestens mit den aktuellen Übertragungsketten in Italien, die über mehrere Stufen gingen und nicht auf einen Import zurückgeführt werden können, sind alle Kriterien einer Pandemie erfüllt.“[503] Marlen Suckau-Hagel, Leiterin der Abteilung Gesundheit an der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin, erklärte Mitte Februar 2020: „Die WHO drückt sich darum, die Pandemie auszurufen, aber das ist eher eine politische Aussage, die Zahlen sprechen eine andere Sprache.“[504] Umgekehrt war der WHO einige Jahre zuvor bei der Schweinegrippe die „voreilige“ Ausrufung der Pandemie angekreidet worden.[505] Ab dem 9. März 2020 verwendete der US-amerikanische Fernsehsender CNN den Begriff „Pandemie“ in seiner Berichterstattung. Dies wurde durch den leitenden medizinischen Korrespondenten Sanjay Gupta damit begründet, dass SARS-CoV-2 auf allen Kontinenten, außer der Antarktis, verbreitet werde, in mehreren Staaten die Fallzahlen anhaltend steigen würden und es dort eine fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung geben würde. Gupta gab an, dass Beamte des US-Gesundheitswesens bereits eine Verschiebung der Strategie von Containment (Eindämmungsstrategie) zu Mitigation (Folgenminderungs-Strategie) signalisieren.[506] Diese Strategien werden im Epidemiologischen Bulletin des RKI erläutert.[138]

    Angesichts der steigenden Infektionszahlen außerhalb Chinas erklärte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in seiner Rede am 26. Februar 2020, dass das Ausrufen einer Pandemie nur nach vorsichtiger Analyse der Fakten möglich sei, und verwies auf die bereits seit Ende Januar 2020 geltende „internationale Gesundheitsnotlage“ als höchste Alarmstufe der WHO. Er warnte, dass die unachtsame Verwendung des Wortes Pandemie dazu führen könne, dass unnötige Ängste und Stigmatisierung verstärkt würden, ohne dass dem ein Nutzen gegenüberstünde. Natürlich werde die WHO nicht zögern, von einer Pandemie zu sprechen, wenn dies die korrekte Beschreibung der Situation sei.[507] Er wiederholte diese Aussage in seiner Rede am 2. März 2020 und erläuterte, dass 90 % der global gemeldeten Fälle aus China kämen und dass 81 % der 8.739 Infektionsfälle außerhalb Chinas sich in vier Staaten ereignen würden.[508] Am 9. März 2020 – zu diesem Zeitpunkt lag die Zahl der Infektionsfälle über 100.000, gemeldet aus über 100 Ländern – sagte Ghebreyesus, dass die Gefahr einer Pandemie sehr real sei, es aber die erste Pandemie in der Geschichte wäre, die beherrscht werden könnte.[84] Am 11. März 2020 erklärte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie,[387] der ersten seit der Pandemie H1N1 2009/10. Ghebreyesus bezeichnete in seiner Rede am 13. März 2020 Europa als „Epizentrum der Pandemie“. Als Grund gab er an, dass zu diesem Zeitpunkt in Europa mehr Infektions- und Todesfälle auftraten als im Rest der Welt, außer China.[384]

    Umgang mit Statistiken

    Der Epidemiologe John Ioannidis verwies auf die Mitte März unklare Datenlage: Wir wüssten nicht, ob die tatsächliche Zahl von Infektionen 3-mal oder 300-mal so hoch sei wie getestet. Auch Letalitätsraten seien aufgrund seltener, unsystematischer Tests besonders an schwer erkrankten Patienten bedeutungslos. Nur im Fall der Passagiere der Diamond Princess sei eine abgeschlossene Population getestet worden. Die Statistik von 7 Todesfällen unter 700 infizierten Personen ließe aber bei Umrechnung auf die US-amerikanische Altersstruktur nur eine sehr grobe Schätzung der Letalität zu. So sei es in einem optimistischen Szenario (Letalität 0,3 %; Infektionsrate 1 % der Weltbevölkerung) möglich, dass ohne Wissen von einem neuen Coronavirus die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen dieser Saison nicht ungewöhnlich erscheinen werde. Ein pessimistisches Szenario (Letalität 1 %; Infektionsrate 60 % der Weltbevölkerung) prognostiziere dagegen 40 Millionen Tote weltweit, was vergleichbar mit der Spanischen Grippe sei. Wie drastisch die Gegenmaßnahmen ausfallen sollten, hänge vom Szenario ab. Man müsse daher die aktuelle Prävalenz der Infektion in einer Zufallsstichprobe einer Population messen und diese Messung in regelmäßigen Zeitintervallen wiederholen, um die Inzidenz neuer Infektionen schätzen zu können. Er warnt generell vor übertriebenen Pandemieschätzungen und beklagt, eine frühe Spekulation, dass 40–70 % der Weltbevölkerung infiziert sein werden, sei viral gegangen. Frühe Schätzungen der Basisreproduktionszahl würden stark zwischen 1,3 und 6,5 schwanken. Diese Schätzungen führten zu dramatisch unterschiedlichen Erwartungen, was Eindämmungsmaßnahmen (oder sogar zukünftige Impfstoffe) bewirken könnten. Die Tatsache, dass Eindämmungsmaßnahmen zu funktionieren scheinen, bedeutete seiner Meinung nach, dass die Basisreproduktionszahl wahrscheinlich im unteren Teil des Bereichs von 1,3 bis 6,5 liege und mit geeigneten Maßnahmen unter 1 fallen könnte. Der Urheber der Schätzung, dass sich „40–70 %“ der Bevölkerung“ anstecken würden, habe am 3. März eine überarbeitete Schätzung von „20–60 %“ der Erwachsenen getwittert, was nach Ioannidis’ Meinung wahrscheinlich immer noch stark übertrieben sei. Selbst nachdem die Quote von 40–70 % nach unten korrigiert worden sei, sei sie in viralen Interviews immer noch zitiert worden.[509]

    In einer als Preprint vorliegenden Publikation Population-level COVID-19 mortality risk for non-elderly individuals overall and for non-elderly individuals without underlying diseases in pandemic epicenters[510][511] untersuchten John Ioannidis und Mitautoren (1) Schätzungen des relativen COVID-19-Todesfallrisikos bei Menschen unter 65 Jahren im Vergleich zu älteren Personen in der Allgemeinbevölkerung, (2) Schätzungen des absoluten COVID-19-Todesfallrisikos auf Bevölkerungsebene während der ersten Epidemiewelle sowie (3) Schätzungen des Anteils von COVID-19-Todesfällen bei nicht älteren Menschen ohne Grunderkrankungen in Epizentren der Pandemie. Die Wissenschaftler betrachteten dazu Länder und US-Bundesstaaten mit mindestens 800 COVID-19-Todesfällen zum 24. April 2020 sowie Informationen zur Anzahl der Todesfälle bei Menschen unter 65 Jahren. Daten aus folgenden Ländern und US-Bundesstaaten wurden analysiert: 11 europäische Länder (Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Großbritannien), Kanada und 12 US-Bundesstaaten (Kalifornien, Connecticut, Florida, Georgia, Illinois, Indiana, Louisiana, Maryland, Massachusetts, Michigan, New Jersey, New York). Die Autoren kommen zu dem Schluss: „Menschen unter 65 Jahren haben ein sehr geringes Risiko für den Tod an COVID-19, selbst in Pandemie-Epizentren. Todesfälle für Menschen unter 65 Jahren ohne zugrunde liegende prädisponierende Bedingungen sind bemerkenswert selten. Strategien, die sich speziell auf den Schutz älterer Menschen mit hohem Risiko konzentrieren, sollten bei der Bewältigung der Pandemie berücksichtigt werden.“

    Falschinformationen und Verschwörungstheorien

    Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es auch zu einer Fülle an Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie, die von privaten, aber auch staatlichen Stellen gestreut wurden und sich schnell in den sozialen Medien verbreiteten. Analog zum Umstand, dass eine sich rasch ausbreitende Infektionskrankheit als Pandemie bezeichnet wird, wird die Überhäufung mit Informationen, die online einfach per Klick erreichbar sind und sich ebenso rasch ausbreiten, als „Infodemie“ bezeichnet. Oft sind es nicht nur Memes oder Videos, die sich schnell verbreiten, sondern auch Falschnachrichten und Desinformationen.

    Im Zuge der Kontroversen zur Einschätzung der Epidemie und dann Pandemie (insbesondere im Hinblick auf deren Schwere und Gefährlichkeit) und demnach in der Debatte über die zu ergreifenden Maßnahmen kam es außerdem (gerade zu Beginn) zu vielerlei Wortmeldungen, die die Seuche verharmlosten und dabei wissenschaftlicher Erkenntnisse entbehrten, diese nicht anerkannten oder offen angriffen. In Deutschland waren dies prominent der ehemalige Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg und der emeritierte Mikrobiologe Sucharit Bhakdi. In den USA waren in diese Richtung einflussreich Richard A. Epstein der Hoover Institution sowie Mitglieder des US-Senats und der US-Regierung. Auch Vertreter der Regierungen Chinas, Russlands, Mexikos, Brasiliens u. a. erkannten mindestens zeitweilig die wissenschaftlichen Fakten nicht an oder widersprachen ihnen.

    Der chinesischen Regierung wird zudem vorgeworfen, den Ausbruch der Krankheit längere Zeit verschleiert zu haben, sodass wertvolle Zeit für deren Eindämmung verloren gegangen ist. So wurden etwa Ärzte wie Li Wenliang in Wuhan, die über die neue Erkrankung berichteten, mundtot gemacht, Desinformationen über den Ursprung, die Übertragungsweise und Auswirkungen von SARS-CoV-2 verbreitet sowie Forschungseinrichtungen angewiesen, Tests abzubrechen. Siehe dazu auch den Abschnitt Ursprung weiter oben sowie den Abschnitt China im Artikel Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie.

    Als sich das Virus in Europa zu verbreiten begann, im österreichischen Ort Ischgl in den dortigen Après-Ski-Bars, wurde lokalen Behörden vorgeworfen, zu lange nicht eingeschritten zu sein und falsche Tatsachen über die Infektiosität des Virus verbreitet zu haben. So wurde die Weitergabe des Virus durch einen erkrankten Barkeeper an Gäste von der Landessanitätsdirektion Tirol fälschlicherweise und entgegen Experten-Meinung als aus „medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich“ bezeichnet. Von dort aus verbreitete sich das Virus in ganz Europa.[512][513][514] Siehe dazu auch COVID-19-Pandemie in Österreich, Abschnitt Chronologie.

    Abwägung von Kosten gegen Nutzen

    Mögliche Auswirkungen auf Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte

    Drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus wie Quarantäne, Isolation besonders betroffener Gebiete, räumliche Distanzierung, Ausgangsbeschränkungen oder Einreiseverbote wurden in der Öffentlichkeit oft als notwendig akzeptiert, teils auch als verspätet oder aber auch als bedenklich kritisiert. Besorgnis erregen auch Maßnahmen, die den Datenschutz und andere Rechtsgrundlagen aushebeln. Mitunter sei die kritische Lage eine Versuchung für autoritäre Politiker, dementsprechende Strukturen zu etablieren.

    Ende März 2020 warnte die Europäische Kommission vor unverhältnismäßigen politischen Maßnahmen als Reaktion auf die Pandemie. EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen betonte, derartige Maßnahmen dürften nicht unbegrenzt dauern.[515] In Ungarn verabschiedete das Parlament am 30. März 2020 ein Notstandsgesetz, das Ministerpräsident Viktor Orbán umfangreiche Sondervollmachten ermöglicht. Er konnte ohne zeitliche Befristung per Dekret regieren und den am 11. März verhängten Notstand ohne die Zustimmung des Parlamentes beliebig verlängern. Während des Notstands durften keine Wahlen und Referenden stattfinden. Weiterhin wurden durch das Gesetz die Strafen für Verstöße gegen Quarantänebestimmungen sowie die Verbreitung von Falschnachrichten verschärft.[515] Journalisten befürchteten, dass kritische Berichte zu Haftstrafen bis zu fünf Jahren führen könnten. In Pressekommentaren wurde dem ungarischen Ministerpräsidenten vorgeworfen, den Rechtsstaat außer Kraft zu setzen und das Parlament zu entmachten.[516] Der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sprach sich vor dem 18. März, auch vor dem Hintergrund der italienischen Entwicklung, sowohl gegen Ausgangsbeschränkungen als auch gegen Grenzschließungen aus, die „politischer Aktionismus“ seien.[517][518]

     
    Abgesperrter Spielplatz in Stuttgart im März 2020

    Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit empfiehlt individuelle, an das jeweilige Gesundheitssystem und die Situation angepasste Maßnahmen und äußerte sich kritisch über mögliche Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbote, weil diese den sozialen Stress förderten, was ebenfalls Krankheiten oder auch Selbstmorde auslösen könne.[519] Der Historiker René Schlott hält die „Bereitwilligkeit, fast Willfährigkeit“ für besorgniserregend, mit der zeitweise Einschränkungen von Grundrechten wie Versammlungsfreiheit, Gewerbefreiheit oder Asylrecht – durch die bisher abgelehnte weitgehende Schließung der EU-Außengrenzen – hingenommen würden. Auch Kinderrechte würden eingeschränkt, wenn etwa der Spielplatz-Besuch verboten werde. Kritik daran und die Suche nach Alternativen würden diffamiert, stattdessen autoritäre Führung gefordert. Die langfristige Gewöhnung an solche Maßnahmen sieht Schlott als problematisch an, befürchtet sogar, sie könnten als „Drehbuch für eine rechtspopulistische Machtübernahme“ dienen.[520] Kritiker halten den von Schlott geäußerten Standpunkt für rücksichtslosen Individualismus, der auf Kosten des Schutzes von Risikogruppen und gesellschaftlicher Solidarität zugunsten eigener Bedürfnisse Leben gefährden kann; harte Worte zu solchen Anschauungen fallen beispielsweise in Italien.[521]

    Julia Leininger, Leiterin der Abteilung „Governance, Staatlichkeit, Sicherheit“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, bezeichnete die COVID-19-Pandemie als einen „Brandbeschleuniger für Autokratisierungstrends“. Wenn Autokratien eine soziale Kontrolle ohne breite Verständigung über Maßnahmen einsetzten, höhle das langfristig das öffentliche Vertrauen und die gesellschaftliche Solidarität aus. Leininger bezeichnete Demokratieschutz und -förderung daher als das „Gebot der Stunde“ in der internationalen Kooperation.[522]

    Ulrich Krökel analysiert in Zeit Online Entwicklungen bei einigen Politikern auch innerhalb der EU als „eine Versuchung für Autoritäre“. Insbesondere die „rechten Regierungen in Polen und Ungarn“, aber auch der Ukraine entdeckten, so Krökel, „das Coronavirus für ihre Zwecke. Mit dem Verweis auf China versuchen sie, autoritäre Strukturen zu etablieren … Die Stimmen der Mahner“ fänden „in der zugespitzten Krisensituation kaum Gehör.“[523]

    Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, warnte davor, „im Umgang mit Infizierten das Gesetz zu brechen“. Der Datenschutz werde, so Brink, „häufig beiseitegeschoben“. Wenn aber der Staat nicht verlässlich sei in diesem Bereich, so verliere „er das Vertrauen, das er braucht, damit ihm die Bürger folgen.“ Es sei „extrem wichtig, dass die staatlichen Stellen signalisieren: Ja, wir haben eine Ausnahmesituation, halten uns aber an Recht und Gesetz.“ In Israel nutze der Geheimdienst „Bewegungsprofile einzelner Menschen, um die Einhaltung von Quarantänevorschriften zu überprüfen“. In Österreich böten „Mobilfunkanbieter ihre Ortungsdaten dem Staat an.“ Dies sei „ein klarer Bruch des Telekommunikationsgeheimnisses“. Ob in Deutschland bereits „Listen von Infizierten oder Verdachtsfällen von Gesundheitsämtern“ abgerufen wurden, wisse man nicht.[524] Später wurde bekannt, dass „die Polizei“ tatsächlich in „mehreren Bundesländern […] Daten von Menschen gesammelt“ hat, „die mit dem Coronavirus infiziert wurden“.[525]

    Laut dem zuständigen Ministerium des früheren Verkehrsministers Norbert Hofer (FPÖ) sei das kritisierte österreichische System ein seit einigen Jahren in Planung befindliches modernes Zivilschutzsignal, das ohne weitere Überprüfung jedem Mobilgerät in einem Raum eine Warn-SMS schicke und mit den Funkzellenkennungen der A1 Telekom Austria realisiert werde.[526] Es ist geplant, das System auch im Falle der Ausrufung einer Ausgangssperre zu nutzen. Sonst würden in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Graz derzeit vollständig anonymisierte Bewegungsstrom-Muster ausgewertet, um allfällige Hotspots mit mangelhafter Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen ausfindig machen zu können.[527] Der Netzaktivist Max Schrems betonte zu diesem Thema, man müsse bezüglich Bedenken gegenüber der Abfrage von Bewegungsdaten „die Kirche im Dorf lassen“; die meisten Smartphone-Benutzer würden heute weitaus mehr – und hochgradig personalisierte – Daten freiwillig kommerziellen Netzdiensteanbietern zur Verfügung stellen; für ein übertriebenes Misstrauen speziell gegenüber staatlicher Nutzung unter Einhaltung der Gesetze bestehe kein Anlass.[528][529][530] Die österreichische Datenschutzgrundverordnung beispielsweise sehe für „lebenswichtige Interessen der betroffenen Person oder einer anderen natürlichen Person“ und zur Bekämpfung „grenzüberschreitender Gesundheitsgefahren“ ausdrückliche Sonderregeln vor.[529]

    Der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky warnt vor einem langfristigen Festhalten an den gegenwärtigen Restriktionen. Es gehe bei der Bewältigung der Cornonakrise auch darum, „sicherzustellen, dass große Errungenschaften unserer Gesellschaft wie Demokratie, Freiheit oder Selbstbestimmung […] nicht gleichzeitig verloren gehen.“ Der Zustand, dass es keine ernst zu nehmenden Gegenmeinungen zu der These gebe, Politiker müssten vor allem anerkannten Virologen Gehör schenken, dürfe nicht von Dauer sein. Auf Dauer könne nur eine Politik Erfolg haben und mit der Zustimmung der Wahlbevölkerung rechnen, die systematisch Infizierte identifiziere und gemeinsam mit Risikogruppen vom Rest der Bevölkerung isoliere.[531]

    In der Bundesrepublik Deutschland waren seit ihrer Gründung Grund- und Freiheitsrechte noch nie so massiv und flächendeckend eingeschränkt worden wie während der Pandemie. In den Bundesländern wurde uneinheitlich mit nach Artikel 8 GG geschützten Versammlungen umgegangen. Der Versuch, Versammlungen unter besonderen Schutzmaßnahmen durchzuführen, wurde in Berlin als Hygienedemo bekannt. Das Bundesverfassungsgericht stellte am 15. April 2020 fest, dass kein pauschales Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel in Hessen existiere.[532] Zuvor waren die Behörden in Hessen davon ausgegangen, Versammlungen von mehr als zwei Personen allgemein verbieten zu können.[533] Am 17. April hob das Bundesverfassungsgericht ein pauschales Verbot einer Demonstration in Stuttgart auf.[534]

    Siehe auch

    Weblinks

    Commons: COVID-19-Pandemie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    • Johns Hopkins CSSE: Coronavirus COVID-19 Global Cases. Aktuelle Zahlen für bestätigte Infektionen, Todesfälle und Genesungen nach Ländern und Regionen – laufend aktualisiert. In: Internetseite des Johns Hopkins University Center for Systems Science and Engineering. (englisch, mehrmals täglich aktualisiert, zum Daten-Update Seite jeweils neu laden).

    Informationen staatlicher Behörden vorwiegend in deutscher Sprache

    (in der Regel laufend aktualisiert)

    Informationen internationaler bzw. staatlicher Behörden vorwiegend in englischer Sprache

    (in der Regel laufend aktualisiert)

    Reportagen, Podcasts, Aufklärungsvideos

    Literatur

    Einzelnachweise

    1. Coronavirus deaths exceed Sars fatalities in 2003. BBC News, 9. Februar 2020, abgerufen am 12. Februar 2020 (englisch).
    2. Lateinamerika Zentrum. 27. Mai 2020, abgerufen am 27. Mai 2020.
    3. WHO Zahlen. 27. Mai 2020, abgerufen am 27. Mai 2020 (englisch).
    4. a b Da Shiji (达史纪): The Truth About “Dramatic Action”. 27. Januar 2020, abgerufen am 4. Februar 2020 (englisch).
    5. WHO Statement Regarding Cluster of Pneumonia Cases in Wuhan, China. WHO, 9. Januar 2020, abgerufen am 14. Januar 2020 (englisch).
    6. Kristian G. Andersen, Andrew Rambaut, W. Ian Lipkin, Edward C. Holmes, Robert F. Garry: The Proximal Origin of SARS-CoV-2. In: virologica.org, Quelle: ARTIC Network, 17. Februar 2020
    7. Yan Bai, Lingsheng Yao, Tao Wei, et al: Presumed Asymptomatic Carrier Transmission of COVID-19. 18. Februar 2010, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
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    72. Michael H. Merson et al.: From Hendra to Wuhan: what has been learned in responding to emerging zoonotic viruses. The Lancet, 11. Februar 2020, doi:10.1016/S0140-6736(20)30350-0
    73. Natsuko Imai, Ilaria Dorigatti, Anne Cori, Steven Riley, Neil M. Ferguson: Estimating the potential total number of novel Coronavirus cases in Wuhan City, China. MRC Centre for Global Infectious Disease Analysis, 17. Januar 2020, abgerufen am 18. Januar 2020 (englisch).
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    533. Bundesverfassungsgericht: Kein generelles Versammlungsverbot in Hessen. faz.de vom 16. April 2020 (abgerufen am 18. April 2020).
    534. Bundesverfassungsgericht: Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 17. April 2020, Az. 1 BvQ 37/20.

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