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Conny Wessmann

deutsche Studentin, von Teilen der linken Szene als eine Art Märtyrerin betrachtet
Gedenkstein und Skulptur für Conny Wessmann in der Weender Landstraße in Göttingen (2014)

Kornelia „Conny“ Wessmann (* 9. März 1965 in Lingen (Ems); † 17. November 1989 in Göttingen) war eine deutsche Studentin. Im Alter von 24 Jahren kam sie in Göttingen am Rande eines Polizeieinsatzes bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

TodBearbeiten

Am 17. November 1989 randalierten Angehörige der rechtsextremen Skinheadszene in der Göttinger Burgstraße. Daraufhin traten Gruppen unterschiedlicher Zusammensetzung, darunter auch Angehörige der autonomen Szene, ihnen spontan entgegen; auch die aus Lingen (Ems) stammende Conny Wessmann gehörte zu einer dieser Gruppen.[1]

Die autonome Szene in der Stadt mobilisierte über Telefonketten Unterstützung. Die Antifa-Gruppe, zu der Conny Wessmann gehörte, hatte die Neonazis, die von der Polizei zu einer Bushaltestelle begleitet und der Stadt verwiesen worden waren, nicht mehr angetroffen, wurde aber ihrerseits von der Polizei observiert und durch die Stadt verfolgt. In einer Stichstraße hinter dem Iduna-Zentrum an der Weender Landstraße wollte die Gruppe sich angeblich auflösen, um getrennt nach Hause zu gehen, wurde dort aber von einem Zivilstreifenwagen erwartet. Wessmann floh auf die stark befahrene Weender Landstraße, wo sie von einem Auto erfasst wurde und starb.[2]

Die Autonomen machen seither für Wessmanns Tod die Polizei verantwortlich, welche durch ihre überraschende Aktion in dem engen Durchgang die Studentin in den Tod getrieben habe. Viele von ihnen verstehen ihren Tod sogar als politischen Mord durch den Staat. In einem von Linken aufgenommenen und später öffentlich dokumentierten Funkgespräch hatten Polizeibeamte sich dazu verabredet, die Gruppe, der Conny Wessmann angehörte, so wörtlich „plattzumachen“.[3] In einem Interview des NDR-Fernsehens erklärte der damalige leitende Göttinger Staatsanwalt Jabel später, „plattmachen“ sei Polizeijargon für eine Personalienfeststellung, bei der Verdächtige gezwungen würden, sich flach auf den Boden zu legen.

Ein Ermittlungsverfahren der Göttinger Staatsanwaltschaft gegen die beteiligten Polizisten wurde 1990 eingestellt: Es sei weder ein Verschulden von Polizeibeamten noch auf Seiten des Autofahrers nachzuweisen.[4] Mitglieder der autonomen Szene bestritten solche Untersuchungsergebnisse. Weil die an der Auseinandersetzung beteiligten Antifa-Angehörigen ihre Anonymität nicht preisgeben wollten, wurden nur Zeugenaussagen von Polizeibeamten aufgenommen.[5]

Wessmanns Tod wurde in linksradikalen Kreisen in eine Reihe gestellt mit den Todesfällen von Olaf Ritzmann, Klaus-Jürgen Rattay und Günter Sare, sämtlich Demonstranten, die in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen ums Leben gekommen waren.[6]

GedenkenBearbeiten

 
Conny-Wessmann-Haus des Vereins zur Förderung alternativer Jugendarbeit im sächsischen Großenhain (2012)

Am 25. November 1989 demonstrierten 16 000 Menschen, darunter 2500 Autonome, fast fünf Stunden lang durch Göttingen. Nach der Demonstration kam es zu Straßenschlachten vor dem Jugendzentrum Innenstadt.[7]

Fanden anfänglich monatliche Gedenkveranstaltungen für Conny Wessmann statt, so finden seit Mitte der 1990er Jahre überwiegend jährliche Demonstrationen an ihrem Todestag mit stark schwankenden Teilnehmerzahlen statt, bei denen es in der Vergangenheit auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen autonomen Gruppen und der Polizei kam.[7][8] Ein Verein im sächsischen Großenhain nennt seit 1996 sein alternatives Jugendzentrum, ein ehemaliges Hitlerjugendheim, nach ihr Conny-Wessmann-Haus.[9]

Der Dramatiker Lutz Hübner hat den Tod von Conny Wessmann sowie dessen Konsequenzen in seinem Stück Ausnahmezustand verarbeitet, das 2001 am Deutschen Theater Göttingen uraufgeführt wurde.

An der Stelle, an der Wessmann ums Leben kam , steht seit 1990[10] ein Denkmal.[7]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Conny Wessmann – Sammlung von Bildern

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jörn Barke: Vor 25 Jahren stirbt Conny W.. Göttinger Tageblatt, 16. November 2014.
  2. Göttinger erinnern an getötete Studentin Conny Wessmann hna.de vom 14. Dezember 2014
  3. Immer wieder bricht Gewalt aus von Klaus Pokatzky, in Die Zeit, Nr. 5. 1990 vom 26. Januar 1990, auf zeit.de, gesehen 15. Juli 2009
  4. Tod von Conny Wessmann. Die Göttinger Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Polizisten ein. taz vom 26. Juni 1990. Online.
  5. Conny starb auf der Weender: Straßenschlachten waren die Folge hna.de vom 18. November 2014
  6. Jan Hendrik Schulz: Zur Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) und ihrer Kontexte: Eine Chronik (Überarbeitete Chronik aus dem Jahr 2007). Online auf Zeitgeschichte-online.
  7. a b c Vor 25 Jahren stirbt Conny W. goettinger-tageblatt.de vom 16. November 2014
  8. Göttinger erinnern an getötete Studentin Conny Wessmann. In: HNA. 14. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  9. Mandy Sucher und Susann Klöditz: Großenhain: Ein Treff für alternative Jugendarbeit. In: Sächsische Zeitung. DD+V, Dresden 19. Dezember 2003.
  10. Eine Narbe im Asphalt. In: Jungle World. 12. November 2009, abgerufen am 15. Dezember 2012.