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Christiane Apitzsch

von 1830/31 bis 1837 Robert Schumanns Geliebte, Muse und Mutter seiner Tochter Ernestine

Johanne Christiane Apitzsch (* 21. Juni 1806 in Wehlitz; † 11. Februar 1838 in Leipzig) war möglicherweise von 1830/31 bis 1837 Robert Schumanns Geliebte und Muse sowie die Mutter einer gemeinsamen Tochter.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Christiane Apitzsch war die älteste Tochter des Fischers Johann Gottfried Apitzsch (1782–1846) aus dessen Ehe mit Johanna Sophia Stange (1779–1839). Sie wurde am 21. Juni 1806 auf dem Rittergut Wehlitz bei Schkeuditz geboren und am 24. Juni in der dortigen Albanuskirche getauft.

1830/31 arbeitete sie vermutlich als Dienstmädchen im Hause des Leipziger Klavierpädagogen Friedrich Wieck in der Reichsstraße Nr. 579, wo sie die Bekanntschaft von Robert Schumann machen konnte, der vom 16. Oktober 1830 bis Anfang Oktober 1831 bei Wieck zur Untermiete wohnte.

Dafür, dass es Christiane Apitzsch war, die in Schumanns Tagebüchern ab Mai 1831 unter dem Namen „Christel“ als seine Geliebte auftaucht, existiert „kein Beweis im engeren Sinne […]. Entsprechende Aufzeichnungen sind nicht überliefert.“[2] Am 8. Juni 1831, seinem 21. Geburtstag, gab Schumann „Christel“ den Davidsbündler-Namen „Charitas“, wie auch andere Personen aus diesem imaginären Künstlerkreis entsprechende Namen erhielten. Schumann setzte die Beziehung mit „Charitas“ auch dann noch fort, als er bereits um seine spätere Frau Clara Wieck warb.

Am 2. Januar 1837 brachte Christiane Apitzsch im Leipziger Jacobshospital eine uneheliche Tochter zur Welt, die vier Tage später in der Thomaskirche auf den Namen Louise Ernestine getauft wurde. Als Vater vermerkte der Pfarrer den durch keine weiteren Dokumente belegten „David Veit, Hausmann“.[3] Das Kind wurde vermutlich kurz vor oder nach der Taufe zu den Großeltern nach Wehlitz gegeben.[4]

Möglicherweise bezieht sich Schumanns Tagebuchnotiz vom Januar 1837 auf diese Geburt: „Ein Mägdlein. (a. 5ten, glaub’ ich)“.[5][6] Ob sich ein verloren gegangener Brief von Schumanns engster Vertrauter Henriette Voigt (Davisbündlername: „Eleonore“), den Schumann in einer Tagebuchnotiz vom 4. Oktober 1836 erwähnt, auf die Schwangerschaft „Christels“ bezieht, ist auch ungewiss: „Brief von Eleonore mit Hoffnungen, von denen ich nichts wissen mag.“[7] Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Beziehung mit „Christel“ anscheinend schon beendet. Dass sie ein Kind von ihm gebar, könnte eine Notiz andeuten, in der er über das Jahr 1836 rückblickend festhielt: „Charitas vorgesucht und Folgen davon im Januar 1837“.[7]

Die letzte Begegnung mit „Charitas“ („Christel“) sowie die Zahlung von 2 Talern „[a]n Charitas zu Weihnacht“ vermerkte Schumann unter dem 27. Dezember 1837.[8] Danach wird sie in seinen Aufzeichnungen nicht mehr genannt.

Christiane Apitzsch starb bereits sechs Wochen später an Typhus. In den Leipziger Ratsleichenbüchern wird sie als „Dienstmagd“ bezeichnet.[9]

Einfluss auf Schumanns Krankheit?Bearbeiten

Die Schumann-Forschung glaubte lange Zeit, „Charitas“ sei eine Prostituierte gewesen und habe Schumann mit Syphilis angesteckt,[10] was später – angeblich – zu seinem frühen Tod führte. Ist sie tatsächlich mit Christiane Apitzsch identisch, erscheint diese Annahme eher zweifelhaft.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Robert Schumann: Tagebücher. Band 1, hrsg. von Georg Eismann, Leipzig 1971.
  • Robert Schumann: Tagebücher. Band 2, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1987.
  • Robert Schumann: Tagebücher. Band 3, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1982.
  • John Worthen: Robert Schumann: Life and Death of a Musician, New Haven und London 2007.
  • Klaus Martin Kopitz: Christiane Apitzsch (1806–1838), Robert Schumanns Geliebte „Charitas“. Eine Identifizierung. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 13 (2014), S. 26–54. (PDF)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Martin Kopitz: Christiane Apitzsch (1806–1838), Robert Schumanns Geliebte „Charitas“. Eine Identifizierung. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 13 (2014)
  2. Klaus Martin Kopitz: Christiane Apitzsch (1806–1838), Robert Schumanns Geliebte „Charitas“. Eine Identifizierung. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 13 (2014), S. 53.
  3. Leipzig, Kirchliches Archiv, Taufbuch St. Thomas 1837–1839, fol. 3v–4r, Nr. 22
  4. Klaus Martin Kopitz: Christiane Apitzsch (1806–1838), Robert Schumanns Geliebte „Charitas“. Eine Identifizierung. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 13 (2014), S. 39.
  5. Robert Schumann: Tagebücher. Band 2, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1987, S. 31
  6. Robert Schumann: Tagebücher. Band 2, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1987, S. 459, Anmerkung 53 zu dieser Notiz: „Daß Schumann der Vater des Kindes gewesen sein könnte, erscheint auf Grund der zeitlichen Relationen ausgeschlossen.“
  7. a b Robert Schumann: Tagebücher. Band 2, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1987, S. 28
  8. Robert Schumann: Tagebücher. Band 3, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1982, S. 34
  9. Leipzig, Stadtarchiv, Ratsleichenbücher, Band 40 (1835–1840). Bereits Worthen (2007) hatte vermutet, dass Schumanns „Charitas“ keine Prostituierte war, sondern vorübergehend zum Dienstpersonal der Familie Wieck gehörte.
  10. Vgl. etwa Franz Hermann Frankens Ausführungen bei Bernhard R. Appel (Hrsg.), Robert Schumann in Endenich (1854–1856): Krankenakte, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte (= Schumann-Forschungen, Band 11), Mainz 2006, S. 442–447
  11. Vgl. Klaus Martin Kopitz: Christiane Apitzsch (1806–1838), Robert Schumanns Geliebte „Charitas“. Eine Identifizierung. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 13 (2014), S. 47–50

WeblinksBearbeiten