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Chortiatis (Gemeindebezirk)

Siedlung in Griechenland
Gemeindebezirk Chortiatis
Δημοτική Ενότητα Χορτιάτη
(Χορτιάτης)
Chortiatis (Gemeindebezirk) (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Zentralmakedonien

f6

Regionalbezirk: Thessaloniki
Gemeinde: Pylea-Chortiatis
Geographische Koordinaten: 40° 36′ N, 23° 6′ OKoordinaten: 40° 36′ N, 23° 6′ O
Höhe ü. d. M.: 400 - 460 - 600 m
Filyro - Asvestochori - Chortiatis
Fläche: 109,934 km²
Einwohner: 18.041 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 164,1 Ew./km²
Code-Nr.: 071203
Gliederung: f123 Stadtbezirke
1 Ortsgemeinschaft
Lage in der Gemeinde Pylea-Chortiatis und im Regionalbezirk Thessaloniki
Datei:DE Chortiati.svg

Chortiatis (griechisch Χορτιάτης (m. sg.); englische Transkription Hortiatis) ist ein Gemeindebezirk der Gemeinde Pylea-Chortiatis in der griechischen Region Zentralmakedonien im Osten Thessalonikis. Der Name ist dem gleichnamigen Bergmassiv mit einer maximalen Höhe von 1.201 m entlehnt.

Chortiatis war Schauplatz eines Kriegsverbrechens der deutschen Wehrmacht.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

In der Antike war das Gebiet der heutigen Gemeinde Chortiátis sowie die gesamte Region des Chortiátis-Massivs von der Volksgruppe der Kissitäer (altgriechisch Κισσείται) besiedelt: die Kissitäer wurden in den Tributlisten des Attischen Seebunds erwähnt.[2]

Die Ortschaft Chortiátis geht auf ein spätbyzantinischer Zeit (ca. 1300) vorhandenes Kloster namens Chortaïtes auf den nördlichen Abhängen des Chortiátis zurück.[3] Dieses versorgte die Stadt Thessaloníki und die Region östlich von ihr mit Wasser mittels eines Aquädukts, dessen Überreste teilweise erhalten sind.[3] Im frühen 15. Jahrhundert bildete eine Basilika aus dem späten 12. Jahrhundert unmittelbar vor den Klostergebäuden den Kern für eine Siedlung, das Chortiátis Kástron.[3] 1403 fiel das Chortiátis Kástron nach zwischenzeitlicher Besetzung durch das Osmanische Reich - wie auch die angrenzende Stadt Thessaloniki - wieder an das Byzantinische Reich.[4] 1423 wurde Thessaloniki der Republik Venedig zur Verteidigung gegen das Osmanische Reich übergeben: die Festung Chortiátis, Chortiátis Kástron, wurde vom Osmanischen Reich besetzt.[5]

Die Ortschaft Asvestochóri war zu Beginn ihres Bestehens unter dem Namen Neochóri bekannt; Der Beginn der Siedlungsgeschichte Asvestochóris wird einigen Autoren zufolge auf das 16. Jahrhundert (osmanische Zeit), anderen Autoren zufolge auf das 14. Jahrhundert wegen einer Neochóri erwähnenden Chrysobulle des byzantinischen Kaisers Andronikos IV. datiert.[6]

Im Reiseführer von Karl Baedeker von 1914 wurde das Dorf Chortiátis als Chortiaschköy erwähnt.[7]

Gegen Ende der Besatzungszeit durch die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg wurde die Ortschaft Chortiátis zum Schauplatz eines Kriegsverbrechens. Bei dem Massaker von Chortiatis wurden 149 Bewohner der Ortschaft durch das Jagdkommando Schubert, einer Wehrmachtseinheit aus griechischen Kollaborateuren unter dem Kommando von Fritz Schubert, im Rahmen einer „Vergeltungsaktion“ ermordet.[8][9] Teile der Tötungen wurden auch als Verbrennungen bei lebendigem Leibe durchgeführt.[9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Griechischen Bürgerkrieges 1946 bis 1949 wurden in der Ortschaft Asvestochóri Tuberkulose-Kranke konzentriert.[10] Unter Federführung der United Nations Refugee Relief Agency (UNRRA) wurde für Kosten von einer Million US-Dollar ein Sanatorium für Menschen mit Tuberkulose in Asvesstochóri errichtet.[11]

Ende Januar 2001 wurden auf dem Gebiet der Gemeinde in der Nähe der Ortschaft Asvestochóri 3 g Plutonium in Form von 245 Metallplatten gefunden.[12]

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Anlässlich der Gebietsreform 1997 wurde die Gemeinde Chortiatis aus den zuvor selbständigen Landgemeinden (κοινότητες kinótites) Chortiatis, Asvestochori, Exochi und Filyro gebildet. Der Ort Asvestochori war Verwaltungssitz der Gemeinde.[13] Mit der Umsetzung der Verwaltungsreform 2010 wurde diese mit zwei weiteren Gemeinde zur Gemeinde Pylea-Chortiatis fusioniert und bilden seitdem Gemeindebezirke. Der Gemeindebezirk Chortiatis ist in drei Stadtbezirke und eine Ortsgemeinschaft untergliedert.[14]

Stadtbezirk
Ortsgemeinschaft
griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2011 Städte und Siedlungen
Asvestochori Δημοτική Κοινότητα Ασβεστοχωρίου 07120301 34,344 6393 Asvestochori, Kranos
Exochi Τοπική Κοινότητα Εξοχής 07120302 02,575 1280 Exochi
Filyro Δημοτική Κοινότητα Φιλύρου 07120303 15,700 5495 Filyro
Chortiatis Δημοτική Κοινότητα Χορτιάτη 07120304 57,315 4873 Chortiatis
Gesamt 071203 109,934 18.041

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Chortiátis: Byzantinische Kirche Metamórfosi[15]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Memento vom 27. Juni 2015 im Internet Archive) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Pernille Flensted-Jensen: The Bottiaians and their Poleis. In: Mogens Herman Hansen, Kurt A. Raaflaub (Hrsg.): Studies in the Ancient Greek Polis. Franz-Steiner-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06759-0, S. 124.
  3. a b c Charalambos Bakirtzis: The Urban Continuity and Size of Late Byzantine Thessalonike. In: Alice Mary Talbot (Hrsg.): Symposium on Late Byzantine Thessaloniki. Dumbarton Oaks Papers, No. 57. Symposium on Late Byzantine Thessaloniki. Dumbarton Oaks Papers, No. 57. Dumbarton Oaks Research Library and Collections, Washington DC 2003. S. 36–64, S. 38. doaks.org (Memento des Originals vom 14. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.doaks.org (PDF)
  4. Klaus-Peter Matschke: Die Schlacht bei Ankara und das Schicksal von Byzanz. Studien zur spätbyzantinischen Geschichte zwischen 1402 und 1422. Böhlau, Weimar 1981, S. 75.
  5. Klaus-Peter Matschke: Die Schlacht bei Ankara und das Schicksal von Byzanz. Studien zur spätbyzantinischen Geschichte zwischen 1402 und 1422. Böhlau, Weimar 1981, S. 84.
  6. Georgia Ioannidou-Bitsiadou: New historical elements about the religious and social structure of Asvestohori during the 1830’s. In: Balkan Studies. Band 22, Nr. 1. 1981, S. 115–125, S. 116.
  7. Karl Baedeker: Konstantinopel, Balkanstaaten, Kleinasien Archipel, Cypern. Karl Baedeker, 1914, S. 106.
  8. Stratos N. Dordanas: Reprisals of the German Authorities of Occupation in Macedonia 1941–1944. Dissertation. Fakultät für Geschichte und Archäologie der Aristoteles-Universität Thessaloníki, Thessaloníki 2002, S. 703 ff.
  9. a b Edmund Keeley: Some Wine for Remembrance. White Pine Press, Buffalo NY 2001. ISBN 1-893996-15-8.
  10. C. A. Munkman: American Aid to Greece: A Report on the First Ten Years. Praeger, New York 1958, S. 178.
  11. C. A. Munkman: American Aid to Greece: A Report on the First Ten Years. Praeger, New York 1958, S. 180–181.
  12. Internationale Atomenergie Agentur (IAEA): Illicit Trafficking Database – List of Confirmed Incidents Involving HEU or Pu.. Zitiert nach: Robin M. Frost: Nuclear Terrorism after 9/11. Adelphi Paper 378, Institute of International Strategic Studies (IISS). Routledge, New York 2005, ISBN 0-415-39992-0, S. 14.
  13. Κεντρική Ένωση Δήµων και Κοινοτήτων Ελλάδας (ΚΕΔΚΕ), Ελληνική Εταιρία Τοπικής Ανάπτυξης και Αυτοδιοίκησης (ΕΕΤΑΑ) (Hrsg.): Λεξικό Διοικητικών Μεταβολών των Δήµων και Κοινοτήτων (1912–2001). Athen 2002, Band 2 (Τόμος Β, λ–ω), ISBN 960-7509-47-1, S. 569.
  14. Kallikratis-Programm, Gesetz 3852/2010, «Νέα Αρχιτεκτονική της Αυτοδιοίκησης και της Αποκεντρωμένης Διοίκησης − Πρόγραμμα Καλλικράτης.» ΦΕΚ 87 A/7.6.2010, Άρθρο 1. Σύσταση δήμων. S. 1789. PDF Online (griechisch)
  15. Robert Ousterhout: Master Builders of Byzantium. University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology, Philadelphia 2008, ISBN 978-1-934536-03-2, S. 118.