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Langenstein von Tiengen

Der Langenstein oder Lange Stein, früher auch im Dialekt Chindlistein genannt, ist der südlichste Menhir Deutschlands und steht in Waldshut-Tiengen im Landkreis Waldshut im Südwesten von Baden-Württemberg. Bekannt ist er der Bevölkerung seit jeher als Langenstein und daher stammt auch der Name des Langensteinstadions. Auf der Langensteinwiese an der Wutach hatte im Jahr 1908 der FC Tiengen 08 e. V. seinen ersten Fußballplatz angelegt.

Standort und MerkmaleBearbeiten

„Der Lange Stein erhebt sich auf einem schmalen Terrassenstreifen zwischen dem Nordfuß des Bürgerwaldes [etwas oberhalb der Ein- bzw. Ausfahrt Tiengen West aus dem Bürgerwaldtunnel] und der heute kanalisierten Wutach. Der stark zerklüftete Nagelfluhpfeiler erreicht eine Höhe von 5,92 m über dem Boden. Er ist an seiner Basis nahezu rechteckig und besitzt einen Umfang von 7,50 m bei einem größten Dm. von 1,70 m. Sein Standort in der Wutachniederung lag hart neben einem alten Straßenzug. 858 wurde er das erstmal erwähnt. Die vertikale Ausrichtung der Kieselsteine beweisen das er aufgerichtet wurde. Der Nagelfluhpfeiler, der auch unter dem inzwischen erloschenen Namen Chindlistai bekannt war, bildete im Mittelalter das Symbol des kaiserlichen Landgerichtes im Klettgau.“[1] In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Stein als Germanische Thing-Stätte eine ideologische Bedeutung.[2] Im Herbst 2019 wurden die Tribüne und die restlichen Bauten vom Sportplatz abgebrochen und renaturiert, die Wutach kann den Raum nun als Überschwemmungsgebiet nützen Die Erinnerung an den Chindlistai beruht auf einer Sage.[3] Der Stein gilt als Kulturdenkmal und steht unter Denkmalschutz.

GeschichteBearbeiten

Brigitte Matt-Willmatt schreibt in der Chronik von Lauchringen:

„Nach der Landnahme durch die Alemannen kamen diese zu beratenden Versammlungen an bestimmten Plätzen zum ‚Ding‘ zusammen, und auch das freie kaiserliche Landgericht tagte an diesen altherkömmlichen Dingstätten, wovon als älteste der im Jahre 1020 zum ersten Mal urkundlich belegte Lange Stein bei Tiengen […] bekannt ist.“ Eine Quelle zur Urkunde gibt die Autorin jedoch nicht an.[4]

Sitzungen des Landgerichtes Klettgau sind für 1379 und 1425 bezeugt.[5]

Ein weiterer markanter Stein im Landkreis Waldshut ist der Menhir von Degernau in der Nähe des als Großsteingrab bezeichneten Dolmen von Degernau. Inzwischen sind noch eine Reihe weiterer Megalithen am Hochrhein bekannt.

LiteraturBearbeiten

  • Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins. (Katalogband), Badische Fundberichte, Sonderheft 11, Hrsg.: Staatliches Amt Für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- und Frühgeschichte, Karlsruhe. Freiburg 1969.
  • Ulf Diederichs und Christa Hinze: Alemannische Sagen, S. 147, 1998 ISBN 3-86047-924-5.
  • Johannes Künzig, Schwarzwald Sagen in: Alemannische Stammeskunde I., Paul Zaunert (Hrsg.), 1930.
  • Johannes Groht: Menhire in Deutschland. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-943904-18-5, S. 92.
  • Heinz Voellner: Tiengen Bilder einer alten Stadt, 1987.
  • Alexander Würtenberger, Alte Geschichten vom Oberrhein, S. 5 ff., 1929.
  • FC Tiengen 08 e. V., Chronik des FC Tiengen 1908–2008, Hundert Jahre Faszination Fussball, FC Tiengen 08 e. V. (Hrsg.), 2007, ISBN 978-3-9812003-0-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins. (Katalogband), Badische Fundberichte, Sonderheft 11, Hrsg.: Staatliches Amt Für Ur- und Frühgeschichte Freiburg und Staatliches Amt für Denkmalpflege, Abt. Ur- und Frühgeschichte, Karlsruhe. Freiburg 1969, S. 175. Gersbach nennt die Quelle für die Sitzungen: Urkundenregister Kanton Schaffhausen 1, (1906) 134 Nr. 1085 und 213 Nr. 1739., S. 173.
  2. Bedeutung in der NS-Zeit
  3. Johannes Künzig, Schwarzwald Sagen in: Alemannische Stammeskunde I., Paul Zaunert (Hrsg.) S., 336, 1930
  4. Brigitte Matt-Willmatt, Karl-Friedricht Hoggenmüller: Lauchringen – Chronik einer Gemeinde, Hrsg.: Gemeinde Lauchringen, Lauchringen 1985, S. 116 f.
  5. Egon Gersbach: Urgeschichte des Hochrheins, Freiburg 1969, S. 175. Gersbach nennt die Quelle für die Sitzungen: Urkundenregister Kanton Schaffhausen 1, (1906) 134 Nr. 1085 und 213 Nr. 1739., S. 173.

WeblinksBearbeiten

Koordinaten: 47° 37′ 39″ N, 8° 16′ 31″ O