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Chinchorro-Kultur

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Chinchorro-Mumien
Menschlicher Schädel mit Funeralhelm und Grabbeigaben der Chinchorro-Kultur, ca. 500 – 1000 n. Chr. (Anker Nielsen Museum in Chile)

Chinchorro ist der Name für einen südamerikanischen Kulturkomplex, dessen Träger ein Jäger- und Sammlervolk war. Die Chinchorros lebten im Norden Chiles und Süden Perus um die Wasserlöcher der Wüste Atacama, sowie an der Küste des Pazifiks und ernährten sich hauptsächlich vom Fischfang. Bekannt wurden sie durch ihre aufwendig präparierten Kindermumien, ansonsten weiß man wenig über sie.

Unklar ist der Wissenschaft geblieben, warum die einfach lebenden Nomaden ein so hochentwickeltes aufwändiges Totenritual praktizierten. Heute weiß man, dass im Norden Chiles eine natürliche hohe Konzentration von Arsen im Trinkwasser vorkommt. Die dadurch bedingte hohe Kindersterblichkeit hat möglicherweise zu den bizarren Praktiken geführt. Anfänglich wurden die Kinderleichen nur mit Lehm bedeckt und in der Sonne getrocknet, später entnahm man ihnen die Eingeweide, die Körper wurden mit Pflanzen gefüllt und verziert.

Inhaltsverzeichnis

DatierungBearbeiten

Die ersten Chinchorro-Mumien wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in der Atacama-Wüste gefunden, weltweite Aufmerksamkeit erregten sie aber erst nach der Entdeckung von 96 Mumien zu Füßen eines Felsmassivs oberhalb der chilenischen Stadt Arica im Jahr 1983.[1] Bis 1995 wurden in der Atacama insgesamt 282 Chinchorro-Mumien aus Begräbnisstätten geborgen, von denen 149 künstlich mumifiziert wurden, während die übrigen 133 das Ergebnis natürlicher Mumifikation sind. Die älteste bekannte Chinchorro-Mumie ist der sogenannte Hombre de Acha (Acha-Mann), dessen Alter mithilfe der Radiokarbonmethode auf etwa 9.000 Jahre bestimmt wurde. Er wurde in der Acha-Schlucht am Stadtrand von Arica gefunden, in der Nähe eines Kochherdes inmitten von elf kreisrunden Steinfundamenten, welche die älteste dokumentierte Chinchorro-Siedlung bildeten. Die älteste künstliche Mumie – eine Kinderleiche aus dem Valle de Camarones – konnte auf ungefähr 5050 v. Chr. datiert werden. In den folgenden 3500 Jahren bildeten sich verschiedene Mumienstile heraus, bis die Praxis der Mumifizierung unter den Chinchorro etwa um 1500 v. Chr. zum Erliegen kam.[2]

NamensherkunftBearbeiten

Der Name „Chinchorro“ leitet sich von einem Strandabschnitt her, an dem man in den 1960er Jahren Mumien dieser Kultur gefunden hatte. Nach einer anderen Erklärung, die hierzu keinen Widerspruch darstellen muss, leitet sich der Name von einer Bezeichnung für Fischerboote her.[3]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Charles C. Mann: 1491: New Revelations of the Americas Before Columbus. 2. Auflage. Vintage Books, New York 2011, S. 204.
  2. Bernardo Arriaza: Chile’s Chinchorro Mummies. In: National Geographic. Band 187, Nr. 3, März 1995.
  3. Chinchorro Culture, archaeology.about.com, aufgerufen am 11. März 2015 und Chile’s Chinchorro Mummies, National Geographic Online, veröffentlicht im März 1995

LiteraturBearbeiten

  • Abenteuer Archäologie. Kulturen, Menschen, Monumente. Spektrum der Wissenschaft Verl.-Ges., Heidelberg 2006, 1, S. 9. ISSN 1612-9954
  • Atacama-Wüste: Die rätselhafte Wandlung der Kindermumien, Der Spiegel Online, vom 11. März 2015
  • Nuria Sanz, Bernardo T. Arriaza, Vivien G. Standen (Hrsg.): The Chinchorro culture. A comparative perspective, the archaeology of the earliest human mummification, UNESCO, Paris 2014.

Siehe auchBearbeiten