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Charlie Watts

britischer Schlagzeuger, Mitglied der Rolling Stones
Charlie Watts (2010)

Charles Robert „Charlie“ Watts (* 2. Juni 1941 in Kingsbury, Middlesex, heute im London Borough of Brent, London) ist ein britischer Musiker. Seit Januar 1963 ist er Schlagzeuger der Bluesrock-Band The Rolling Stones.

Inhaltsverzeichnis

Biographie und MusikBearbeiten

 
Watts im Jahr 1965

Charlie Watts wuchs mit seiner Schwester als Sohn eines Lastkraftwagen-Fahrers in Kingsbury nordwestlich von London in der Grafschaft Middlesex (heute im London Borough of Brent) auf und besuchte zwischen 1952 und 1956 die Tylers Croft Secondary Modern School. Als Zehnjähriger entdeckte er seine Leidenschaft für amerikanischen Jazz (v. a. Charlie Parker und später John Coltrane) und Watts baute sich aus einem alten Banjo seine erste Trommel. Zu Weihnachten 1955 bekam er von seinen Eltern Linda und Charles ein einfaches Schlagzeug geschenkt und fand Gefallen am Instrument. Mit dem Nachbarsjungen Dave Green trat er zunächst in der Band des Trompeters Brian „Jo“ Jones auf.

1957 wechselte Watts auf die Kunstschule Harrow School of Art, die er 1960 verließ, um als Grafikdesigner in einer Londoner Werbeagentur zur arbeiten. 1961 entwarf er mit Ode To a High Flying Bird ein Kinderbuch über Charlie Parker, das erstmals 1965 veröffentlicht wurde.

Seit 1960 spielte Watts in der Jazz-Formation Blues By Five, als Alexis Korner auf ihn aufmerksam wurde und ihm anbot, seiner Band Blues Incorporated als Schlagzeuger beizutreten. Doch Watts musste bis Februar 1962 beruflich nach Dänemark und nach seiner Rückkehr spielte er im Trio des Komikers und Pianisten Dudley Moore. Kurz darauf trat er Blues Incorporated bei und lernte während eines Auftritts im Ealing Club den Gitarrist Brian Jones kennen. Nach einem Auftritt im April 1962 wurde der junge Mick Jagger als Sänger der Band engagiert.

Im Juni 1962 trennten sich Jones und Jagger von Blues Incorporated und gründeten mit Keith Richards, Dick Taylor, Ian Stewart und Mick Avory die Rolling Stones. Im Dezember 1962 verließ Watts Blues Incorporated, da er sich für nicht gut genug hielt, um mit so ausgezeichneten Künstlern zusammenzuspielen. Zur gleichen Zeit wurde bei den Stones der Bassist Dick Taylor durch Bill Wyman ersetzt. Da auch Mick Avory die Stones verließ, um bei den Kinks einzusteigen, trat die Band kurzzeitig ohne Schlagzeuger auf. Nach einem „Aufnahmegespräch“ zwischen Ian Stewart und Watts traten die Rolling Stones am 12. Januar 1963 erstmals mit Charlie Watts am Schlagzeug auf – eine Besetzung, die Jahrzehnte Bestand haben sollte. Aufgrund seines trockenen, direkten Schlagzeugstils gilt er als das rhythmische Fundament der Band und wurde 1989 mit ihr in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

In den 1970er- und 1980er-Jahren war Watts lange alkoholabhängig, konnte sich aber durch Selbstdisziplin und Konsequenz erfolgreich von dieser Sucht lösen. In den 80er-Jahren tourte er mit einer eigenen Big Band, der Musikerkollegen wie Jack Bruce, Evan Parker und Courtney Pine angehörten. 2001 war er in Japan mit einem Tentett, das sich auf Jazz konzentrierte.

Seit 2010 ist Charlie Watts vermehrt mit der 2009 gegründeten Band The ABC&D of Boogie Woogie unterwegs. Die Buchstaben A, B, C und D stehen für die Anfangsbuchstaben der Vornamen der Bandmitglieder. Neben Watts sind an dem Boogie-Woogie- und Swing-Projekt die beiden Pianisten Axel Zwingenberger und Ben Waters sowie der Kontrabassist Dave Green beteiligt, mit dem Watts seit dem fünften Lebensjahr befreundet ist. Sie spielten unter anderem Konzerte in Monaco, Paris, in der Londoner Royal Festival Hall, in Hamburg, München, Prag, Monte Carlo, Graz und Bad Ischl. Ende Oktober 2010 folgte ein weiterer Auftritt im Rahmen des Festivals Steinegg Live in Steinegg bei Bozen. Auch 2011 und 2012 ging die Band auf kleinere Tourneen, 2012 trat sie dabei erstmals außerhalb Europas in New York auf.

Der Rolling Stone listete Watts 2016 auf Rang zwölf der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten.[1]

InstrumenteBearbeiten

Charlie Watts spielt ein Schlagzeug der Firma Gretsch, in der Konfiguration: Bass Drum, Hänge-Tom (das er separat auf einem Ständer positioniert), Stand-Tom, Snare, Hi-Hat und vier Becken.

PrivatesBearbeiten

Watts ist seit 1964 mit seiner Frau Shirley verheiratet. Ihre Tochter wurde 1968 geboren. Er und Keith Richards sind die Mitglieder der Rolling Stones, die nur einmal geheiratet haben. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er in Devonshire das Vollblutaraber-Gestüt Halsdon.[2] 2004 diagnostizierte man beim ehemaligen Raucher Watts Kehlkopfkrebs. Nach einer Strahlentherapie ist er genesen und ging im August 2005 mit den Stones erneut auf Welttournee.

SoloprojekteBearbeiten

  • Rocket 88Rocket 88 (1981)
  • Live – Fulham Town Hall – The Charlie Watts Orchestra (1986)
  • Tribute to Charlie Parker With Strings – Charlie Watts (1992)
  • From One Charlie – Charlie Watts Quintet (1992)
  • Warm & Tender – Charlie Watts (1993)
  • Long Ago & Far Away – Charlie Watts (1996)
  • Charlie Watts/Jim Keltner Project – Charlie Watts & Jim Keltner (2000)
  • Watts at Scott’s (live) – Charlie Watts & The Tentet (2004)
  • The Magic of Boogie Woogie – Charlie Watts, Axel Zwingenberger, Dave Green (2010)
  • Boogie 4 Stu – A Tribute To Ian StewartBen Waters (2011)
  • Live in Paris – The ABC&D of Boogie Woogie (2012)
  • Charlie Watts Meets the Danish Radio Big Band (2017)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 100 Greatest Drummers of All Time. Rolling Stone, 31. März 2016, abgerufen am 6. August 2017 (englisch).
  2. Hossein Amirsadeghi (Hrsg.): Das Arabische Pferd - Mythen und Legenden & Geschichte und Gestüte. München, 1999; S. 211.

LiteraturBearbeiten

  • Charlie Watts: Der swingende Stein (Interview) Jazzthetik 95 (2012): 56–58

WeblinksBearbeiten

  Commons: Charlie Watts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien