Char Darah

Distrikt in Afghanistan

Char Darah (Paschto/Dari: چار دره Char Darreh, auch Chahar Darreh oder Chara Dara) ist ein Distrikt in der Provinz Kundus in Afghanistan.[1] Er wird mehrheitlich von Paschtunen bewohnt.[2]

Distrikt Char Darah
Bezirke der Provinz Kundus; Char Darah in orange
Bezirke der Provinz Kundus; Char Darah in orange
Basisdaten
Staat Afghanistan
Provinz Kundus
ISO 3166-2 AF-KDZ
Koordinaten: 36° 42′ N, 68° 48′ O

GeschichteBearbeiten

Der Distrikt zählt zu den umkämpftesten Gebieten im Krieg in Afghanistan seit 2001.[1] In Char Darah kamen immer wieder Bundeswehrsoldaten ums Leben. Außerdem wurde von Stellungen in der Region aus das Bundeswehrfeldlager in Kundus beschossen.[2]

Im Juli 2009 fand in Char Darah die Operation Oqab, eine Militäroffensive von 300 deutschen und 900 afghanischen Soldaten, statt.[2] Dabei wurden auch Panzer und schwere Waffen eingesetzt.[3]

Im September 2009 wurden in dem Distrikt beim Luftangriff bei Kundus bis zu 142 Menschen getötet.[1]

Im Dezember 2009 fand die Operation Expand to Southern Chahar Darreh statt. Ziel war es, einen permanenten Außenposten in Char Darah auf der Höhe 431 zu errichten und das Vertrauen der Bevölkerung in die einheimischen Sicherheitskräfte zurückzugewinnen.

Im September 2010 konnte ein Kommando des Kommando Spezialkräfte (KSK) in einer Nachtaktion den hochrangigen Taliban-Führer Maulawi Roshan in einem Gehöft in Char Darah festnehmen.[4]

Der Süden des Distrikts war im Herbst 2010 Haupteinsatzgebiet der Operation Halmazag. Nach schweren Gefechten mit Einsatz von Luft- und Artillerieunterstützung erklärte die Bundeswehr die Operation zu einem Erfolg und sprach von einem Rückzug der Taliban. In dem Ort Quatliam wurde ein neuer Außenposten geschaffen, welcher vom Ausbildungs- und Schutzbataillon Kundus gehalten wird. Die Höhe 431 konnte im Zuge der Operation aufgegeben werden.[1]

Am 9. März 2011 sollen, laut dem Polizeichef von Char Darah, Gulam Mahidin, deutsche ISAF-Soldaten eine Frau erschossen haben. Eine weitere Frau wurde verletzt.[5] Laut einer Bundeswehr-internen Untersuchung sind die deutschen Soldaten nicht für den Tod und die Verletzung verantwortlich.[6]

Ab August 2011 begann in Char Darah die Operation Omed (afghanisch für „Hoffnung“). Dabei zeigte die Bundeswehr massive Präsenz.[7]

Die ersten Offensivoperationen der Bundeswehr wie die Operation Halmazag 2010 und die intensive Operationsführung der Ausbildungs- und Schutzbataillone 2011 führte zu einer vorübergehenden Beruhigung in dem Unruhedistrikt. Nach Abzug der Bundeswehr aus Kundus is es hier wieder verstärkt zu Kampfhandlungen, auch zur temporären Einnahme der Stadt Kundus gekommen.[8]

Dörfer und StädteBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Bundeswehr meldet Erfolg im Kampf gegen Taliban. In: Frankfurter Rundschau. 16. November 2010, abgerufen am 17. November 2010.
  2. a b c Hintergrund: Der Unruhedistrikt Char Darah. In: Focus. 7. September 2009, abgerufen am 3. Februar 2012.
  3. Bundeswehr erobert Taliban-Hochburg zurück. In: Stern. 23. Juli 2009, abgerufen am 3. Februar 2012.
  4. Matthias Gebauer: Elitekommando KSK fasst Top-Taliban (Deutsch) Spiegel. 22. September 2010. Abgerufen am 22. September 2010.
  5. Schwere Vorwürfe gegen deutsche Soldaten in Kunduz. In: ORF. 10. März 2011, abgerufen am 10. März 2011.
  6. Bericht: Afghanin nicht von Deutschen getötet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. März 2011, abgerufen am 14. März 2011.
  7. Andrè Spangenberg: Das «kleine Wunder» von Nawabad. In: Mitteldeutsche Zeitung. 26. September 2011, abgerufen am 7. Juli 2021.
  8. Afghanistan: Taliban haben Kundus vollständig erobert. In: Die Zeit. 28. September 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 23. April 2017]).